1945 bis 1959

Das Saarland - Eine europäische Geschichte

Staatskanzlei des Saarlandes

Teil II - Der Saarstaat
Landesarchiv des Saarlandes / Staatskanzlei des Saarlandes, Öffentlichkeitsarbeit

Saarland. Eine Europäische Geschichte.

Das Saarland ist ein modernes und weltoffenes Bundesland im Herzen Europas. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Frankreich und Luxemburg hat sich hier eine Region entwickelt, in der internationale Kooperationen in Politik und Wirtschaft ebenso selbstverständlich geworden sind wie ein grenzüberschreitendes Kultur- und Alltagsleben. Europäisches Bewusstsein und ein vom französischen Geist inspiriertes Lebensgefühl verbinden die Menschen im jüngsten der alten Bundesländer.

Der besondere Charakter des Saarlands ist das Produkt einer langen, abwechslungs-, oft aber auch konfliktreichen Geschichte. In dieser Ausstellung werden die Spuren einer solchen europäischen Geschichte bis zu den staatlichen Anfängen des Saarlands vor knapp hundert Jahren zurückverfolgt. Dabei soll gezeigt werden, dass das saarländische Selbstbewusstsein und das besondere Verhältnis zu den europäischen Nachbarn nicht erst im Bundesland herangewachsen sind. Vielmehr hat eine solche Profilierung Wurzeln, die bis in die Zeit der Völkerbundsregierung während der 1920er Jahre zurückreichen. Gleichwohl konnten erst nach den leidvollen Erfahrungen zweier Weltkriege und den konfliktreichen Erlebnissen zweier Volksabstimmungen jene Lernprozesse in Gang kommen, die den Geist der Freundschaft und der Versöhnung dauerhaft etablierten und aus dem Saarland das französischste und das europäischste der bundesdeutschen Länder machten.

Saarland - Eine europäische Geschichte - Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer
La Saare - une histoire européene - Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer
Der Saarstaat
Saarland Geschichte 1920 bis 1955

Das Saarland à la française

Als Teil des Dritten Reiches erlebten die Saarländer 1935-1945 totalitäre Willkür, Krieg und Zusammenbruch. Im März 1945 wurde die Region von den Amerikanern befreit. Im Juli über- nahmen die Franzosen das Militärregiment im Saarland und separierten es von den deutschen Besatzungszonen. Unter französischem Patronat entstand ein eigenständiger Saarstaat, wirtschaftlich mit Frankreich verbunden und in seiner Souveränität deutlich beschränkt, aber erstmals mit einer frei gewählten Regierung. Ministerpräsident wurde der Vor- sitzende der Christlichen Volkspartei, Johannes Hoffmann, wie viele andere führende Politiker ein Remigrant, der konstruktiv mit der französischen Militärverwaltung unter Gilbert Grandval zusammenarbeitete. Es gelang ein rascher Wiederaufbau. Der neue Staat profilierte sich durch eine großzügige Sozial- und weltoffene Kulturpolitik, beschränkte aber die inneren Freiheiten und unterdrückte die seit 1951/52 erstarkende pro-deutsche Opposition.

