Erfindungen, an deren Erfolg niemand glaubte

Von Google Arts & Culture

How these inventions became a part of everyday life

In der heutigen technologieorientierten Welt werden ständig neue Dinge, Produkte und Erfindungen geschaffen und dank des modernen Marketings lässt die nächste Innovation nicht lange auf sich warten.

Sunbathers relax under a low umbrellaNational Archives of Australia

Doch Menschen stehen Neuerungen oft eher skeptisch gegenüber. Viele erfolgreiche Erfindungen wurden daher erst kritisch beäugt und verspottet, bevor sie sich durchsetzten. Heute sind sie aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. So war es auch bei den folgenden Erfindungen. Vom Fernseher bis zum Cheeseburger – zuerst konnte sich niemand vorstellen, dass sie sich durchsetzen würden. Das war jedoch ein gewaltiger Irrtum.

CB w/ L, T and pickles (The cheeseburger, curly fries, plate, coke, with ice and straw) and EAT by John MillerChrysler Museum of Art

Elektrische Glühlampen


Der im 19. Jahrhundert geborene US-amerikanische Erfinder Thomas Edison hatte in den USA 1.093 Patente und eine seiner berühmtesten Erfindungen ist die erste rentable elektrische Glühlampe. Die Geschichte der Glühlampe begann allerdings schon lange vor Edison.

Diagram, Edison's latest lamp by Edison Electric Light CompanyMuseum of Innovation & Science

Wir können uns ein Leben ohne diese Lichtquelle kaum vorstellen, aber der Glühlampe von Edison wurde vor allem Geringschätzung entgegengebracht. Der Wissenschaftler Henry Morton vom Stevens Institute of Technology war der Ansicht, die Erfindung würde ein "grandioser Reinfall". In Großbritannien beschloss ein parlamentarischer Ausschuss, die Glühlampe sei "gut genug für unsere Freunde auf der anderen Seite des Atlantiks [...], aber der Beachtung praktisch denkender Männer oder Wissenschaftler nicht würdig". Doch mit der Weiterentwicklung des Glühfadens und einer größeren Energieeffizienz setzten sich die Glühlampen schnell durch und fanden ihren Weg in jeden Haushalt.

Carbon wire filament incandescent light bulb by Edison Electric Light CompanyNEMO Science Museum

Fernsehgerät


Ein Jahr nachdem der schottische Erfinder John Logie Baird einen funktionierenden Fernseher in London vorgestellt hatte, wurde der US-amerikanische Radiopionier Lee de Forest 1926 mit den Worten zitiert, das Gerät würde "eine kommerzielle und finanzielle Blamage". Er fügte hinzu, dies sei "eine Entwicklung, über die wir gar nicht erst nachdenken müssen". Selbst 20 Jahre später waren viele Menschen noch nicht überzeugt. Es wurden zwar immer mehr Geräte für Privathaushalte gekauft, doch die Beschäftigten der Filmbranche verspotteten die Vorstellung, die Zuschauer könnten sich um ein kleines Fernsehgerät scharen. So sagte beispielsweise der Filmproduzent Darryl Zanuck 1946: "Die Menschen werden es schnell leid sein, jeden Abend eine Sperrholzkiste anzustarren."

Television Set by PhilcoThe Valentine

Heutzutage ist das Fernsehen nicht nur ein großes Geschäft, sondern aus unserem Leben kaum noch wegzudenken. 2013 besaßen schätzungsweise 1,4 Milliarden Haushalte weltweit mindestens ein Fernsehgerät. Streamingdienste haben unser Verhalten ebenfalls beeinflusst und Anbieter wie Netflix entwickeln mit großen Budgets neue Inhalte. Das Unternehmen soll 2018 schätzungsweise 13 Milliarden $ investiert haben.

The 1960s: television on the podium by IOCThe Olympic Museum

Flugzeuge


1901 verkündete Wilbur Wright nach diversen missglückten Experimenten mit den ersten Gleitflugzeugen: "Es wird noch 50 Jahre dauern, bis Menschen fliegen können." Zum Glück gaben die Brüder Wright nicht auf und brachten ihre Flugzeuge doch noch in die Luft. 1903 machten sie Schlagzeilen, als sie einen Pionierflug von etwa zwölf Sekunden absolvierten.

The Wright Flyer's First Flight, Kill Devil Hills, North Carolina, December 17, 1903 by Daniels, John T., 1873-1948Originalquelle: Digital Collections

Obwohl diese Entwicklung für Aufsehen sorgte, behauptete im Jahr 1911 Ferdinand Foch, ein französischer General und späterer Befehlshaber der Alliierten im Ersten Weltkrieg: "Flugzeuge sind ein interessantes wissenschaftliches Spielzeug, aber sie haben keinerlei Wert für das Militär." 1933 sagte ein Ingenieur nach dem Jungfernflug des weltweit ersten modernen Passagierflugzeugs – einer Boeing 247 mit zehn Sitzplätzen – angeblich: "Es wird niemals ein größeres Flugzeug geben." Heutzutage starten weltweit rund 100.000 Flugzeuge pro Tag.

