Handel in der Speicherstadt

Speicherstadt digital

Entdecke, wie der weltgrößte zusammenhängende Lagerhauskomplex genutzt wurde - und warum sich dies geändert hat.

Willkommen beim Rundgang zum Thema Handel in der Speicherstadt! An diesem Punkt hier müsste man eigentlich eher noch von einer Rundfahrt sprechen, denn wir befinden uns auf einem der sechs Kanäle, die die Speicherstadt durchziehen. Kanäle heißen hier übrigens Fleete. Wir befinden uns auf dem Kehrwiederfleet und tuckern gerade Richtung Osten.

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Diese Wasserwege waren zumindest früher sehr wichtige Transportwege durch die Speicherstadt. Die Waren, die hier eingelagert werden sollten, kamen zunächst auf Seeschiffen in den große Hafenbecken an, die an die Speicherstadt angrenzten. Von dort wurde die Ware umgelagert in sogenannte Schuten. Das waren kleinere Schiffe, die keine Masten und keinen Motor hatten. Die wurden hier nur mit Muskelkraft durchbewegt. Mit Hilfe von langen Stangen konnten die Ewerführer – so hieß die Berufsgruppe, die die Schuten steuerten – ihre Boote hier durchstaken. Wenn ihr genau hinseht, sieht ihr auch so Ringe im Mauerwerk. Dort konnten konnte man sich zusätzlich einhaken und entlangziehen. Und da die Schuten eben keinen Mast hatten, passten sie auch untern den vielen Brücken durch, die es hier gibt.

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Wir sind ein Stück weitergefahren, mittlerweile auf dem Brooksfleet und gucken hier auf einige Luken in den Speichern. Wenn ihr mal hochguckt seht ihr: Sieben Stockwerke übereinander - eine typische Geschosszahl in der Speicherstadt. Die einzelnen Etagen heißen hier übrigens Böden.

Nun stellt euch vor: Es ist das Jahr 1920 und wir kommen hier gerade mit einer Schute an. Dann würde jetzt das Ausladen beginnen. Das Boot ist voll mit Säcken, Kisten, Fässern oder Ballen, die in einen der Böden umgeladen werden sollen. Ganz oben an den Gebäuden erkennt man so grüne Vorsprünge. Darunter waren früher Seilwinden untergebracht, die die Ware unten an den Haken nehmen und dann hochziehen konnten.

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Man sieht: In einigen Teilen der Speicherstadt sind diese Seilwinden heute noch im Einsatz.

Nun sind wir auf einem der Böden in Block E der Speicherstadt – die Speicher werden hier durch Buchstaben gekennzeichnet. So ein Boden kann etwa 1.800 kg pro qm tragen. Und das ist auch gut so, denn wenn das Geschäft hier richtig brummte, dann waren die Böden bis unter die Decke vollgestapelt. Und zwar typischerweise mit Kaffee, Tee, Kakao, Gewürzen, Teppichen oder auch Tierhäuten.

In den Speichern kümmerten sich richtige Profis um die Güter: Das waren die Quartiersleute und die hießen so, weil sie in Hamburg traditionell in Vierer-Personen-Gesellschaften arbeiteten. Nehmen der fachgerechten Lagerung wurde hier gewogen, sortiert, gereinigt, getrocknet oder auch mal gelüftet – je nachdem, was die Ware brauchte.

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1888 wurde der erste Bereich der Speicherstadt in Betrieb genommen und die Lagerung der Güter hier hatte zwei ganz große Vorteile: Zum einen bieten diese Gebäude mit ihren dicken Mauern Schutz vor großen Temperaturschwankungen – das ist für verderbliche Waren natürlich ideal. Der andere unschlagbare Vorteil: In der Speicherstadt konnte die Ware zollfrei gelagert werden. Eigentlich war Hamburg 1888 dem Deutschen Zollverein beigetreten. Doch die Stadt bestand darauf, ihren Kaufleuten – nicht umsonst Pfeffersäcke genannt – einen Freihafen einzurichten, in dem die zollfreie Lagerung und Weiterverarbeitung möglich und der somit Zollausland war. Die Speicherstadt wurde als zentraler Ort der Lagerung in diesem Freihafen errichtet.

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Auch wenn man jetzt hier durch die Luke den Zollkanal sehen kann, der die Speicherstadt von der City abtrennt, gucken wir jetzt in Richtung Straßenseite dieses Speichers. D.h. Dinge, die an diesem Haken heruntergelassen werden, können unten an der Straße entgegengenommen werden. Das ist auch das Grundprinzip von allen Speicher hier: Es gibt immer eine Wasser- und eine Straßenseite.

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Wir sind jetzt in etwa auf der gegenüberliegenden Seite von der Stelle gelandet, wo wir eben mit Boot, pardon, unserer Schute!, angekommen waren. Und stehen auf der Straße. Die Adresse hier: Brook 5. Es gibt also nicht nur die Buchstabenbezeichnungen für die Speicher, sondern auch richtige Hausnummern.

Das Spannende nun: Genau hier hat die Firma Weber & Möller ihren Sitz – die letzte noch tätige Quartiermannsfirma in der Speicherstadt, die an dieser Stelle in erster Linie aus Tradition noch die Fahne hochhält.

