2007 bis 2016

Dinge bleiben Geschichte

Museen der Stadt Nürnberg

Die Museen der Stadt Nürnberg sind ein Verbund aus sieben Museen, zwei historischen Sehenswürdigkeiten und verschiedenen Sammlungen. In der Reihe "Schaustück des Monats" präsentieren sie der Öffentlichkeit regelmäßig je ein ausgewähltes Exponat aus ihren verschiedenen Einrichtungen. Im Lauf einiger Jahre entstand so eine Art museales Panorama der Stadt – ein Querschnitt an Objekten, von denen jedes einzelne für sich einen Ausschnitt aus der Geschichte der Stadt erzählt.

Reisende Künstler haben ab 1820 das Aussehen des Albrecht-Dürer-Hauses in Zeichnungen und Aquarellen auch außerhalb Nürnbergs verbreitet. Anlässlich der Nürnberger Dürer-Feiern zum 300. Todestag des Malers präsentierte der als Landschafts- und Architekturmaler bekannte Berliner Johann Heinrich Hintze (1800-1861) im September 1828 dieses Gemälde. Dargestellt ist das Wohnhaus des "größten deutschen Künstlers" und seine städtebauliche Einbindung. Im Jahre 2001 erwarb die Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung das Gemälde aus belgischem Privatbesitz.

Neben der "Apokalypse des Johannes" und der "Großen Passion" gehören die 20 Blätter des "Marienlebens" zu den bedeutendsten Holzschnitten Albrecht Dürers. Zunächst nur als Einzelblätter verlegt, erschien das "Marienleben" 1511 in Buchform. Mit einem ruhigen, volkstümlichen und fast humorvollen Unterton schildert Dürer das Leben der Gottesmutter in überaus ausdrucksvoller Weise. Seine beeindruckende Leistung in der Entwicklung der Technik und Interpretation des Mediums Holzschnitt lässt sich am "Marienleben" besonders anschaulich nachvollziehen. Daneben versuchte Dürer, seine auf den Italienreisen gewonnenen Kenntnisse über die Perspektive umzusetzen. Die Kompositionen sind rational durchdacht und zeigen meist friesartige Figurenkompositionen in hoheitsvollen Rahmenarchitekturen.

1526 schenkte Albrecht Dürer dem Nürnberger Rat zwei Tafelbilder mit der Darstellung der Apostel Johannes, Petrus, Paulus und Markus. Sie gehören heute zu den bedeutendsten Werken der europäischen Malerei. Gemeinsam mit vier weiteren Bilderpaaren machten sie das Nürnberger Rathaus zeitweise zu einem regelrechten "Dürer-Museum": Für etwa 30 Jahre waren hier insgesamt zehn hochkarätige Dürer-Originale versammelt. Doch bereits 1587 begann die Verlustgeschichte der Nürnberger Dürer-Bestände, als Kaiser Rudolf II. das Bilderpaar "Adam und Eva" für seine Prager Sammlung reklamierte. 50 Jahre später nutzte Kurfürst Maximilian I. von Bayern den Druck des Dreißigjährigen Krieges, um 1627 vom protestantischen Nürnberg die Herausgabe der "Vier Apostel" zu verlangen. Die Taktik des Nürnberger Rates, dem Kurfürsten stattdessen qualitätsvolle – 1627 von Johannes oder Georg Vischer geschaffene – Kopien dieses Hauptwerkes anzubieten, ging nicht auf: Seit damals gelten Dürers vier heilige Männer als Prunkstücke der Münchener Sammlungen.

Etwas surreal wirkt die Szenerie schon: Da steht sich der Meister gleichsam selbst gegenüber, zu beiden Seiten eines Tisches, dessen Fuß von einer furchteinflößenden Maske gebildet wird. Darüber prangen das Wappen des Künstlers und die Grabinschrift vom Nürnberger Johannisfriedhof, während auf der Tischkante ein angeblicher Wahlspruch Dürers erscheint: "Durch Arbeit und Beständigkeit". Der Kupferstich von Lucas Kilian begnügt sich indes nicht mit der Demonstration von bloßer Sympathie für das große Vorbild: Bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass nur die Palette am rechten Bildrand auf Dürer als Maler verweist, während alle anderen Bildgegenstände den Themenkreisen seiner drei Lehrbücher entstammen. Und warum ist das rechte der beiden Bildnisse mit 1517 datiert, obwohl das Gemälde, dem es entstammt, einwandfrei die Jahreszahl 1511 und eine völlig andere Inschrift trägt? Die Reihe der Fragen ist ebenso lang wie spannend.

Unser heutiges Dürerbild ist vom Heroenkult des 19. Jahrhunderts geprägt. In ihm spiegelt sich das Aufkommen und Anwachsen des deutschen Nationalbewusstseins seit den Napoleonischen Kriegen. Mit wachsender Verehrung und Verklärung Dürers entstand ein verstärkter Bedarf an entsprechenden Bildnissen, die dem Zeitgeschmack entsprachen. Einer der Prototypen dafür stammte von der Hand eines der bedeutendsten Bildhauer des Klassizismus: Christian Daniel Rauch, der das Modell für das Standbild auf dem Albrecht-Dürer-Platz schuf. Dieses goss der bedeutende Nürnberger Bildhauer und Erzgießer Jacob Daniel Burgschmiet 1849 in Bronze. Im Sommer 2009 wurde von diesem Nürnberger Dürer-Denkmal ein Silikonabdruck des edlen Hauptes genommen. Ergebnis dieser Maßnahme war ein Gipsabguss des markanten Gesichts.

Eine umfangreiche Schrifttafel hilft zwar, den rätselhaften Bildsinn zu entschlüsseln, aber einen brauchbaren Titel enthält sie nicht. "Der Geiz und die Fehlgeburt" – oder auch "Der Geiz oder Die unzeitige Geburt" – ist eine Erfindung der Kunstgeschichte für den winzigen Kupferstich. Es ist eine merkwürdige Szenerie: Eine Kröte sitzt auf der Schulter eines muskulösen nackten Mannes. Er trägt zwei Geldsäcke, vor ihm räkelt sich eine ebenfalls unbekleidete Frau auf dem Boden und blickt auf einen vor ihr liegenden Säugling – eine blasphemische Umdeutung der Geburt Christi? Zuzutrauen wäre es Barthel Beham durchaus, denn berühmt wurde der Nürnberger Maler und Kupferstecher nicht nur mit hochrangigen Werken, sondern zunächst mit dem Skandal um "Die drei gottlosen Maler von Nürnberg": 1525 wird er mit seinem Bruder Sebald und Georg Pencz der Ketzerei angeklagt. Der Stadt verwiesen, lässt er sich in München nieder, wo er Hofmaler am katholischen bayerischen Herzogshof wird.

