Erwin Axer (1917-2012)

Theatre Institute in Warsaw

Regisseur, Pädagoge, Schriftsteller, Direktor des Modernen Theaters in Warschau (1949-1981) und des Nationaltheaters (1954-1957).

1. Wien (1917-1920)
Die Vorfahren der Familie Axer kamen im frühen neunzehnten Jahrhundert von Lettland nach Galizien. Die polnische Wissenschaft, sowie das kulturelle und politische Leben entwickelten sich unter der österreichischen Herrschaft praktisch ungestört. Der Vater des Regisseurs, Maurycy Axer (1886-1942), ein bekannter Rechtsanwalt, wurde in Przemysl geboren. Während des I. Weltkriegs kämpfte er als Offizier der österreichisch-ungarischen Monarchie vier Jahre lang an russischen, italienischen und albanischen Fronten. Seine Mutter, Fredericke Ernestine, geb. Schuster (1894-1982), wurde in einer bürgerlichen wohlhabenden Familie in Kolomyja geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in Drohobycz und Lemberg. Im Jahr 1914 zog sie nach Wien. Maurycy und Fredericke lernten sich in Lemberg kennen und heirateten am 20. Februar 1916 in Wien. Ihr erster Sohn, Erwin Axer, wurde am 1. Januar 1917 in Wien als Untertan der Österreichisch-Ungarischen Monarchie geboren. Am 28. November 1918 wurde der Familie ein zweiter Sohn, Henryk, geboren. Die Erziehung der beiden Jungen übernahm eine Gouvernante. Ihre erste Sprache war Deutsch. Die Axers verbrachten die Sommermonate in Baden, einem Kurort in der Nähe von Wien. Mit diesem Ort sind auch die ersten Theatererinnerungen Erwin Axers verbunden, der dort oft das Puppentheater namens „Das Kasperletheater“ sowie das österreichische Volkstheater besuchte.
2. Lemberg (1920-1935)
Die Axer-Familie kehrte 1920 nach Polen zurück. Der Vater mietete eine Wohnung im Zentrum Lembergs, wo er eine Anwaltskanzlei gründete. Innerhalb kurzer Zeit wurde er einer der bekanntesten Anwälte und Verteidiger für Strafverfahren, darunter übernahm er die Verteidigung der Angeklagten im berühmten Gorgonowa-Prozess. Ihr wurde die Ermordung der Tochter ihres Lebensgefährten vorgeworfen. In Lemberg, einer der größten Städte der sogenannten II. Republik, verbrachte Erwin Axer seine Kindheit und die frühen Jugendjahre. In dieser multiethnischen Stadt zwischen Westen und Orient, in der Vertreter vieler Nationen und Religionen in voller Symbiose zusammenlebten, entwickelte sich ein Klima der Toleranz und Respekt für alles, was anders war. Die Lemberg-Atmosphäre wird im späteren Leben Erwin Axers ein konstanter Bezugspunkt sein. Maurycy Axer war Rechtsberater des Stadttheaters in Lemberg. Bei Axers waren oft prominente Regisseure, Vorläufer des polnischen Monumentaltheaters, wie Wilam Horzyca (1889-1959) und Leon Schiller (1887-1954) zu Gast. Erwin Axer kannte sie persönlich, und in der ersten Hälfte der dreißiger Jahre besuchte er immer wieder die Lembergischen Inszenierungen von Horzyca und Schiller. Dank dieser Faszination reifte die Entscheidung über die Wahl seines Berufs stetig voran.
3. Studium am Polnischen Institut der Theaterkunst PIST, (1935-1939), als Student Leon Schillers.
Leon Schiller leitete das Polnische Institut der Theaterkunst (PIST) in Warschau. Im Oktober 1935 wurde Erwin Axer dort der jüngste Student in der Geschichte der Fakultät für Theaterregie. Dies konnte nur dank Schillers Protektion geschehen, der die Vorschrift über die Aufnahme von ausschließlich Studenten mit einem abgeschlossenen Studium aufhob. So wurde Axer sein Student und er beendete das Studium am PIST 1939. An der Fakultät für Theaterregie assistierte Axer bei Schillers Inszenierung von William Shakespeare’s Coriolanus am Großen Theater in Lemberg (1936), bei der Inszenierung von Friedrich Schillers Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (1937) und bei Thornton Wilders Unsere Stadt (1939) im Nationaltheater in Warschau. Unter Schillers Aufsicht führte er auch Regie seiner eigenen Schul-Produktionen am PIST, darunter Ausschnitte aus Paul Claudels L'Annonce faite à Marie (1938) und August Strindbergs ”Fräulein Julie“ (1939) am Neuen Theater (der Nebenszene des Nationaltheaters). Axer erlernte seinen Beruf unter Schillers Einfluss, der ihn als Regisseur geformt hatte. Sein Stil unterschied sich jedoch deutlich von Schillers Theater. Axer bewegten keine großen Produktionen der romantischen und neuromantischen Werke, worauf die Vorstellung seines Professors von Monumentaltheater basierte.
