Editorial Feature

Tauchen Sie ein in die gotische Architektur Europas

Lernen Sie 14 verschiedene Ausprägungen dieses mittelalterlichen Stils kennen

Die Gotik ist ein Baustil, der in Europa im Mittelalter seine Blütezeit hatte. Sie entstand zuerst im 12. Jahrhundert in Frankreich und breitete sich bis zum 16. Jahrhundert auf dem ganzen Kontinent aus. Der Stil entstand während des Baus großer Kirchen in und um Paris. In den Gebäuden der Stadt sollte damit mehr Höhe, Licht und Raum geschaffen werden.

Die Gotik entwickelte sich aus der romanischen Architektur, ein Baustil, der die charakteristischen Merkmale von antiken römischen und byzantinischen Bauten mit lokalen Traditionen kombinierte. Typisch für diesen Stil sind Rundbögen, dicke Mauern und robuste Säulen. Die charakteristischen Merkmale gotischer Architektur sind Steinstrukturen mit großen Glasflächen, gebündelten Säulen, spitzen Türmen, großen Bögen, aufwendigen Verzierungen, Rippengewölben und Strebebögen - eine besondere Form von Strebewerk, die vom oberen Teil einer Mauer bis zu einem Pfeiler reicht.

Die bekanntesten Beispiele für diesen Stil sind die großen Kathedralen, Klöster und Kirchen in ganz Europa. Auch viele Schlösser, Paläste, Rathäuser und Universitäten wurden in diesem Stil gebaut. Die großartigen, kunstvollen und beeindruckenden Bauwerke der gotischen Architektur stellen einen Fortschritt der Technik und Bauweise dar. Wir beginnen hier einen Rundgang zu den eindrucksvollsten gotischen Bauwerken Europas.

1. Stephansdom, Wien, Österreich

Der Stephansdom ist eines der bekanntesten Bauwerke Wiens und die bedeutendste römisch-katholische Kirche der Stadt. Der Bau der ursprünglichen Kirche begann 1137, diese wurde jedoch von einer großen Feuersbrunst verwüstet, von der nur die steinernen Fundamente übrigblieben. Seitdem wurde an der Kirche weiter gebaut, und nach den vom 2. Weltkrieg verursachten Schäden wurde ein großer Teil des Doms wiederaufgebaut, wobei mehrere Türme und dekorative Elemente hinzugefügt wurden.

Die Mauern des Stephansdoms bestehen aus Kalkstein und sind mit aufwendigen Details verziert, die sowohl romanische als auch gotische Stilelemente miteinander verbinden. Eines der markantesten Merkmale ist das farbige Ziegeldach mit dem kaiserlichen Doppeladler. Ein weiteres Highlight des Doms sind seine Türme, deren höchster (Spitzname "Steffl") 136 Meter hoch ist und ein charakteristischer Teil der Wiener Skyline ist.

2. Reformierte Kirche, Nyírbátor, Ungarn

Nyírbátor ist eine ungarische Kleinstadt im Komitat Szabolcs-Szatmár-Bereg und liegt in der ostungarischen Region der Nördlichen Großen Tiefebene. Die Stadt ist für ihr sakrales und säkulares architektonisches Erbe aus dem 15. und 16. Jahrhundert bekannt. Das berühmteste Gebäude ist das heute als Reformierte Kirche bekannte Gotteshaus. Dieses wurde zwischen 1488 und 1511 erbaut und ist eines der schönsten Bauwerke der internationalen Gotik in Ungarn. Der benachbarte Belfried im Stil der Spätrenaissance ist der größte hölzerne Glockenturm des Landes.

Franziskanermönche bauten um 1480 ihre Klosterkirche im spätgotischen Stil. Ihre Altäre und die Kanzel gehören zu den schönsten geschnitzten Werken des Barocks im Land. Neben der Kirche steht ein Gebäude, in dem heute das István-Báthori-Museum untergebracht ist. Das Bauwerk war ursprünglich ein barockes Minoritenkloster und wurde auf einem früheren Klosters errichtet.

3. Dom von Porvoo, Porvoo, Finnland

Der Dom von Porvoo gehört zur evangelisch-lutherischen Kirche Finnlands. Er wurde zum Großteil im 15. Jahrhundert erbaut, einige seiner Teile stammen jedoch aus dem 13. Jahrhundert. Er war ursprünglich eine Kirche und wurde 1723 zur Kathedrale ernannt.