Dürers letztes autonomes Selbstporträt aus dem Jahr 1500 ist nicht nur ein Gemälde von einzigartigem künstlerischen Rang, sondern wegen seiner Aufladung mit christlichen, humanistischen und kunsttheoretischen Sinnebenen auch ein Hauptwerk der Weltkunst überhaupt. Wie seine Bildaussage, so ist auch die Überlieferungsgeschichte dieses Selbstbildnisses von Rätseln umgeben: Einigermaßen fest steht, dass die kurfürstliche Galeriedirektion in München die vorliegende Gemäldekopie 1805 von Küfner kaufte. Doch war er wirklich der Urheber dieses Werkes? Warum forderten die Nürnberger 1822 die Rückgabe des Werks? Warum gibt es in den Ratsprotokollen der Noch-Reichsstadt keinerlei Vermerke über den Verkauf eines so wichtigen Werks? Und warum kopiert das Bild – höchst ungewöhnlich! – auch die Rückseite des Münchner Originals so genau?

Der bedeutende Nürnberger Grafiker Haller, 1771 als Mitglied einer der angesehensten Patrizierfamilien in Hiltpoltstein geboren, entdeckte schon früh seine Neigung zu den graphischen Künsten, der eine entsprechende Ausbildung folgte. Sein aus 58 Blatt bestehendes, sehr gut erhaltenes Skizzenbuch konnte aus Privatbesitz erworben werden. Das bisher gänzlich unpublizierte Werk enthält insgesamt 76 selbständige Zeichnungen und Skizzen, von denen etliche nachträglich auf Leerseiten des Bandes eingeklebt sind. Sie zeigen einen aufschlussreichen Querschnitt des vielfältigen Schaffens Hallers, angefangen von Anatomiestudien über Kopien nach Werken älterer Meister bis hin zu Erinnerungsblättern und Vorstudien zu seinen Radierungen und Exlibris.

Ein kleinformatiges Aquarell mit der Nürnberger Burg, gesehen von Norden, erlangte im Jahr 2007 auf internationalem Parkett besondere Beachtung: Es war Teil der großen Ausstellung "Dürer e l'Italia" in Rom. Viele Jahre hatte es ein Schattendasein in den Tiefen der städtischen Kunstdepots gefristet, bis sich Matthias Mende als profunder Dürer-Kenner seiner annahm und es der Hand des großen Nürnberger Meisters zuwies. Das war im Nürnberger Jubiläumsjahr 2000 anlässlich der Ausstellung "Albrecht Dürer - ein Künstler in seiner Stadt" im Stadtmuseum Fembohaus. Dieser Zuschreibung folgte man auch während der großen Dürer-Ausstellung in Wien (2003). In Rom schließlich war man etwas vorsichtiger, indem man im Katalog hinter Dürers Namen "(attr.)" setzte.

Das Gemälde illustriert das Thema Reisen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Davor verstand man unter Reisen vor allem die "Grand Tour" der Adeligen und Reichen. Erst jetzt etablierte sich die "Bildungsreise" für breitere Bevölkerungsschichten. In dem Gemälde des Malers und Lithographen Carl Ludwig Schubart ist in felsiger Landschaft eine "Reisegesellschaft" zur Rast vereinigt. Trotz der sommerlichen unbeschwerten Stimmung blicken, bis auf den Reiseführer und das kleine Mädchen im Vordergrund, alle griesgrämig drein und lesen dabei jeweils intensiv in einem roten Buch. Keiner der Reisenden nimmt die weite Landschaft oder die nähere Umgebung wahr. In dem roten Buch ist unschwer der sogenannte "Baedeker" zu erkennen – damals der am weitesten verbreitete Reiseführer. 1857 nimmt Schubarts witziges Gemälde bereits ein Phänomen vorweg: Reisen wird zum prestigeträchtigen Konsumartikel, bei dem das wirkliche Interesse für fremde Kulturen nachrangig werden kann.

Auf dem riesigen Holzschnitt findet eine der Schlüsselszenen des Neuen Testaments statt: die Taufe Christi durch Johannes den Täufer im Jordan. Das biblische Heilsgeschehen wurde in das Jahr 1559 verlegt, aus dem Jordan wurde die Pegnitz, aus Jerusalem Nürnberg. Das ganze vollzieht sich wie eine Vision vor den Augen der wichtigsten politischen und militärischen Schirmherren der Reformation, denen rechts Johann Hus, Martin Luther und Philipp Melanchthon gegenüberstehen. Über all dem öffnet sich der Himmel für Gottvater. Kurz nach dem epochalen Augsburger Religionsfrieden von 1555 wird hier also Nürnberg als Heimstatt des Protestantismus inszeniert: Umgürtet von seiner berühmten Stadtmauer, beschirmt von den mächtigen Herrschern Brandenburgs und Sachsens und unter der Observanz der wichtigsten Reformatoren scheint die Reichsstadt für eine glänzende Zukunft im Zeichen des Protestantismus bestens gerüstet.

Wilhelm Ritters Nürnberg-Triptychon war im Auftrag der Stadt Nürnberg für die Weltausstellung in Paris (1900) entstanden. Als zentrales Motiv des dreiteiligen, riesigen Aquarells ist die nord-westliche Teilansicht des Nürnberger Hauptmarktes aus der Vogelperspektive dargestellt. Die Seitenteile bilden Querschnitte mit Innenansichten zweier populärer Nürnberger Bauwerke ab, den "Henkersteg mit Wasserturm" und den "Hof des Gasthauses zur Goldenen Gans". Diese drei Nürnberg-Ansichten bildeten den Hintergrund für das eigentliche Exponat: das vom Nürnberger Hochbauamt geplante Modell einer Krankenhausanlage im Maßstab 1:20. Die Wände der einzelnen Gebäudemodelle waren zur besseren Einsicht geöffnet und gaben damit den Ausschlag für die schaubildartige Darstellungsweise des Nürnberg-Triptychons.

