Der Bestseller vom Bauhaus

Es war kein Freischwinger, keine Tischleuchte und auch kein Teekännchen – das Bauhaus-Design, das sich seinerzeit am besten verkaufte, war ausgerechnet: die Tapete!

Von "Stiftung Bauhaus Dessau"

Wie konnte man dem Bauhausdirektor nur mit Tapeten kommen!

Kaum etwas widersprach den Idealen der Dessauer Designer mehr als das biedere Wandkleid mit seinen Ornamenten und Schnörkeln – und der unangenehmen Eigenart, Räume kleiner und dunkler zu machen. Genauso gut hätte man den armen Mann fragen können, ob an die coolen Glasfronten des Bauhausgebäudes nicht geklöppelte Spitze soll.

Wallpaper Sample by EnglishThe Museum of Fine Arts, Houston

Doch Hannes Meyer winkte nicht entrüstet ab, als ihm Emil Rasch – Bruder der Bauhausstudentin Maria Rasch und Tapetenfabrikant aus Bramsche – im Jahr 1928 eine Kooperation anbot. Stattdessen dachte er nach – und entdeckte in der Tapete plötzlich Potential ...

Thomas Flake und Hannes Meyer (bei der Begehung des Baugeländes für die Bundesschule des ADGB in Bernau) by Erich ConsemüllerStiftung Bauhaus Dessau

„Volksbedarf statt Luxusbedarf“, hatte der gebürtige Schweizer gerade erst als neue Parole ausgerufen, seitdem drehte sich am Bauhaus alles um die Volkswohnung, die Low-Budget-Bude mit Stil.

Für diese funktionalen Sozialwohnungen könnte man nun eine passende Tapete schaffen!

Laubenganghaus in Dessau-Törten, Peterholzstraße 40, Innenansicht Musterwohnung, 2012 by Hannes Meyer (Architektur)Stiftung Bauhaus Dessau

Flugs wurde am Bauhaus ein Wettbewerb ausgerufen und Studierende aller Werkstätten malten Entwürfe.

o. T. (Tapetenentwurf) by Margaretha (Grete) ReichardtStiftung Bauhaus Dessau

Vier Bauhauslehrer wählten die finalen Designs aus. Es waren vor allem solche, die sich mit Strukturen beschäftigten.

o. T. (Tapetenentwurf 4) by Margaretha (Grete) ReichardtStiftung Bauhaus Dessau

Oft ergaben sich dadurch unauffällige, zarte Muster ...

o. T. (Tapetenentwurf) by Margaretha (Grete) ReichardtStiftung Bauhaus Dessau

... mit kleinen Strichen, Rastern oder Schraffuren. Die Farben waren hell und freundlich.

o. T. (Tapetenentwurf 3) by Margaretha (Grete) ReichardtStiftung Bauhaus Dessau

Damit passten diese Tapeten prima in kleine Räume. Sie waren günstig im Preis und konnten durch die dezenten Muster sogar ohne Verschnitt verklebt werden, was zusätzlich Geld sparte.

Werbe-Annonce für Bauhaus-Tapeten by Hubert Hoffmann (Hobby)Stiftung Bauhaus Dessau

Die Bauhaustapete wurde ein Bestseller – nicht nur die Buchhalter waren von der Rolle.

Bis heute wird die Bauhaustapete von Rasch verkauft, allerdings ist seit 1933 kein Bauhaus mehr drin. Und: Das Wandkleid, einst für Sozialwohnungen entworfen, rangiert nun im Luxussegment – vom Volksbedarf zum Luxusbedarf.

Was hätte Meyer wohl dazu gesagt?

Werbeplakat für Bauhaus-Tapeten by Hubert Hoffmann (Hobby)Stiftung Bauhaus Dessau

Mitwirkende: Geschichte

Text / Konzept / Umsetzung: Cornelia Jeske
Redaktion: Astrid Alexander, Cornelia Jeske

© Stiftung Bauhaus Dessau

www.bauhaus-dessau.de

Quelle: Alle Medien
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