Das Gebäude war ursprünglich ein Holzbau; die ersten Steinmauern wurden zwischen 1410 und 1420 errichtet. 1450 wurde die Kirche vier Meter nach Osten und sechs Meter nach Süden vergrößert. Sie wurde mehrmals durch Brände zerstört: 1508 durch die dänische Armee, 1571, 1590 und 1708 durch russische Streitkräfte. Das heutige gotische Erscheinungsbild verdankt die Kathedrale dem Wiederaufbau nach diesen Bränden, wobei im Laufe der Jahre einzelne Elemente hinzugefügt wurden.

4. Storkyrkan, Schweden

Storkyrkan ("große Kirche") ist die älteste Kirche in der Gamla Stan, der Altstadt im Zentrum der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Sie wurde erstmals 1279 urkundlich erwähnt und der Überlieferung nach von Birger Jarl, dem Gründer der Stadt, erbaut. Fast 400 Jahre lang war sie die einzige Pfarrkirche der Stadt.

Das Gebäude ist ein wichtiges Beispiel der schwedischen Backsteingotik, einer Ausprägung des gotischen Stils, der in Nordeuropa, vor allem in den Regionen rund um die Ostsee, die nicht über Natursteinvorkommen verfügen, verbreitet war. Die Backsteingotik zeichnet sich im Unterschied zur typischen gotischen Architektur durch das Fehlen von Figuren und skulpturaler Dekoration aus. Hier wird häufig eine Kombination von roten und glasierten Ziegel und weißem Kalkverputz verwendet, um einen visuellen Kontrast zu schaffen. Diese Techniken und Ziegeldekorationen wurden aus der italienischen Lombardei importiert.

5. Dom zu Visby, Visby, Schweden

Der Dom zu Visby wurde als Kirche für deutsche Kaufleute im schwedischen Visby errichtet. Er wurde durch eine Abgabe finanziert, die jeder nach Visby kommende deutsche Kaufmann zu zahlen hatte. Der Bau begann Ende des 12. Jahrhunderts und wurde um 1190 abgeschlossen.

Um das Jahr 1350 wurde die Kirche erweitert und in eine Basilika umgewandelt. Über dem Kirchenschiff wurde eine zweigeschossige Struktur als Lager für die Kaufleute eingezogen. Stilistisch ähnelt die Kirche romanischen Kirchen aus Westfalen und dem Rheintal. Einige wenige Details sind für sie jedoch einmalig, so der mit Galerien geschmückte Westturm, der mit seinem ausgeprägten architektonischen Stil viele andere Kirchen auf Gotland inspirierte.

6. Rathaus von Löwen, Löwen, Belgien

Das Rathaus am Großen Markt ist ein Wahrzeichen der belgischen Stadt Löwen. Das zwischen 1448 und 1469 errichtete Gebäude ist berühmt für seine kunstvolle, an Spitzengewebe erinnernde Architektur. Es wird der brabanter Spätgotik, die in den Niederlanden und Belgien zu finden ist, zugerechnet. Das Rathaus wurde gebaut, um mit den aufwendigen Entwürfen der französischen Gotik zu konkurrieren, wobei Naturstein aus der Region verwendet wurde.

Die Halle hat drei Hauptgeschosse, die an den drei vom Rathausplatz aus sichtbaren Seiten von gotischen Spitzbogenfenstern gesäumt sind. Im oberen Teil befindet sich eine Galeriebrüstung, hinter der sich ein steiles Dach mit vier Gaubenreihen erhebt. An den Dachecken befinden sich achteckige Türmchen mit Schlitzen, durch die Licht hereinfällt. Über das ganze Gebäude sind Statuen in überdachten Nischen verteilt. Die die Statuen tragenden Konsolen zeigen in Hochreliefs dargestellte Szenen aus der Bibel. Nischen und Konsolen sind ursprünglicher Teil des Gebäudes; die 1850 hinzugefügten 236 Statuen sind relativ neueren Datums.