Lockheed 1649 Airplane.NASA

Autos


1899 wurde in der Zeitschrift "The Literary Digest" folgende Einschätzung zu Automobilen veröffentlicht: "Die 'pferdelose Kutsche' ist derzeit ein Luxusgegenstand für die Reichen. Der Preis wird in Zukunft zwar noch sinken, aber sie wird sich niemals so weit verbreiten wie das Fahrrad." Drei Jahre später griff die New York Times diesen Gedanken wieder auf und beschrieb Autos als unpraktisch und Fahrräder als wesentlich bessere Alternative.

Benz Victoria by Karl BenzMuseo Nazionale Dell'Automobile Torino

Ein Jahr später wollte der Anwalt Horace Rackham aus Detroit Aktien der Ford Motor Company von Henry Ford kaufen. Der Präsident der Michigan Savings Bank wies im Beratungsgespräch darauf hin, dass das Auto nur eine Modeerscheinung sei, es Pferde aber immer geben werde. Glücklicherweise ignorierte Rackham diesen Rat, denn 1908 entwickelte die Ford Motor Company das Modell T, das bis 1918 die Hälfte aller Autos in den USA ausmachte.

1896 Ford Quadricycle Runabout, First Car Built by Henry Ford by Ford, Henry, 1863-1947Originalquelle: Digital Collections

Personal Computer


Wir können uns ein Leben ohne Computer kaum noch vorstellen und etliche Berufe beruhen auf dieser technischen Entwicklung. Obwohl seit 1949 zahlreiche neue Funktionen entwickelt wurden, galt ein Computer im privaten Haushalt lange als lästig und störend. 1948 war die Small-Scale Experimental Machine in Manchester, Großbritannien, vorgestellt worden, der weltweit erste Computer, der ein gespeichertes Programm ausführte.

Personal Computer by Commodore Business MachinesMuseum of Applied Arts and Sciences

Doch Computer wurden als lästiges Übel angesehen, als weiteres Gerät, dessen Bedienung erlernt werden musste. Viele Menschen waren daher der Ansicht, dass ein Computer im Haus nicht notwendig sei. Selbst Ken Olsen, Gründer des Computerunternehmens Digital Equipment Corp, sagte 1977: "Es gibt keinen Grund, warum man einen Computer im Haus haben sollte." Und heutzutage? Einem Bericht von 2017 zufolge wurden weltweit etwa 120 Millionen PCs verkauft.

By Ted ThaiLIFE Photo Collection

Laptops haben geholfen, diese Einstellung zu ändern und die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben. Da sie überall genutzt werden können – vor allem im Café um die Ecke –, erscheinen sie wie die optimale Weiterentwicklung. Doch 1985 beklagte die New York Times den "tragischen Niedergang" eines vormals vielversprechenden Trends und machte dafür das Gewicht, den Preis und die kurze Akkulaufzeit verantwortlich. Es dauerte noch einige Jahre, bis die Technologie auf einem Stand war, der leichte, praktische und nutzerfreundliche Laptops mit einer längeren Akkulaufzeit ermöglichte.

Woman and Child at Laptop Computer by Chuck UnderwoodNational Women’s History Museum

Fahrräder


Wie bereits beschrieben waren Fahrräder vor der Einführung des Autos der größte Trend bei den Fortbewegungsmitteln. Sie wurden jedoch eher als vorübergehende Modeerscheinung oder als schickes Accessoire aufgefasst. 1890 nahm die Beliebtheit der Fahrräder plötzlich zu, ließ jedoch 1902 schon wieder nach. Kritiker bemängelten, dass Fahrräder nicht sicher, nicht zu verbessern und letztendlich für den Alltag unpraktisch seien.

Rover 'safety' bicycle by RoverScience Museum

Im Dezember 1906 ging die New York Sun sogar noch einen Schritt weiter: "Als Modeerscheinung hat Radfahren ausgesorgt und nur wenige Menschen fahren noch aus den Gründen, die sie damals zu den Vorteilen zählten." Doch im Laufe der Zeit wurden das Design der Fahrräder und der Zustand der Straßen verbessert. Fahrräder galten wieder als praktisch und bei der Planung einiger Städte wurden sie sogar gezielt berücksichtigt, um ihre Nutzung als Alternative zu den umweltverschmutzenden Autos zu fördern.