Im Jahr 1846 schuf der in Nürnberg unter dem damaligen Akademiedirektor Albert Reindel ausgebildete Kunstmaler Johann Dietrich Carl Kreul (1803-1867) mit dem "Mädchen vor dem Christbaum" eines seiner entzückendsten Gemälde. In den 1820er Jahren betätigte sich Kreul zunächst als Porträtmaler der gehobenen Bürgerschicht. Zu seinen bekanntesten und schönsten Bildnissen zählt "Die schöne Nürnbergerin" (1827), auf dem er eine junge, unbekannte Frau in der Tracht der Biedermeierzeit darstellt. Wenige Jahre später wandte sich Kreul einer anderen Gattung der Malerei, die seinen eigentlichen Ruhm begründen sollte, zu: dem Genrebild.

Die weltberühmte Maria Sibylla Merian hielt sich zwölf Jahre in Nürnberg auf und führte mit ihrer Malerei eine fremde Kunsttradition in Nürnberg ein, die noch Generationen nach ihr beeinflusste und als Auslöser für die naturhistorische Kabinettmalerei des 18. Jahrhunderts gesehen wird. In Nürnberg ist es die Künstlerfamilie Dietzsch, die sich auf diese Malerei spezialisiert. Alle sieben Kinder erhalten ihre Ausbildung in der Werkstatt des Vaters Johann Israel Dietzsch. Während die männlichen Mitglieder der Familie sich der Landschaftsmalerei widmen, konzentrieren sich Barbara Regina und ihre Schwester Margaretha Barbara auf einzelne Objekte der heimischen Flora und Fauna. Die älteste Tochter der Familie, Barbara Regina, gilt als das begabteste und produktivste Mitglied. Ihre meisterhaft gemalten Blumen und Insekten spiegeln die von Gott geschaffene Natur wider. Die nahsichtigen, sehr detailgenau gearbeiteten Stillleben sind selbständige, dekorative Kabinettstücke.

Bartholomäus Viatis wurde 1538 in Venedig als Sohn eines Krämers geboren und mit 12 Jahren nach Nürnberg zur Ausbildung geschickt. Hier startete er eine beispiellose Karriere als Handelsmann – bei seinem Tod 1624 war er der reichste Kaufmann nördlich der Alpen. Viatis' Tochter heiratete den Nürnberger Kaufmann Martin Peller. Er erbaute um 1600 das "Pellerhaus", dessen barocke Repräsentationsräume mit erlesenen Kunstwerken versehen waren. Das außerordentlich hochwertige Bildnis des Bartholomäus Viatis kann anhand einer historischen Fotografie zweifelsfrei dem "Schönen Zimmer" im Pellerhaus zugeordnet werden und es gilt als sicher, dass das Porträt bereits zur originalen Ausstattung gehörte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Bürgerhaus fast völlig zerstört, jedoch konnte die Holzvertäfelung des "Schönen Zimmers" gerettet werden: 1957 wurde sie in die Dauerausstellung des Stadtmuseums Fembohaus integriert, wo heute auch das das Gemälde von Kreutzfelder zu sehen ist.

Nürnberg hatte im 15. und 16. Jahrhundert einen vorzüglichen Ruf als Produktionsort wissenschaftlicher Instrumente, die europaweit vertrieben wurden. Ein herausragendes Meisterwerk dieser Instrumentenbaukunst ist das in seiner technischen und kunsthandwerklichen Qualität hochrangige Torquetum von Johannes Praetorius (1537-1616). Die Entwicklung und Herstellung seiner komplizierten Konstruktion verlangte höchstes Können und absolute Präzision. Verwendet wurde es zur Berechnung von Sonnen- und Sternpositionen, zur Höhenmessung auf der Erde, aber auch zu astrologischen Arbeiten. Als Teil einer Sammlung wissenschaftlicher Instrumente - allesamt aus dem Besitz der Familie Ayrer - ging das Torquetum 1675 in das Eigentum der Stadt Nürnberg über.

1935 bekam das Nürnberger Hochbaumt den Auftrag, ein Modell der Altstadt anfertigen zu lassen. Monatelang dauerten allein die Vorbereitungen: Handrisse von Fassadenabwicklungen mussten organisiert werden, Werkpläne wurden zur Verfügung gestellt und das Ohm-Polytechnikum ließ von seinen Studenten die gesamte Stadtmauer und die Burg zeichnen. Unter den Händen der vier erfahrenen Holzbildhauer entstand schließlich im Maßstab 1:500 das Lindenholz-Modell nach mehr als vierjähriger Arbeit. In seiner detailgenauen Ausführung dokumentiert es eindrucksvoll die spätmittelalterliche Geschlossenheit des Stadtbildes und den Bauzustand kurz vor der Zerstörung Nürnbergs im Zweiten Weltkrieg. Eingelagert im Kunstbunker im Burgberg, entging dieses Zeugnis der besterhaltenen deutschen Großstadt des Mittelalters der Vernichtung, während das reale Nürnberg in Schutt und Asche sank.

1700 beauftragte Wolfgang Moritz Endter den Maler Johann Leonhard Hirschmann, ein Porträt seiner Frau zu malen. Die Dargestellte stammt aus einer der renommiertesten deutschen Künstlerfamilien des 17. Jahrhunderts. Ihr Großonkel, Joachim von Sandrart, war der einzige international anerkannte deutsche Künstler seiner Zeit. Auch Susannas Vater, Jacob von Sandrart, war berühmt: Als Kupferstecher ließ er sich in Regensburg nieder, wo er 1654 Regina Christina Eimmart heiratete, die Schwester des bedeutenden Kupferstechers und Mathematikers Georg Christoph Eimmart. Jacob von Sandrart lebte ab 1656 in Nürnberg und gründete hier 1662 die erste Malerakademie auf deutschem Boden. 1683 wurde Susanna Maria von Sandrart mit dem Maler Johann Paul Auer verheiratet, der nach nur vierjähriger Ehe starb. Als Witwe schuf sie Reproduktionsstiche für den Verlag ihres Vaters und heiratete 1695 den Nürnberger Verleger und Buchhändler Wolfgang Moritz Endter.

