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Die Geburt der Olympischen Spiele der Neuzeit

Athen, 6. - 15. April 1896

Die Geschichte der antiken Olympischen Spiele in der Neuzeit

Dieses Jahr ist der 120. Jahrestag der internationalen Olympischen Spiele,
die zwischen dem 6. und 15. April 1896 in Athen, dem Geburtsort der antiken Olympiade, zum ersten Mal stattfanden. Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit waren ein großer Meilenstein für den internationalen Sport und die Kooperation.

Die Olympischen Spiele der Neuzeit wurden basierend auf der antiken griechischen Olympiade gegründet, deren Dokumentation bis 776 vor Christus zurückgeht.
1000 Jahre lang wurden die antiken Spiele in Olympia zu Ehren von Zeus, den obersten Gott der griechischen Mythologie, abgehalten.

Erste Olympische Spiele in Athen 1896: Die Startlinie des ersten 100-Meter-Laufs im Panathinaiko-Stadion in Athen, Griechenland.
Das Panathinaiko-Stadion, Παναθηναϊκό στάδιο heute. Erbaut ca. 566 v. Chr., 329 v. Chr. wieder in Marmor aufgebaut, und zuletzt für die Sommerspiele 2004 in den Jahren 2000 bis 2004 renoviert.

Die Organisatoren, Athleten und Zuschauer der Olympischen Spiele 1896 in Athen wären von der Entwicklung der olympischen Bewegung beeindruckt gewesen.

Bei den Sommerspielen 2012 in London nahmen 10.768 Athleten (5.992 Männer, 4.776 Frauen) aus 204 Ländern teil. Insgesamt 302 Wettkämpfe wurden in 26 Sportarten ausgetragen.

Taekwondo-Wettkampf der Frauen bei den Sommerspielen 2012 in London
Javier Gómez Noya aus Spanien nahm am Triathlon bei den Sommerspielen 2012 in London teil. Er gewann die Silbermedaille.

Die Olympischen Spiele 1896 waren sicherlich nicht vergleichbar mit denen von 2012 in London, aber sehr bedeutend. 241 männliche Athleten aus verschiedenen Ländern traten in 43 Wettkämpfen in 9 Sportarten an: Leichtathletik, Radfahren, Fechten, Golf, Schießen, Schwimmen, Tennis, Gewichtheben und Ringen.

Die Startlinie des 12-Stunden-Radrennens bei den ersten Olympischen Spielen 1896 in Athen

241 Athleten aus 14 Ländern kamen auf dem Land- und Seeweg nach Griechenland: aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Italien, Schweden, Chile, Australien und den USA.

Athleten aus dem Irisch-Amerikanischen Athletic Club, 1896

Ein antiker Ort für die Olympischen Spiele der Neuzeit

Bis auf den Marathon fanden alle Wettkämpfe und Zeremonien im Panathinaiko-Stadion in Athen vor einer Kulisse von 80.000 Zuschauern statt.

Das Panathinaiko-Stadion war bei den Olympischen Spielen 1896 bis auf den letzten Platz gefüllt
Blick auf das Panathinaiko-Stadion am Abend

Aufgrund der scharfen Kurven liefen die Athleten keine Rekorde.

Das Panathinaiko-Stadion, auch Kallimarmaro (Καλλιμάρμαρο) genannt, was "schön marmoriert" bedeutet, wurde 329 v. Chr. aus Pentelischem Marmor, der für seine goldene Farbe berühmt ist, aus dem Steinbruch am Pendeli Berg nordöstlich von Athen, gebaut.

Blick auf die aus goldfarbenem Marmor gebauten Tribünen
Marmortreppe im Panathinaiko-Stadion

Über 2.000 Jahre später finanzierte der reiche griechische Mäzen Evangelos Zappas die Ausgrabung und die Wiederaufbau des Stadions, um dort 1859 bis 1888 die nationalen Olympischen Spiele abzuhalten. Die Spiele setzten einen wichtigen Präzedenzfall für die erste Olympiade 1896 und weitere Verbesserungen des Stadions.

Dieser einzigartige Ort wurde in 3D-ähnlichen Bildern durch ein Stereoskop betrachtet aufgenommen. Mithilfe der speziellen Fototechnik sowie der von Journalisten weltweit verbreiteten Fotos und Illustrationen wurden die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit einem größeren, weltweiten Publikum zugänglich gemacht.

Stereoskopische Aufnahmen des Panathinaiko-Stadions aus dem Jahr 1897, eine frühe Form der "3D-Bilder"
Stereoskop, 1895 (Sammlung: Frederick Douglass Historic Site, US National Park Service)

Visionäre der Olympischen Bewegung

Viele Menschen haben sich für eine Wiederbelebung der Olympischen Spiele eingesetzt.1850 organisierte der britische Arzt Dr. William Penny Brookes die “Wenlock Olympian Games” – lokale Olympische Spiele, die in der kleinen englischen Stadt Much Wenlock abgehalten wurden.