Auch die Wohngebiete in den saarländischen Industriestädten waren 1945 sehr stark zerstört.  
Saarland 1945 - Impressionen
Gefüllte Marktstände sind mitten in der Ruinenlandschaft zu finden 
Frauen nach dem Einkauf in den von den Trümmern geräumten Saarbrücker Straßen 
Panzer 1954 bei der Parade über den Markt von Saarlouis 
Botschafter Grandval verleiht an die Witwe eines im Krieg gefallen französischen Offiziers eine Auszeichnung. 
Paradierende Truppen in Saarbrücken 1949 
Nach der Währungsumstellung auf Francs im November 1947 füllten sich die Ladentische und die Minen der Menschen hellten sich auf. 
Nach der Währungsumstellung auf Francs im November 1947 füllten sich die Ladentische und die Minen der Menschen hellten sich auf. 
Nach der Währungsumstellung auf Francs im November 1947 füllten sich die Ladentische und die Minen der Menschen hellten sich auf. 
Im Rahmen eines ersten Festivals des französischen Chansons im Saarland gastierte ein knappes Jahr nach Kriegsende Weltstar Edith Piaf in der Main- zer Straße von Saarbrücken. 
Die Parteien im Saarland und Wahlen 1947
Haus der saarländischen Grenzpolizei an der deutsch-saarländischen Grenze bei Nohfelden 
Die berüchtigten Warenkontrollen an der deutsch- saarländischen Grenze wurden von französischen Zöllnern vorgenommen, während die saarländischen Kollegen die Pässe kontrollier- ten. 
Saarländischer Grenzpolizist mit dem Saarlandwappen auf der Uniform und saarländischem Bier in der Hand 
Der französische Außenminister Robert Schuman (m.) trifft sich 1950 mit der Regierung des Saarstaats unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann (r.) am Saarbrücker Hauptbahnhof. 
Konstituierende Sitzung des Gerichtshofes der französisch-saarländischen Wirtschaftsunion 1954 
Am Kiosk in Saarbrücken sind 1949 sehr viele französische Zeitschriften und Magazine erhältlich. 
Ein „französisches“ Café an prominenter Stelle im Zentrum der saarländischen Hauptstadt. 
Die französische Grubenverwaltung rief 1949 zur Blutspende für Bergleute auf; viele Kumpel kamen danach ins Knappschaftskrankenhaus von Fischbach. 
Typische Straßenszene mit spielenden Kindern in einem Neubauviertel am Rande der Landeshauptstadt 
Die Saar präsentiert sich auf einer Pariser Industriemesse im Jahr 1955 als ein für Frankreich interessanter Wirtschaftsstandort. 
Die Völklinger Hütte, größtes Eisenwerk an der Saar, war gleichzeitig einer der größten Arbeitgeber der Region. 
Im Atelier der Bildhauerklasse Theo Siegle am „Centre de Métiers d’Art“  
Die Saarbrücker Kunstschule wurde auf französische Initiative am 14. Juli 1946 eröffnet und erwarb sich in ihren ersten Jahren internationales Renommee.  
Zwei Schüler aus der Meisterklasse für Malerei mit ihren Arbeiten im Atelier der Kunstschule.  
Entwürfe aus der Modeklasse der Kunstschule, die Anfang der 50er Jahre einige weithin beachtete Modeschauen veranstaltete. 
Entwürfe aus der Modeklasse der Kunstschule, die Anfang der 50er Jahre einige weithin beachtete Modeschauen veranstaltete. 
Peter Scholl-Latour, Pressesprecher der saarländischen Regierung, tanzt bei einem Empfang von Gilbert Grandval auf dem Halberg. 
azz-Konzert bei einem Galaabend auf Schloss Halberg, Sitz von Gilbert Grandval, des französischen Hohen Kommissars und späteren Gouverneurs an der Saar 
Eine Mozart-Inszenierung des Saarbrücker Stadttheaters, das sich als (kulturelle) Brücke der Verständigung mit Frankreich verstand  
Artistische Einlagen von Kindern am wieder aufgebauten Saarbrücker Schlossplatz 
Die saarländische Olympiamannschaft marschiert 1952 vor dem großen Bruder aus Deutschland in das Olympiastadion von Helsinki ein. 
Die saarländische Sprinterinnenstaffel mit ihrem Trainer Ralph Hoke im olympischen Dorf von Helsinki 
Ein Mitglied der saarländischen Turner-„Nationalmannschaft“ beim Länderkampf gegen Holland in Saarbrücken. 

„Klein-Europa“

Die gegen Ende der 1940er Jahre aufkommende Europabewegung fand im Saarland großen Widerhall. Schnell reiften in der Saar-Regierung Pläne, das Saarland als ersten Staat zu europäisieren, zum Vorreiter eines vereinten Europas und zur Heimat zentraler europäischer Institutionen zu machen. 1951 bewarb sich Saarbrücken als Hauptstadt der europäischen Montanunion. Bereits ein Jahr zuvor wurde die 1948 gegründete Landesuniversität von ihrem neuen Rektor Angelloz zur europäischen Universität ausgerufen. Der Zulauf zu den „Nouvelles Équipes Internationales“-Saar und zur saarländischen Europa-Union war beträchtlich. Europa wurde zum Symbol der Hoffnung, das auch in der Werbung („Europa-Motorenöl“) verwendet wurde. Im Van-der-Goes- van-Naters-Plan des Europarates von 1952 wurde eine europäische Lösung der Saarfrage erstmals konkret formuliert. Zwei Jahre später einigten sich der französische Ministerpräsident Mendès-France und Bundeskanzler Adenauer in den Pariser Verträgen vom Oktober 1954 darauf, das Saarland zu europäisieren und der neu gegründeten Westeuropäischen Union zu unterstellen.

