1886 bis 1887

Der Burgtheater-Gemäldezyklus

Burgtheater

Entdecken Sie die fantastischen Deckengemälde der Feststiege Volksgartenseite des Burgtheaters im Detail und zoomen Sie sich direkt in die Gemälde der Brüder Gustav und Ernst Klimt und von Franz Matsch.

Eingangsbereich zur Feststiege Volksgartenseite des Burgtheaters mit den Deckengemälden von Gustav und Ernst Klimt und Franz Matsch.
Wir laden Sie herzlich ein, auf Entdeckung zu gehen!

Einleitung
Das Hofburgtheater, nach langer Bauzeit 1888 eröffnet, bildete den Schlusspunkt des Großbauprojekts Ringstraße. Nach Gottfried Sempers Fortgang aus Wien 1876 hatte Carl von Hasenauer die alleinige Bauleitung inne. Auf ihn gehen die Detailformen der Außenarchitektur und die Innendekoration zurück. Als Organisator war er auch für die Wahl der Künstler verantwortlich. Höhepunkt der künstlerischen Ausstattung sind die 1886-87 entstandenen Malereien an den Decken der beiden Prunktreppenhäuser seitlich des Mittelbaus. Die Hauptbilder, die innerhalb einer dekorativen Rahmung entlang der Mittelachse der Decke verlaufen und die Geschichte des Theaters zum Inhalt haben, sind frühe Werke der Brüder Gustav und Ernst Klimt und von Franz Matsch. Es gab zu dieser Zeit kaum einen prestigeträchtigeren Auftrag zu vergeben. Bauherr war der Kaiser selbst. Das Theater war zudem als Treffpunkt der höchsten Kreise der Gesellschaft eine Institution, die beim Publikum spezielle Aufmerksamkeit genoss. Die Arbeit machte die jungen Künstler schlagartig einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Es war ihr erster großer Staatsauftrag. Die Presse spendete höchstes Lob. Für das Trio bedeutete es den Durchbruch in ihrer Karriere.
Die Feststiege Volksgartenseite
Insgesamt sind es zehn selbständige Bilder, zwei davon in den Giebelfeldern, die die Decken der Treppenhäuser zieren, fünf im linken und fünf im rechten Flügel. Die Architektur ist auf beiden Seiten identisch. In jedem der Stiegenhäuser werden, jeweils in chronologischer Reihenfolge, ab den Giebelfeldern über den Eingängen Szenen der Theatergeschichte von der Antike bis in die jüngere Zeit dargestellt. Der Bilderzyklus über der rechten Treppe thematisiert die Entstehung der dramatischen Kunst und drei Klassiker des Theaters, der korrespondierende Flügelbau die Themen Musik und Tanz, das mittelalterliche Mysterienspiel und die Stegreifbühne. In den Szenen werden stets Akteure und Publikum einander gegenüber gestellt. Ganz im Geiste ihrer Zeit bemühten sich die Künstler um eine historisch möglichst authentische Darstellung, was sich in vielen Details wie den Gewändern der Figuren manifestiert. Im rechten Stiegenhaus sind vom Eingang her, beginnend mit dem Giebelfeld, folgende Bilder zu sehen: „Altar des Dionysos”, „Thespiskarren” (beide Gustav Klimt), „Antike Theaterszene” (Franz Matsch), „Shakespeares Globetheater” (Gustav Klimt) und „Szene Molières” (Ernst Klimt).
Die Feststiege Landtmannseite
Der Zyklus im linken Treppenhaus zeigt: „Altar des Apollo”, „Antiker Improvisator” (beide Franz Matsch), „Theater in Taormina” (Gustav Klimt), „Mittelalterliche Mysterienbühne” (Franz Matsch) und „Hanswurst auf der Jahrmarktsbühne” (Ernst Klimt).
Der Altar des Dionysos (Gustav Klimt)
Das langgestreckte Segmentbogenfeld wurde von Gustav Klimt mit einer verhältnismäßig dichten Komposition gefüllt, die in steiler Untersicht die Treppenanlage eines Tempels zeigt, der - wie die gerade noch sichtbare Giebelzone seiner Bekrönung deutlich macht - als Dreiflügelanlage in der Art des Pergamonaltars vorgestellt wird. Im Zentrum steht der archaische Kopf des bärtigen Gottes aus vergoldeter Bronze, daneben ein kleines graues, wohl steinernes Figürchen eines Kouros; das Ganze von Blüten und Efeuranken umflossen.

