1831 bis 1834

Caspar Voght im Jenisch Haus

Jenisch Haus, Historische Museen Hamburg

Caspar Voght zählte zu den bedeutendsten Hamburger Persönlichkeiten der Zeit um 1800. Eines seiner bedeutenden Projekte war es, in Klein-Flottbek bei Hamburg ein landwirtschaftliches Mustergut nach englischem Vorbild zu errichten, von dem das Kernstück des englischen Landschaftsgartens bis heute erhalten ist - der Jenischpark. In der Ausstellung im Jenisch Haus wird ein umfassender Einblick in die verschiedenen Facetten des von aufklärerischen Idealen geprägten Lebens Voghts und Schaffens ausgebreitet.

Die Räume im ersten Obergeschoss widmen sich dem Leben und Werk des Aufklärers Caspar Voghts (1752-1839). Der Hamburger Kaufmann führte gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Georg Heinrich Sieveking in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eines der größten Handelshäuser Hamburgs. Voght war eine Schlüsselfigur innerhalb der gesellschaftlichen Entwicklungen der Hansestadt zu dieser Zeit. Durch sein Engagement für soziale, kulturelle und wissenschaftliche Projekte nahm er eine Vorreiterrolle ein.

Der französische Porträtmaler Jean Laurent Mosnier stellt Voght als aufgeklärten Gutsbesitzer dar. Die Bücherwand und der Blick aus dem Fenster verweisen auf sein Interesse an der Wissenschaft, an der Gartenkunst und Landwirtschaft.

Der in Paris geborene Mosnier zählte um 1800 zu den bekanntesten Porträtmalern in Hamburg. Seine Kunden entstammten der solventen bürgerlichen Oberschicht und dem Adel.

Mosniers künstlerische Spezialität liegt in der Schilderung der kostbaren Stoffe. Spezifisch ist der Rot-Schwarz-Klang, in dem Bildnis Voghts nachzuvollziehen im dunklen Gehrock und der roten Draperie.

Die Idealisierung der dargestellten Personen, vor allem der Gesichter, die sich häufig im Halbschatten befinden, scheint sich durch Mosniers Werk zu ziehen. Er weiß den Dargestellten sowohl in seinem Umfeld als auch in seiner Psyche gut zu charakterisieren.

Scheinbar geht es ihm weniger um eine genaue Wiedergabe der Statur und der Gesichtszüge als um die Wiedergabe der inneren Anschauung des Porträtierten, die der Künstler erkennen muss, um die Personen entsprechend darstellen zu können.

Caspar Voghts Bibliothek in Klein Flottbek umfasste rund 3.800 Bände, 200 Landkarten und Kupferstiche. Er sammelte Werke zu Geografie und Geschichte, Gartenbau und Landwirtschaft, Armenwesen und Gefängniskunde.

Reisebeschreibungen, Bücher zu den „Schönen Redekünsten“ und Voghts eigene Abhandlungen über Armenfürsorge und Landwirtschaft waren vertreten. Seine Mineraliensammlung und physikalischen Instrumente verwahrte er in Glasschränken auf.

Viele Autoren, die Voght persönlich kannte, wie F.G. Klopstock und J.J. Rousseau, Goethe und Lessing übersandten Exemplare ihrer Bücher mit persönlicher Widmung.

Als Voght 1839 starb, wurde seine Bibliothek versteigert. Wer die Bücher gekauft hat, ist nicht bekannt. Mit Hilfe des erhaltenen Verzeichnisses des Auktionators ist ein Teil der Bibliothek in der Ausstellung rekonstruiert.

Caspar Voghts Wohnhaus war Mittelpunkt zahlreicher Gesellschaften. Hierhin lud er seine Freunde ein. Es lag als Landhaus im Zentrum seiner ornamented farm in Klein Flottbek.

