1800 bis 2017

Mönchengladbacher Textilgeschichte

TextilTechnikum

Von der Handweberei zur Textilindustrie

Die Industrie verdrängt das Heimgewerbe
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das heutige Gladbach ein beschauliches Städtchen in der Preußischen Rheinprovinz. Hier eine Ansicht von Süden von Johann Gottfried Pulian (1809-1875) aus dem Jahr 1856, heute im Städtischen Museum Schloss Rheydt.

Doch beim genauen Hinschauen entdeckt man Zeugnisse des Textilgewerbes, das die Stadt seit Jahrhunderten prägte. Im Vordergrund am Wasser ist deutlich die langgestreckte Färberei von Doores Zimmermann zu erkennen. Schräg dahinter ein Fabrikschlot.

Einen Eindruck von der beschwerlichen Arbeit in der vorindustriellen Handweberei im Heimgewerbe geben die Aufzeichnungen des Martin Pauluhsen aus Rheydt. Er beschreibt, wie er in jungen Jahren Mitte des 19. Jahrhunderts auf den Webstuhl kam.

Film: TextilTechnikum/Radio Viktoria

Zunahme des Fabrikbetriebs

Das traditionelle Heimgewerbe wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Fabrikbetrieb ersetzt. Diese Ansicht Gladbachs aus dem Jahre 1856 rückt einen qualmenden Fabrikschlot ins Zentrum, nicht etwa die das Stadtbild prägenden Kirchenbauten.

Blick auf Rheydt

Noch ländlicher als Gladbach wirkt Rheydt, das erst 1856 Stadtrechte erhielt. Hier eine Ansicht aus dem Jahre 1829 aus dem Städtischen Museum Schloss Rheydt.

Doch auch Rheydt war seit Jahrhunderten durch das Textilgewerbe geprägt. Rechts im Bild, neben der Kirche, ist bereits 1829 ein Fabrikschlot zu erkennen.

Eine andere Abbildung jener Zeit zeigt den aufsteigenden Rauch dieser Fabrik. Auch hier stellt die moderne Industrie den traditionellen Kirchenbau optisch in den Schatten.

Das Interesse des Künstlers an der Abbildung gerade dieser Fabrik überrascht nicht. Es handelt sich um Lenssen und Beckenbach, die die als erste im heutigen Mönchengladbach mit einer Dampfmaschine arbeiteten.

Die Spionage...
Wie kam es zu dieser Entwicklung? Die Entstehung des modernen Fabrikbetriebs, die aus heutiger Sicht fast eine gewisse Zwangsläufigkeit besaß, war keine Selbstverständlichkeit: Eine große Rolle spielte die Initiative einzelner Unternehmerpersönlichkeiten. Der 1805 geborene Wilhelm Dietrich Lenssen - hier ein Foto aus späterer Zeit - war so ein Unternehmer.

Wilhelm Dietrich Lenssen stammte aus einer angesehenen Rheydter Familie, die schon lange im Textilgewerbe tätig war. Zweiundzwanzigjährig, als junger Mann, reiste er 1827 mit zwei Begleitern nach Manchester und Liverpool, dem Zentrum der englischen Industrie. Diese war seinerzeit allen Konkurrenten weit voraus. Wer mit England konkurrieren wollte, musste die dortige Industrie kennenlernen.

Lenssen notierte seine Beobachtungen - flüchtig, hastig auf lose Blätter geschrieben und mit einigen schnellen Skizzen versehen. Werksspionage war damals unter hohe Strafen gestellt und der Export von Dampfmaschinen aus England verboten.

Reiseaufzeichnungen von Wilhelm Dietrich Lenssen, 1827, hastig aufgeschrieben:

"[Dann wird die Kette für den Webstuhl] durch eine Maschine geschlichtet, deren hier 9 waren und deren eine 40 Pfd. kostet

und darauf die Webmaschine. 2 Mädchen von 18 Jahren bedienen eine Maschine. Jeder Schlag des Kamms war ein Faden. Der Kamm schlägt 100 mal in einer Minute. Das Gewebe war recht gut."

Im Jahr der Englandreise Lenssens wurde in seinem heimatlichen Betrieb, der Spinnerei Lenssen und Beckerath, die erste Dampfmaschine im heutigen Mönchengladbacher Gebiet aufgestellt. Das Fabrikgebäude war 1807 errichtet worden, die fotografische Aufnahme zeigt den Zustand 1878.

Die Dampfmaschine stammte von einem anderen Pionier der Industrialisierung in Deutschland, der Firma Harkort in Wetter an der Ruhr. Sie erregte aufgrund ihrer Fortschrittlichkeit großes Aufsehen und die Verbindung zwischen Lenssens Englandreise und dieser technischen Innovation liegen auf der Hand. Erst 1844 sollte die zweite Gladbacher Dampfmaschine folgen.

Industriestadt....
Innerhalb weniger Jahrzehnte veränderte die Industrialisierung die Stadt und das Leben der Menschen grundlegend. Schon äußerlich ist dieser Wandel unübersehbar, wie diese Ansicht der Stadt Rheydt um 1900 zeigt. Fabrikschlote soweit das Auge reicht.

Die Stadt Rheydt ungefähr zur selben Zeit (1896). Sehr schön zu sehen ist die Eisenbahn als wichtiger Motor der Industrialisierung.

Auch in Mönchengladbach lassen sich die gleichen Entwicklungen erkennen - hier eine Darstellung von 1898. Eine Fülle von Fabriken, hauptsächlich Textilbetriebe, dominiert das Stadtbild.

Kesselhaus
1941

Historische Aufnahmen aus dem Textilbetrieb Achter & Ebels in Mönchengladbach zeigen, wie man sich die Arbeit in den Fabriken vorstellen muss. Die Fotos stammen zwar im Wesentlichen aus dem Jahr 1927, einige von 1941, doch hatte sich im Vergleich zur Jahrhundertwende wenig geändert. Eine Dampfmaschine diente als zentrale Energieversorgung. Hier ein Blick ins Kesselhaus.

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Spinnerei
1927

Die Spinnerei war bereits elektrifiziert.

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Schärerei
1941

In der Schärerei sind noch gut die Transmissionsriemen zur Übertragung der Dampfkraft auf die Maschinen zu erkennen.

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Weberei
1927

Auch in der Weberei dominiert der traditionelle Antrieb über Transmissionsriemen.

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach 1927

Weberei
1927

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Wäscherei
1927

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Spannrahmen
1927

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Stopferei
1927

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Werksinstandhaltung
1927

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Werksfeuerwehr

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels 1927/1941
AUNDE, Mönchengladbach

Heute
Derselbe Betrieb heute, aus Achter & Ebels wurde AUNDE. Hier ein Blick in die Schärerei mit einem Gatter mit Garnspulen für das Schären der Längsfäden (Kette) der Gewebe. Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei AUNDE, Mönchengladbach

Blick in die Weberei heute.

Aufnahmen aus dem Produktionsbetrieb bei Achter & Ebels.
AUNDE, Mönchengladbach

TextilTechnikum
Mitwirkende: Geschichte
Quelle: Alle Medien
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