Ordinary bicycle:Columbia Light Roadster by Pope Manufacturing Co.The Strong National Museum of Play

Nagellack


1917 entwickelte Cutex ein Produkt, das dem heutigen Nagellack recht ähnlich war. Doch der Durchbruch ließ eine Weile auf sich warten. Die meisten taten ihn als flüchtigen Trend ab und die New York Times nannte Nagellack 1927 eine "Londoner Modeerscheinung". In der Zeitschrift Vogue ging es stärker um die Gesundheit: "Viele Frauen sind davon überzeugt, dass Nagellack schädlich oder zumindest nicht so gut für die Nägel wie Puder oder Poliercreme ist."

By Leonard MccombeLIFE Photo Collection

Doch mit der Verbesserung der Herstellungsverfahren stieg auch die Begeisterung für Nagellack. Durch Massenmarketing und Apps sozialer Medien wie Instagram haben sich Nagellack und Nailart weit verbreitet. Schätzungen zufolge wird das weltweite Marktvolumen für Nagellack im Jahr 2024 15,55 Milliarden $ betragen.

By Leonard MccombeLIFE Photo Collection

Talking pictures or “TalkiesTalkiesTalkies”


Die ersten Filme mit bewegten Bildern und synchronisiertem Ton wurden schon 1900 in Paris öffentlich vorgeführt, aber erst um 1920 gab es die ersten Schritte zur Kommerzialisierung des Tonfilms, bei dem synchronisierte Dialoge wiedergegeben werden sollten. Diese Filme wurden insbesondere im englischen Sprachraum auch "Talkies" (talking pictures) genannt und waren zuerst ausschließlich Kurzfilme.

Fotografie der Schauspielerin Norma Shearer bei Tonaufnahmen mit Telegrafon im MGM-Studio by Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. (gegr. 1924)Museum für Kommunikation Frankfurt, Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Die Stummfilmära neigte sich ihrem Ende zu, aber viele Menschen nahmen den Tonfilm nicht ernst. In Zeitungsartikeln wurde behauptet, dass "bewegte Bilder keiner Sprache bedürfen". Viele Zuschauer befürworteten zwar Klangeffekte, aber Dialoge galten als überbewertet. Wie bei so vielen Erfindungen zog letztendlich die Technologie nach und mit den besseren Tonaufnahmen gewöhnten sich die Zuschauer auch an die neue Form, sodass Tonfilme schnell bevorzugt wurden.

Cicago Drive - In Movie Theater by Francis MillerLIFE Photo Collection

Regenschirme


Regenschirme gibt es schon seit Tausenden von Jahren. Eine Zeit lang wurden sie eher zum Schutz vor der Sonne als vor dem Regen genutzt und Parasol genannt. Dieser Begriff wird heute allerdings kaum noch verwendet. Großbritannien ist zwar für sein Regenwetter bekannt, doch der Regenschirm fand dort erst wenig Anklang. Im Rest von Europa setzte sich die leichte, wasserdichte Version des Sonnenschirms schnell durch, doch in Großbritannien konnte die Erfindung Mitte des 18. Jahrhunderts noch nicht überzeugen. Als Jonas Hanway ein Exemplar von einer Reise nach Frankreich mitbrachte, wurde er beleidigt und mit Müll beworfen. Zum Glück schützte ihn sein Regenschirm.

Rain Coats by Gjon MiliLIFE Photo Collection

Doch was steckte dahinter? Der Regenschirm galt zu dieser Zeit noch als rein weibliches Accessoire, mit dem sich Frauen an heißen Tagen vor der Sonne schützten. Hanway wurde von vielen Menschen verspottet, darunter auch ein Kutscher, der sich aus unerfindlichen Gründen von dem Gegenstand bedroht fühlte. Erst Ende des 18. Jahrhunderts kam der Regenschirm auch auf den nassen Straßen Großbritanniens in Mode.

By Nina LeenLIFE Photo Collection

Cheeseburger


Berichten zufolge verkauft McDonalds über 75 Hamburger pro Sekunde. Für Cheeseburger gibt es zwar keine entsprechende Statistik, aber die Zahlen werden ähnlich hoch sein, da nahezu jedes Restaurant, jeder Schnellimbiss und jede Gaststätte eine Version des Klassikers auf der Speisekarte hat. Das war jedoch nicht immer der Fall.

Lionel Sternberger soll 1934 den Cheeseburger erfunden haben, der zuerst jedoch nicht als kulinarische Entdeckung gefeiert, sondern als "verrückte kalifornische Idee" abgetan wurde. Die New York Times berichtete 1938 erstmals über den Cheeseburger und stufte ihn als ausgefallenes Gericht ein. Er sei zwar durchaus genießbar, würde sich aber kaum durchsetzen. Das war jedoch ein gewaltiger Irrtum. Nachdem Schnellrestaurants wie McDonalds Cheeseburger auf die Speisekarte setzten, fanden sie schnell ihren Weg in die Herzen – und Mägen – der Menschen auf der ganzen Welt.

CB w/ L, T and pickles (The cheeseburger, curly fries, plate, coke, with ice and straw) and EAT by John MillerChrysler Museum of Art

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