Editorial Feature

Entdecken Sie die einzigartige Architektur Antoni Gaudís

Begeben Sie sich auf einen Rundgang zu 11 der bekanntesten Bauten des Architekten

Antoni Gaudí war ein spanischer Architekt und ist der herausragendste Vertreter des katalanischen Modernisme, einer auf die Rückgewinnung der katalanischen Identität durch verschiedene künstlerische und kulturelle Ausdrucksformen fokussierten Bewegung. Gaudís Stil war auch von der neugotischen Kunst, orientalischen Techniken und dem dekorativen Stil der Architektur des Art Nouveau beeinflusst, was in den bis ins Einzelne ausgearbeiteten, überschwänglichen Entwürfen zum Ausdruck kommt.

Gaudís Schaffen wurde von seinen Leidenschaften geprägt: Architektur, Natur und Religion. Jedes Detail seiner Bauten, auch der Einsatz von Keramik, Glasmalerei, Schmiede- und Zimmermannsarbeiten, war sorgfältig durchdacht. Er führte außerdem neue Techniken in der Verwendung von Materialien ein: Ein Beispiel dafür ist das Trencadís, ein Mosaik aus Bruchstücken von Keramikfliesen.

Die meisten von Gaudís Bauten befinden sich in Barcelona; sieben seiner Arbeiten wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wir unternehmen an dieser Stelle mit Hilfe von Street View einen Rundgang zu einigen der bekanntesten und einzigartigsten Werke Gaudís.

Sagrada Familia, Barcelona, 1882-heute

Die Sagrada Familia ist eine große, unvollendete römisch-katholische Kirche in Barcelona und wahrscheinlich das Bauwerk Gaudís mit dem größten Wiedererkennungswert. 1882 wurde unter Leitung des Architekten Francisco de Paula del Villar mit dem Bau begonnen. Er legte 1883 sein Amt nieder; Gaudí übernahm daraufhin als Chefarchitekt und gestaltete das Projekt vollständig nach seinem Stil um, der Formen der Gotik und des Art Nouveau miteinander kombinierte. Gaudí war das Lebenswerk Gaudís: Als er 1926 im Alter von 73 Jahren starb, war weniger als ein Viertel des Gebäudes überhaupt fertiggestellt.

Die Gründe für die Verzögerung lagen vor allem darin, dass das Projekt ausschließlich auf private Spenden angewiesen war. Technische Fortschritte haben die Bauarbeiten beschleunigt; 2010 war das Projekt zur Hälfte fertiggestellt. Die größte Herausforderung ist nach wie vor der Bau von zehn weiteren Türmen, die jeweils eine wichtige biblische Figur aus dem Neuen Testament symbolisieren. Es heißt, dass die Bauarbeiten 2026 zum hundertsten Todestag Gaudís abgeschlossen sein werden.

Park Güell, Barcelona, 1900-1914

Der Park Güell in Barcelona ist eine öffentliche Parkanlage aus Gärten und architektonischen Elementen auf dem Hügel El Carmel. Gaudí wurde auf Wunsch des Grafen Eusebi Güell, der einen stilvollen Park für die Aristokratie Barcelonas schaffen wollte, mit dessen Gestaltung beauftragt. Der Park wurde zwischen 1900 und 1914 angelegt und 1926 offiziell eröffnet.

Er demonstriert Gaudís damaligen künstlerischen Exzess. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts perfektionierte der Architekt seinen persönlichen Stil und ließ sich von organischen Formen inspirieren. Zur Bewahrung des natürlichen Landschaftsempfinden wurden geschwungene Steinsäulen sowie Ziegel und Steine aus der Gegend verwendet. Ein Höhepunkt sind die wie Baumstämme aus dem Boden ragenden Pfeiler und die Mosaikverzierung von Wänden, Bänken und Ornamenten.

