Jun 8, 2016

Herzlich Willkommen in der Deutschen Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin

Ohne Pomp und Plüsch bieten 1865 Sitzplätze hervorragende Sicht und Akustik auf allen Plätzen. Im Zentrum des Spielplans stehen die großen Werke des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Bürger Charlottenburgs wagten 1912 eine demokratische Kulturreform, als sie die Deutsche Oper Berlin gründeten. Deren Idealen fühlte sich auch Architekt Fritz Bornemann verpflichtet, der das Haus nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges 1961 neu erbaute.

Ausgezeichnete Sicht und Akustik bieten den Rahmen für Musiktheater von Ausnahmerang, großzügige Foyers sind kultureller Treff der Hauptstadt. Internationale Stars und ein erstklassiges Ensemble präsentieren das an Regiehandschriften reiche Repertoire.

„Die Tragik, die Marguerite erlebt – unverheiratet schwanger, verlassen vom Mann, ins soziale Aus geschleudert, zum Kindsmord getrieben, zum Tode verurteilt – ist eine Geschichte, wie man sie in machoid geprägten Gesellschaften immer noch findet.“ (Philipp Stölzl)

Berückende Melodien, mitreißende Volksszenen auf der Bühne und vor allem die opulente Ausstattung, die originale Bühnenmalereien aus dem 19. Jahrhundert enthält, machen Ponchiellis LA GIOCONDA zu einem glanzvollen Ereignis, das immer wieder aufs Neue begeistert.

„Ich weiß genau, dass die Oper wenig Handlung, zu wenig Bühneneffekte haben wird. Aber der große Reichtum an Poesie, die Lebenswahrheit und Einfachheit der Vorgänge sowie die genialen Verse Puschkins wiegen solche Mängel gewisslich auf.“ (Pjotr I. Tschaikowskij über EUGEN ONEGIN)

„Als wir uns mit LADY MACBETH VON MZENSK beschäftigten, hatten wir immer die Bilder von der Ödnis und Härte im Norden Norwegens vor Augen. Unsere Ismailows handeln mit Fisch, der in diesem Kontext natürlich ein ebenso metaphorisches Signal ist wie die Insel, auf der das Geschehen angesiedelt ist.“ (Regisseur Ole Anders Tandberg)

In Robert Carsens Inszenierung maskiert sich das Theater quasi immer wieder neu und tritt im Dekor der unterschiedlichsten Theaterstile auf, die in dieser Stadt entstanden oder ihre größten Erfolge erlebten – von der Brechtbühne über das Kabarett der Zwanziger Jahre bis zu Peter Stein und seiner Schaubühne.

Verdi, Wagner, Puccini und Strauss, ergänzt um einen Mozart-Schwerpunkt sowie Werkzyklen von Meyerbeer, Berlioz, Britten und Janacek prägen den breitgefächerten Spielplan des Hauses. Die Intendanz von Dietmar Schwarz und Generalmusikdirektor Donald Runnicles setzt verstärkt auf zeitgenössische Werke und Uraufführungen.
Repertoire 1: Giuseppe Verdi
Er ist einer der vier Säulenheiligen des Repertoires und bildet selbstverständlich einen Schwerpunkt im Spielplan. In den letzten Jahrzehnten haben große Regisseure wie Hans Neuenfels, Götz Friedrich, Keith Warner, Robert Carsen, Marco Arturo Marelli, Andreas Kriegenburg, Christof Loy, Benedikt von Peter oder Opern-Newcomer wie Jan Bosse Verdis großartigen Werken ihren inszenatorischen Stempel aufgedrückt. Konzertante Aufführungen von ERNANI, I DUE FOSCARI oder ATTILA rundeten in den vergangenen Jahren die Werkschau ab.

Es ist das Spiel mit den Wirkungskräften des Musiktheaters, das Jan Bosse in seiner Regie interessiert. Im gespiegelten Zuschauerraum des Opernhauses verschwimmt die Grenze zwischen Publikum und Bühne.