Die Haltung Martin Luthers zur Bedeutung von bildlichem Ausstattungsgut in Kirchen war relativ positiv: "Bilder, Glocken, Messgewand, Kirchenschmuck, Altarlichter und dgl. halte ich für frei. (...) Mit den Bilderstürmern halte ich es nicht." (Luther, 1528). Da sich Nürnberg bereits im März 1526 nach dem Nürnberger Religionsgespräch als erste deutsche Reichsstadt eindeutig der lutherischen Form des Protestantismus zuwandte, wurde hier nur wenig Kircheninventar zerstört. Unter dieser günstigen Voraussetzung konnte Mitte des 16. Jahrhunderts im fränkischen Raum der Typus des "Bekenntnis-" oder "Konfessionsbildes" entstehen, der zu den "erzählenden" protestantischen Bildern gehört. Dies ist ein besonders hochwertiges und interessantes Exemplar dieses Typus mit den bemerkenswerten Porträts der beiden Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon sowie einer Vielzahl von szenischen Darstelllungen.

Während König Ludwig I. von Bayern bei der Neugestaltung seiner Hauptstadt München höchst modern auftrat und für die Kunst Italiens und der Antike schwärmte, entdeckte er in Nürnberg seine Leidenschaft für das deutsche Mittelalter. In fünfzehn Strophen hat der leidenschaftliche Dichter Ludwig seinen tiefen Gefühlen für die alte Kaiserstadt Ausdruck verliehen. Entsprechend beauftragte der Rat der Stadt den Architekten und Maler Carl Alexander Heideloff, eine Reinschrift des Textes mit einer prunkvollen Bilderbordüre nach Art alter Stundenbücher zu verzieren. Im Bogenscheitel halten ein Nürnbergischer Landsknecht und ein bayerischer Infanterist das Königswappen. Die fromme Bilderwelt des Rahmens zeigt Trachten aus Nürnbergs Blütezeit in der Epoche Albrecht Dürers und der Reformation, während bei den Architekturmotiven die damals äußerst beliebte Gotik dominiert.

Das Modell der Reichsstadt Nürnberg, das der Maler und Schnitzer Hans Baier im Jahr 1540 anfertigte, gilt als das älteste erhaltene Stadtmodell im gesamten deutschsprachigen Raum. Im Fembohaus ist allerdings nur eine Kopie ausgestellt, das Original befindet sich im Bayerischen Nationalmuseum in München. Das Modell zeigt auf einer Fläche von gerade einmal 58 x 68 cm ein Gesamtbild Nürnbergs in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Betrachter erhält einen plastischen Eindruck von der Größe der Stadt und ihrer imposanten Wehranlage. Mit den Stadttoren, der im Norden gelegenen, detailliert herausgearbeiteten Burganlage, den mächtigen Stadtkirchen sowie der von vielen Brücken überspannten Pegnitz, die die Stadt in zwei fast gleich große Teile zerschneidet, zeigt das Modell die wichtigsten Merkmale Nürnbergs.

1731 wurde Johann Justin Preißler mit der Anfertigung eines Deckengemäldes für den Grafen Christian zu Wied-Runkel beauftragt. Als Bildmotiv wählte er die Apotheose des Aeneas aus Ovids "Metamorphosen". Er gibt die Szene wieder, in der Venus ihren Vater Jupiter darum bittet, ihren Sohn und Kriegshelden Aeneas zur Gottheit zu erheben. Das Gemälde zeigt links den knienden Aeneas in antikisierender Rüstung. Neben ihm steht seine Mutter Venus, die ihn ihrem rechts außen sitzenden Vater Jupiter empfiehlt. Zur rechten Jupiters befindet sich dessen Gemahlin Juno mit ihrem Attribut, dem Pfau. Der Vogel ist oberhalb des Bildzentrums platziert und verweist als Wappentier der Familie von Wied auf den Eigentümer des Gemäldes. In der Mitte der unteren Bildhälfte kniet Cupido und zielt mit seinem Pfeil auf einen imaginären Betrachter: Er stellt damit die Verbindung zwischen der gemalten Götterwelt und der realen Welt unterhalb des Deckengemäldes her.

Wie ein kleiner Flügelaltar mutet dieses Kunstwerk an, was eigentlich nicht zu verwundern braucht – immerhin war es für einen (ehemaligen) Kirchenraum bestimmt. Im oberen Feld des Hauptbildes ist zu sehen, wie König David eine himmlische Vision der Dreifaltigkeit erscheint. Da König David fast so etwas wie der Schutzpatron der Sänger war, halten die beiden Kinderengel über sein Haupt sowohl die Königskrone als auch den Ehrenkranz der Meistersinger. Die Zwölfzahl der Männerrunde folgt natürlich den zwölf Aposteln, doch kommt am linken Rand noch ein weiterer Mann hinzu: Hans Sachs. Durch die immerwährende Pflege seines umfangreichen Werks scheint er ein Art "Ehrenvorsitz" zu genießen. Schließt man die beiden Flügel, dann kommen die vier Evangelisten zum Vorschein. Auch wenn es sich nicht um ein Meisterwerk der Malerei handelt, ist die Flügellade doch eines der bedeutendsten materiellen Zeugnisse des Nürnberger Meistersangs.

Der Besuch Kaiser Matthias I. im Jahre 1612 gab dem Rat der Stadt Nürnberg die Gelegenheit, sich von seiner besten Seite zu zeigen. Drei Jahre zuvor war man der protestantischen Union beigetreten und musste diesen Affront dem katholischen Kaiser gegenüber wieder wettmachen. Das Gemälde zeigt den triumphalen Einzug Kaiser Matthias I. genau in dem Augenblick, als er die extra für diesen Anlass entworfene prunkvolle Ehrenpforte unterhalb der Nürnberger Kaiserburg bereits knapp durchritten hat. Ein Stück hinter ihm fährt seine Gattin, Kaiserin Anna, in einer prächtigen Kutsche. Zahlreiche Nürnberger Bürger säumen rechts und links den Weg des Kaiserpaars und jubeln ihm zu. Paul Ritter hat sich aus Gründen der Bilddramaturgie bei dem Gemälde einer nicht unauffälligen "künstlerischen Freiheit" bedient: Alle Beteiligten kommen von der Burg herab – obwohl der Kaiser bei seinem "Einzug" nach Nürnberg natürlich in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war.

