900 v. Chr. bis 2009

Anziehend: Von der Fibel zur Brosche

Schmuckmuseum Pforzheim

Mit der Entwicklung der Kleidung wird auch die Frage, wie man sie schließt und kunstvoll rafft, ein epochenübergreifendes Thema des Schmuckschaffens. Die Geschichte der Fibeln und Broschen im Laufe der Jahrhunderte erzählt durch das Schmuckmuseum Pforzheim

Fibulae - praktische Dekoration
Ihr Siegeszug beginnt in der Bronzezeit, als sich die kunstvolle Verarbeitung von Metall verbreitet. Bis ins hohe Mittelalter bleibt die Fibel als Verschluss und Statussymbol unersetzlich. Mit dem Aufkommen von Knöpfen emanzipiert sie sich zur Brosche und erfüllt „nur“ noch ein Schmuckbedürfnis. Kein barockes Damenmieder, kein Herrenhut ist denkbar ohne prächtigen Besatz. In der Moderne beansprucht die Brosche den Stellenwert eines eigenständigen Kunstwerks. Als Skulptur am Körper bietet sie dem Künstler vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten — und wird „Art to wear“.

Brillenfibel | 9.-8. Jh. v. Chr. | Nordgriechenland | Bronze

Der Ursprung der Brillenfibel geht auf die Urnenfelderkultur Mitteleuropas (13.-11. Jh. v. Chr.) zurück. In Griechenland waren diese aufwendigen Gewandschließen, die paarweise an den Schultern getragen wurden, vom 11. Jahrhundert an üblich. Die doppelspiralige Fibel, die an eine Brille erinnert, wurde aus einem einzigen Bronzedraht hergestellt.

Fibel | 8. Jh. v. Chr. | Griechenland | Bronze

Die bronzene Fibel schimmert in einer wunderschön grünen Patina und hat die typische Form mit Halbkreisschlaufe und Nadel. Anhand dieses Exponates lässt sich die Handhabung sehr gut ablesen. Das Prinzip ist dem der heutigen Sicherheitsnadel ähnlich. Die Fibel wurde vor allem zum Verschließen von Umhängen und Mänteln benutzt.

Gewandschließe | Um 700 v. Chr. | Irland | Gold

Mit ihrem starken Bügel und den "Schüsseln" aus Gold verband diese Fibel einzelne Teile der Kleidung.

Etruskische Fibel | Zweite Hälfte 6. Jh. v.Chr. | Gold

Die Fibel galt nicht nur als nützliches Utensil, sondern wurde oft aufwändig verziert. Die kleine Fibel mit einer Sphinx auf der Nadelhalterung wurde in Etrurien gefertigt. Die Etrusker waren Meister der Goldschmiedekunst. Dies zeigt auch das nächste Stück.

Zierscheiben | 6. Jh. v. Chr. | Gold mit Granulation

Fibel | 3.-4. Jh. n. Chr. | Römisch | Gold

Die Fibel als Schmuckstück und Gebrauchsgegenstand spielte auch bei den Römern eine wichtige Rolle, so z.B. diese spätrömische Armbrustfibel, die häufig von Männern an der Schulter getragen wurde.

Bügelfibeln | Spätes 5. Jh. | Silber z.T. vergoldet, Almandine, Niello

Bügelfibeln wurden meist in der Beckengegend oder im Beinbereich getragen und hielten dort vermutlich den Rock zusammen.

Gewandbesatz | 6. Jh. | Bronze

Ringe und Gewandschmuck sind die Schmuckstücke des frühen und hohen Mittelalters.
Über den Gewändern wurden weite Mäntel getragen, die mit einer Gewandschließe
zusammengehalten wurden. Den Halsschlitz schloss man mit einer Agraffe, auch
Fürspan oder Heftlein genannt.

Vom Knopf abgelöst
Mit der Nutzung des Knopflochs kamen Fibeln aus der Mode. Zwar gab es bereits in der Antike Knöpfe, diese wurden jedoch nur zur Zierde getragen. Im 13. Jahrhundert kamen die Knopflöcher auf, und Knöpfe wurden vermehrt zum Schließen der Kleider verwendet. Die Veränderung der Mode — hin zu engeren Kleidern — trug maßgeblich dazu bei, dass mehr Knöpfe als Fibeln eingesetzt wurden. Diese verlor somit ihren praktischen Nutzen und emanzipierte sich zur schmückenden Brosche — kein barockes Damenmieder, kein Herrenhut ist ohne diesen prächtigen Besatz denkbar.

