Klänge für zu Hause

Deutsche Grammophon

Grammophon und Schallplatte eröffneten bei hoher Tonqualität und erschwinglichem Preis jedermann die Welt der Musik – ob Klassik, Jazz, Rock oder Pop.

Wie die Musik in unsere Wohnzimmer kam
Lange schien es ein unerfüllbarer Wunsch der Menschheit zu sein, Töne zu konservieren. Davon zeugen viele philosophische Betrachtungen, Geschichten und Märchen. Thomas Alva Edison gelang es 1877, den Ton zu bannen und ihn über den Phonographen wieder abzuspielen. Der gebürtige Hannoveraner Emile Berliner (1851-1929) entwickelte aus diesen Erfahrungen 1887 das Grammophon. Seine Idee war es, mit Hilfe der Schallplatte die Musik einem großen Publikum zugänglich zu machen. Zusammen mit seinen Brüdern Joseph und Jacob gründete er 1898 die Deutsche Grammophon Gesellschaft in Hannover. Die klingende Scheibe eroberte von hier aus die Welt.

Das Jahr 1887 stellt einen Meilenstein in der Entwicklung der seit Jahrhunderten erwarteten Tonkonservierung dar. Emile Berliner meldete in diesem Jahr das Grammophon als Patent an. Im Unterschied zu Edison sah Berliner in seiner Erfindung von Anfang an ein Gerät für die Wiedergabe von Musik und keine »Sprechmaschine« für Diktate.

Musik begleitet den Menschen durch sein Leben. Musik löst Gefühle aus. Ob der Hörer Orgelklängen in der Kirche, Ouvertüren in der Oper oder rockigen Sounds in Arenen Iauscht – Musik geht unter die Haut. Ihr Klang kann Enthusiasmus, aber auch stille Empfindungen hervorrufen.

Jede Kultur hat ihre Musik. Bereits vor tausenden von Jahren musizierten die Menschen. In der biblischen Geschichte gilt Jubal als Erfinder des ersten Musikinstrumente. Auf religiöse Lieder folgten in späteren Jahrhunderten Musikstücke verschiedener Gattungen, wie klassische Musik, Volkslieder‚ Unterhaltungmusik, Arbeiterlieder und Militärmusik.

Seit Erfindung der Tonkonservierung kann jedes Musikstück auch außerhalb des Konzertsaals in privater Atmosphäre genossen werden. Die Schallplatte galt über einen Zeitraum von 100 Jahren als erfolgreichste Tonkonserve und findet bis in die Gegenwart immer wieder neue Liebhaber.

Für Bürger mit durchschnittlichem Einkommen waren die ersten Grammophone und Schallplatten unerschwinglich. Durch verbesserte Produktionsverfahren konnten die Preise laufend gesenkt werden.

Titta Ruffo with Orchestra: Charles Gounod - Faust - Avant de quitter ces lieux (sung in Italian translation). (1907)

Gezielte Werbekampagnen ließen den Absatz sprunghaft ansteigen. Ab Mitte der Zwanziger etablierte sich das Grammophon in vielen Privathaushalten. Der gut sortierte Fachhandel verkaufte Schallplatten und Grammophone.

Ab 1925 wurde das akustisch-mechanische Aufnahme- und Wiedergabeverfahren weltweit durch das elektroakustische ersetzt. Diese Neuerung machte Neuaufnahmen des gesamten Repertoires notwendig. Die bessere Hörqualität überzeugte die Hörer, das Geschäft mit der Platte boomte.

Otto Reutter with Orchestra: Wie reizend sind die Frauen (1927)

Die Produktion von Schellackplatten wurde Ende der 1950er Jahre eingestellt. Die Stereo-Langspielplatte aus Vinyl brachte ab 1958 einen noch nie dagewesenen Hörgenuss – so, als wäre man live dabei.

Besonders hervorzuheben ist der soziale Stellenwert der Schallplatte. Durch ihre Verbreitung im 20. Jahrhundert verlor das Musikhören an Exklusivität. Denn auch noch vor 100 Jahren genossen nur wenige privilegierte Bürger musikalische Klänge in einem Saal oder auf einer Freilichtbühne.

Erst die Schallplatte eröffnete bei hoher Tonqualität und erschwinglichem Preis jedermann die Welt der Musik.

Im heutigen digitalen Zeitalter hat man oft nichts mehr in den Händen. Musikbesitz hat nur noch wenig mit dem Besitzerstolz vergangener Zeiten gemein. Das Internet bietet dem Nutzer jedoch andere Möglichkeiten. Wenn sich auch die Medien gewandelt heben – die Musik berührt die Menschen, in jedem Alter und jeder Kultur.

Argerich, Berlin Philharmonic, Abbado: Sergei Prokofiev - Piano Concerto No. 3 in C major, Op. 26 - 3. Allegro ma non troppo
Mitwirkende: Geschichte

Texte von Gabriela Kilian

Basierend auf der Ausstellung 78, 45, 33 – vom sanften Ton zum starken Sound im Museum Energiegeschichte(n).

Quelle: Alle Medien
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