Im Auftrag Johann Georg Ebersbergers stattete der aus Muzzano am Luganer See stammende, seit 1691 in Nürnberg ansässige Stuckator Donato Polli den Treppenaufgang und einige Räume des ersten Stocks des Fembohauses mit prächtiger Stuckierung aus. Die überaus feinen und spielerisch wirkenden Ornamentierungen Pollis finden sich schon im neu eingebauten Treppenaufgang vom Erdgeschoss in das erste Stockwerk und setzen sich dort im Foyer fort. Besondere Aufmerksamkeit ziehen hier die Verzierungen zweier Kamine in der Südwest- und Südostecke des Raumes auf sich. Die prächtigste Ausstattung erfuhr das sich anschließende sogenannte Régence-Zimmer, das heutige Musikzimmer, das schon zur Zeit seiner Fertigstellung höchste Anerkennung unter Zeitgenossen fand. Pollis graziöse Stuckarbeiten im Fembohaus, vom hauchzarten Flach- bis zum fast vollplastischen Hochrelief, besitzen höchste künstlerische und handwerkliche Qualität. Elegant verbindet er Bandelwerk-Ornamentik mit Blatt- und Rankenwerk sowie figürlichen Motiven der antiken Mythologie.

Der aus Böhmen stammende Maler Johann Kupetzky gilt als europäischer Meister des Barockporträts. Als Angehöriger der von der Gegenreformation verfolgten Glaubensgemeinschaft der "Böhmischen Brüder" wurde er gemeinsam mit seiner Familie schon in frühester Kindheit aus der Heimat vertrieben. Kupetzky war - obwohl vermutlich der deutschen Sprache nie ganz mächtig - seit seiner Zuwanderung im Jahr 1723 in der städtischen Gesellschaft Nürnbergs bestens integriert. Neben Mitgliedern der Künstlerschaft gehörte zu seinem Nürnberger Freundeskreis auch der Kaufmann Wolfgang Tobias Huth, den Kupetzky nicht weniger als dreimal im Bild festhielt. Eines dieser drei Bildnisse Huths bietet Anlass, Einblick in die Lebensumstände und die Porträtkunst des berühmten Malers in seinen Nürnberger Jahren zu geben. Bemerkenswert ist dabei, dass sowohl der Maler, als auch der Porträtierte in die Noris zugewandert waren.

Von all den Strapazen, die das Reisen im neunzehnten Jahrhundert mit sich brachte, zeigt das 1823 entstandene Werk von Johann Adam Klein keine Spur. Eine raffiniert durch Licht und Schatten modellierte Kutsche passiert den Betrachter gerade Richtung Bamberg. In der Bildmitte befindet sich der peitschenschwingende Postillon, im Fenster der Kutsche erscheint die Gestalt einer jungen Frau. Gekleidet in einen roten Mantel mit Spitzenkragen blickt sie auf einen Reiter, der in ein Gespräch mit einem Bauern vertieft ist. Die Männer stehen mit einem Kalb und einem Hund in der schattigen rechten Bildecke – ein Trick, um die Tiefenraumwirkung zu verstärken. Im Hintergrund wird die Stadt Nürnberg von Nordwesten her sichtbar. Als Vorlage für Vedute und Kutschengespann dienten Klein mehrere Aquarelle und Zeichnungen. So entstand ein für ihn typisches Werk, dessen Komposition, zusammengesetzt aus genau vorbereiteten Studien, bis heute für den Betrachter nachvollziehbar ist.

1626 reichte der ehrgeizige junge Maler Lorenz Hess zur Erlangung der Meisterwürde ein "Probestück" beim Rat der Stadt Nürnberg ein. Das Gemälde ist eine der ältesten Abbildungen der Innenansicht des in den Jahren 1332/1340 errichteten Nürnberger Rathaussaales. Es zeigt detailgetreu seine Ausstattung im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Mit seinem Werk hatte Lorenz Hess einen nachhaltigen Eindruck seines Könnens hinterlassen – die Ratsherren forderten das Werk für die Rathausgalerie ein. Trotz dieses Erfolgs verwehrte man Hess allerdings die Meisterwürde: Er habe nicht die vorgeschriebene Zahl an Lehr- und Berufsjahren nachweisen können, hieß es. Ein Jahr später lieferte Hess aus diesem Grund erneut ein "Probestück" ab – diesmal ein Marienbild. Da den Herren des Rates die Ansicht ihres Rathaussaales aber besser gefiel, behielt man das erste "Probestück" einfach für immer und gab dem Künstler seine zweite Arbeit wieder zurück.

Die aus Lindenholz geschnitzte Figur ist eines der wenigen erhaltenen Holzmodelle für den Bronzeguss aus der Zeit der Renaissance. Die etwa um 1550 entstandene Skulptur wird dem Bildschnitzer Hans Peisser zugeschrieben. Dieser hat 1526 das Nürnberger Bürgerrecht erworben und war wahrscheinlich hier ein Schüler von Veit Stoß. Das Gussmodell für die berühmte Brunnenfigur des Gänsemännchens zeigt in exemplarischer Weise die Zusammenarbeit zwischen Künstler und Handwerker, zwischen Entwerfer und Gießer. Der Guss der Brunnenfigur nach diesem Modell wurde von dem bedeutenden Nürnberger Bronzegießer Pankraz Labenwolf (1492-1563) gefertigt.

Martin Peller galt zu seiner Zeit als der reichste Kaufmann Nürnbergs. Im zweiten Obergeschoss des nach ihm benannten Pellerhauses richtete er sich ab 1609 ein wunderschönes, mit Deckenmalerei und Holzvertäfelungen exquisit ausgestattetes Zimmer ein, das vor allem der Repräsentation dienen sollte. Er bezeichnete es als "studieto", als Sammlungsraum. An den Wänden hingen Gemälde seiner umfangreichen Sammlung zeitgenössischer italienischer Kunst und Werke der Dürerzeit. Das Pellerhaus zählte zu den schönsten Häusern der deutschen Spätrenaissance. Es wurde 1945 fast vollkommen zerstört. Die Ausstattung des Schönen Zimmers wurde im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung des Pellerhauses in Sicherheit gebracht und 1957/58 im Rückgebäude des Fembohauses eingebaut.