Casa Milà, Barcelona, 1906-1912

Die zwischen 1906 und 1912 errichtete Casa Milà war die letzte von Gaudí entworfene private Residenz. Der Bau trägt den Spitznamen "La Pedrera" (Der Steinbruch), eine Anspielung auf seine wuchtige, wellenförmige Fassade.

Das Gebäude ist in neun Ebenen unterteilt; auf dem Dach befindet sich die berühmte Skulpturenterrasse. In praktischer Hinsicht weist dieses Gebäude Oberlichter, Fluchttreppen, Ventilatoren und Kamine auf, deren skulpturaler Charakter Teil des Gebäudes wird. Die Steinfassade hat keine tragende Funktion; ihr Gewicht wird stattdessen von aufgesetzten Stahlträgern mit der gleichen Krümmung getragen. Gaudí konnte somit die Fassade ohne strukturelle Einschränkungen gestalten und eine durchgängige organische Geometrie schaffen.

Casa Batlló, Barcelona, 1904-1906

Die Casa Batlló, ein von Gaudí umgebautes Haus, gilt als eines seiner Meisterwerke. Der Architekt gestaltete das Wohnhaus 1904 um; die Einheimischen gaben ihm wegen seines skelettartigen, organischen Charakters den Namen "Casa dels Ossos" (Haus der Knochen).

Das Gebäude kombiniert tierische Formen, rebenartige Rundungen, Andeutungen von Knochen und Skeletten mit glitzernden bunten Keramik- und Glaselementen. Es ist ein weiteres Beispiel für die Architektur des Art Nouveau, eine in Frankreich in den 1890er-Jahren aufkommende Schule dekorativer Kunst, die von gewundenen Formen der Pflanzen und der Natur inspiriert war. Wie in vielen anderen Projekten Gaudís findet sich auch hier eine immer wiederkehrende religiöse Bilderwelt. Im oberen Teil des Gebäudes und in den kleinen Details rund um die Fassade sind halb verdeckte religiöse Bilder und Texte eingelassen.

Casa Vicens, Barcelona, 1877-1888

Die 1888 fertiggestellte Casa Vicens in Barcelona ist das erste von Gaudí entworfene Wohnhaus und gilt als eines der ersten Beispiele für die Architektur des Art Nouveau. Was dieses Gebäude einzigartig macht, ist die Kombination von Stilen; neben der Art Nouveau finden sich unter anderem orientalische, neoklassizistische und vor allem - wie dies an den verzierten Kuppeln zu sehen ist - maurische Stilelemente. Gaudí legte großen Wert auf die Verwendung unterschiedlicher Materialien wie Eisen, Glas, Keramikfliesen und Beton.

Mit diesem Gebäude demonstriert Gaudí seinen Bruch mit der Tradition: Die Casa Vicens öffnet ein neues Kapitel der katalanischen Architektur und markiert den Beginn des Erfolgs von Gaudí, der gerade 31 Jahre alt war, als er vom Börsenmakler Manel Vicens i Montaner mit dem Bau beauftragt wurde. Das Haus blieb über 130 Jahre ein privates Wohnhaus. 2017 wurde das in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommene Gebäude als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, nachdem es 2015 von einer spanischen Bank gekauft worden war.

Krypta der Kirche von Colònia Güell, Barcelona, 1889

Die Kirche von Colònia Güell ist ein unvollendetes Werk Gaudís, dessen Bau 1889 begonnen wurde. Sie sollte eine Kirche für die Einwohner einer Arbeitersiedlung in der Nähe Barcelonas werden. Das Projekt war die Idee des Grafen Eusebi de Güell; als Güell jedoch geschäftliche Verluste machte, waren die finanziellen Mittel erschöpft, was dazu führte, dass lediglich die Krypta fertiggestellt werden konnte.

2000 begannen einheimische Architekten mit der Instandsetzung der Krypta. Dadurch wurde der unvollendete Charakter der Gebäude zum Teil gemildert und eine touristenfreundlichere Umgebung geschaffen; Besucher können jetzt das Dach begehen, das den Kirchenboden gebildet hätte.

