Bilderwelten: Aufbruch zu neuen Ufern

Bavarian State Library

Mitteleuropäische Buchmalerei 1400 - 1540

Neue Bilder für die neue Zeit 
Die deutsche Buchmalerei des 15. und frühen 16. Jahrhunderts illustriert wie kaum eine andere Gattung die weitreichenden Umbrüche einer der spannendsten Zeiten der europäischen Geschichte. Nahezu alle Lebensbereiche werden hinterfragt: Die Rolle der Kirche und des König- und Kaisertums, der Text der Bibel, die Rolle und der Nutzen der Bilder, das Wissen um die durch die Entdeckung Amerikas größer gewordene Erde. Fremde Kulturen begeistern ebenso wie die Sterne und die eigene kleine Welt, in der die Erforschung von Landschaft und Natur eine neue Rolle spielt. In keiner Zeit vorher gelang so zahlreichen vielseitig begabten Persönlichkeiten eigenschöpferische Entfaltung, die die Kunst und das kulturelle Leben in jeder Hinsicht bestimmten. Gutenberg erfindet den Buchdruck, Kopernikus entdeckt das heliozentrische Weltbild. Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä., Hans Burgkmair d. Ä. und Albrecht Altdorfer werden im 15. Jahrhundert geboren und ausgebildet, schufen zum Teil schon vor 1500 einige ihrer Hauptwerke. Die graphische Kunst gipfelt in den 1514/15 geschaffenen Randillustrationen des Gebetbuchs Kaiser Maximilians I. – dem Inbegriff der Altdeutschen Kunst. 

Der dem Franziskaner Ulmann zugeschriebene Traktat beschreibt alchemistische Prozesse in christlicher Terminologie

Heilpflanzenbücher überliefern meist schon in der Antike zusammengestellte Bilder und Texte, ergänzt durch heimische Pflanzen.

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Anatomische Darstellungen einer schwangeren Frau und Kindslagenbilder mit lateinischer Beschriftung

Der astronomisch-astrologische Codex enthält lateinische Übersetzungen arabischer und jüdischer Texte und ist überreich illuminiert.

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Obwohl die Kirche gerade astrologisch-astronomische Texte beargwöhnte, konnten auch Mönche, hier Wilhelm von Rang aus St. Ulrich und Afra in Augsburg, solche Handschriften schreiben.

Die hervorragenden Miniaturen des in deutscher Sprache geschriebenen Planetenbuchs zeigen Sternzeichen und stammen von einem Künstler aus dem Bodenseeraum.

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Das kleine Gebetbuch mit Eintragungen in slowakischer Sprache mit tschechischen Elementen ist den Texten nach am Pilgerweg nach Köln entlang der Donau entstanden.

Losbücher dienten zur Weissagung von Wetter- oder Krankheitsverläufen, politischen Entwicklungen und alltäglichen Fragen.

Albrecht Dürer trug als Vorbereitung einer geplanten Neuauflage seiner Underweysung in dieses Exemplar der Ausgabe von 1525 zahlreiche Korrekturen und Ergänzungen, auch Zeichnungen ein.

Das Büchlein ist eines der wenigen erhaltenen Musterbücher des Mittelalters und enthält Miniaturen, Initialen, Ranken, Vögel und andere Schmuckelemente.

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Johannes von Indersdorf (1382–1470) machte das Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf zu einem Zentrum der bayerischen Klosterreform. Unter seinen deutschsprachigen Werken ist das von ihm für Elisabeth Ebran und wohl auch für Wilhelm III. von Bayern-München verfasste Gebet- und Andachtsbuch am bekanntesten.

Die in den vorderen Spiegel eingeklebte, autonome Zeichnung stammt von einem Meister, der auch an einem um 1440/50 datierbaren Tafelbild eines Kalvarienbergs tätig war. Wie und wann die Zeichnung aus dem fränkisch-schwäbischen Raum in die Rechtshandschrift aus Kloster Tegernsee gelangte, ist nicht bekannt.

Die Mehrzahl mittelalterlicher Zeichnungen und Kupferstiche hat die Jahrhunderte eingeklebt in Handschriften oder Drucken überdauert, wurde erst später ausgelöst und in graphische Sammlungen überführt.

Kaiser Maximilian I. ließ in Augsburg eine kleine Auflage eines Gebetbuches drucken. Nur dieses eine Exemplar wurde mit Randzeichnungen der berühmtesten „altdeutschen“ Künstler versehen: Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Hans Baldung, Albrecht Altdorfer, Hans Burgkmair d. Ä. und Jörg Breu.

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Das 1513 von Johannes Schott gedruckte Buch gilt als ältester moderner Atlas. Es enthält u. a. 20 moderne Karten von Martin Waldseemüller, auf denen auch die erst jüngst entdeckten Gebiete Amerikas verzeichnet sind.

Das später in den Atlas eingeklebte Blatt galt bis zu der Entdeckung der Fälschung Ende 2017/Anfang 2018 als seltener Druck des Erdglobus von Martin Waldseemüller, des ersten Globus, in dem der von Christoph Kolumbus neu entdeckte Kontinent „America“ benannt wurde.

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Die 95 Fabeln orientieren sich an naturkundlicher und naturallegorischer Literatur, es geht um die natürlichen Eigenschaften der Akteure, die für tugend- bzw. lasterhaftes Verhalten stehen.

