1945 bis 2017

Die Geschichte des Hauses ab 1945

Konzerthaus Berlin

Verfolgen Sie die Geschichte des Konzerthaus Berlin vom 2. Weltkrieg bis heute.

Nach der Zerstörung des Schauspielhauses, des Französischen und Deutschen Doms in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs, wurden die Gebäude am Gendarmenmarkt nur baulich gesichert. Bis in die 1970er Jahre blieb der Gendarmenmarkt Brachland. Erst dann wurden Aufbau-Pläne, die bereits Anfang der 1950er Jahre gefasst wurden, realisiert. Fünf Architekten waren daran beteiligt, die Gesamtleitung lag in den Händen des Generaldirektors der Baudirektion Berlin, Prof. Ehrhardt Gißke.

Man entschloss sich, das Schauspielhaus als Konzerthaus wieder aufzubauen – Theater gab es bereits genügend in Ost-Berlin. Den Namen „Schauspielhaus“ behielt man allerdings bei. Ebenso sollte auch die Außenfassade des Schinkel-Baus bewahrt werden. Die inneren Räumlichkeiten dagegen mussten neuen Ansprüchen angepasst werden.
Mit der Entkernung begann man 1977: Nicht nur Schutt und Trümmer wurden beseitigt, auch kaputte und beschädigte Wände und Decken. Der ehemalige Zuschauerraum wurde komplett demontiert. Im Video: Der Architekt Manfred Prasser über den Wiederaufbau.

Um die Schuttmassen nach draußen bringen zu können, brachten die Bauarbeiter ein Tor in die Außenwand der Bühnenseite, durch das auch Kräne und Lastwagen ein- und ausfahren konnten. Alle inneren Gebäudeteile erhielten neue, selbsttragende Stahlkonstruktionen. Im Video: Der Architekt Klaus Just über den Wiederaufbau.