4. Krieg (1939-1945)
Im September 1939 sollte Erwin Axer die Stelle des Regieassistenten am Nationaltheater übernehmen, der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs vereitelte aber diesen Plan. Er kehrte in das inzwischen von den sowjetischen Truppen besetzte Lemberg zurück, wo das Polnische Theater noch bis 1941 funktionierte. Er half bei der Aufräumung der Bibliothek und unterstützte Bronislaw Dabrowski bei der Premierenvorstellung des Theaterstücks Frau Dulska’s Moralsinn von Gabriela Zapolska. Er erwarb ebenfalls einen Etat der dritten Kategorie als Schauspieler und spielte kleine Theaterrollen. Im Jahr 1940 war er als Assistent von Wladyslaw Krasnowiecki tätig, der das Theaterstück Rache von Aleksander Fredro inszeniert hatte. Am 28. Mai 1941 debütierte Erwin Axer als Regisseur von Zapolskas Panna Maliczewska. Im Juni 1941 erklärte Deutschland Russland den Krieg. Im Juli, nach der Besetzung Lembergs, wurde die Verordnung über Zwangsarbeit für die Stadtbewohner erlassen. Axer verließ das Lemberger Theater zum Ende der Saison 1940/1941 und begann in einer Autowerkstatt als Lackierer zu arbeiten. Parallel verdiente er als Schlosser zusätzliches Geld. Am 1. September 1942 verhafteten die Deutschen Maurycy Axer. Er kam nie wieder nach Hause zurück. Die Verfolgung der Juden nahm massiv zu. Ende des Jahres floh Erwin Axer nach Warschau, wohin er seine Mutter bereits vorher geschickt hatte. Sein Bruder Henryk Axer blieb in Lemberg und kam dort im Spätherbst 1943 ums Leben. In den Jahren 1942-1944 versteckte sich Erwin Axer unter dem falschen Namen Walery Gomulski in Warschau. Er meldete sich bei der polnischen Heimatarmee und nahm am Warschauer Aufstand als Entwaffnungsgehilfe teil. Er beteiligte sich als Aufständischer am Angriff auf den Danziger Bahnhof. Nach dem Aufstand wurde er im Stalag No. 11A in der Nähe von Magdeburg gefangen gehalten, wo er bis zur Befreiung durch die Amerikaner blieb. Im Juli 1945 kehrte er nach Lodz in Polen zurück. Wegen der Zerstörung Warschaus nach dem Warschauer Aufstand diente Lodz zu dieser Zeit als vorübergehende Hauptstadt.
5. Lodz, das Kammertheater (1945-1949)
In Lodz stellte sich das normale Leben schnell wieder ein. Die ehemaligen Fabrikanten-Paläste wurden als Hauptsitze von Büros und Institutionen umgewandelt. Es entstanden Schulen, neue Zeitschriften und Filmproduktionen. Hier entstand auch ein Zentrum, in dem sich die polnische Intelligenz nach dem Krieg sammelte. Nach und nach entstanden auch Theaterhäuser. Mitte 1945 übernahm Michal Melina (1890-1956) zusammen mit einer Gruppe von Schauspielern eine kleine Bühne in Lodz, wo unter der Schirmherrschaft der Polnischen Armee verschiedene Unterhaltungsgruppen auftraten. Auf diese Weise entstand das Theater mit dem Namen „Das Kammertheater des Soldatenhauses“. Ab der Saison 1945/1946 übernahm Erwin Axer dort die Funktion des stellvertretenden Direktors. Im zweiten Jahr seiner Tätigkeit in diesem Theater formulierte Axer sein künstlerisches Programm: "Die wichtigste Aufgabe des Theaters ist es, für die sich aktuell verändernde Realität einen künstlerischen Ausdruck zu finden [...] Den Theaterdirektoren erscheint, dass allein die Bearbeitung der aktuell sowie in den letzten fünfzig Jahren geschriebenen Theaterstücke, die ihre Aktualität jedoch stark erhalten haben, das Anliegen der Theaterkunst nach vorn treibt [...]. Die Versuche, einen realistischen Stil zu finden, der vom psychologischen Naturalismus abweicht [...], würden aber fortgesetzt.". Der neue Stil offenbarte sich vor allem im Schauspielen. Das künstlerische Ensemble des Kammertheaters zeichnete sich durch eine natürliche Art und Weise des Sprechens aus. Sie war frei von Pathos und nah an italienischen neorealistischen Filmen dieser Zeit. Es war kein Zufall, dass an der Ensemble-Spitze des Kammertheaters die Schauspielerin Danuta Szaflarska stand, die parallel dazu große Erfolge in den wiederauferstehenden Filmproduktionen feierte. Das Theater-Repertoire wurde von der angelsächsischen zeitgenössischen Literatur dominiert. Die Glasmenagerie von Tennessee Williams (1947), Joan of Lorraine von Maxwell Anderson, Der Fall Winslow von Terence Rattigan (1948) und ein französisches Drama, Das Amphytrion 38 von Jean Giraudoux (1947) gehörten zu den größten Erfolgen der jungen Bühne. In allen führte Erwin Axer Regie. Die "Innigkeit" der Lodz - Bühnen war eine Wahl und gleichzeitig eine Notwendigkeit. "Die Innigkeit war in dieser Zeit meine Leidenschaft. Ich interessierte mich für Theater, das auf Literatur beruhte und indem die Geschichte, wenn sie gesucht war, oder die Probleme der Politik, der Philosophie, der Religion und der Gesellschaft sich in Konflikten widerspiegelten” - sagte Axer nach Jahren. Nebenbei gesagt, hat allein die Bühnengröße des Kammertheaters einen größeren Inszenierungs-Schwung ausgeschlossen. Das Theater gewann sehr schnell den Ruf einer der interessantesten polnischen Bühnen. Im Herbst 1949, nach Anordnung des Kultusministers Wlodzimierz Sokorski, wurde die ganze Kammertheatertruppe nach Warschau versetzt.