7. Kathedrale von Lincoln, Lincoln, Vereinigtes Königreich

238 Jahre lang (1311-1549) war die Kathedrale von Lincoln das höchste Gebäude der Welt und das erste Gebäude seit der großen Pyramide von Gizeh, das diesen Titel trug. Sie verlor 1549 dieses Prädikat, da der zentrale Turm einstürzte und nie wieder aufgebaut wurde. Obwohl sie diesen Status verlor, ist sie weiterhin die drittgrößte Kathedrale Englands und gilt wegen der sowohl innen wie außen zur Schau gestellten dekorativen Pracht als ein Glanzstück der gotischen Architektur.

8. Kathedrale von Orvieto, Umbrien, Italien

Die Kathedrale von Orvieto ist eine große römisch-katholische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert in der Stadt Orvieto in Umbrien. Ihr Bau dauerte fast drei Jahrhunderte; im Verlauf der Bauarbeiten löste daher der gotische Stil den ursprünglich romanischen Stil ab.
Die gotische Fassade der Kathedrale von Orvieto gilt als eines der großen Meisterwerke des Spätmittelalters. Einer der auffälligsten Teile ist die mit großen Flachreliefs und Statuen verzierte goldfarbene Fassade.

9. Kathedrale von Florenz, Florenz, Italien

Die Kathedrale von Florenz, oder Cattedrale di Santa Maria del Fiore, ist die Hauptkirche von Florenz. Der Bau begann 1296 nach Entwürfen von Arnolfo di Cambio im gotischen Stil und wurde 1436 abgeschlossen. Das Äußere der Basilika ist mit weiß eingefassten Marmorplatten in verschiedenen grünen und rosafarbenen Tönen verkleidet und zeichnet sich durch eine kunstvolle, von Emilio de Fabris im neogotischen Stil des 19. Jahrhunderts gestaltete Fassade aus.

Die Neogotik (auch als viktorianische Gotik oder Neugotik bekannt) ist eine Bewegung, die in den späten 1740er-Jahren ihren Anfang nahm und schnell wuchs, als Bewunderer des Stils danach strebten, die mittelalterliche gotische Architektur als Kontrast zu den damals vorherrschenden Stilen wiederaufleben zu lassen. Die Bewegung griff auf charakteristische Merkmale des ursprünglichen gotischen Stils wie dekorative Muster, Spitzbogenfenster, Verdachungen und Bekrönungen zurück. Zum Komplex der Kathedrale gehören das Baptisterium und der Campanile von Giotto. Diese drei Gebäude sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, das das Zentrum von Florenz umfasst.

10. Notre-Dame de Paris, Paris, Frankreich

Die Kathedrale Notre-Dame gilt als eines der schönsten Beispiele der französischen Gotik und ist eines der größten und bekanntesten Kirchengebäude der katholischen Kirche in Frankreich. Die 1345 fertiggestellte Kathedrale gehörte zu den ersten Gebäuden der Welt, die Strebebögen benutzten. Ursprünglich war das Gebäude nicht für Strebebögen ausgelegt, aber nach Baubeginn wurden die dünneren Wände immer höher und es kam zu Spannungsrissen, als die Wände nach außen drückten.

Viele der charakteristischen Merkmale der Kathedrale wurden nicht nur als dekorative Akzente hinzugefügt, sondern haben auch strukturelle Funktionen. So dienen beispielsweise die kleinen, individuell gefertigten Figuren, die um die Außenseite angeordnet sind, als Säulenstützen und Wasserspeier. Darunter befinden sich die berühmten Wasserspeier von Notre-Dame, die für den Wasserabfluss entworfen wurden. Die Kathedrale verfügt über einen engen Aufstieg von 387 Stufen, von dem aus man ihre berühmteste Glocke und ihre Wasserspeier aus nächster Nähe sehen und von ganz oben aus einen Blick über Paris werfen kann.

11. Basilika von Saint-Denis, Frankreich

Die Basilika von Saint-Denis ist eine große mittelalterliche Abteikirche in der Stadt Saint-Denis, einem nördlichen Vorort von Paris. Das Gebäude ist sowohl historisch als auch architektonisch bedeutsam, da in seinem Chor - der dem Klerus und dem Kirchenchor vorbehaltene Bereich einer Kirche oder Kathedrale - erstmals alle Elemente der gotischen Architektur zur Geltung kamen.