Blick auf die Stadt Much Wenlock, Shropshire, England - die Heimat der “Wenlock Olympic Games”

Diese Spiele haben wiederum einen jungen französischen Adligen, Athleten und Pädagogen namens Pierre de Coubertin (1863-1937) inspiriert. Coubertin setzte sich für den Sport im viktorianischen England ein und war der Überzeugung, dass durch Sportwettkämpfe moralische und soziale Werte wie Kameradschaft, Fairness und nationaler Stolz, aber auch Brüderlichkeit und friedlicher Wettbewerb zwischen den Ländern gefördert werden.

Pierre de Coubertin, Gründer der Olympischen Spiele

Im Jahre 1894 gründete er das erste Internationale Olympische Komitee [IOC], dessen erster Präsident Demetrius Vikelas aus Griechenland war.

Mitglieder des ersten Internationalen Olympischen Komitees. Der erste IOC-Präsident Demetrius Vikelas in der Mitte, rechts davon der Gründer der Olympischen Spiele Pierre De Coubertin.

Das Gremium beschloss einstimmig, die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Griechenland, Vikelas Heimatland und dem Geburtsort der Olympischen Spiele, abzuhalten.

Es war Coubertins Idee, dass der Austragungsort alle vier Jahre wechseln soll, um den Olympischen Spielen einen internationalen Charakter zu verleihen. Nach den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 kehrten die Spiele erst zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2004 nach Athen zurück.

Symbole und Zeremonie

Coubertin setzte sich im Laufe seines Lebens dafür ein, die Grundlagen der neuen Olympischen Spiele zu legen. Seine Vision ist in fast jedem Aspekt der modernen Olympiade zu sehen: von den Formalitäten der Eröffnungs- und Abschlusszeremonien, über die Wettbewerbsregeln bis hin zur Gestaltung des olympischen Symbols und der Medaillen.

Coubertin schlägt Athen als ersten Austragungsort vor

Die Eröffnung der ersten internationalen Olympischen Spiele fand am 5. April 1896 im Panathinaiko-Stadion in Athen statt. König Georg I. von Griechenland (1863-1913) hatte über die Eröffnungs- und Abschlusszeremonien vor 80.000 Zuschauern den Vorsitz.


Die erste Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele der Neuzeit fand am 5. April 1896 in Athen statt.

Er zeichnete auch den Sieger des Marathons aus, der Abschlussveranstaltung der Spiele. In einer ergreifenden Wendung des Schicksals für die Gastgeber war der Sieger dieses traditionellen Laufs ein Grieche namens Spiridon "Spyros" Louis. Er arbeitete als Wasserträger auf dem Land und war kein Profisportler. Am Ende verließ er Athen als Nationalheld und wurde zu einer historischen Figur.

Athen 1896 Abschlusszeremonie. Sieger Spyridon "Spiros" Louis nach Erhalt seines Olivenzweigs, seiner Medaille und eines Diploms für das Gewinnen des Marathons.
Als Marathon-Sieger Spirydon Louis im Stadion ankommt, Illustration von André Castaigne.

Der erste Olympiasieger der Neuzeit war der amerikanische Athlet James Connolly, der den Dreisprung am ersten Tag der Spiele mit 13,71 m gewonnen hatte.

Griechenland gewann die meisten Medaillen insgesamt (46). Jedoch wurde Turnen fast vollständig von den Deutschen dominiert, die 8 von 11 Medaillen nach Hause nahmen.

Der deutsche Turner Hermann Weingärtner, der die Iron Cross-Übung an den Ringen durchführte, Athen, 1896
Weingärtner am Reck, Athen, 1896. Er gewann diesen Wettbewerb.

Bei den Olympischen Spielen 1896 und 1900 haben nur die Gewinner und Zweitplatzierten Medaillen erhalten. Die Wettbewerbe fanden unter freiem Himmel auf dem Innenfeld des Stadions statt. Der Sieger erhielt von König Georg von Griechenland eine Silbermedaille, einen Olivenzweig und ein Diplom.

Heute entwirft jedes Gastgeberland seine eigenen Medaillen. Die Medaillen für die Sommerspiele müssen jedoch eine Darstellung von Nike beinhalten sowie das Panathinaiko-Stadion auf der Rückseite der Medaille.

Die Spanierin Thaïs Henríquez mit ihrer Bronzemedaille von den Olympischen Sommerspielen 2012 in London. Auf der Medaille ist Nike (Siegesgöttin) vor dem alten Panathinaiko-Stadion in Athen abgebildet.
Auf der Medaille der Sommerspiele 2012 in London ist die Göttin Nike fliegend vor dem Panathinaiko-Stadion abgebildet.