6. Im Schatten des sozialistischen Realismus. Das Moderne Theater (1949-1956)
In der Hauptstadt zog die Kammertheatertruppe in den bereits auf die Bedürfnisse eines Theaters umgebauten Pfarreisaal der Erlöser-Kirche in der Mokotowska-Straße 13 ein. In Warschau existierte bereits ein Theater unter dem Namen Das Kammertheater, so nahmen die Frischankömmlinge einen ganz neuen Namen an: Modernes Theater. Michal Melina wurde Intendant und Erwin Axer künstlerischer Leiter des Theaters. Der Zeitpunkt war für die von Axer favorisierte westliche Literatur nicht günstig. Auf dem Schriftstellerkongress in Szczecin erklärten die kommunistischen Behörden den sozialistischen Realismus zum einzig gültigen Kunststil. Jede Abweichung von dieser Doktrin wurde als Formalismus eingestuft und streng verurteilt. Der Stalinismus begann in alle Bereiche des Lebens vorzudringen. In dieser Situation griff der künstlerische Theaterleiter in erster Linie zum polnischen zeitgenössischen Repertoire. Er versuchte neutral zu bleiben, indem er die erzwungenen Kunstproduktionen, wo immer möglich, mied, aber von Zeit zu Zeit musste er den politischen Tribut dafür doch zahlen. Als Eröffnungsspiel wählte Axer Die Deutschen von Leon Kruczkowski, eins der berühmtesten zeitgenössischen Dramen, das sich mit der Nazizeit auseinandersetzte. Axer führte aber auch die Klassiker ins Programm ein, wie Was ihr wollt von William Shakespeare, Die Kleinbürger von Maxim Gorki oder Frau Latters Pension nach Die Emanzipierten von Boleslaw Prus. Der Höhepunkt dieser Zeit war die Premiere von Frau Warrens Gewerbe von George B. Shaw mit Irena Eichler in der Hauptrolle und Wilam Horzyca als Regisseur, der übrigens durch die stalinistischen Behörden systematisch schikaniert wurde. Schon die ersten Warschauer Inszenierungen stießen auf großes Interesse des Publikums und wurden hundert, zweihundert Mal gespielt. Das Moderne Theater wurde schnell zu einer erkennbaren Visitenkarte Warschaus.
7. Bertolt Brecht
Im selben Jahr, in dem Polen den sozialistischen Realismus verkündete, sah Erwin Axer in Berlin die berühmten Vorstellungen des Berliner Ensembles unter der Regie von Bertolt Brecht (1898-1956), einem der größten Theaterreformer des Zwanzigsten Jahrhunderts. Brechts Episches Theater erschütterte die für realistisches Drama und Naturalismus charakteristische Illusion, obwohl er nicht vermied, das wirkliche Leben auf der Theaterbühne zu zeigen. Der Entfremdungseffekt im Schauspielen sollte dem Zuschauer helfen, den Abstand zur Bühne zu halten. Brecht beeinflusste damit wesentlich Axers Regiestil. Die Grundlage dieses Stils wurde, das Drama als eine Struktur zu verstehen, die eine logische Interpretation erfordert. In Bertold Brechts Ästhetik, der sich selbst offen zum Kommunismus bekannte, sah Axer eine Chance, dem damals in Polen bindenden sozialistischen Realismus zu entkommen. Nach Gastauftritten des Berliner Ensembles in Polen im Jahr 1952, begann hierzulande eine Diskussion zwischen Ideologen und Künstlern. Diese gewannen die Künstler und das polnische Theater wurde bald von Brechts Inszenierungen überflutet. Im Jahr 1962 inszenierte Erwin Axer auf der Bühne in der Mokotowska-Straße Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui - es wurde ein Durchbruch in der Geschichte dieser Szene. Diese Inszenierung war jedoch polemisch zur ursprünglichen Berliner Ensemble-Aufführung. Die „Gangstergeschichte" nahm die Form einer Groteske mit ernsten Elementen an und ging weit über die Geschichte von Hitlers Aufstieg hinaus. Das Theater hätte diesen Erfolg nicht feiern können, ohne den herausragenden Darsteller der Titelrolle [...]. Lomnicki zeigte, dass auch ein schlapper Clown, der die Kunst des Zappelns beherrscht, ein Hitler werden könnte. Die einzige Würde der zeitgenössischen Kunst, so verstand es Erwin Axer, sei das Entmystifizieren. Deshalb war sein Arturo Ui nicht nur theatralisch makellos, er verfügte gerade in der schauspielerischen Darstellung über die moderne Virulenz. Dies war die größte Errungenschaft des Theaters und des Regisseurs. „Und des Ensembles"- wie Jan Kott nach der Premiere schrieb. Der Bühnenbildautor dieser Aufführung war, neben Ewa Starowieyska, Konrad Swinarski, Axers ehemaliger Student.