Nachdem das alte Bauernhaus, das Voght zunächst bewohnte, durch einen Brand zerstört war, beauftragte er 1794 den Architekten Johann August Arens mit dem Bau eines neuen Hauses. Arens entwarf ein ungewöhnliches Gebäude mit einem zweistöckigen Säulenumgang, von dem Voght aus in seinen Garten blicken konnte.

Er verzichtete auf einen repräsentativen Eingang und betonte den ländlichen Charakter des Hauses. Klein Flottbek war für Voght eine ländliche Idylle, ein Ort des Naturgenusses, der Geselligkeit und der Wissenschaft.

Baron Voght und sein Sekretär

Der Spazierstock aus Holz und Elfenbein stammt vermutlich aus dem Besitz Caspar Voghts.

Der Spazierstock war im 18./19. Jh. jedoch nicht nur Gehhilfe, sondern auch Modeaccessoire und Statussymbol.

Caspar Voght lud gern und häufig Freunde und gelehrte Gesprächspartner nach Flottbek ein. Er war ein guter Gesellschafter und häufig Mittelpunkt angeregter Diskussionen.

Das große Möbel-Ensemble steht stellvertretend für solch eine Runde. Es besteht aus einem Ausziehtisch, zehn Stühlen und zwei Armlehnstühlen aus Mahagoni.

Das Porzellan-Service, mit dem der Tisch eingedeckt ist, erhielt Caspar Voght vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. als Geschenk für seine Tätigkeiten im Armenreformwesen.

Botanisch sehr getreu und in feinen Farbabstufungen sind die blühenden blauen Ackerwinden auf dem Porzellan wiedergegeben.

Das Monogramm „FWR“ – Friedrich Wilhelm Rex – weist es als Geschenk des preußischen Königs aus. Die Ackerwinde als Dekor könnte als Hommage des Königs an Voght und seine „ornamented farm“ gedeutet werden.

Der Maler Louis Gurlitt war unter anderem Gast bei Baron Voght. Obwohl er nur die ersten 20 Lebensjahre in Altona und im benachbarten Hamburg verbrachte, gehört er zu den bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten der beiden Städte.

Louis Gurlitts weitgespanntes Œuvre reicht von seinem Frühwerk, aus dem deutlich die Begeisterung für die holländische Landschaftsmalerei des 17. Jahrhunderts spricht, über seine von strengem Naturalismus geprägten Gemälde, Ölstudien und Grafiken bis hin zu großformatigen Panoramalandschaften vor allem Italiens und Schleswig-Holsteins, in denen Naturbeobachtung und ideale Landschaftsauffassung miteinander verschmelzen.

Caspar Voghts ornamented farm in Klein Flottbek

Caspar Voght schuf in Klein Flottbek die bedeutendste ornamented farm in Norddeutschland nach dem Vorbild des Landsitzes „The Leasowes“ des englischen Dichters William Shenstone. Er verband das Schöne mit dem Nützlichen und integrierte landwirtschaftliche Nutzflächen in eine Parklandschaft im Stil eines englischen Landschaftsgartens. 1785 kaufte Voght die ersten Bauernhöfe und erweiterte seinen Besitz in den folgenden Jahren.

Das landwirtschaftliche Mustergut wurde Vorbild für den fortschrittlichen Landbau. Seinen Landarbeitern baute er an der heutigen Baron-Voght-Straße eigene Wohnungen. Er zahlte einen überdurchschnittlichen Lohn und sorgte für Kranke und Witwen.

In Klein Flottbek verwirklichte Voght seine Vorstellungen als Gartenkünstler, Landwirt und Sozialreformer. 1828 verkaufte Voght seinen Besitz an Martin Johan Jenisch.

Mitwirkende: Geschichte

Projektkoordination und Umsetzung: Anna Symanczyk, Martina Fritz
Texte: Dr. Nicole Tiedemann, Martina Fritz
Fotos: Michaela Hegenbarth

Quelle: Alle Medien
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