Im Landtagswahlkampf von 1952 will die regierende CVP ihre Wähler nach der Abtrennung der Saar von Deutschland für ein Europa als „Heimat der Zukunft“ begeistern. 
Für den Sitz der europäischen Montanbehörden in Saarbrücken wirbt man 1953 mit einem Plakat, das die Saar im Zentrum der EGKS-Staaten zeigt. 
Die saarländischen Sozialdemokraten dokumentieren mit einem Brief „ihres“ Bürgermeisters Zimmer an Robert Schuman ihr Eintreten für eine europäische Montanhauptstadt Saarbrücken. 
Vor dem Europaratsgebäude in Straßburg stehen links hinter Winston Churchill die beiden saarländischen Vertreter Heinz Braun und Richard Kirn. 
Unter den Flaggen, die vor dem Palais d’Europe wehten, befand sich auch die Fahne des Saarstaates als assoziiertem Mitglied des Europarates. 
Personenwagen im diplomatischen Dienst Europas 
Die Universität des Saarlandes wurde 1948 unter französischem Protektorat als „eine der ersten europäi- schen Institutionen“ gegründet. Der Europa-Gedanke zieht sich auch durch ihr Sportprogramm: hier die Gewinner beim Fußballturnier um den nach dem französischen Universitätsrektor benannten Angelloz- Wanderpokal. 
Gilbert Grandval schenkt der Universitäts- Sportfluggruppe im Dezember 1951 ein auf den Namen „Europa“ getauftes einmotoriges Sportflugzeug. 
Mitarbeiter der Vertretung des Saarlandes beim Europarat an der Bar im Straßburger Palais d’Europe 
Im Vorfeld des Referendums von 1955 wirbt die Europa-Union an einem Zeitungskiosk am Saarbrücker Hauptbahnhof für eine „europäisierte Saar“. 
Die Europa-Union Saar wirbt schon ein halbes Jahr vor dem Beginn des Abstimmungskampfes für den Vorrang Europas gegenüber den Nationalstaaten. 
Der französische Premier Pierre Mendès-France und Bundeskanzler Konrad Adenauer nach der Unterzeichnung der Pariser Verträge 
Polizist und Kinder vor dem Gebäude der WEU- Saar-Kommission, die als „Europäische Kommission für das Saarreferendum“ seit Juli 1955 in Saarbrücken tagte 
Europa-Staat oder Bundesland?

Kampf um Europa

Das Saarstatut der Pariser Verträge wurde sowohl durch die französische Nationalversammlung als auch durch den Deutschen Bundestag ratifiziert. Am Ende bedurfte es nur noch der Zustimmung der saarländischen Bevölkerung, die am 23.10.1955 dazu aufgerufen war, erstmals in einem Referendum über die Zugehörigkeit zu Europa zu entscheiden. 

Zur Gewährleistung eines freien Meinungswettbewerbs wurden die vormals verbotenen prodeutschen Parteien, die liberale DPS, die Sozialdemokratische DSP und die CDU, drei Monate vor dem Referendum zugelassen. Ihre ablehnende Haltung gegenüber dem von der Regierung unterstützten Europäischen Statut ließ einen dramatischen Abstimmungskampf entstehen, der die Gesellschaft spaltete und das öffentliche Leben außerordentlich stark politisierte. Auch die Gegner des Statuts waren grundsätzlich für ein vereintes Europa. Doch sie wollten zuerst „Deutsche“ und erst in zweiter Linie „Europäer“ sein. Zwei Drittel der Wähler teilten ihre Auffassung und stimmten gegen das Statut. Seit 1955 wurden Alternativen zum „Europa der Vaterländer“ im europäischen Integrationsprozess kaum mehr ernsthaft erwogen.