„The Resistible Rise of Arturo Ui” by Bertolt Brecht, directed by Erwin Axer, cast: Tadeusz Łomnicki, Edward Dziewoński
8. Erwin Axer als Pädagoge (1949-1979)
"Der Regisseur ist im Theater nicht notwendig. Regisseur ist eigentlich gar kein Beruf. Regie zu führen bedeutet die Fähigkeit, Theateraufführungen zu organisieren, in denen die kreativen Rollen hauptsächlich andere spielen: der Autor, der Dekorateur und vor allem der Schauspieler. Wenn wir eine Theateraufführung auseinandernehmen, bleibt nur die Darstellung, das Bühnenbild, manchmal sogar der Text. Die Regie löst sich also im Nichts auf"- sagte Erwin Axer. Axer hat, mit Ausnahme von drei Jahrzehnten (1949-1979), an der Regiefakultät der Warschauer Staatstheaterhochschule (PWST) unterrichtet und nahm Einfluss auf die Ausbildung mehrerer Generationen polnischer Künstler. Er lehrte unter anderem: Zygmunt Hübner, Izabella Cywińska, Maciej Prus, Jerzy Grzegorzewski, Helmut Kajzar, Maciej Englert, Richard Peryt, Krzysztof Zaleski, Mark Grzesinski, Janusz Wisniewski. Er bildete aber keinen Anhänger- und auch keinen Nachfolgerkreis um sich. Axer wiederholte immer, dass das Regisseur-Handwerk nicht gelehrt werden könne. "Er tat also das, was er für möglich hielt: er versuchte, unsere Augen und Ohren auf die Kunst des Theaters zu schärfen und ließ den Rest in Gottes Händen, sofern er an ihn glaubte" – erinnert sich Krystyna Meissner, auch eine seiner Studentinnen. Axer hielt Konrad Swinarski (1929-1975) für den meist herausragenden Absolventen der Regiefakultät der Staatstheaterhochschule (PWST) in der Nachkriegszeit. Swinarski war einer der originellsten und mutigsten polnischen Künstler, der als Schöpfer des großen Leidenschaftstheaters sowie der kollektiven und individuellen Emotionen, seinen Platz in der Theatergeschichte gefunden hat. Er setzte sich mit der polnischen Romantik , Wyspiański, Shakespeare und in der ersten Phase seiner Karriere mit Brecht auseinander und befand sich deutlich unter dem Einfluss seines Lehrers. Zusammen mit Przemyslaw Zielinski bereitete er als Student im dritten Jahr der Regiefakultät die Aufführung von Brechts Die Gewehre der Frau Carrar (1954) vor. Ein Jahr später absolvierte Swinarski, dank Axers Unterstützung ,ein Praktikum am Berliner Ensemble. Nach seiner Rückkehr erzielte er seinen ersten künstlerischen Erfolg als Regisseur mit der Aufführung der Dreigroschenoper (1958) am Modernen Theater.
9. Das politische „Tauwetter“ im Nationaltheater (1954-1957).
Nach Stalins Tod im Jahre 1953 zog langsam das Tauwetter auf. Im Herbst 1954 entstand im Kultusministerium eine Idee, das Moderne Theater in Warschau und das Nationaltheater in einer Institution zu verbinden. Axer erklärte sich bereit, die Gesamtleitung des neuen Theaters zu übernehmen. Nach drei Jahren trat er von dieser Funktion zurück, da er nicht bereit war, die ihm aufgezwungenen politischen Aufgaben zu erfüllen. Als Theaterleiter führte er aber Regie der vier wichtigsten Premieren dieser Zeit. Als Eröffnungsvorstellung wählte er Die Deutschen von Leon Kruczkowski (1955). Er kehrte auf dieser Weise zum Theaterstück zurück, mit dem im Jahr 1949 die Geschichte des Warschauer Gegenwartstheaters begann. Mit dieser Vorstellung thematisierte Axer die Auseinandersetzung mit dem moralischen Recht und der Verantwortung eines Einzelnen für die Geschichte. Im Bühnenbild konnte der ästhetische Einfluss von Bertolt Brecht deutlich erkannt werden. Als ein regelrechter Schock für das Publikum erwies sich die Uraufführung von Jerzy Lutowskis Die Notaufnahme (1955). Dieses Drama berührte das bis dahin verbotene und verzerrte Thema der Polnischen Heimatarmee. Zehn Jahre nach dem Krieg, und nach einer langen Zeit der stalinistischen Propaganda, nahm Axer die Diskussion um die Rehabilitation der polnischen Untergrundarmee-Soldaten auf. Am 12. März 1956 starb in Moskau der I. Sekretär der Polnischen Kommunistischen Partei Boleslaw Bierut und an der polnischen Parteispitze setzte ein Machtkampf ein. Die Kulturpolitik begann sich aber zu liberalisieren. Unter diesen Umständen inszenierte Axer Kordian von Juliusz Slowacki (Premiere am 21. April 1956), eine Apologie des romantischen Nonkonformismus. Die Rolle der Titelfigur spielte Tadeusz Lomnicki, Altersgenosse der Aufständischen des Warschauer Aufstands. Er verkörperte die gesamte Kriegsgeneration und deren dargebrachten Opfer. Legendär ist auch die Rolle des Prinzen Konstantin, gespielt von John Kurnakowicz. Zusammen mit dem Drama Die Fliegen von Jean-Paul Sartre (1957) im Nationaltheater erschienen zum ersten Mal in Polen das zeitgenössische Drama und der Existentialismus. Die Umdeutung des griechischen Mythos über Orest und Elektra bewegte Probleme der Freiheit und der menschlichen Einsamkeit, der metaphysischen Leere und der Wahlnotwendigkeit. Dieses französische Drama berührte in seiner Interpretation auch polnische Streitigkeiten und Dilemmata, die der Regisseur auf der politischen Veränderungswelle nun ganz offen aufnehmen konnte.