Stilistisch und konstruktiv stand die Kirche für den Wandel von der romanischen zur gotischen Architektur. Bevor der Begriff "gotisch" allgemein verwendet wurde, war er als "französischer Stil" bekannt. Mit dem von Abt Suger geleiteten Wiederaufbau der Abtei im frühen 12. Jahrhundert schlug die mittelalterliche Architektur eine neue Richtung ein. Für den neuen Bau wurde eine Vielzahl konstruktiver und stilistischer Techniken entwickelt und eingesetzt. Es ist das Innere der Kathedrale, das mit seiner Kombination aus kunstvollen Buntglasfenstern, Statuen und Figuren wirklich den gotischen Stil repräsentiert.

12. Schwarze Kirche, Siebenbürgen, Rumänien

Die Schwarze Kirche in Brașov, einer Stadt im Südosten Siebenbürgens, ist das größte und zugleich eines der bedeutendsten Gotteshäuser der Region. Es wurde von der deutschen Gemeinde der Stadt erbaut und ist das bedeutendste gotische Monument des Landes.

Der Bau der Kirche begann im späten 14. Jahrhundert, wurde aber erst im 15. Jahrhundert abgeschlossen. Ein Großteil der Außenstrukturen wurde aus brüchigem Sandstein gebaut, was im Laufe der Zeit zu deren Verfall führte. Auch die Mauerverzierungen aus Sandstein verfielen nach und nach. Die älteste Skulptur dürfte die fast vollständig verfallene Büste Johannes des Täufers im Chorbereich sein, die im Stil der böhmischen Gotik gefertigt wurde. Die Außenskulpturen, die der Darstellung wichtiger Figuren der katholischen Kirche dienten, wurden in einem prunkvolleren gotischen Stil gestaltet.

13. Sankt-Nikolaus-Kirche, Gent, Belgien

Die Sankt-Nikolaus-Kirche ist eines der ältesten und bedeutendsten Wahrzeichen der belgischen Stadt Gent. Ihr Bau, der eine ehemalige romanische Kirche ersetzte, begann im frühen 13. Jahrhundert und wurde bis zum Ende des Jahrhunderts im Stil der Scheldegotik fortgesetzt. Typische Merkmale dieses Stils sind die Verwendung blau-grauer Steine aus der Gegend von Tournai, ein einziger großer Turm und die schlanken Türmchen an den Ecken des Gebäudes.

Das Gebäude hat wegen des im Laufe der Jahrhunderte auftretenden allmählichen Verfalls eine Reihe von Veränderungen erfahren, die seine Stabilität gefährdet haben. Risse wurden verputzt, Fenster zur Verstärkung von Mauern zugemauert und im 18. Jahrhundert wurden an die bröckelnden Fassaden kleine Häuser und Läden gebaut. Nachdem vorgeschlagen worden war, die Kirche zu einem historischen Denkmal zu erklären, wurden an der Wende zum 20. Jahrhundert große Restaurierungspläne entwickelt. Seitdem wurden die Häuser an der Kirche abgerissen und die Restaurierungsarbeiten am Gebäude selbst wurden fortgesetzt.

14. Stift Göss, Steiermark, Österreich

Stift Göss ist ein ehemaliges Kloster der Benediktinerinnen in Göss, einem Stadtteil von Leoben in der Steiermark, einem Bundesland Österreichs. Die alte Abtei ist ein großer, spätgotischer Bau mit einer frühromanischen Krypta unter dem Chor, einigen bedeutenden frühgotischen Fresken in der Kapelle des Hl. Michael im Zackenstil (ein Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik) und einem imposanten Dachstuhl.

Wie viele dieser Gebäude zeigt die Kirche Artefakte, die im Laufe der Jahre zusammengetragen wurden. Das sonderbarste der ausgestellten Artefakte ist ein seltener wiederverwendbarer Sarg aus dem Jahr 1784, der einen sich öffnenden Boden hat, durch den die Leichen in ein Gemeinschaftsgrab gelegt wurden. Dahinter steckte die Absicht, den lokalen Behörden bei Beerdigungen von Almosenempfängern die Kosten für den Sarg zu sparen: Dies war natürlich eine zutiefst unpopuläre Maßnahme und die Särge wurden bereits nach wenigen Monaten aus dem Verkehr gezogen.

Quelle: Alle Medien
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