Heinrich von Stephan und die Gründung des Weltpostvereins

Museum für Kommunikation Berlin, Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Die Gebühr von 90 Cent für den Transport eines Briefes von Deutschland nach Schweden erhält die deutsche Post. Allerdings muss der schwedische Postbote mitunter weite Wege durch inselreiche Schärengärten oder karge Felslandschaften auf sich nehmen, um den Brief zuzustellen. Ist das nicht ungerecht? Im Gegenzug nimmt die schwedische Post das Geld für einen Brief von Schweden nach Deutschland ein. Darüber müssen sich die Länder nur einig sein und im besten Fall einig in der ganzen Welt.

Die entscheidende Initiative zur Gründung des Weltpostvereins ging vom damaligen Geheimen Oberpostrat, dem späteren Generalpostdirektor sowie Begründer des Reichspostmuseums, Heinrich Stephan aus.

Mit der Unterzeichnung des Allgemeinen Postvereinsvertrages am 9. Oktober 1874 in Bern bildeten 21 Staaten von vier Kontinenten ein einziges Postgebiet für alle vertragschließenden Länder und gründeten damit eine der ältesten internationalen Organisationen weltweit.

Galten vorher allein 55 verschiedene Portosätze für den deutschen Postverkehr mit dem Ausland, kostete jeder Brief mit einem festgelegten Gewicht von 15 Gramm nun gleich viel – und zwar 20 Pfennig.

Entfernungszonen, die mit Hilfe der Meilenzeiger berechnet wurden und eingeteilt in verschiedene Gewichtsklassen und abhängig vom Wert der Sendung waren, waren nicht länger notwendig.

Die Regelung der Portoteilung, d.h. der aufwendigen Abrechnung und Ausgleichszahlung zwischen den einzelnen Staaten, entfiel ebenfalls. Jede Postverwaltung konnte die von ihr erhobenen Portosätze behalten.

Um den Postvereinsvertrag stets anzupassen und den reibungslosen internationalen Postverkehr ständig zu verbessern, wurden regelmäßige Folgekonferenzen vertraglich verankert.

Die Einrichtung eines ständigen Büros in Bern als zentrale Anlauf- und Beobachtungsstelle sowie eines Schiedsgerichts zur Schlichtung von Konflikten stärkte das Vertrauen in die neue Organisation.

Auf dem zweiten Weltpostkongress 1878 in Paris wurde nicht nur die Umbenennung von „Allgemeiner Postverein“ in „Weltpostverein“, sondern auch die Herausgabe von Weltpostkarten beschlossen.

Immer mehr Länder schlossen sich dem Weltpostverein an. Seit den 1880er Jahren waren neben den meisten europäischen Staaten und deren Kolonien auch Japan, die Länder Südamerikas sowie Australien und damit alle fünf Erdteile in einem gemeinsamen Postgebiet – rund um die Welt – miteinander verbunden.

Seit 1878 wurde über die Einführung von einheitlichen Farben für die Freimarken der Grundtaxen verhandelt und auf dem Weltpostkongress 1906 in Rom festgelegt. Grün wurde als Farbe zur Freimachung von Drucksachen, Rot von Postkarten und Blau von Briefen im grenzüberschreiten Postverkehr festgelegt.

Die Ausgabe von Postausweiskarten wurde 1920 ebenfalls in die Bestimmungen des Weltpostvereins aufgenommen. Sie dienten dem Zusteller gegenüber oder am Postschalter als vollgültiger Ausweis.

Zum 50jährigen Jubiläum des Weltpostvereins fand 1924 im Lichthof des Reichspostmuseums in Berlin eine Festveranstaltung statt, an der auch Reichspräsident Friedrich Ebert (1. Reihe, 2.v.l.) teilnahm.

Anlässlich der Gründung des Weltpostvereins wird jedes Jahr am 9. Oktober der Weltposttag begangen. Der Weltpostverein bestimmt bis heute für seine 192 Mitgliedstaaten die Regeln des weltweiten Postverkehrs.

Mitwirkende: Geschichte

Heinrich von Stephan und die Gründung des Weltpostvereins

Eine virtuelle Ausstellung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

Kuratorin: Wenke Wilhelm

Alle Objekte aus dem Bestand der Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

www.museumsstiftung.de

Quelle: Alle Medien
Der vorgestellte Beitrag wurde möglicherweise von einem unabhängigen Dritten erstellt und spiegelt nicht zwangsläufig die Ansichten der unten angegebenen Institutionen wider, die die Inhalte bereitgestellt haben.
Mit Google übersetzen
Startseite
Erkunden
In der Nähe
Profil