10. Modernes Theater (1956-1968) als Fenster zur Welt.
Nach 1956 wurde das Moderne Theater zum inoffiziellen Salon des Ehrgeizes und des intellektuellen Ferments. Das Theater etablierte sich als ein Treffpunkt der Intelligenz, wo das ernste Gespräch mit dem Publikum gesucht wurde. Leon Schiller sagte noch vor dem Krieg, man müsse "Polen in Europa halten." Dieses Motto wurde zum Leitmotiv des Theaters unter der Leitung des auf neue Trends in der Weltliteratur sensibilisierten Erwin Axer. Sein Geschmack war für das Repertoire entscheidend. Sein Kulturempfinden und seine Sensibilität erwirkten seine Zurückhaltung gegenüber dem Dramatext und seinen angestrebten Abstand zu den dargestellten Menschen und Ereignissen. Er bemühte sich stets, eine Dienerrolle gegenüber dem Autor, dem Wort und dem Schauspieler einzunehmen, eine Rolle, die aber eine Verbindung verschiedener Konventionen im Rahmen einer Theateraufstellung nicht ausschloss. Am 25. Januar 1957 fand im Gegenwartstheater die Premiere von Warten auf Godot unter Jerzy Kreczmars Regie statt. Samuel Becketts zu dieser Zeit in Polen noch unbekannte avantgardistische Kunst verblüffte das Warschauer Publikum mit Sprache und Form. Danach fügte Axer ins Repertoire der Mokotowska-Bühne weitere Titel ein, deren Premieren rasch einen hohen Rang von Ereignissen gewannen. Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch (1959), Tango von Slawomir Mrozek (1965) oder Die Ermittlung von Peter Weiss (1966) setzten einen neuen Trend der zeitgenössischen Dramatik. Nebenbei war Axer zunehmend bereit, die Klassiker aufzunehmen, wie Goethes Iphigenie auf Tauris (1961) und die Drei Schwestern von Anton Tschechow (1963).
„Biedermann and the Arsonists” by Max Frisch, directed by Erwin Axer, cast: Andrzej Łapicki, Barbara Wrzesińska, Stanisław Daczyński
11. Das Gegenwartstheater
Das Moderne Theater hatte in seiner goldenen Zeit (1956-1968) eins der besten Ensembles in Polen. Die ersten Schauspieler wurden noch in der Lodz-Periode engagiert. Der Zusammenschluss der beiden Bühnen, des Zeitgenössischen Theaters und des Nationaltheaters (1954-1957) und ihre spätere Trennung, ermöglichte es Axer, weitere Stern-Schauspieler einzuladen. In den folgenden Jahren wurde das Ensemble durch erfahrene Künstler und junge Debütanten systematisch bereichert. "Die Schauspieler [...] doch unterschiedlichster Herkunft, aus verschiedenen Orten und Schulen kommend, fanden relativ schnell eine gemeinsame Sprache. Sie probten lange und intensiv, sie haben Premieren verschoben bis sie sich sicher waren, vor dem Publikum spielen zu können. Die Meisten von ihnen konnten mit den Größten auf einer Stufe spielen " - schrieb Axer über sein Ensemble. Jerzy Kreczmar (1902-1985), der literarische Direktor und Regisseur und Erwin Axers engster Berater aus der Lodz-Zeit, war zusammen mit ihm für das künstlerische Gesicht der Bühne in der Mokotowska-Straße verantwortlich. Kreczmar war ein Schöpfer von vielen herausragenden Aufführungen zeitgenössischer Theaterstücke sowie von neuen Interpretationen klassischer Komödien von Aleksander Fredro. Seit 1962 entwarf Ewa Starowieyska (1930-2012) das Bühnenbild für alle Axer-Aufführungen.
