Nov 9, 1989

Der Fall der Berliner Mauer

German Federal Archives

Öffnung der Grenzstellen und Aufhebung der Reisebeschränkungen in der DDR nach dem 9. November 1989

November 1989: 28 Jahre sind seit dem Bau der Berliner Mauer und der damit verbundenen Trennung von Ost und West vergangen. Fluchtversuche wurden trotz des hohen Risikos immer wieder unternommen. Auch nach fast drei Jahrzehnten änderte sich daran nichts – im Gegenteil. Je größer der Unmut der DDR-Bürger und die Probleme der DDR-Regierung wurden, desto klarer zeichnete sich ab, dass eine Veränderung unausweichlich war. Dass die Zahlen der unternommenen Fluchtversuche dann innerhalb zweier Monate um 85,7 % rückläufig wurden, war auf ein bis dato ein- und erstmaliges Ereignis seit Gründung der DDR zurückführen: Die Bekanntgabe einer neuen Reiseregelung der DDR. Während sich die Zahl der Fluchtversuche aus Richtung der DDR im Oktober 1989 noch auf 182 belief, verringerte sich die Anzahl der versuchten Grenzübertritte im Folgemonat November auf 26.

"Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen... Also, Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt... Das tritt nach meiner Kenntnis, äh, ist das sofort, unverzüglich."
Mit diesen geschichtsträchtigen Worten gab SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die neue Reiseregelung am Abend des 09. November 1989 bekannt. Die wahre Bedeutung dieser Aussage war für Viele kaum fassbar: Ab sofort war die Ausreise jederzeit für alle DDR-Bürger gestattet.

Kaum erreichte die Meldung durch die Live-Übertragung der Pressekonferenz und die nachfolgende Berichterstattung in Fernsehen und Radio die Bevölkerung, liefen immer mehr Menschen auf die Straße. Tausende Ost- und West-Berliner versammelten sich an der Berliner Mauer und forderten den Durchlass. Da der Zeitpunkt für die neue Reiseregelung eigentlich erst für den Folgetag geplant war, hatten die diensthabenden Grenzsoldaten bis zu diesem Zeitpunkt keinen Befehl zur Öffnung der Grenze erhalten. Die versammelte Menge vor den Grenzübergängen forderte immer lauter und deutlicher die Öffnung der Grenze. Etwa drei Stunden nach der Bekanntgabe der neuen Regelung konnten dann tatsächlich die ersten Bürger aus der DDR die Grenze überqueren und nach Westberlin bzw. in die BRD reisen.

Allein mit der Öffnung bereits bestehender Grenzübergänge konnte der große Ansturm an ausreisewilligen Menschen jedoch nicht bewältigt werden. Alle Grenzübergänge waren überlaufen und die Grenzsoldaten überfordert.

Dies stellte für die Regierung eine organisatorische und logistische Herausforderung dar. Die Ministerien und Grenzkommandanten versuchten, das Chaos so gering wie möglich zu
halten, errichteten nur Stück für Stück einige weitere Grenzübergänge. Der Minister für Nationale Verteidigung, Heinz Keßler, schrieb am 15. November 1989 in einem Brief an den Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, Egon Krenz: „Es wurde herausgearbeitet, dass die Einrichtung weiterer Grenzübergangsstellen [...] nicht gesichert werden kann.“ Bereits einen Tag später musste jedoch auch er erkennen, dass die Situation an den Grenzen „außerordentlich ernst“ sei und schlug vor, weitere Grenzübergangsstellen zu eröffnen.

Auch an anderen Übergängen der innerdeutschen Grenze wollen tausende DDR-Bürger in die Bundesrepublik reisen. Kilometerlange Schlangen aus Menschen und Fahrzeugen warten stundenlang, während ihr Unmut weiter zunimmt. Allein zwischen dem 9. und 18. November wurden vom Ministerium des Innern weit über 10 Millionen Visa für Privatreisen erteilt.

Die vermehrten Forderungen, nicht nur einzelner Bürger sondern auch ganzer Städte und Kreise, nach weiteren Übergangsstellen, erreichten die Ministerien Tag für Tag. Dazu äußerte sich der Minister für Nationale Verteidigung am 15. November: „Eine weitere Erhöhung der Anzahl der Grenzübergangsstellen sollte nicht von den Forderungen der Bevölkerung des grenznahen Gebietes abhängig gemacht [...] werden.“. Doch währenddessen wurden schon, ohne die eigentlich notwendigen Beschlüsse des Ministerrates, Übergangsstellen auf Druck der Bevölkerung geöffnet.

Während zum Zeitpunkt des Baus der Mauer am 13. August 1961 13 Grenzübergangsstellen gebaut wurden, existierten bis zum 20. April 1990 an der Grenze zu West-Berlin 51 Übergangsstellen (193 an der Grenze zur Bundesrepublik).
Mit der neuen Reiseregelung vom 9. November 1989 wurde der Grundstein für eine gemeinsame Visapolitik der BRD und DDR gelegt

Credits: Story

Erarbeitung der Galerie: Susanne Meinicke, Bundesarchiv

Quellen:
DVW 1 - Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR
Bild 183 - Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst - Zentralbild" und "Alltagsfotos"
B 145 Bild - Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Bildbestand)

Credits: All media
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