Auftraggeber des Gebäudes war der Patrizier Lienhard III. Hirsvogel: An die Gartenseite seines Wohnhauses ließ er 1534 einen repräsentativen Saalbau im modernen Stil der Renaissance errichten. Er war das Brautgeschenk für Sabine Welser, die er 1535 heiratete. Für Gestaltung des Saales beauftragte Lienhard berühmte Künstler: Die Architektur wie auch die mit antikischen Motiven gegliederten Wandverkleidungen sowie der steinerne "Kamin" als Zugang zum Garten werden dem Bildhauer und Medailleur Peter Flötner zugeschrieben. Das zur Entstehungszeit "größte zusammenhängende Deckengemälde nördlich der Alpen" mit der Darstellung "Der Sturz des Phaethon" stammt vom Dürer-Schüler Georg Pencz. In den 1580er Jahren wurde die Dekoration im Sinne einer "Kaisergalerie" um die lebensgroßen Büsten der ersten 12 römischen Kaiser erweitert. Der Hirsvogelsaal wurde 1945 ein Opfer des Bombenangriffs. Während die Außenarchitektur unrettbar verloren ging, konnte die Innenausstattung geborgen werden.

Die bekannteste Schilderung dieser mythologischen Erzählung findet sich in den "Metamorphosen" des römischen Schriftstellers Ovid, die der Maler, Zeichner und Kupferstecher Georg Pencz sich zum Vorbild für seine Darstellung nahm: Phaethon lenkt den Sonnenwagen seines Vater Sol, des Sonnengottes, über den er die Kontrolle verliert und dadurch die Erde in Brand setzt. Um Schlimmeres zu verhindern, schleudert Jupiter einen seiner Blitze auf den Jungen, der getroffen zu Tode stürzt. Diese Art eines Deckengemäldes war hinsichtlich seiner Konzeption zu Zeiten Georg Pencz' etwas vollkommen Neues: Zwanzig Leinwandbilder auf Keilrahmen bilden ohne die sonst übliche Kassettenunterteilung ein großes Gemälde, das den gesamten Raum überspannt und so ein lückenloses Fresko vortäuscht. Es ist damit eines der frühesten illusionistisch angelegten Deckengemälde nördlich der Alpen und stellt im gesamten europäischen Raum eine Novität dar.

Im Nürnberger Justizpalast erwartete die Beteiligten des "Hauptkriegsverbrecherprozesses" am 20. November 1945 mit dem Schwurgerichtssaal ein neu eingerichteter und mit modernster Technik ausgestatteter Raum. Mit der Planung und Durchführung der Bauarbeiten an dem 1916 eröffneten Gebäude hatte das Office of Strategic Services (OSS) den Architekten Dan Kiley beauftragt. Ihm gelang es mit Hilfe des amerikanischen Militärs, lokaler Handwerker sowie des Einsatzes deutscher Kriegsgefangener in nur drei Monaten, das teilweise zerstörte Gebäude in einen funktionierenden Gerichtsbau zu verwandeln. Für die Vorbereitung und Kontrolle der Bauarbeiten setzte der Modellbauer John Meyer die Ideen Kileys detailgetreu in einem großen Holzmodell um, das sich leider nicht erhalten hat. Dieses Exponat wurde im Jahr 2010 nach dem Muster des Originalmodells von 1945 nachgebaut und durch einige Details ergänzt, die anhand teilweise noch erhaltener Baupläne Kileys sowie historischer Fotografien rekonstruiert wurden.

Mit der Deutschen Bauausstellung präsentierte sich Nürnberg nach dem Krieg erstmals wieder der Öffentlichkeit. Die Glaspyramide steht als Sinnbild für die Zerstörung Nürnbergs und den Wiederaufbau. In der Bauausstellung vor einem Panorama des zerstörten Hauptmarkts präsentiert, veranschaulicht die über ein Modell der Lorenzkirche gestellte Glaspyramide die angefallene Schuttmenge in Nürnberg nach dem Krieg. Dieses Ausstellungsszenario zeigt auch das Selbstverständnis Nürnbergs nach dem Krieg: Die Stadt präsentierte sich damals noch ausschließlich als Kriegsopfer. Ihre Rolle als "Stadt der Reichsparteitage" wurde nicht ansatzweise erwähnt, die Verantwortung der Deutschen für den begonnenen Luftkrieg und die Zerstörung von Städten im Ausland nicht übernommen. Die originale Glaspyramide ist leider nicht erhalten. Der Nachbau dieser Pyramide erfolgte 1995 für die Ausstellung "Nürnberg 1935 – 1945 – 1995. Erinnerung ist nicht teilbar".

Ein hochinteressantes Exponat im Spielzeugmuseum Nürnberg ist der um 1908 im Württembergischen Göppingen entwickelte elektrische Kinderkochherd der Firma Gebrüder Märklin & Cie. Mit seinem Jugendstildekor und Löwentatzenfüßen ist er einer der ersten elektrischen Kinderherde mit separat beheizbaren Kochstellen, die mit seitlich angebrachten Schaltern gesteuert werden konnten.

Die Spielsachen der meisten Kinder in Afrika sind häufig aus Abfallmaterialien selbst gebastelt. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich hierbei aus Draht gebogene Fahrzeuge. Das seit Januar 2009 im Spielzeugmuseum befindliche Drahtauto wurde von Kindern und Jugendlichen aus dem südafrikanischen Township Soweto unter Anleitung des Freiheitskämpfers Nelson Mandela gebastelt. Mandela schickte es zum Dank für die langjährige Unterstützung im Kampf gegen die Apartheid-Politik an die schottische Politikerin Janey Buchan nach Glasgow. Buchan gab es an die Stirling Smith Art Gallery, die anlässlich des 90. Geburtstags von Friedensnobelpreisträger Mandela entschied, das Drahtauto dem Spielzeugmuseum der Partnerstadt Nürnberg zu schenken.

Nürnberg nimmt in der Entwicklung der Zauberkunst einen ganz besonderen Platz ein: Machte die Stadt sich bereits ab dem späten 17. Jahrhundert als Druckort für Zauberbücher einen Namen, erlangten im 19. Jahrhundert auch die dort hergestellten Zauberapparate einen hervorragenden Ruf. Einer der bekanntesten Nürnberger Zaubergerätehersteller war Johann Konrad Böhmländer, dessen breit gefächertes Zauber-Sortiment weltweit Absatz fand. Zeitgleich erlebte aber auch die Zauberkunst einen immensen Aufschwung. Die gewerblich gefertigten Zauberartikel wurden begeistert genutzt, sowohl von professionellen Magiern, als auch privat von Kindern und Erwachsenen.