12. Tadeusz Lomnicki
Tadeusz Lomnicki (1927-1992), einer der größten polnischen Schauspieler des zwanzigsten Jahrhunderts, arbeitete im Gegenwartstheater in den Jahren 1949-1974 und spielte mehr als zwanzig Rollen auf Erwin Axers Bühnen. Im Nationaltheater spielte er die Titelrolle in Juliusz Słowackis Kordian (1956) und Orestes in Jean-Paul Sartre’s Die Fliegen (1957). Im Gegenwartstheater spielte er George Gibbs in Thornton Wilders Unsere Stadt (1957), Orestes in Goethes Iphigenie auf Tauris (1961) und Solony in Anton Tchechows Drei Schwestern (1963). Der Höhepunkt seiner schauspielerischen Karriere auf dieser Bühne und einer der Höhepunkte seiner Arbeit war die Titelrolle in Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ (1962). "Lomnicki hat bewiesen, dass er ein Schauspieler mit fast unbegrenzten technischen Möglichkeiten ist. Es ist die höchste und schwierigste schauspielerische Leistung "- schrieb Jan Kott nach der Premiere. "Er ist ein Schauspieler, der alles beherrscht, aus dem Regisseur wie aus der Tasche das herausholt, was er akzeptiert oder braucht. Er kann zwar dem ‚Ärmsten’ nichts wegnehmen, aber ein solches Element kann leicht in die Irre führen. T. Lomnicki sollte deshalb Erwin Axer jeden Tag Blumen schicken!", bemerkte der Bühnenbeobachter in Mokotowska-Strasse, der Schriftsteller Adolf Rudnicki. Lomnicki selbst beschrieb seine Beziehung zu Axer so: "Die Beziehung zwischen uns war wie folgt: Ich stellte die Sturheit und den ungezügelten, grenzenlosen Mut zum Risiko dar; Axer hatte ein außergewöhnliches Wissen, einen persönlichen Charme und auch die Geduld und Neugier, die ihm erlaubte – manchmal wider Willens – erst auf der Premiere das Ausmaß seines Erfolges zu begreifen. Deshalb blieb ich selbst stur. [...] Ich wartete, bis Axer sich in meine Art, seine Gedanken zu lösen, verliebt hatte. Da er redigiert hat, gehörte mir die Form. " Nach vielen Jahren, im Jahr 1990, trafen die beiden, der Regisseur und sein Schauspieler, wieder im Gegenwartstheater zusammen, um Thomas Bernhards Der Theatermacher zusammen zu produzieren.
13. Slawomir Mrozek
Das polnische Gegenwartsdrama erschien im Repertoire der Bühne in der Mokotowska- Straße nicht allzu oft. Die Ausnahme war ein Autor, Slawomir Mrozek (1930-2013). Mrozek als Dramatiker sorgte von Anfang an für Ärger im Theater. Seine exzellent geschriebenen Werke waren schwer zu klassifizieren. Wie ein Refrain kehrte die Frage zurück: "Wie ist Mrozek zu spielen?" Die Premiere von Tango (1965) in Erwin Axers Regie im Zeitgenössischen Theater fiel zeitlich auf den Höhepunkt von Mrozeks Popularität. Dies war aber nicht entscheidend für den Erfolg dieser Inszenierungen. Axers Vorstellungen brachen mit der Konvention, Mrozeks Werke seien als reine Grotesken zu spielen. Die absurden Verhaltensweisen der Protagonisten erhielten durch Axer einen psychologischen Hintergrund. Das ermöglichte, einen seriösen Ton in Mrozeks Dramen hineinzubringen und ihre eindeutige Interpretation zu vermeiden. Die Charaktere gewannen ein menschliches Gesicht und waren nicht mehr nur "logisch arbeitende Maschinen, die bis zum Absurd hart arbeiteten" (Ludwik Flaszen). Mrozek war bis dahin niemals auf dieser Weise dargestellt worden. Die begeisterte Reaktion auf die Warschauer Tango -Vorstellung verband Autor und Regisseur eng miteinander, der Erfolg des gleichen Titels ein Jahr später in Düsseldorf schweißte das Mrozek - Axer Tandem noch enger zusammen und öffnete den beiden die Tür für die Karriere im Westen. Im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte im Zeitgenössischen Theater führte Axer Regie von Mrozeks: Ein freudiges Ereignis (1972), Der Schneider (1979), Die Witwen (1992), Liebe auf der Krim (1994) und Der Botschafter (1995). Im Jahr 2011 erschien im Literatur Verlag das Buch Die Briefe 1965-1996 - eine Dokumentation der Zusammenarbeit zwischen Axer und Slawomir Mrozek und gleichzeitig die Geschichte ihrer Freundschaft.