Der von Thomasin von Zerklaere (1186–1238) verfasste, deutsche Text wendet sich an junge Adelige, die zu höfischen Tugenden angehalten werden sollten.

Die Fabelsammlung wurde im Umkreis von Meister Martin (Martinus Opifex) aus Regensburg, der auch für den Kaiser tätig war, mit kolorierten Federzeichnungen ausgeschmückt.

Das weit verbreitete Werk „De ludo scaccorum“ von Jakob von Cessolis ist ein moralisierender Kommentar zum Schachspiel.

Das mittelhochdeutsche Gralsepos „Jüngerer Titurel“ genoss mit seinen Schilderungen von aventiure und Minnedienst bis ins ausgehende Mittelalter hohe Beliebtheit.

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Der Codex entstammt der Elsässischen Werkstatt von 1418, einem Handschriftenatelier, das im großen Stil deutschsprachige Handschriften produzierte und mit einfachen Stilmitteln teils überreich illustrierte.

Der Ring wurde um 1408/10 von Heinrich Wittenwiler, Hofmeister am Bischofssitz in Konstanz, verfasst. Das Epos, das nur in dieser Handschrift überliefert ist, gehört zu den eigenwilligsten Schöpfungen seiner Zeit.

Das moralisch-didaktische Kompendium diente vielleicht als Buch zur Predigtvorbereitung eines Regensburger Pfarrers.

Die aus drei Teilen bestehende lateinische Handschrift – die auch eine Reimchronik vom Herkommen der Stadt Augsburg enthält – ist wahrscheinlich zur Gänze in Augsburg entstanden.

Das Buch der Bücher: Text und Bilder der Bibel bis zu Martin Luthers Biblia Deutsch 
Das Neue Testament mit den Berichten über das Leben Jesu ist für Christen der zentrale Text. Die lateinische Fassung, für die Bürger der römischen Reiches geschaffen, blieb Jahrhunderte lang die Grundlage der westlichen Kirchen. Übersetzungen in die Landessprachen lehnte die Amtskirche mit Verweis auf mangelnde kirchliche Kontrolle über die Qualität und die Bibelauslegung durch „ungelehrte“ Laien ab. Die lateinische Bibel wurde mehrfach kritisch überarbeitet: Zur Zeit Karls des Großen, unter Papst Gregor VII., im 12./13. Jahrhundert an der Pariser Universität. In Deutschland fanden sich im 14./15. Jahrhundert die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für eine neue Blüte der Bibelübersetzung und der Bibelillustration. Am Beginn der reich illustrierten deutschsprachigen Bibeln steht die Wenzelsbibel, ein Altes Testament, um 1390–1400 von König Wenzel I. in Auftrag gegeben. Mit der Ottheinrich-Bibel lag Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt um 1430 ein reich illustrierter Text des Neuen Testamentes in Mittelbairisch vor. Die Übertragung der gesamten Bibel ins Deutsche fand nach vielen Versuchen erst mit Luthers Übersetzung seinen lange maßgeblichen Abschluss. 

In der Zeit Karls des Großen revidierte der gelehrte Alkuin von York die lateinische Bibel. Von diesem Text wurden zahlreiche Abschriften angefertigt, die in das ganze karolingische Reich verschickt wurden, um überall einen zitierfähigen Text zugänglich zu machen.

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Unter Gregor VII. (Papst 1073–1085) entstand im Zuge der Gregorianischen Reformen eine neue Überarbeitung des lateinischen Bibeltextes. Ergebnis dieser Arbeiten waren die nach ihrem ungewöhnlich großen Format benannten Riesenbibeln.

Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden im Umfeld der Pariser Universität lateinische Bibelabschriften eines redigierten Textes in serieller Produktion, die international zitierbar und kommentierbar sein sollten.

Das erste mit beweglichen Lettern gedruckte Buch lag 1454/55 vor. Es wurde in Mainz in der Werkstatt von Johann Gutenberg und Peter Schöffer gefertigt.

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Der Text dieser ostschwäbischen, in Augsburg von der Werkstatt des Johann Bämler illuminierten Bibel wurde von der ersten gedruckten Bibel in deutscher Sprache, der 1466 in Straßburg erschienenen Mentelin-Bibel, abgeschrieben.

Der Nürnberger Drucker Anton Koberger brachte 1483 seine deutsche Bibelübersetzung auf den Markt. Die mit ca. 1500 Exemplaren außergewöhnlich hohe Auflage fand vor allem dank ihrer reichen Bebilderung mit Holzschnitten guten Absatz.

Die Ottheinrich-Bibel ist das älteste reich illustrierte Neue Testament in deutscher Sprache.

Die Münchener Furtmeyr-Bibel enthält das Alte Testament auf Deutsch. Die Buchausstattung, eine Meisterleistung des deutschen Spätmittelalters, weist schon in Richtung Renaissancekunst.

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Die in Straßburg gedruckte vierbändige und großformatige Bibel mit Glossa Ordinaria zeigt Straßburger Buchschmuck, wurde also vor der Auslieferung noch am Druckort illuminiert.

Die zweibändige auf Pergament gedruckte und prächtig ausgestattete Lutherbibel enthält Miniaturen von Lucas Cranach dem Jüngeren. Solche reich ausgestatteten Bibeln waren beliebte Repräsentationsobjekte an Adels- und Fürstenhöfen, die die Lutherische Lehre für ihr Land übernommen hatten.

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