In Benedikt von Peters AIDA-Inszenierung sitzt der Chor zwischen dem Publikum, das der kriegerischen Gesellschaft in Verdis Oper erschreckend nah ist. Kein Orchestergraben trennt Sänger und Zuhörer.

Götz Friedrich reizte am MASKENBALL die Idee, dass der schwedische Monarch nicht nur ein „energischer Reformer war, der die Privilegien des Adels beseitigte“, sondern dass dieser „selber ein Spieler war, dessen Leben wie eine Selbstinszenierung anmutete“.

Bildmächtig, religionskritisch, hochsensibel jedwedem Machtmissbrauch gegenüber, gilt Hans Neuenfels Inszenierung von DER TROUBADOUR bis heute als Meilenstein in der Rezeption dieser Verdi-Oper.

Götz Friedrich erzählt LA TRAVIATA in der Atmosphäre eines Requiems: Idyllisch überfärbt oder karnevalesk verzerrt verlebendigen sich die Erinnerungen der vergangenen Lebens-und Liebensfreude der Kurtisane Violetta Valéry.

Auf der einen Seite die kriegerischen Babylonier, auf der anderen die Hebräer als Volk der Schrift und der Reflexion. Für Regisseur Keith Warner erzählt Verdis Werk vom Kampf zwischen Geist und Gewalt und der allmählichen Durchdringung dieser Gegensätze in der Figur des Nabucco.

Wie viel Jugend steckt immer noch im Alter? Als eine Hommage an den junggebliebenen Verdi versteht Regisseur Christof Loy seine Interpretation von FALSTAFF an der Deutschen Oper Berlin.

Regisseur Marco Arturo Marelli ließ sich für seine Inszenierung vom Escorial inspirieren, der einem monumentalen Grab gleicht, und kleidet das Werk in eine bedrückende Architektur aus Rost und Stein.

Repertoire 2: Richard Wagner
Richard Wagners Werk bleibt auch im 21. Jahrhundert eine Herausforderung: Für Sänger und Musiker, für Dirigenten und Regisseure. Denn Musik ist für ihn, wozu uns die Worte fehlen – Sprache der Leidenschaft. Kaum ein anderer Komponist konnte Überwältigung so wirkungsmächtig entfesseln wie er. Kaum einer hat für die geistige und die triebhafte Sphäre des Menschen so einprägsame und anrührende Vokabeln gefunden. Seine Erlösungsphantasien und Untergangsszenarien sind bis heute Plädoyers für ein Leben fernab aller einengenden, fremdbestimmten Traditionen. Seit ihrer Gründung im Jahre 1912 ist die Deutsche Oper Berlin dem Œuvre dieses Komponisten aufs Tiefste verbunden. Derzeit befinden sich RIENZI, TANNHÄUSER, LOHENGRIN und PARSIFAL sowie DER RING DES NIBELUNGEN im Repertoire. 2017 feiert DER FLIEGENDE HOLLÄNDER Premiere.

Philipp Stölzl sezt den Fanatismus hermetischer Religionsgemeinschaften ins Zentrum seiner PARSIFAL-Deutung, die auf einer Zeitreise durch Jahrtausende in opulenten Tableaux Vivants Niederschlag finden.

Philipp Stölzl erzählt RIENZI als Parabel über politische Erlösungssehnsucht im 20. Jahrhundert. Er beschreibt die Karriere eines charismatischen Politikers, das Entstehen und Scheitern von Diktatur.

Verrat, verlorene Ehre, Schuld und Sühne, leidenschaftliche Liebe und das Verlangen nach Tod und Vergessen: Graham Vick versetzt die tragische Ménage à trois ins Hier und Heute.

Eines der die Inszenierung bestimmenden Bühnenelemente: Die große Tristanlampe, aus dem Schnürboden hängend.

Wahlkampf in Brabant: Lohengrin beherrscht die mediale Geste, baut einen Heilsmythos um sich auf. Man kann ihn leicht als machtpolitischen Blender begreifen, der seine Chance wittert, in zerrütteten Landen einen neuen Staat zu etablieren. Die Schlachtrufe ertönten bereits.