„Tango” by Sławomir Mrożek, directed by Erwin Axer, cast: Wiesław Michnikowski, Halina Kossobudzka, Mieczysław Pawlikowski, Barbara Sołtysik, Tadeusz Fijewski, Mieczysław Czechowicz
14. Der Schriftsteller
Erwin Axer schrieb sein fast ganzes Leben lang. Schon als Gymnasiast veröffentlichte er seine Gedichte in der Warschauer Zeitschrift Kuznia Mlodych und in der Lemberger Zeitschrift Signale. Während des Studiums am Warschauer Staatstheaterinstitut übersetzte er aus dem Deutschen für sein Diplom August Strindbergs Fräulein Julie. Während der deutschen Besatzung schrieb er Radiohörspiele, Adaptionen, Dichtungen und versuchte auch, seine Erfahrungen in Form von Geschichten aufzuschreiben. Für das zyklische Schreiben zu Beginn der fünfziger Jahre überzeugte Axer Edward Csátó, den Chefredakteur der Zeitschrift Theater. Die ersten Feuilletons (1952-1965) kamen in drei Bänden heraus: Briefe von der Bühne (1955), Briefe von der Bühne - der zweite Band (1957) und Theater Angelegenheiten (1966). Der vierte Band Der Ärger der Weisheit, Probleme des Alters (2006) umfasste die Texte aus dem Zeitraum 1965-1970. Der Band Briefe fasste seine Erfahrungen als Regisseur und Theaterdirektor zusammen, beschrieb die variablen politischen Bedingungen, unter denen er agieren musste, und stellte gleichzeitig sein künstlerisches kompaktes Programm dar, das Axer im Laufe der Jahre verfolgte. Erwin Axer veröffentlichte in den Jahren 1978-2003 in der Zeitschrift „Dialog“ eine Reihe von Erzählungen unter dem Titel Karte aus dem Tagebuch in vier aufeinanderfolgenden Bänden Gedächtnisübungen (1984, 1991, 1998, 2003). Dort rief er mit Abstand und Autoironie die Orte, Menschen, Dinge und Ereignisse aus seiner Biographie herbei. Aus diesem Mikrokosmos schuf er eine nicht chronologische Geschichte seines eigenen Lebens und der ganzen Epoche, in der das Theater nur ein Teil der größeren Geschichte war. In den Jahren 2003-2005 veröffentlichte er im „Dialog“ eine Reihe kurzer Impressionen unter dem Titel Schnappschüsse. Im Jahr 2007 erschien anlässlich des neuzigsten Geburtstags des Regisseurs unter dem Titel Aus dem Gedächtnis eine Autorenauswahl aus allen Bänden der Gedächtnisübungen.
„The Ambassador” by Sławomir Mrożek, directed by Erwin Axer, cast: Zbigniew Zapasiewicz, Krzysztof Kowalewski
15. Im Ausland
Seit 1962 arbeitete Erwin Axer als einer der ersten polnischen Regisseure regelmäßig im Ausland: in der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz, der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Österreich und den Niederlanden. "Diese ganze Karriere im Ausland war ein wenig mit dem Zustand des Theaters in Polen verbunden. Die polnische Bühnenbildkunst in der Wende der fünfziger und sechziger Jahren war, dank der vereinten Kräfte der Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner, hervorragend und es hat sich bei uns etwas Großes entwickelt. Als wir mit Eva Starowieyska das erste Mal ausgereist sind, war das deutsche Theater gerade an der Kurve. Zusammen mit Mrozek konnten wir deshalb dort etwas Neues anbieten"- erinnerte sich Axer. Seit 1972 war Axer oft Gast-Direktor des Wiener Burgtheaters. Auf dieser Bühne feierte er im Jahr 1980 nach der Premiere des Dramas Die Schwärmer von Robert Musil seinen größten Erfolg. Dieses Theaterstück war bis dahin nie aufgeführt worden, weil es bis zu diesem Zeitpunkt als ein „nicht spielbares Drama" galt. "Ein Abend, der zu den besten gehört, was das österreichische Theater jemals geschaffen hat" - schrieb der Kritiker Werner Thuswaldner. Von Zeit zu Zeit griff Axer im Ausland immer wieder nach Titeln, mit denen er bereits in Polen erfolgreich war: Brechts Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (1963) im Akademischen Großen Dramatischen Gorky Theater in Leningrad , Mrozeks Tango (1966) und Mutter von Stanislaw I. Witkiewicz (1972) am Schauspielhaus in Düsseldorf, oder Friedrich Schillers Maria Stuart im Burgtheater in Wien (1974). Auf der anderen Seite führte Axer auf den polnischen Bühnen Autoren ein, deren Werke er bereits zuvor im Ausland vorbereitet hatte. So war es beispielweise mit Thomas Bernhards Werken gewesen.