Das Abstimmungsjahr 1955 im Saarland
Englische Wahlbeobachter treffen einige Tage vor dem Referendum am 23. Oktober 1955 im Saarland ein.
Ein Propagandist der Opposition gegen das Saar-Statut tritt auf der Straße vor einer Kundgebung der Europa-Bewegungen in Neunkirchen auf.
Viele Menschen vereint ein einziges „Nein“ am Neunkircher Hüttenberg.
Mit Knüppeln bewehrte Saar-Polizisten waren fast bei allen Kundgebungen der Statutbefürworter in großer Anzahl zugegen.
In ihrem Kampf gegen das Statut und für eine Rückgliederung nach Deutschland erhält die Opposition auch ideelle Unterstützung aus anderen „abgetrennten“ deutschen Gebieten.
Damen aus dem Wahlkampfteam Heinrich Schneiders mit den überall im Land kursierenden Nein-Zetteln
Ein jugendlicher Demonstrant in der saarländischen Provinz sagt ohne Worte, was er vom Saarstatut hält
Zwei verletzte Demonstranten nach einer Veranstaltung der „Ja-Sager“ in St. Ingbert
Vor europäisch gestaltetem Bühnenbild tritt Heinz Braun, ehemaliger saarländischer Justizminister und Chef der Europa-Union, als Wahlredner für das „Ja“ auf.
Heinrich Schneider, Vorsitzender der (national-) liberalen DPS und Motor der Nein-Sager im Abstimmungskampf.
Hubert Ney, erster Vorsitzender der CDUSaar nach ihrer Zulassung im Juli 1955, wird später auch der erste Ministerpräsident des Bundeslandes Saarland.
Der saarländische Ministerpräsident Johannes Hoffmann wird nach dem Urnengang am 23. Oktober 1955 von der Presse interviewt.
Vor einer Wahlveranstaltung mit Johannes Hoffmann haben Statutgegner den populärsten Slogan der „Nein-Sager“ auf Asphalt gebannt: „Der Dicke muß weg“.
Am Rande einer Veranstaltung der CVP in St. Ingbert kommt es nach Tumulten zum Einsatz von Wasserwerfern.
„Jagdszenen“ vor der „Wartburg“ in Saarbrücken, wo die führenden Ja-Sager aus CVP und SPS am 13. August 1955 ihre erste gemeinsame Kundgebung durchführen.
Nach Handgreiflichkeiten zwischen Ordnungs- und Oppositionsmacht zeigenDemonstranten den Pressefotografen die Folgen von Gummiknüppel- und Tränengaseinsatz.
Die Presse weiß sich angesichts der tumultartigen Szenen rund um die Wahlveranstaltungen im Land auf unkonventionelle Weise zu schützen.
Eine Veranstaltung der europäisch gesinnten SPS in Sulzbach findet nicht vor ausverkauftem Haus statt.
Menschenmenge vor dem Veranstaltungsort der ersten Großkundgebung der „Ja-Sager“ in Saarbrücken
Militante Demonstranten werfen am Rande einer Großveranstaltung in Neunkirchen einen Einsatzwagen der Polizei um.
Die erste große Veranstaltung der „Nein- Sager“ nach der Wiederzulassung der Opposition fand Ende Juli 1955 in Völklingen eine ungeheure Resonanz.