Ende des 18. Jahrhunderts erschienen in Europa die ersten gedruckten luxuriösen Modejournale mit farbigen Bildbeilagen. Vor diesem Hintergrund entstand eine neue Gattung von Spielzeug, die Ankleidepuppe mit Garderobe aus Papier. In London entwickelt und vorgestellt, betrat die "Urgroßmutter der Barbie" im Jahre 1791 zum ersten Mal den deutschen "Laufsteg": In Friedrich Justin Bertuchs Weimarer "Journal des Luxus und der Moden", einer Art Lifestyle-Magazin, wurde die sogenannte englische Puppe zum ersten Mal in Deutschland als "eine neue sehr artige Erfindung" angepriesen. Bereits im Januar 1793 inserierte der Nürnberger Maler, Kupferstecher und Wachsbossierer Johann Ludwig Stahl im "Intelligenz-Blatt Nr. 1 (Beilage des Journal des Luxus und der Moden)" neben seiner weiblichen auch eine männliche Anziehpuppe mit modischer Toilette. Diese Ankleidepuppe aus dem Spielzeugmuseum belegt mit einem seltenen Original einen um 1800 bedeutenden Zweig der Nürnberger Luxuspapier- und Spielwarenfertigung.

Vor dem Hintergrund der Technikbegeisterung der 1920er und 1930er Jahre fanden die rasanten Fortschritte der Industrialisierung auch in Spielzeugen rasche Nachahmung. Eines der schönsten Beispiele hierfür ist der 1939 erstmals vorgestellte "Gläserne Motor" der Nürnberger Firma Gebrüder Schmid, der Einblick in die technischen Geheimnisse eines Verbrennungsmotors gibt. Ein ausführliches Bauanleitungsheft beschreibt, wie aus vierzig Teilen vom Viergang-Getriebe über die Kupplung hin zum Motorblock mit batteriebetriebener Zündanlage und Wasserkühlung ein Anschauungsmodell zusammengesetzt und per Handkurbel bewegt werden kann. Die große Besonderheit besteht jedoch in der Verwendung von Plexiglas. Erst durch diesen damals gerade erfundenen Werkstoff ließen sich die normalerweise dem Blick entzogenen Funktionsabläufe sichtbar machen.

Lernen durch Spielen und Anschauung war eine der zentralen Forderungen der Pädagogik zur Zeit der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie beflügelte Produktion und Handel mit Spielwaren und Lehrmitteln. Was man damals darunter verstand, lässt sich wunderbar aus den mit Kupferstichen illustrierten Warenkatalogen des Nürnberger Kaufmanns Georg Hieronimus Bestelmeier, ersehen. Damit konnte man bequem von zuhause aus alles bestellen, was das Herz begehrte. Angeboten wurden u.a. Aufstellspielzeuge zum Kennenlernen der Welt in Miniatur, Gesellschaftsspiele, Zaubergeräte und Gegenstände zum spielerischen Umgang mit Technik und Naturwissenschaften. Der Katalog bediente aber nicht nur die Heranwachsenden, sondern ganz allgemein alle "Liebhaber der Künste und Wissenschaften". Denn die Grenzen zwischen kindlichem Spiel und wissenschaftlich-technischen Spielereien für Erwachsene waren in den gebildeten und begüterten Kreisen der Goethe-Zeit durchaus fließend.

In den 1950er und 1960er Jahren bewarb die Firma geobra Brandstätter in Zirndorf bei Nürnberg eine funktionierende Spielzeug-Telefonanlage mit den wichtigsten Funktionen einer richtigen Telefonverbindung. Hergestellt wurde die Anlage in ihrem Grundprinzip schon seit 1937. Sie besteht aus zwei Apparaten aus Bakelit mit Wählscheiben und Hörern aus Blech, Hörerkabeln aus verdrillten Textilfasern mit eingelegten Kupferdrähten, einer zehn Meter langen, dreiadrigen Verbindung und sechs Federsteckern, so genannten Bananensteckern. Die Blechteile wurden als Gehäuseformteile und gleichzeitig als Schaltkontakte für den Stromlauf ausgeführt. Als Summer oder Klingel arbeitet ein Wagnerscher Hammer. In einen der beiden Apparate konnte eine flache 4,5-Volt-Batterie eingesetzt werden, die eine Betriebsdauer von circa zwei Monaten ermöglichte. Mit dieser Anlage konnte man über eine Distanz von bis zu 100 Metern telefonieren.

Handmuster sind für einen Spieleautoren unabdingbar, wenn er seine Erfindung einem Verlag erfolgreich präsentieren möchte. Gerade durch räumliche Objekte kann sich der Redakteur ein gutes Bild von Spielidee und Spielmechanismus machen. Ebenso zeigen diese Modelle einen interessanten Ausschnitt aus der Reifephase eines neuen Spiels. Alex Randolph (1922 - 2004) zählt zu den bedeutendsten Spieleautoren überhaupt. Er erfand über 100 Spiele, die sich millionenfach verkaufen. Dazu haben seine wunderschönen Entwürfe maßgeblich beigetragen, kongenial umgesetzt vom befreundeten Kunstdrechsler Angelo dalla Venezia. Insbesondere das Muster von "Tempo, kleine Schnecke!" zeichnet sich durch eine hohe Ästhetik aus und markiert zugleich die Einführung von großen gefrästen Profilfiguren als neuartiges Spielmaterial.

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war es die Kraft des Wassers, die die Nürnberger Mühlwerke entlang der Pegnitz antrieb und damit die Energie für Handwerk und Gewerbe lieferte. Dies änderte sich erst mit der aus England kommenden Erfindung der Dampfmaschine, deren Auswirkung auf die Industrie bahnbrechend war. Die im Museum Industriekultur gezeigte MAN-Dampfmaschine vom Typ LT 10 wurde 1907 in Nürnberg hergestellt. Die ventilgesteuerte Tandem-Dampfmaschine hatte eine maximale Leistung von fast 1500 PS und ist eine der größten ihrer Art - das aus zwei Hälften bestehende Schwungrad allein hat 5m Durchmesser und wiegt nahezu 30 Tonnen.