Links kniet eine Mänade in hingebungsvoller Haltung leicht vorgebeugt und opfert mit ihrer Linken dem Gott eine vergoldete Statuette der Pallas Athene

Detailansicht der zweiten Mänade

Kleines Kind und Signatur von Gustav Klimt

Der Thespiskarren (Gustav Klimt)
Das Thema des Bildes weist in die früheste Zeit des griechischen Theaters zurück, als der Schauspieler Thespis mit einem Karren als Bühne durch Attika gezogen sein soll, um seine Kunst darzubieten. Das Schauspiel findet in der rechten Bildhälfte statt.

Thespis, auf dem Karren stehend, ist in einen langen Chiton gehüllt, sein Gesicht als tragische Maske geschminkt, die Augen scheinen geschlossen zu sein, während die Arme in großer Geste ausgebreitet sind.

Den weitaus größeren Raum des Bildes aber nehmen die Zuschauer ein, in der vorderen Reihe Frauen mit Kindern, in der hinteren Männer.

Die Gruppen der Frauen und Kinder sind abwechslungsreich komponiert.

Antike Theaterszene (Franz Matsch)
Im zentralen Bildfeld des Stiegenhauses malte Franz Matsch eine „Antike Theaterszene”. Die Schauspielkunst ist nun sesshaft geworden. Das große Hochformat zeigt die Aufführung einer griechischen Tragödie, traditionell identifiziert als Sophokles’ Antigone. Matsch bemühte sich nach eigener Aussage um die Rekonstruktion des Dionysostheaters in Athen.

Auf der Bühne agieren drei Schauspieler mit Masken. Auf dem Proskenion ist in pathetischer Erregung der Chor versammelt und reagiert auf das Geschehen auf der Bühne begleitet von einem Flötenspieler.

In der leeren Orchestra steht im Zentrum der Opferaltar des Dionysos mit Dreifuß und Lorbeerkranz.

Bei der stehenden Profilfigur handelt es sich um ein Portrait der gefeierten Burgtheatermimin Charlotte Wolter (1834-1897).

Standbild des Sophokles

Shakespeares Globetheater (Gustav Klimt)
Von der Antike springt das Programm nun ins goldene Zeitalter des Theaters der Neuzeit. Gustav Klimts Bild zeigt die Gruftszene aus Romeo und Julia in „Shakespeares Globetheater” im elisabethanischen London.

„Romeo und Julia”

Unmittelbar daneben haben vornehme Herrschaften, vielleicht Königin Elisabeth selbst […] in einer Loge auf Höhe der Bühne Platz genommen, die eine ganz unmittelbare Anteilnahme an der Aufführung ermöglicht.

Das übrige Publikum im Zuschauerraum erscheint dicht gedrängt und - wie es im Globetheater tatsächlich der Fall war - verschiedensten Bevölkerungsschichten zugehörig.

Ein Mann, den bärtigen Kopf in einen kostbaren weißen Radkragen wie eingebettet, verdient unser besonderes Interesse, da es sich um das einzige gemalte Selbstporträt handelt, das wir von der Hand Gustav Klimts besitzen. Hinter ihm ein junger Mann in rotem Wams, das Porträt von Ernst Klimt, davor zwischen den beiden Malerbrüdern, Franz Matsch, ebenfalls vornehm gekleidet.

Szene Molières (Ernst Klimt)
Ernst Klimts genrehaft aufgefasste „Szene Molières” führt uns in das Frankreich Ludwigs des XIV. In der Uraufführung der Komödie „Le malade imaginaire” im Februar 1673 spielte der Dichter selbst die Titelrolle.

Auf der Bühne sitzt der Hypochonder Argan, der eingebildete Kranke, in einem goldfarbenen Schlafrock zur Rechten seines Arztes Diafoirus. Die Weißgekleidete links ist Argans Tochter Angélique. Für sie hat Klimts Schwester Hermine Modell gestanden.

Grisaille-Malerei von Carl Joseph Geiger (1822-1905)
Bei den seitlich der Hauptbilder zu entdeckenden Grisaillen, die sich von einem fingierten Goldmosaikgrund abheben, handelt es sich um Arbeiten des Wiener Malers, Grafikers und Illustrators Carl Joseph Geiger (1822-1905).

Detailansicht

Bacchus-Triumphzug von Edmund Hofmann von Aspernburg (1847-1930)
Die Figurengruppe im Tympanum am Ende der Feststiege thematisiert Bacchus’ Triumphzug begleitet von Ariadne und einer Pantherquadriga. Sie wurde von Edmund Hofmann von Aspernburg gestaltet.

Burgtheater Trailer

Burgtheater Wien
Mitwirkende: Geschichte

Burgtheater

Gustav Klimt, Franz Matsch und Ernst Klimt im Burgtheater. Otmar Rychlik. Hrsg. Klaus Bachler. Edition Kunstagentur, Wien, 2007

Quelle: Alle Medien
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