CVP, SPS und „Europabewegungen“ sagen „Ja“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weildas Statut endlich Frieden zwischen Deutschland und Frankreich schafft, weil es ein Schlüssel für Europa ist, weil eine Stimme für das Statut generell eine Stimme für Europa sein soll.
CVP, SPS und „Europabewegungen“ sagen „Ja“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weil das Statut endlich Frieden zwischen Deutschland und Frankreich schafft, weil es ein Schlüssel für Europa ist, weil eine Stimme für das Statut generell eine Stimme für Europa sein soll.
CVP, SPS und „Europabewegungen“ sagen „Ja“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weil das Statut endlich Frieden zwischen Deutschland und Frankreich schafft, weil es ein Schlüssel für Europa ist, weil eine Stimme für das Statut generell eine Stimme für Europa sein soll.
CVP, SPS und „Europabewegungen“ sagen „Ja“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weil das Statut endlich Frieden zwischen Deutschland und Frankreich schafft, weil es ein Schlüssel für Europa ist, weil eine Stimme für das Statut generell eine Stimme für Europa sein soll.
In den Hintergrund gerückte Werbetafel an einer Straßenecke in Friedrichsthal
Zerstörungswut, die die Plakate aller Parteien getroffen hat.
DSP, DPS und Kommunisten sagen „Nein“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weil das Statut angeblich neue Grenzen schafft, weil es dem Saarland ein „Kolonialstatut“ überstülpt, weil es die kollektive Sicherheit in Europa gefährdet und weil es für das Saarland zu große Risiken birgt.
DSP, DPS und Kommunisten sagen „Nein“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weil das Statut angeblich neue Grenzen schafft, weil es dem Saarland ein „Kolonialstatut“ überstülpt, weil es die kollektive Sicherheit in Europa gefährdet und weil es für das Saarland zu große Risiken birgt.
DSP, DPS und Kommunisten sagen „Nein“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weil das Statut angeblich neue Grenzen schafft, weil es dem Saarland ein „Kolonialstatut“ überstülpt, weil es die kollektive Sicherheit in Europa gefährdet und weil es für das Saarland zu große Risiken birgt.
DSP, DPS und Kommunisten sagen „Nein“ zum Statut, weil sie Europa wollen – und: weil das Statut angeblich neue Grenzen schafft, weil es dem Saarland ein „Kolonialstatut“ überstülpt, weil es die kollektive Sicherheit in Europa gefährdet und weil es für das Saarland zu große Risiken birgt.
Unterschiedliche Ansichten und Umgangsweisen im saarländischen Plakatkrieg: Interessiertes Studium einer nach Vorschrift gestalteten Plakatwand in Saarbrücken
Unterschiedliche Ansichten und Umgangsweisen im saarländischen Plakatkrieg: Alte Herren, die dem politischen Bruderkampf die kalte Schulter zeigen