In großen mittelalterlichen Tableaux erzählt Kirsten Harms diese Historie als Allegorie auf die platonischen Formen der Liebe, Sinneslust, Hohe Minne, Nächstenliebe.

Der Ring des Nibelungen
„Für GÖTTERDÄMMERUNG hatten wir einen Tunnel vorgesehen in Anlehnung an die Washingtoner Metro (...) Wir entschlossen uns, diese Tunnelidee für den ganzen Zyklus zu verwenden und wurden dabei gestützt von Henry Moores Zeichnungen aus den Londoner U-Bahn-Tunnels und vielen anderen Anregungen, die bald in den Begriff des „Zeittunnels“ gefasst wurden. Es schien uns die geeignete Dimension, Raum und Zeit zu kombinieren, Vergangenes, Heutiges und Künftiges zu überlagern und sich durchdringen zu lassen. Und der Gedanke, dass der RING ein Parabel-Spiel sei, konkretisierte sich uns auf verblüffende Weise: die Götter und die ihnen feindlich und freundlich zugehörenden Lebewesen haben sich unter die Erde zurückgezogen. Und dort spielen sie sich und uns noch einmal und immer wieder das große Spiel um Macht und Liebe vor …“ (Götz Friedrich)

„Die Götter, angelangt am Ende der Tage, wollen in Sicherheit dennoch die Zeiten überdauern. Noch einmal versuchen sie, sich ihre Geschichte zu imaginieren. Noch einmal spielen sie das große Welttheater vom Ring.“ (Götz Friedrich)

Das End-Spiel schreitet fort. Die Geschichte des Untergangs, die sich die in den Tunnel der Zeit geratenen Götter noch einmal imaginieren, erzählt nun von der Hoffnung auf den nicht durch Göttlichkeit gebundenen Menschen.

Weitab von der Welt zieht Mime Sieglindes Sohn auf. In der Fürsorge verfolgt Mime jedoch allein das Ziel, den Riesen Fafner, der den Hort mit dem Nibelungenschatz hütet, durch den Jungen, Siegfried, töten zu lassen ...

„In diesem Tunnel gelang es uns manchmal, die verschiedenen Zeiten, die Zeitgeschichte, die der RING bildet und darstellt, in einem Raum konkret Ereignis oder Spiel werden zu lassen. Und mehr konnte damit gefunden oder gesagt werden: alles, was war, kann noch einmal sein. Und was sein wird, war schon einmal, anders vielleicht, aber ähnlich. Anfang ist Ende, und Ende ist immer wieder nur Anfang.“ (Götz Friedrich)

Repertoire 3: Giacomo Puccini
In seinen Werken fokussierte Giacomo Puccini sozialkritische Themen unterschiedlicher Kulturen und lehnte sich mit der Auswahl der Stoffe an die Stilrichtung des Verismo an. Sein künstlerisches Schaffen erstreckte sich über 40 Jahre, von 1884 bis 1924, währenddessen zwölf Opern entstanden sind, die ihn bis heute zu einem der erfolgreichsten Opernkomponisten machen. Im Repertoire der Deutschen Oper Berlin befinden sich derzeit MANON LESCAUT, LA BOHEME, TOSCA und MADAMA BUTTERFLY, DAS MÄDCHEN AUS DEM GOLDENEN WESTEN, TURANDOT sowie seine einzige Komödie LA RONDINE.

Rolando Villazón nimmt sich der selten gespielten Oper als Regisseur an und streicht die sich in der Verschränkung von Oper und Unterhaltungstheater schon ankündigende Pluralität der „Roaring Twenties“ heraus.

Auch die seltener gespielten Werke Puccinis haben einen prominenten Platz in der mit dem Komponisten verbundenen Repertoire-Tradition der Deutschen Oper Berlin. DAS MÄDCHEN AUS DEM GOLDENEN WESTEN kam nach der Uraufführung 1910 in New York bereits 1913 am Deutschen
Opernhaus zur deutschen Erstaufführung ...