Am Ende entschied man sich doch gegen eine moderne und zeitgemäße Gestaltung der Innenräume. Es sollte also auch innen nach „Schinkel“ aussehen. Viele Elemente der Dekoration, Bilder oder auch die Deckengestaltung wurden somit nach seinen Vorlagen gefertigt, während die Innenräume in Architektur und Aufteilung komplett neu geschaffen wurden.
Was darf bei einem klassizistischen Bau nicht fehlen? Natürlich die Säulen nach antikem Vorbild, die sich im gesamten Haus finden lassen. Stück für Stück und an jeden Saal angepasst wurden sie angefertigt, gegossen, bemalt oder mit Marmor verkleidet. Mehr als 90 Firmen waren am Wiederaufbau beteiligt, darunter auch viele Handwerksbetriebe, die alte und teils in Vergessenheit geratene Techniken wie Kronleuchter-Bau oder Ornament-Reliefs beherrschten.
Der Bezug zum klassizistischen Schinkelbau ist allgegenwärtig: Sämtliche Bilder und Statuen im Haus entlehnen sich alten Vorgaben und antiken Mythen.
Natürlich musste auch wieder eine große Pegasus-Figur auf dem Dach des Hauses installiert werden. Mit Hilfe einer Gips-Vorlage wurden die Einzelteile gefertigt, die aus einem Millimeter starkem Kupferblech bestehen. Als Ganzes wurde die Figur dann mit dem größten Kran des Landes auf das Dach gehievt.
39 Jahre nach der Zerstörung konnte das Schauspielhaus am 1. Oktober 1984 als Konzerthaus wieder eröffnet werden. Mit einem feierlichen Eröffnungskonzert wurde dem Intendanten Dr. Hans Lessing der Schlüssel übergeben.
1987 wurde Berlin 750 Jahre – und feierte aufgrund der Teilung gleich doppelt. Ein ganzes Jahr lang gab es Festakte, Konzerte und weitere Veranstaltungen in Ost und West. Das Schauspielhaus beteiligte sich im Jubiläumsjahr mit einem Zyklus unter dem Titel „Orchester der Welt“. Der Einladung folgten unter anderem das Orchestre de Paris unter Daniel Barenboim, das Philharmonic Orchestra London unter Giuseppe Sinopoli, die Münchner Philharmoniker unter Sergiu Celibidache und die Hamburger Philharmoniker unter Yehudi Menuhin. Claudio Abbado, Leonard Bernstein und Kurt Masur waren ebenfalls mit ihren Orchestern zu Gast.
Am 25.12.1989, kurz nach dem Fall der Mauer, dirigierte Leonard Bernstein das „Berlin Celebration Concert“ mit einem riesigen Orchester, das aus Musikern aus Ost- und West-Berlin, Paris, London, New York und Leningrad bestand. Auf dem Programm: Beethovens bewegende 9. Sinfonie mit dem berühmten Schlusschor, dessen Text Bernstein zu diesem Anlass einfach änderte. Aus der Ode „An die Freude“ wurde „An die Freiheit“.
Nach dem Mauerfall durchlief das Schauspielhaus einen strukturellen Wandel, der mit der Ernennung des Musikwissenschaftlers Prof. Frank Schneider 1992 als neuer Intendant abgeschlossen wurde. Unter ihm wurde das Schauspielhaus 1994 in Konzerthaus Berlin umbenannt, und das Berliner Sinfonie-Orchester wurde offiziell zum Hausorchester. Mit dem neuen Namen unterstreicht das Konzerthausorchester seit 2006 diese Verbundenheit.
2003 wurde mit dem nach dem Versandhausgründer und Mäzen benannten Werner-Otto-Saal die modernste Spielstätte des Hauses eröffnet. Der vom Architekten Peter Kulka entworfene Saal ist dank der 132 individuell beweglichen Hub-Podien enorm flexibel und eignet sich auch akustisch sehr für zeitgenössische Konzert- und Musiktheateraufführungen.
Im Januar 2004 startete das Konzerthaus Berlin als erste kulturelle Einrichtung in Deutschland ein Ehrenamts-Programm. Aus dem damaligen Pilotprojekt ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Hauses geworden. Heute sind fast 70 Musikbegeisterte ehrenamtlich in der Besucherbetreuung am Abend, bei Rundgängen und unterstützend bei den Probenbesuchen von Schulgruppen tätig.
Seit September 2009 ist Prof. Sebastian Nordmann Intendant des Konzerthaus Berlin und des Konzerthausorchester Berlin. Der Musikwissenschaftler und Kulturmanager legt großen Wert auf die weitere Öffnung des Hauses für neues und altbekanntes Publikum. Innovative Konzert-Formate und Festival-Schwerpunkte ermöglichen viele neue Blickwinkel auf klassische Musik.
Am Tag der offenen Tür am 15. Juni 2013 wurde der neu angebrachte Schriftzug „Konzerthaus Berlin“ am Portikus des Gebäudes feierlich eingeweiht. Die bronzenen Lettern wurden von Intendant Prof. Sebastian Nordmann, Chefdirigent Iván Fischer und Olivier Feix, Leiter Kommunikation/Public Affairs beim Premiumpartner des Hauses 50Hertz, enthüllt und verraten seitdem jedem Besucher des Platzes auf einen Blick, um welches Gebäude es sich handelt.
Anlässlich des 25. Jahrestages des Mauerfalls, am 9. November 2014, fand der offizielle Festakt des Landes Berlin im Konzerthaus Berlin statt. Die musikalische Gestaltung des Festaktes lag in den Händen des Chefdirigenten Iván Fischer. Zum Finale versammelten sich im Großen Saal unter seiner Leitung Musiker aus sieben Berliner Orchestern, rund 100 Sänger aus ebenso vielen Chören und mehreren Solisten – eine bewegende Geste, die an das berühmte Konzert mit Leonard Bernstein im Dezember 1989 erinnerte.
2017 jährt sich die Luthersche Reformation zum 500. Mal. Anlass genug, bereits ein Jahr vorher, am 31. Oktober 2016, das Jubiläumsjahr einzuläuten. Bei einem Festakt im Konzerthaus Berlin sprachen unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck (Bild) und der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller. Das Konzerthausorchester Berlin unter Iván Fischer führte musikalisch durch den Festakt und spielte, passend zum Sujet des Abends, den ersten Teil der Bach-Kantate „Gott, der Herr, ist Sonn und Schild“.
Konzerthaus Berlin
Mitwirkende: Geschichte

© Konzerthaus Berlin

Quelle: Alle Medien
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