Blütenstrauß (Agraffe) | Um 1620-1630 | Gold, Smaragd, Diamanten, Email

Im Spätmittelalter kam die Agraffe auf, mit der zwei Kleidungsstücke zusammengehalten werden konnten. Es gab Agraffen, die fest an die Kleidung angenäht wurden und über Haken und Ösen die Stücke miteinander verbanden, andere wurden an beiden Kleidungsstücken eingehakt und konnten komplett abgenommen werden. Ein Beispiel ist die Agraffe, die um 1620 gefertigt und als prächtig glitzernder Blumenstrauß aus Gold, Diamanten, Email und einem leuchtenden Smaragd geformt wurde. Einen solchen Blickfang steckten sich die Herren gerne auch einmal an den Hut.

Brustschmuck | Um 1700 | Spanisch | Gold, Diamanten, Email

Dieser aufwändige Brustschmuck schmückte um 1700 das Dekolleté einer spanischen Dame.

Sévigné-Brosche | Um 1730 | Gold, Smaragde

Schmuck wurde im Barockzeitalter ganz bewusst passend zur Kleidung gewählt.

Repräsentative Broschen, die unterhalb des Ausschnitts getragen wurden, lösten den beliebten Anhänger des Manierismus ab. Querovale Schleifenbroschen waren unter dem Namen "Sévigné-Broschen" weit verbreitet.

Brosche/Anhänger: Philip von Bourbon | Um 1700 | Silber, Diamanten, Rückseite vergoldet, Miniatur Öl auf Kupfer

Brosche | Um 1750 | Silber, Gold, Topase, Diamanten, Emaile

Brosche | Um 1800 | Silber, Diamanten, Glas

Brosche | Frühes 19. Jh. | Berlin | Eisen

Berlin | Um 1840 | Pforzheim | Gold, Türkise, Email

Brosche | Mitte 19. Jh. | Erbach im Odenwald | Elfenbein

Trauerbrosche | 1835 - 1866 | Gold, Email, Haararbeit auf Opalglas, unter Glas, Foto auf der Rückseite

Brosche von John Brogden | Zwischen 1864 und 1885 | London | Gold, Emaile

Edle Materialien
Ob Gold, Rubine, Topas oder eben Diamanten: Broschen sind oft aus besten, teuren Materialien und reich verziert. Sie glitzern und werten das Kleidungsstück glamourös auf und gehören bis heute zu den beliebtesten Schmuckstücken.

Brosche | 1860/1870 | Gold, Diamanten

Seine Diamantblüten sind so befestigt, dass sie leicht mit der Bewegung ihres weiblichen Besitzers vibrieren.

Brosche von Louis Aucoc | 1898/1900 | Gold, Diamanten, Rubine, Perle, Emaile

Brosche "Octopus und Schmetterling" von Wilhelm Lucas von Cranach (Entwurf) | 1899-1900 | Gold, Perlen, Diamanten, Rubine, Amethyste, Topas, Emaile

Cranach verdankt seinen Ruf seinen hervorragenden Entwürfen für Schmuck und andere Kunsthandwerksgegenstände. Die Brosche "Octopus and Butterfly" ist ein Meisterwerk des Jugendstils und in Bezug auf Motiv und Handwerkskunst die spektakulärste Schmuckschöpfung dieser Stilepoche in Deutschland.

Brosche von Theodor Fahrner | Um 1930 | Silber, Amethyste, Amazonite, Markasite

Brosche | Josef Hoffmann | Um 1910 | Wien | Kupfer, Emaile

Skulptur am Körper
Für Schmuckdesigner bieten Broschen eine große Gestaltungsbandbreite: Sie sind die einzigen Schmuckstücke, bei denen man sich gestalterisch auf der Fläche bewegt, sie können reliefartig bis hin zu skulpturalen Aufbauten in den Raum greifen und dem Träger wie dem Betrachter multiple Ansichten bieten.

Brosche von Elisabeth Treskow | Um 1941 | Essen | Gold mit Granulation, Diamanten, Perle

Brosche von Reinhold Reiling | 1967 | Gold, Diamant, Rubin

Brosche von Jens-Rüdiger Lorenzen | 1988 | Stahl, Neusilber, Papier

Brosche von Iris Bodemer | 1997 | Gold, Rubellit, Gummi, Tape

Brosche von Georg Dobler | 2008 | Silber, Rauchquarz

Brosche „Viviane“ von Bettina Speckner | 2009 | Fotoätzung auf Zink, Silber, Smaragdperlen, Saphirperlen, Perlmutt

Schmuckmuseum Pforzheim
Mitwirkende: Geschichte

Fritz Falk: Schmuck 1840-1940. Highlights Schmuckmuseum Pforzheim. Stuttgart 2004

Fritz Falk: Serpentina. Die Schlange im Schmuck der Welt. Stuttgart 2011

Fritz Falk, Cornelie Holzach: Schmuck der Moderne 1960-1998. Bestandskatalog der modernen Sammlung des Schmuckmuseums Pforzheim. Stuttgart 1999

Cornelie Holzach: Schmuckmuseum Pforzheim. Museumsführer. Pforzheim 2015

Quelle: Alle Medien
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