Historischer Rundgang durch die Speicherstadt

Speicherstadt digital

Entdecke die Vergangenheit von Hamburgs Weltkulturerbe.

Willkommen beim historischen Rundgang durch die Speicherstadt! Wir stehen hier auf der Brooksbrücke, heute wie damals einer der Hauptzugänge, um von der Cityseite aus übers Wasser zur Speicherstadt zu gelangen.

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Genau an diesem Punkt hat Kaiser Wilhelm II. Am 29. Oktober 1888 während einer feierlichen Zeremonie den Schlussstein für diese Brücke gesetzt. Es war wirklich eine sehr pompöse Angelegenheit, Tausende säumten die Straßen, es war ein sogenannter Kaisertag in der Stadt ausgerufen worden und alle Kinder hatten schulfrei. Damit war die Speicherstadt von höchster Stelle aus eingeweiht.

Das kunstvoll verschnörkelte Backsteinstor ist später den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen. Der Schlussstein konnte allerdings gerettet werden ...

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... und ist mittlerweile in diese Flutschutzmauer eingemauert worden, gut zu erkennen an den goldenen Lettern.

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Wir sind jetzt einmal über die Brücke rübergelaufen und gucken zurück Richtung City. Auf dem Sockel: Eine Statue von Kaiser Friedrich Barbarossa. Dieser soll den Hamburgern am 7. Mai 1189 eine Urkunde ausgestellt haben, welche den Kaufleuten der Stadt unter anderem erlaubte, ihre eingeführten Waren in der Stadt zollfrei zu lagern. Was wir mittlerweile wissen: Dieses Dokument ist eine Fälschung, die sich die Hamburger 75 Jahre nach dem genannten Datum quasi selbst ausgestellt hatten. Trotzdem feiert man immer noch sehr gerne jedes Jahr den Hafengeburtstag an eben diesem 7. Mai.

Obwohl Kaiser Barbarossa also nichts unterschrieben hatte, galt die Zollfreiheit jahrhundertelang. Als Hamburg aber 1871 Teil des Deutschen Reiches wurde, bedeute dies aber über kurz oder lang auch den Anschluss ans deutsche Zollgebiet. Und der kam dann auch 1888.

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Allerdings hatten die Hamburger in den Verhandlungen dazu eine wichtige Ausnahmeregelung herausgeschlagen: Und das war nämlich das Freihafengebiet, in dem als zentraler Ort der Warenlagerung eben auch die Speicherstadt entstand. Der Freihafen lag außerhalb des Deutschen Zollgebiets und die Waren wurden erst mit Zöllen belegt, wenn sie die Speicherstadt verließen.

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Wir sind jetzt von der Brooksbrücke einfach noch einmal 50 Meter weiter in die Speicherstadt reingelaufen und stehen hier auf der Sandbrücke. Auf der einen Seite des Fleets eine typische Reihe von sehr langgezogenen Speichergebäuden, davon gegenüber seht ihr das Kesselhaus.

Früher war das Kesselhaus die Energiezentrale der Speicherstadt. Da wurde mit Kohle und Dampf die Energie erzeugt, die man in erster Linie für die hydraulischen Seilwinden brauchte, die früher noch in jedem Speicher zum Einsatz kamen. Wenn man an den Speichern nach oben guckt, sieht man grüne Erker, von da kamen die Seile raus, mit denen die Ware an den Haken genommen wurde und dann in die einzelnen Stockwerke – die hier in der Speicherstadt „Böden“ genannt wurden – gebracht werden konnte. Ebenso modern wie diese hydraulischen Winden muss den damaligen Zeitgenossen übrigens das elektrische Licht in den Speichern vorgekommen sein – die Speicherstadt war der erste Bereich in Hamburg, in dem man in dieser Form das Licht anknipsen konnte. Und auch die Energie dazu kam, natürlich, aus dem Kesselhaus.

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Der erste Abschnitt der Speicherstadt wurde ziemlich flott, innerhalb von nur fünf Jahren gebaut und eben 1888 eingeweiht. Peu a peu kamen dann in den Jahrzehnten danach weitere Bauabschnitte dazu, denn der erste Teil war bei seiner Eröffnung schon zu klein.

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Aber was war hier eigentlich, bevor es die Speicherstadt gab? Bauliche Überreste gibt es keine mehr. Das liegt einfach daran, dass man die frühere Bebauung gnadenlos abgerissen hat und 20.000 Menschen zwangsumsiedelte, um Platz für die Speicher zu machen.

Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1880, nur wenige Jahre vor dem Bau der Speicherstadt. Ein großer Teil dieses Gebiets bestand aus windschiefen, überbelegten Häusern und engen Gassen. Die hygienischen Standards waren niedrig und Krankheiten konnten sich leicht ausbreiten.