... Puccini war selbst nach Berlin gereist und äußerte sich begeistert über die Arbeit des Dirigenten Ignatz Waghalter. Vera Nemirova kreierte die vierte Inszenierung dieser rasanten und sehr spannenden Goldgräber-Oper an der Bismarckstraße.

Puccinis LA BOHEME zeigt vier junge und verarmte, in Paris lebende Künstler, die sich mit ihren Hoffnungen, Enttäuschungen und Träumen durch das Großstadtleben mit allen Freuden, aber auch Leiden schlagen. Diese romantische, aber auch heruntergekommene Szene von Paris wird in Götz Friedrichs Inszenierung vorgestellt.

Puccini hat die „japanische Tragödie“ MADAMA BUTTERFLY, in der er die Kehrseite des Kolonialismus zeigt, zeitlebens als sein liebstes und auch bestes Werk bezeichnet. Tatsächlich entspricht es seiner selbstgewählten Maxime der „Musik der kleinen Dinge“ geradezu meisterhaft.

TOSCA erzählt die Geschichte einer großen Liebe in Zeiten des Terrors und der politischen Verfolgung. Boleslaw Barlog ist es mit dieser Produktion gelungen, die Atmosphäre der Originalschauplätze einzufangen und einen Klassiker zu entwerfen.

Anstelle psychologisch-realistischer Details wendet Puccini sich in seinem Spätwerk dem Märchen zu: Im Zentrum die grausame und hypnotisierend schöne Prinzessin Turandot, die ihr Volk terrorisiert. Nur die Verheiratung kann das Terrorregime bannen …

Repertoire 4: Richard Strauss
Man könnte ihn den bürgerlichsten aller Komponisten nennen. Nicht nur, weil Strauss privat ein geordnetes Familienleben fernab jeglicher Exzesse führte, sondern auch, weil er in seinen Opern die Überzeugung proklamierte, dass ein funktionierendes Familienleben auf der Basis gegenseitigen Verstehens und Verzeihens die unentbehrliche Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft ist ...

... Im letzten Jahrzehnt wurden an der Deutschen Oper Berlin SALOME, ELEKTRA, DIE ÄGYPTISCHE HELENA, DIE LIEBE DER DANAE und sein ROSENKAVALIER regelmäßig aufgeführt.

Götz Friedrich gelingt es in seiner klassischen Inszenierung von DER ROSENKAVALIER, eine spielerische Balance zwischen den komischen und anrührenden Seiten dieses Klassikers zu finden.

In seiner brillanten Neuinszenierung zeigt Claus Guth, der Psychologe unter Deutschlands Starregisseuren, dass Strauss’ Version der Geschichte weit mehr ist als ein lustvolles Spiel mit der Dekadenz, und legt konsequent die Triebkräfte der Hauptfiguren frei.

Ein letztes Mal beschwor Strauss in seiner DANAE die Welt der Antike. Kirsten Harms liest das Spätwerk als melancholischen, aber nicht resignativen Abschied des Komponisten von einer Welt, die nicht mehr die seine ist, aus deren Trümmern aber etwas Neues, Gutes erwachsen kann. Diese Produktion liegt als DVD im Handel vor.

Erst in den letzten Jahren wurde die Welt wieder auf die humane und durchaus aktuelle Botschaft aufmerksam, die Strauss und Hofmannsthal hier ins Kostüm einer Antikengeschichte kleideten: ...

... In seiner Inszenierung erzählt Marco Arturo Marelli in einem von der Entstehungszeit des Werkes inspirierten Dekor die Geschichte eines Paares, das versucht, gemeinsam noch einmal von vorn anzufangen.

Weiter ging Richard Strauss nie mehr: Um seiner Oper über die von Rachedurst verzehrte Tochter des Königs Agamemnon die ganze Wucht der griechischen Tragödie zu verleihen, schöpfte Strauss die klanglichen Möglichkeiten des klassischen Sinfonieorchesters bis ins Extremste aus.