Der Weg nach Deutschland

Die Ablehnung des Europäischen Statuts bedeutete nicht notwendigerweise das Ende des teilautonomen Saarstaates. Doch markierte der 23. Oktober 1955 in der politischen Willensbildung eine so starke Zäsur, dass danach alles auf eine baldmöglichste Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik zulief. An der Saar trat die Regierung Hoffmann noch in der Wahlnacht zurück. Die Dezemberwahlen 1955 besiegelten die durch das Referendum eingeleitete innenpolitische Kräfteverschiebung. Im Luxemburger Vertrag von 1956 zwischen Deutschland und Frankreich wurden die letzten außenpolitischen Hürden für die Wiedervereinigung aus dem Weg geräumt. Bereits am Neujahrstag 1957 begrüßte Konrad Adenauer in Saarbrücken das jüngste deutsche Bundesland.

Zweieinhalb Jahre später, am 6. Juli 1959, fielen auch die Zollgrenzen, die D-Mark löste den Franc als Zahlungsmittel ab, der Sonderweg der Saar ging zu Ende. Die einvernehmliche Lösung der Saarfrage bereitete den Boden für die deutsch-französische Freundschaft.

Journalisten in den im Pressezentrum des Landtags eingerichteten Telefonkabinen
Ministerpräsident Johannes Hoffmann (m.) schreitet mit seinem Sohn (r. daneben) und seiner Frau (r. vom Sohn) zur Wahlurne.
Die politischen Führer des „Heimatbundes“ kommentieren ihren Sieg und den Rücktritt Johannes Hoffmanns am Wahlabend bei einer Pressekonferenz.
Am Neujahrsmorgen 1957 trifft Bundeskanzler Adenauer zur Rückgliederungsfeier in Saarbrücken ein.
Das neue Bundesland Saarland 1957-1959
Verbrüderung der Zöllner an der deutsch-französischen Grenze in der Nacht zum 6. Juli 1959, in der die Zollschranken zwischen Deutschland und dem Saarland fallen
Wirtschafts(wunder)minister Erhard kommt persönlich ins Saarland, um die richtige und marktkonforme Festsetzung der Lebensmittelpreise zu überprüfen.
In einem Saarbrücker Kreditinstitut stehen die Menschen Schlange, um ihre Francs in D-Mark umzutauschen.
Noch vor der Eingliederung in die Bundesrepublik beginnen im Sommer 1956 die Arbeiten für den Autobahnanschluss des Saarlandes an das bundesdeutsche Fernstraßennetz.
Bundespräsident Heuß und Ministerpräsident Röder zu Gast bei der Jahrestagung der deutschen Max-Planck-Gesellschaft im Sommer 1959 in Saarbrücken
Der (automobile) Anschluss an Deutschland dokumentiert sich auch im Straßenbild: Nummernschildwechsel in Saarbrücken 1957.
Die Kehrseite der Währungsumstellung: Tatsächliche oder „gefühlte“ Preissteigerungen bringen die Menschen schon im Juli 1959 auf die Straße.
Bundeskanzler Kiesinger (daneben Ministerpräsident Röder) macht im Januar 1967 anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der saarländischen Eingliederung dem jüngsten Bundesland seine Aufwartung. 
Beim Jubiläumsakt 1967 wird gleichzeitig die Saarbrücker Kongresshalle eingeweiht, die dem Saarland von Bonn zur Eingliederung „geschenkt“ worden war.
Auf der Eisenbahn kann die Saar ihrer seit langem bestehenden Brückenfunktion zwischen Deutschland und Frankreich immer besser gerecht werden. Das Zusammenschweißen der beiden Länder, 1952 symbolisch inszeniert und 1970 mit dem TEE „Goethe“ komfortabel auf den Weg gebracht, ist mit der Aufnahme der ICE/TGV-Schnellverbindung Frankfurt-Paris im Juni 2007 verkehrstechnische Realität geworden.
Modellregion SaarLorLux 

Entstehung der Region

Der Luxemburger Vertrag, der die Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik regelte, stellte in mancher Hinsicht auch die Weichen für die europäische Zukunft der Region. Auf der Grundlage einer neuen Partnerschaft zwischen Frankreich, Luxemburg und Deutschland entstand eine Reihe von Plänen und Projekten, die „SaarLorLux“ zur ökonomischen, kulturellen und schließlich auch politischen Realität werden ließen. Geradezu beispielhaft zeigte bereits der Ausbau der Mosel zur Großschifffahrtsstraße, wie aus der Lösung eines nationalen Problems der Vergangenheit der Geist europäischer Gemeinsamkeit erwachsen konnte. Auch die Intensivierung des Warenverkehrs und kulturelle Aktivitäten wie die Französische Woche, die Deutsch-Französische Gartenschau sowie ein Netz von Städtepartnerschaften haben die Menschen über die Grenzen hinweg zusammengeführt und die Perspektiven in der Region erweitert. In den 60er Jahren entstand außerdem ein neues Bewusstsein für die gemeinsamen Probleme im alten Montandreieck. Daraus entwickelte sich nicht nur der Name für die spätere Euro-Region SaarLorLux. Vor diesem Hintergrund wurden auch visionäre Ideen wie das deutsch-französische Freihandelszentrum „CECOFA“ oder die „SaarLor“-Verbundwirtschaft vorangetrieben beziehungsweise realisiert.