Die berühmten fünf Ringe

Jeder kennt heute die fünf ineinandergreifenden, farbigen Ringe vor dem weißen Hintergrund. Jeder Ring steht für einen der fünf Kontinente und die Farben blau, gelb, grün, rot, schwarz und weiß (der Hintergrund) bilden die Farbkombination aus jeder Nationalflagge.

Die olympische Flagge wurde 1912 von Pierre de Coubertin entworfen

Die Olympischen Ringe sind ein unverkennbares weltweit bekanntes Symbol. Doch sie traten erst 16 Jahre nach den Olympischen Spielen in Athen in Erscheinung, als Pierre de Coubertin das Motiv im Jahr 1912 in der Kopfzeile eines Briefs an ein Mitglied des IOC skizzierte. Er bat später das Pariser Kaufhaus Bon Marché die erste olympische Fahne zu nähen, die seitdem verwendet wird.

Ein Marathonlauf für die Gleichstellung

Bei der Olympiade der Antike war die Beteiligung auf freie, männliche Bürger Griechenlands beschränkt. Dies bedeutete, dass Sklaven, Ausländer und Frauen aus dem Wettbewerb ausgeschlossen waren. Wie bei den Spielen der Antike durften weibliche Athleten bei den Olympischen Spielen 1896 nicht teilnehmen, erst im Jahr 1900, jedoch nur an zwei Wettkämpfen: Tennis und Golf. Charlotte Cooper, eine australische Tennisspielerin, gewann die ersten beiden Goldmedaillen der Frauen bei den Olympischen Spielen der Neuzeit. Sie siegte im Damen Einzel und gemischten Doppel.

Die australische Tennisspielerin Charlotte Cooper auf dem Platz bei den Olympischen Spielen 1900 in Paris.

Im Jahr 1912 wurden die Schwimmwettbewerbe für Frauen in das Programm aufgenommen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts fügte der IOC weitere Frauenwettkämpfe hinzu und im Jahr 1991 wurde verkündet, dass alle neuen Wettkämpfe für beide Geschlechter offen sein müssen.

Die 100-Meter-Siegerin der Olympischen Spiele 1912 in Stockholm. Von links nach rechts: Fanny Durack (1. Platz, AUS), Wilhelmina Wylie (2. Platz, AUS) und Jennie Fletcher (3. Platz, GBR)
Die legendäre amerikanische Sprinterin Wilma Rudolph schrieb auf der Strecke Geschichte. Sie war die erste Amerikanerin, die bei einer Olympiade drei Goldmedaillen in Leichtathletik gewonnen hat, Rom 1960.

Die Aufnahme des Frauen-Boxens ins olympische Programm bei den Spielen 2012 in London sorgte zum ersten Mal für Gleichheit bei Olympia.

Frauen-Boxen bei den Sommerspielen 2012 in London

Die Paralympischen Spiele

Im Jahr 1948 organisierte Dr. Ludwig Guttmann einen Wettbewerb für verletzte britische Veteranen des 2. Weltkriegs, die "International Wheelchair Games". Sie fanden zur selben Zeit statt wie die Olympischen Spiele in London in diesem Jahr.

Die "Rollstuhl-Spiele" wurden erneut im Jahr 1952 abgehalten, dieses Mal umfasste der Wettbewerb Teilnehmer aus verschiedenen Nationen und wurde somit zum ersten internationalen Wettbewerb seiner Art.

Diese ersten Wettkämpfe wurden als "Stoke Mandeville Games" bekannt und entwickelten sich zu dem, was wir heute als "Paralympische Spiele" kennen. Die ersten offenen Paralympischen Spiele wurden im Jahr 1960 in Rom abgehalten. Seitdem fanden sie in Verbindung mit der Sommerolympiade statt.

Während Athleten mit Behinderungen immer eine wesentliche Rolle bei den Olympischen Spielen spielten, bieten die Paralympischen Spiele Athleten eine ganz besondere Gelegenheit, sportliche Höchstleistungen zu erbringen.

Olympiasieger Billy Bridges feiert die Goldmedaille seines kanadischen Teams in Sledge-Eishockey bei den Paralympischen Winterspielen 2006 in Turin.

Die Olympischen Spiele haben sich seit ihren alten religiösen, sportlichen Ursprüngen enorm weiterentwickelt: vom Amateursport im ländlichen England zu einem internationalen Wettkampf, von dem Pierre de Coubertin träumte. Sie sind heute ein internationaler, friedlicher Wettbewerb, bei dem Diversität und Ausdauer hochgeschrieben werden.

Und die Spiele entwickeln sich immer weiter. Die nächste Station ist im August 2016 Rio de Janeiro, der perfekte Ort für das historische Jubiläum der Olympischen Spiele der Neuzeit.

Rio de Janiero, Brasilien, die Gastgeberstadt der Olympischen Sommerspiele vom 5. bis 21. August 2016.
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