Repertoire 5: Wolfgang Amadeus Mozart
In den letzten 10 Jahren hat sich die Deutsche Oper Berlin immer wieder in Neuproduktionen dem Werk Wolfgang Amadeus Mozarts zugewandt: Den Beginn machte 2010 Roland Schwabs rabenschwarze Interpretationen von DON GIOVANNI. Es folgten im Abstand von wenigen Monaten 2016 zunächst DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL in einer frechen Regiearbeit von Bühnen-Rebell Rodrigo Garcìa und COSI FAN TUTTE von Schauspielregisseur Robert Borgmann. Außerdem im Repertoire: DIE HOCHZEIT DES FIGARO in der klassisch-zeitlosen Sichtweise von Götz Friedrich und DIE ZAUBERFLÖTE von Günter Krämer.

Eine „Schule der Liebenden“ nannten Mozart und da Ponte ihre COSI FAN TUTTE. Dieser Untertitel verrät, worum es eigentlich geht: um die Selbsterkenntnis, die die Grundlage dafür bildet, überhaupt einen anderen lieben zu können. Eine Inszenierung von Robert Borgmann.

Gezielt bahnte sich Regisseur Roland Schwab seinen Weg durch den von Deutungen überladenen Stoff, sucht einen ganz eigenen Zugang, findet den dämonischen Don Giovanni, einen, durch dessen Augen man in einem Moment in tiefe schwarze Löcher stürzen kann, um im nächsten Moment seinem Witz zu erliegen.

Die Inszenierung von Götz Friedrich folgt der Mozartschen Vorgabe mit psychologischem Scharfblick, Sinn für das Absurd-Komische in den sich steigernden Verwicklungen und mit dem Verständnis für die menschliche Unvollkommenheit, die Mozart, nie entlarvend, aber immer kritisch analysierend, begreifbar macht.

Bei der ersten Opernarbeit von Rodrigo Garcìa steht das Menschsein im Zentrum, das sich in der Musik der ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL in all seinen Facetten mitteilt – von überbordender Fantasie und spielerischer Vitalität über Sehnsucht und Verzweiflung bis hin zu schierer Triebhaftigkeit und animalischer Grausamkeit.

Repertoire 6: Janacek, Meyerbeer, Berlioz und Britten
Neben dem Kernrepertoire um Mozart, Wagner, Verdi, Puccini und Strauss erschließt die Deutsche Oper Berlin in den letzten Spielzeiten systematisch das Werk der Komponisten Leos Janacek (JENUFA und DIE SACHE MAKROPULOS ergänzen DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN), Giacomo Meyerbeer (VASCO DA GAMA, DIE HUGENOTTEN und 2017 DER PROPHET), Hector Berlioz (DIE TROJANER, FAUSTS VERDAMMNIS, ROMEO UND JULIETTE) sowie Benjamin Britten (PETER GRIMES, DIE SCHÄNDUNG DER LUCRETIA, BILLY BUDD und TOD IN VENEDIG).

Leos Janaceks Opern bilden einen Repertoire-Schwerpunkt: DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN (Regie: Katharina Thalbach), JENUFA (Regie: Christof Loy, auch als DVD) und DIE SACHE MAKROPULOS (Regie: David Hermann)

Christof Loy ist mit Janaceks JENUFA ein veritabler Geniestreich geglückt, der durch eine sehr gelungene Inszenierung und ein Weltklasse-Ensemble zu den überzeugendsten Darbietungen des Stücks an deutschen Bühnen gehört. Erhältlich auch auf DVD und Blu-Ray.

Giacomo Meyerbeer: VASCO DA GAMA
„Für uns diese Sonne, die mich überflutet. Für uns diese indischen Schätze! O traumhafter Augenblick, o neue Welt, sei gegrüßt! Ich habe dich erobert, ich verbinde mich mit dir, sei also mein, du schönes Land!“ (Vasco)

Mit einer konzertanten Vorstellung von DINORAH eröffnete im Oktober 2014 die Deutsche Oper Berlin ihren Meyerbeer-Zyklus, der aus VASCO DA GAMA, DIE HUGENOTTEN und DER PROPHET (Premiere im November 2017) besteht. Unter Leitung von Enrique Mazzola sangen Patrizia Ciofi; Etienne Dupuis, Philippe Talbot. Erhältlich als CD-Box.