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Die ganze Hafenlogistik sieht heute völlig anders aus als noch vor hundert Jahren, oder auch noch 1960, als dieses Foto entstand. Entscheidend bei dieser Entwicklung: Das Aufkommen des Containers. 1968 kam in Hamburg das erste Containerschiff an. Anfangs wurden die diese Blechkisten noch belächelt. Aber letzten Endes sorgten sie dafür, dass Waren zum einen deutlich günstiger transportiert werden konnten und zum anderen Alles, was mit Umschlag und Lagerung der Containergüter zu tun hatte, viel größere Flächen benötigte. Im Falle von Hamburg hat das übrigens bedeutet, dass sich der Hafen mehr und mehr auf der anderen Elbseite, südwestlich von hier, ausgebreitet hat.

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A propos „alteingesessene Tradition“: Wir sind jetzt von der Straße Brook Richtung Osten in den Pickhuben gelaufen. Und das hier ist Hällssen & Lyon, der erste und, natürlich, älteste Mieter in der Speicherstadt. Ein Teehandelshaus, dem die Teesäcke früher noch per Schute in die Speicher geliefert wurden – mittlerweile kommt der Tee per LKW ins große Lager nach Hamburg-Allermöhe.

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Wenn man von Tee spricht, ist Kaffee nicht weit – zumindest hier in Speicherstadt. Dies ist Block R, wo früher wirklich sehr viel Kaffee gelagert wurde. Mittlerweile wird der Kaffee anderswo im Hafen mit Rohren in große Silos gesaugt und lagert dort.

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Was bleibt sind neue Nutzungen wie diese hier, wo man Kaffee röstet, eine Gastronomie betreibt und sogar ein Kaffeemuseum entstanden ist.

Worauf die Hamburger Hafen Logistik AG, die seit jeher die Speicherstadt verwaltet, bei der Neuvergabe von Flächen immer sehr genau drauf achtet, ist dass die neue Art der Nutzung denkmalgerecht ist. Denn seit 1991 steht das gesamte Areal hier unter Denkmalschutz.

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Wir sind noch einmal zur Straße Brook zurückgekehrt und stehen jetzt vor dem dem immer noch größten Orientteppichlager der Welt. Zwar gehören Teppiche nicht zu den verderblichen Waren, aber sie sind ebenso wie diese sehr anfällig für Temperaturschwankungen. Und, wie ich eben schon erwähnte: Die dicken Mauern hier sorgen für relativ konstante Temperaturen übers Jahr.

Im Gegensatz zu den früheren Kaffee- oder Teespeichern ist dies also ein Bereich, wo die Speicherstadt wirklich noch in ihrer ursprünglichen Bestimmung als Warenlager existiert. Trotzdem muss man auch sagen: Von ursprünglich einmal 200 Teppichhändlern sind heute noch etwa 50 übrig geblieben, also geht auch diese Art der Nutzung zurück.

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Wir kommen langsam zum Ende. Und was passt besser, als uns an dieser Stelle einen Ausgang aus der Speicherstadt zu suchen? Heutzutage ist das ganz leicht – man geht oder fährt einfach über die Kornhausbrücke Richtung City raus.

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Noch bis 2002 hat dieser Schritt bedeutet: Man verlässt das Freihafen-Gebiet und betritt das deutsche Zollinland. Und dann waren eben Einfuhrzölle fällig.Die Häuschen auf der linken und rechten Seite der Brücke lassen es erahnen: Zollkontrollen waren an der Tagesordnung. Und Schmuggel übrigens auch, denn immerhin war der Freihafen für den einen oder anderen Anhänger von Genussmitteln eine gute Möglichkeit, sich günstig mit unverzolltem Schnaps und Zigaretten einzudecken.

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Das niedrige, langgestreckte Gebäude neben der Kornhaus-Brücke beherbergt das Deutsche Zollmuseum. Dort werden auch verschiedene Methoden vorgestellt, um den Zoll auszutricksen – vom Mittelalter bis heute – nur kennt der Zoll diese Methoden halt schon alle.

Was natürlich auf einem anderen Blatt steht, ist die gute alte Bestechung. Man munkelt, die soll es hier auch dann und wann gegeben haben, gerne eingeleitet durch eine Frage wie: „Rauchst du?“ Wenn alles klappte wie geschmiert, wechselte dann bedeutend mehr als nur eine Zigarette den Besitzer.

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Den Freihafen hat man im Bereich Speicherstadt im Jahr 2002 aufgehoben – unter anderem, um den Bau der südlich angrenzenden Hafencity zu ermöglichen. Seitdem ziehen mehr und mehr Nutzer in die Speicherstadt, die mit der ursprünglichen Nutzung als Warenlager nichts zu tun haben. Man kann sagen, dass sich das Areal innerhalb der letzten 10, 15 Jahre komplett neu erfunden hat. Wen das interessiert, dem sei der Rundgang „Speicherstadt heute“ empfohlen.

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Mitwirkende: Geschichte

Autor: Johannes Huhmann, Waterkant Touren
Sprecher: Alexander Böhm

Quelle: Alle Medien
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