16. Thomas Bernhard
Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard (1931-1989), der als einer der prominentesten Vertreter der deutschsprachigen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts angesehen war, schuf einen sehr charakteristischen Dramastil. In seinen tragikomischen und in der Regel mit großen Monologen gefüllten Kammerdramen überraschte die Sprachmelodie, die Kunst der gleichwertig aus Worten und Pausen zusammengesetzten Verse, die charakteristischen Wiederholungen und die raffinierte, bewusst benutzte Monotonie. Die Premiere von seinem Ein Fest für Boris am Wiener Burgtheater (1973) wurde als ein Ereignis gefeiert und initiierte Axers Zusammenarbeit mit der ersten Bühne im deutschsprachigen Raum. Der Höhepunkt des Triumphs war der Verleih der Joseph Kainz Ehrenmedaille an Axer, einen ausländischen Regisseur, für die herausragendste Theateraufstellung der Saison 1973/1974. Als Axer im Jahr 1976 Thomas Bernhards Ein Fest für Boris an der polnische Bühne des Zeitgenössischen Theaters aufführte, wurde der Erfolg aber nicht wiederholt. Die polnische Kritik würdigte zwar die Arbeit des Ensembles, erklärte jedoch den neuen Autor zu Becketts Epigonen. „Bernhards schwere Dramen tragen eine immense Ladung an Humor und Satire. In Polen war ich nicht immer in der Lage, die Schauspieler davon zu überzeugen, ihn mit Sinn für Humor zu spielen. Bernhard ist ein Meister der Worte und in seiner Sprache erfüllt. Seine Werke konnten leider nicht in zufriedenstellender Weise übersetzt werden" - analysierte Axer später. Axer kehrte zu Bernhard nach Jahren zurück, als er zweimal die Regie von Am Ziel übernahm (Schlosspark-Theater in West-Berlin, 1987; Modernes Theater in Warschau, 1997) und mit der polnischen Urpremiere von Der Theatermacher (1990) am Gegenwartstheater in Warschau. Diese Aufführung wurde gleichzeitig der letzte schauspielerische Triumph von Tadeusz Lomnicki, der die Titelrolle spielte. Diese Rolle war seine letzte, schmerzhafte und gleichzeitig lustige Abrechnung mit dem Theater, dem Publikum und sich selbst geworden.
"The Histrionic” by Thomas Bernhard, directed by Erwin Axer, cast: Tadeusz Łomnicki
„Destination” by Thomas Bernhard, directed by Erwin Axer, cast: Maja Komorowska
17. Die Dämmerung
Nach 1968 verlor Axers artistisches Ensemble seine Dynamik und in den kommenden Jahren verließen einige Schauspieler das Zeitgenössische Theater. Während der März-Ereignisse in und nach 1968 in Polen und nach der antisemitischen Kampagne war Axers Position als Direktor nicht mehr so stark. Er selbst konzentrierte sich in dieser Zeit mehr auf die Arbeit außerhalb der polnischen Grenzen. Im Lande begann er deshalb den Geschmack und die Bedürfnisse des einheimischen Publikums nicht mehr zu spüren. Trotzdem blieb das Zeitgenössische Theater seinem Programm treu. Auf der Tafel standen neue westliche Theaterstücke, jedoch in Regie eines Direktors, der den von der Avantgarde gesetzten Standards nicht standhalten konnte, nämlich: Harold Pinters Old Times (1972), Eugène Ionescos Macbett (1972), Edward Bonds Lear (1974) und die Klassiker: Friedrich Schillers Maria Stuart (1969), Leo Tolstoi Die Macht der Finsternis (1971), Juliusz Slowackis Kordian (1977). Eine interessante Erfahrung stellte die Premiere von Stanislaw I. Witkiewicz’s Mutter (1970) dar, "ganz ursprünglich", ohne Veränderungen und „Merkwürdigkeiten" gespielt, ganz nach den Anweisungen des prominenten Kritikers Konstanty Puzyna. Keine dieser erwähnten Darstellungen war so erfolgreich, wie die Premieren des vergangenen Jahrzehnts. In den siebziger Jahren war der Kontakt mit Westeuropa erleichtert und das Moderne Theater verlor auch seine Attraktivität als das Fenster zum Westen. Im Jahr 1981 gab Axer die Leitung des Gegenwartstheaters auf und überreichte sein Werk an Maciej Englert, seinen Schüler und Nachfolger. Nach dem Fall des Kommunismus kehrte er aber als Regisseur auf die Bühne in der Mokotowska-Straße (1990-2001) zurück. Als das Ende seiner Karriere wählte er einen Klassiker, nämlich August Strindbergs Ostern (2001). Axer starb am 5. August 2012 in Warschau. An seinem Grab sagte Maciej Englert: "Erwin Axer hat sich bewusst fürs Theater entschieden. Diese Wahl war kein Ergebnis einer vorübergehenden Vernarrtheit und kein Zufall. Warum Theater? Vielleicht entschied er innerlich, dass Theater ein Ort des wichtigen Dialogs sei. Vielleicht ging es um das Ethos der gemeinsamen Schaffung. Jedenfalls erwies sich diese Wahl als ein Segen für das Theater".
Theatre Institute in Warsaw
Mitwirkende: Geschichte

Ausstellungsdesign – Michal Smolis
Übersetzungen – Agnieszka Mrowinska, Joanna Przedpelski
Koordination und Mitwirkung – Klaudyna Desperat, Zbigniew Raszewskis Theaterinstitut

Quelle: Alle Medien
Der vorgestellte Beitrag wurde möglicherweise von einem unabhängigen Dritten erstellt und spiegelt nicht zwangsläufig die Ansichten der unten angegebenen Institutionen wider, die die Inhalte bereitgestellt haben.
Mit Google übersetzen
Startseite
Erkunden
In der Nähe
Profil