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Dieser Fleet, auf dem wir gerade fahren, erzählt uns zumindest von seinem Namen her etwas von früher: Wandrahmsfleet, passend dazu liegt vor uns die Wandrahmsfleetbrücke. Der Wandrahm war eine Elbinsel, auf der noch bis ins 17. Jahrhundert die sogenannten Wandbereiter tätig waren. Die Wandbereiter stellten Gewänder und Stoffe her, die sie dann nach dem Walken und Färben auf große Rahmen spannten und diese dann hier zum Trocknen aufstellten.

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Hier noch ein weiterer Hinweis auf die Vorgeschichte der Speicherstadt: „Holländischbrookfleet-Brücke“ steht hier zu lesen. In diesem Bereich hatten sich im 17. und 18. Jahrhundert vor allem Kaufleute aus den Niederlanden niedergelassen. Während im westlichen Bereich der späteren Speicherstadt vor allem Arbeiter und Handwerker in einem sehr dichtgedrängten Gängeviertel wohnten, standen auf dieser Ecke die so ziemlich schönsten barocken Bürgerhäuser der Stadt. Das half aber alles nichts: Auch diese Häuser mussten Platz machen für Speichergebäude.

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Das dabei aber trotzdem ganz schicke Gebäude herausgekommen sind, beweist das so genannte Wasserschloss, was hier ein wenig für sich steht und euch sicherlich schon ins Auge gefallen ist. Hier waren früher die Unterkünfte und Werkstätten für die Windenwärter der Speicherstadt. Deren Aufgabe war es, sich um den technischen Support der vielen hydraulischen Winden zu kümmern, von denen ich eben schon erzählt hatte. Damit die Winden bei Problemen nicht allzu lange stillstanden, gehörten die Windenwärter übrigens zu den wenigen Menschen, die das Privileg hatten, in der Speicherstadt zu wohnen.

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Dieses selbst für Speicherstadt-Verhältnisse sehr repräsentative Gebäude wurde und wird im Volksmund „Rathaus der Speicherstadt“ genannt. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass hier seit 1903 die Institution zu Hause ist, die für den Bau und die Verwaltung der Speicherstadt zuständig ist: Die Hamburger Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft, heute als Hamburger Hafen Logistik AG bekannt. Der Rathaus-Titel hat aber noch einen anderen Hintergrund: Tatsächlich wirkten hier die gleichen Architekten mit, die bereits das eigentliche Rathaus in der Innenstadt entworfen hatten.

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Und so sieht das Gebäude heute aus. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, dann ein sehr modernes Gebäude, das ehemalige Freihafenamt. Dieses Gebäude entstand 1953 als Teil des Wiederaufbaus der Speicherstadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Und dieser Wiederaufbau ist sehr verbunden mit dem Namen des Hamburger Architekten Werner Kallmorgen, der auch dieses Gebäude entwarf.

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Dies sind die Ruinen des Speichergebäudes, das hier vorher stand. Das Bild entstand nach einem Luftangriff im Juli 1944.

Nach dem Krieg lag die Hälfte der Speicherstadt in Trümmern. Neubauten wurden überall dort realisiert, wo nichts mehr zu retten war – also wie in diesem Fall.

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Wo aber noch Hoffnung bestand, entschied sich Kallmorgen für einen anderen Weg: So wie auf dieser Fassade gegenüber vom Kesselhaus geschehen, wurden die Bombenschäden Stein für Stein in mühevoller Kleinarbeit beseitigt. Das, was weg war, wurde auf diese Weise originalgetreu rekonstruiert und man kann Alt und Neu hier ganz gut an den unterschiedlichen Färbungen der Ziegelsteine erkennen.

Die Speicher steht seit 1991 unter Denkmalschutz und 2015 ist nun auch noch der Titel „Weltkulturerbe“ von der UNESCO dazu gekommen. Man kann davon ausgehen, dass dieser detailverliebte Wiederaufbau sehr zu dieser Auszeichnung beigetragen hat.

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Wir machen uns zum Abschluss unseres Rundgangs noch einmal auf den Weg in die Gegenwart. Die Straße Am Sandtorkai unter uns markiert den südlichen Abschluss der Speicherstadt und ist heute gleichzeitig die Grenze zur benachbarten Hafencity. Wir stehen somit zwischen dem Megabauprojekt der Vergangenheit und dem Megebauprojekt der Gegenwart. Früher schloss hier der Sandtorhafen an, der schon 1866, also gut 20 Jahre vor der Speicherstadt in Betrieb genommen und damals einer der modernsten Häfen der Welt war.

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Mitwirkende: Geschichte

Autor: Johannes Huhmann, Waterkant Touren
Sprecher: Alexander Böhm

Quelle: Alle Medien
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