Journalisten und Politiker verschaffen sich in der Kleinbahn einen ersten Überblick über den Deutsch-Französischen Garten, der auf ehemaligen Schlachtfeldern errichtet wurde.
Bei der seit 1960 im Jahresrhythmus stattfindenden „Französischen Woche“ wurde im Saarland für den Absatz zollfreier Waren aus dem Nachbarland geworben.
Altkanzler Adenauer macht 1966 noch selbst den ersten Spatenstich zum Denkmal für die „großen Europäer“ an der deutsch-französischen Grenze bei Berus, wo er bei der Eröffnung vier Jahre später selbst neben Robert Schuman und Alcide de Gasperi verewigt ist.
Im Deutsch-Französischen Garten treffen sich im Sommer 1965 Eisenbahner aus Frankreich, Luxemburg und Deutschland zu einem der ersten Saar-Lor-Lux-Feste.
In einer konzertierten Aktion werden im Oktober 1976 in Luxemburg,Metz und Saarbrücken drei E-Lokomotiven auf die Namen der Partner in der Region getauft. Hier die Gattin des lothringischen Präfekten bei der Taufe der „Lorraine“
Eröffnung der Deutsch-Französischen Gartenschau im April 1960
In Anwesenheit von Robert Schuman, Präsident des Europäischen Parlaments, wird 1958 in Spiesen der Grundstein für ein „Europadorf“ für Vertriebene aus Ost- und Südosteuropa gelegt.
Deutsch-Französischer Chansonabend auf dem Halberg, wo der SR ein Konzert von Gilbert Becaud und Udo Jürgens aufzeichnet.
Seit 1964 läuft das erste Programm des Saarländischen Rundfunks auf der „Europawelle“, einem Namen, dem man sich sowohl programmatisch als auch sendetechnisch verpflichtet fühlt.
An der Eröffnung des im Luxemburger Vertrages vereinbarten Moselkanals nehmen die Staatsoberhäupter der Anrainerstaaten Frankreich, Luxemburg und Deutschland teil.
Die Eröffnung der vor allem von Deutschland finanzierten Großschifffahrtsstraße wird auch zu einem großen Volksfest, mit dem der neue europäische Geist im Dreiländereck gefeiert wird.
Empfang des französischen Staatspräsidenten de Gaulle auf dem Petersberg bei Bonn 1962, rechts im Bild der saarländische Ministerpräsident Röder 
Die Saarmesse, 1950 im Saarstaat als europäische Leistungsschau gegründet, steht auch nach der Eingliederung des Saarlandes ganz im Zeichen deutsch-französischer Freundschaft im Zentrum Europas.
Das Galabuffet während der Französischen Woche 1970 gibt den Saarländern reichlich Gelegenheit, französische Gaumenfreuden näher kennen zu lernen.
Während der Einweihung des Zollbahnhofs Goldene Bremm 1969 demonstrieren Studenten und Mitglieder der Europabewegung für ein grenzenloses Europa.In der Bildmitte Ministerpräsident Röder, rechts der spätere hessische Ministerpräsident Börner, links oberhalb Röders der spätere saarländische Ministerpräsident Reinhard Klimmt als Student.
Mit Fertigstellung der saarländischen Grube Warndt im Jahr 1965 endet eine jahrzehntelang politisch brisante Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich um den Kohlenabbau in dieser Region.
Die Raffinerie im saarländischen Klarenthal war Teil der SaarLor-Verbundwirtschaft, die im Luxemburger Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich juristisch vorbereitet und 1965 aus der Taufe gehoben wurde.
Der Plan von 1968 belegt grafisch den namentlichen Ursprung von SaarLorLux im alten Montandreieck sowie die Zentralität der Region in Europa.
Das Raumordnungsschema SaarLor-Lux von 1968 markiert den Beginn der Bemühungen, ökonomische Nachteile der Grenzlage durch grenzüberschreitende Planung und Kooperation in Standortvorteile zu verwandeln.
Der Bau eines großen deutsch-französischen Freihandelszentrums für die europäische Warendistribution war 1967 ein visionäres Großprojekt, von dem allerdings außer einigen Infrastrukturmaßnahmen und der Peugeot-Deutschland-Zentrale auf dem Gelände zwischen Saarbrücken und Saargemünd nichts realisiert wurde.
Zum 2. deutschfranzösischen Wirtschaftsdialog kommen 1976 Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft beider Staaten nach Saarbrücken.
Der Bau eines großen deutsch-französischen Freihandelszentrums für die europäische Warendistribution war 1967 ein visionäres Großprojekt, von dem allerdings außer einigen Infrastrukturmaßnahmen und der Peugeot-Deutschland-Zentrale auf dem Gelände zwischen Saarbrücken und Saargemünd nichts realisiert wurde.
In der Unternehmenswirklichkeit existiert SaarLorLux schon lange: Die Burbacher Hütte wurde bereits 1906 mit dem luxemburgischen Esch-sur-Alzette im ARBED-Konzern vereint, mit der „Energie SaarLor-Lux“ kooperieren die Saarbrücker Stadtwerke in einem gemeinsamen Vertriebsverbund mit der „Electrabel“, dem führenden Energieunternehmen in Benelux (Kraftwerk Römerbrücke).
Mitwirkende: Geschichte

Landesarchiv des Saarlandes
Staatskanzlei des Saarlandes, Öffentlichkeitsarbeit

Quelle: Alle Medien
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