„Ich möchte diese Oper so erzählen, dass die Kontrastdramaturgie Meyerbeers möglichst wirkungsvoll und deutlich zur Geltung kommt und damit auch die musikalische Vielfalt, die den Zeitgenossen natürlich bewusster war, spürbar wird. Deshalb fände ich es auch nicht richtig, das Stück konkret in einer Epoche zu verankern, sondern nutze Elemente verschiedener Epochen von der Renaissance bis heute, um den Collagecharakter zu betonen.“ (David Alden)

„Es ist eine subkutan bedrohlich werdende Inszenierung, die fast unbemerkt und umso perfider ihre Wirkung entfaltet, wie ein feuchter Pullover auf der Haut.“ (BR) Von Presse und Publikum gefeiert die Inszenierung, das Interpreten-Ensemble, der Chor und das Orchester unter Stabführung Donald Runnicles'. Mit PETER GRIMES eröffnete die Deutsche Oper Berlin den auf mehrere Spielzeiten angelegten Britten-Zyklus, dem THE RAPE OF LUCRETIA, BILLY BUDD und im Frühjahr 2017 DEATH IN VENICE folgten.

Mit den TROJANERN eröffneten Donald Runnicles und David Pountney im Jahre 2010 den szenischen Zyklus von Berlioz' Werken an der Deutschen Oper Berlin. Es folgten 2014 FAUSTS VERDAMMNIS in einer Inszenierung von Christian Spuck sowie 2015 ROMEO UND JULIETTE in einer Inszenierung von Sasha Waltz.

In seiner Doppeloper DIE TROJANER knüpft er in einem Panorama gigantischer Ausmaße ein Netz individueller Schicksale, findet aber gleichzeitig zu Perspektiven überindividuellen und überzeitlichen Formats. Berlioz zeigt die Schrecken des Krieges, koppelt Erkenntnis und Hilflosigkeit zu einem grausamen Gespann, berichtet von Liebe und Verzicht, von unverschuldeter Schuld und schicksalhafter Bestimmung.

Nichts kann Faust aus dieser Langeweile und Lethargie herausreißen, weder kriegerischer Lärm noch Folklore, noch alles, was Méphistophélès an musikalisch-theatralischem Spektakel aufbietet. Dieses Spektakel rückt Christian Spuck ins Zentrum seiner Auseinandersetzung.

„Wir haben versucht, den Revue-Charakter des Werks zu betonen. Wir positionieren das Orchester in U-Form und holen es aus dem Graben heraus. Wir haben zehn Tänzer, die in der gesamten Produktion eine große Rolle spielen, der Gesang ist nur ein künstlerisches Mittel unter vielen.“ (Christian Spuck)

„Ich versuche, auf emotionale und abstrakte Art mit den Körpern und mit dem Raum zu erzählen. Wenn ich ‚Körper‘ sage, denke ich nicht nur an den Körper des einzelnen Tänzers, sondern auch an die Notwendigkeit, einen kollektiven Körper zu erschaffen, einen großen, lebenden Organismus, in dem es aber Raum für Individualität gibt. (...) Die Romantik von Berlioz ist ein reißender Strom, berauschend und besonders geeignet, diesen Organismus hervorzubringen. Man wird, im wahrsten Sinne des Wortes, davon getragen.“ (Sasha Waltz)

Hector Berlioz und Sasha Waltz legen in ROMEO UND JULIETTE die „Seelenlandschaften einer Gesellschaft“ bloß, „die – über Jahre verfeindet – keinen Weg in den Frieden findet ... Sie verfolgt die Emanzipation eines jungen, mutigen Mädchens und eines Jünglings, die gegen diese Situation mit ihrer Liebe aufbegehren, um ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben zu leben“, so Sasha Waltz.