Der erste echte Geländewagen der Welt war das Ergebnis eines Auftrages des US-Verteidigungsministeriums: Alle amerikanischen Automobilhersteller wurden aufgefordert, ein Fahrzeug zu entwickeln, das nicht mehr als 590 Kilogramm wiegen durfte, mindestens drei Sitze, hydraulische Bremsen, Allradantrieb sowie einen Vierzylindermotor haben sollte. Den Zuschlag bekam der Prototyp der Firma Willys-Overland. Er bot zwar wenig Komfort, war jedoch extrem geländegängig, robust konstruiert und leicht zu reparieren  und er kostete gerade mal 740 Dollar. Der Jeep des Museums Industriekultur diente viele Jahrzehnte lang der US-Army. Er gelangte schließlich nach Norwegen, wo er 1989 außer Dienst gestellt wurde und als Luftfracht nach Nürnberg kam.

Mit nur 22 Jahren gründete Max Grundig 1930 die Firma Radio-Vertrieb Fürth (RVF). Der Reparaturbetrieb war auf die Herstellung und den Verkauf von selbst produzierten Ersatzteilen spezialisiert. Während des Krieges produzierte man kriegsnotwendige Teile und Transformatoren, danach Radiogeräte. 1951 stellte Grundig schließlich seinen ersten Fernseher vor und beeindruckte mit dem "Prototyp 080" auf Rundfunkausstellungen und Messen das interessierte Publikum. Die Presse reagierte zunächst skeptisch. Dieses teure Vergnügen bleibe wohl einigen Wenigen vorbehalten. Fernsehen werde niemals ein ernstzunehmender Konkurrent für den Rundfunk sein, bestenfalls eine Ergänzung, schrieb damals z.B. die Fränkische Zeitung. Doch es kam bekanntlich ganz anders. Aufschwung und Wirtschaftswunder machten es möglich, und mit rund 15 Millionen bis dato produzierten Geräten war Grundig Mitte der 1960er Jahre der mit Abstand größte deutsche Hersteller von Fernsehern geworden.

Das älteste Nürnberger Zweiradunternehmen Hercules stellte zunächst Fahrräder, ab 1903 dann Motorräder her. Die Konzeptstudie "Basic & Race", 1994 von Design-Studenten entwickelt, basiert auf der Beobachtung, dass südeuropäische Jugendliche ihre Mofas oft massiv umbauen, wie es in Deutschland verkehrsrechtlich nicht möglich ist. Die Lösung von Hercules: Ein Rahmen mit integriertem Tank benötigt nur ein Minimum an Anbauteilen, um ein fahrfertiges und zugleich kostengünstiges Fahrzeug auf die Straße zu bringen. Sowohl die Basisversion "Basic" als auch die Sportversion "Race" können so im Nachhinein durch verschiedenste Anbauteile leicht aufgerüstet und individualisiert werden, da nicht in die technische Grundfiguration eingegriffen werden muss. Nach der erfolgreichen Präsentation der Prototypen 1994 wurde die Produktion beschlossen, aufgrund des Verkaufs des Unternehmens jedoch nicht mehr umgesetzt.

"Form follows function", das Mantra des modernen Designers, kommt bei diesem Klassiker exemplarisch zum Ausdruck. Die Formensprache ist klar, reduziert auf das Wesentliche. Die Rundung des Gehäuses folgt exakt der einer Single, die in den Plattenschlitz gesteckt und nach unten gedrückt wird. Ein ebenfalls gerundeter Tragebügel aus Metall ist heb- und senkbar integriert. Runde Lautsprecherbohrungen ergänzen das perfekte Design. Die meisten der zahlreichen portablen Grundig-Radios der 1950er und 60er Jahre waren sogenannte "boys". Ursprünglich ein Gerät des Mailänder Unternehmens Minerva, 1968 designt von keinem Geringeren als Mario Bellini, wurde aus dem "GA 45" ein weiterer boy, der phono boy. Grundig erwarb 1969 die Lizenzrechte für Herstellung und internationalen Vertrieb. Der italienische Industriedesigner und Architekt Mario Bellini, 1935 in Mailand geboren. Die meisten seiner Entwürfe sind heute Designklassiker. Sein "GA 45" ist auch im Museum of Modern Art in New York zu bewundern. 1987 ehrte ihn dieses Museum mit einer großen Ausstellung. Die besondere Anerkennung, zu Lebzeiten im MOMA mit einer Retrospektive des eigenen Lebenswerks geehrt zu werden, wurde vor ihm nur einem zuteil, dem einzigartigen Architekten und Designer Charles Eames.

Das älteste Verfahren zur Herstellung von Druckformen mit beweglichen Bleilettern ist der "Handsatz", bei dem die einzelnen Buchstaben und Wörter händisch gesetzt werden. Er erfordert viel Geschicklichkeit und Routine, ist umständlich und zeitraubend und nicht zuletzt äußerst fehleranfällig. Zahlreiche Erfinder versuchten sich an der Automatisierung dieses Vorgangs – der erhoffte Erfolg aber blieb aus. Bis 1886: Die Bleisatzmaschine "Linotype" (a line of types) des in die USA ausgewanderten Deutschen Ottmar Mergenthaler wurde erstmals erfolgreich bei der "New-York Tribune" eingesetzt. Nach wenigen Jahren waren in Amerika mehr als 700 Maschinen im Einsatz, und 1896 wurde die Linotype durch die "Mergenthaler Setzmaschinenfabrik" auch in Deutschland eingeführt. Ein langes Leben war ihr nicht beschieden: Mit der serienmäßigen Entwicklung von Fotosetzmaschinen zeichnete sich bereits in den 1950er Jahren ihr Ende ab.

1951 brachte Zündapp mit der KS 601 ein Modell heraus, das Geschichte schrieb. Das von Ernst Schmidt konstruierte Motorrad war die erste Neuentwicklung nach dem Krieg, sein 28 PS starker Motor eine Weiterentwicklung des KS 600 Vorkriegsmotors. Aufgrund ihrer bulligen Durchzugskraft und ihrer oft lindgrünen Lackierung bekam die KS 601 bald den Namen "Grüner Elefant". Die Maschinen waren als Behördengespanne weit verbreitet und im Motorsport sehr beliebt. Besonders die damals populären Zuverlässigkeitswettbewerbe dominierten nicht selten Zündapp-Fahrer. Von 1951 bis 1958 verließen 5.680 "Elefanten" die Zündapp-Werke, die bis 1958 die Szene beherrschten und noch heute das Zündapp-Symbol schlechthin sind. Mit einer für den US-Markt entwickelten Schwingenversion, der KS 601 Elastic, stemmte man sich allerdings vergeblich gegen das Ende der glorreichen Nürnberger Motorradepoche.

Quelle: Alle Medien
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