Repertoire 7: Uraufführungen und zeitgenössisches Musiktheater
Zeitgenössische Oper spielt an der Deutschen Oper Berlin eine herausragende Rolle – so eröffnete Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN 2012 die Intendanz von Dietmar Schwarz. Weitere wichtige Produktionen waren Xenakis’ ORESTEIA (2014) und Haas’ MORGEN UND ABEND (2016). Im Februar 2017 folgte die Uraufführung von Scartazzinis EDWARD II. Die Saison 17/18 beginnt im Oktober mit der Uraufführung von Aribert Reimanns L’INVISIBLE.

Eine „Musik mit Bildern“ nennt Lachenmann seine packende musikalische Studie über die Eiseskälte einer Gesellschaft, über menschliche Einsamkeit und die Erfahrung von Unbehaustheit. Entstanden ist eine der radikalsten und aufregendsten Partituren der Musikgeschichte, inszeniert 2012 von David Hermann.

„Ich hoffte, so etwas wie eine Alternative in der Kunst zu formulieren und den Begriff Musik auf Kategorien zu bringen, bei denen es sozusagen knistert, wo das Hören – nicht unbedingt der Hörer – aber das Hören verunsichert wird. Dies bezeichnet eine Verunsicherung, die sich zugleich aber als Öffnung ins Freie bewähren muss.“ (Helmut Lachenmann)

Das Künstlernetzwerk phase7 zeigt Kagels HIMMELSMECHANIK eingebettet in die 60er Jahre-Ästhetik des Rang-Foyers der Deutschen Oper Berlin. In einer direkt anschließenden Neukomposition von Christian Steinhäuser führt phase7 das Kagelsche Motiv der maroden Himmelsmechanik in die Realität des neuen Jahrtausends.

Inspiriert von Forschungsergebnissen des CERN schickt das Libretto von Christiane Neudecker Zuschauer und Sänger auf die Suche nach der Entschlüsselung einer kryptischen Weltmechanik.

Das Parkhaus wird zum Bühnenraum für Iannis Xenakis' Musiktheater ORESTEIA: Ein kraftvolles Werk mit höchst eigener Musiksprache, in der Schlagwerk und rhythmische Elemente im Zentrum stehen und große Erzählerberichte und chorische Partien eine stilistische Anlehnung an die antike Theatertradition suchen. Eine Inszenierung von David Hermann.

MORGEN UND ABEND ist eine Reflexion über Anfang und Ende menschlicher Existenz. Geschrieben und komponiert in einer lakonischen und doch poetischen Sprache, die sich niemals sentimental, vielmehr hochsensibel des Themas annimmt. Es ist die zweite Zusammenarbeit des Schriftsteller-Komponisten-Gespanns Jon Fosse und Georg Friedrich Haas. Inszeniert von Graham Vick.

„Ich würde den Stil Scartazzinis als saftig, als sehr frei und als sehr organisch definieren. Schon beim ersten Blick in die Partitur fiel mir ins Auge, wie spezifisch diese Musik ist. Es gibt tonale Linien, es gibt eine reiche Klanglichkeit und Klarheit. Was mich auch fasziniert, ist die Klangsprache des Zornes, auch des Stolzes, die man in vielen Szenen findet. Das steht in der zeitgenössischen Musik einzigartig da.“ (Dirigent Thomas Søndergård)

Narration, Psychologie und Konzentration in Dramaturgie und Komposition bestimmen Scartazzinis Opern. Das filmschnittartiges Libretto verhandelt die Albträume des Königs, die Hetzjagden des Mobs, Buffo-Szenen in Shakespeare-Tradition genauso wie Fragen nach Tod und Transzendenz. Regie: Christof Loy.

Deutsche Oper Berlin
Credits: Story

Deutsche Oper Berlin >>> Bismarckstraße 35 >>> 10627 Berlin.

Credits: All media
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