Theresianerinnen-Stift, Barcelona, 1888-1890

Der Bau des im Stadtviertel Sant Gervasi gelegenen Theresianerinnen-Stifts erfolgte zwischen 1888 und 1890. Wie im Fall der Sagrada Familia übernahm Gaudí dieses Projekt, nachdem es bereits angelaufen war. Der Zeitdruck führte dazu, dass Gaudí in nur zwei Jahren seine ganze Vorstellungskraft aufwenden und eine neue Vision entwickeln musste.

Das Gebäude besteht aus einem Untergeschoss und drei Stockwerken auf einer rechteckigen Ebene. Im Untergeschoss und im ersten Stockwerk befinden sich Klassenzimmer und Büros, auf den beiden oberen Etagen Schlafzimmer für die Nonnen und Studenten. Die Ästhetik des Gebäudes ist von der neugotischen Bewegung inspiriert, insbesondere von den Vorstellungen des französischen Architekten Viollet-le-Duc. Dieser Stil führte zur Wiederbelebung der mittelalterlichen gotischen Architektur mit Elementen wie dekorativen Mustern, Kreuzblumen, Spitzbogenfenstern, Verdachungen und Bekrönungen.

Portal Miralles, Barcelona, 1901-1902

Dieses Eingangstor ist zwar nicht wirklich ein Gebäude und stellt im architektonischen Portfolio Gaudís ein kleineres Werk dar, es zeigt aber dennoch klar seinen Stil und die architektonischen Lösungen, zu denen er in allen seinen Projekten gegriffen hat. Gaudí wurde beauftragt, das Eingangsportal zu schaffen, das zu einem von seinem Architektenkollegen Domènec Sugrañes gebaut Haus führt.

Die auffallendste Besonderheit ist die geschwungene Außenmauer. Sie besteht aus Mörtel und ist mit weißen Trencadís-Mosaiken verziert; darüber befindet sich ein kettenartiges Gitter, das an ein Fischernetz mit Zacken erinnert. Der Auftrag kam vom Industriellen Ermenegild Miralles; es bereitete Gaudí Spaß, in der Werkstatt von Miralles zu experimentieren und Materialien zu testen.

Bischofspalast, Léon, 1889-1915

Der Bischofspalast von Astorga wurde zwischen 1889 und 1913 erbaut; er ist im Stil des katalanischen Modernisme gehalten, den Gaudí populär machte. Er ist eines von nur drei Bauwerken Gaudís außerhalb Kataloniens. Nachdem der ursprüngliche Bischofspalast im 19. Jahrhundert durch einen Brand zerstört wurde, bat Bischof Grau seinen Freund Gaudí, den neuen Bau zu entwerfen.

Der Palast wurde aus grauem Granit aus El Bierzo gebaut; sein neugotischer Stil harmoniert mit seiner Lage in der Nähe der Kathedrale. Die Eingangsbögen mit Stützpfeilern und die in die Seitenfassaden integrierten Schornsteine sind jedoch eher für Gaudís spätere Arbeiten typisch. Der Palast wurde zwischen 1907 und 1915 vollständig fertiggestellt, obwohl der Entwurf bereits 1889 genehmigt worden war. Die Verzögerungen entstanden aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen Gaudí und dem dortigen Gemeinderat nach dem Tod von Bischof Grau im Jahr 1893.

Torre Bellesguard, Barcelona, 1900-1909

Das zwischen 1900 und 1909 erbaute Landhaus Bellesguard zeichnet sich durch geradlinige Formen (Elemente aus geraden Linien und abgeschrägten Ecken) aus, die in Gaudís anderen Arbeiten nur selten zu sehen sind. Die Inspiration des Architekten war die mittelalterliche Burg von Martin I., der auch als Martin der Humane bekannt is. Dieser war der letzte König der katalanischen Dynastie des Hauses Barcelona und residierte bis 1410 im Bellesguard. Der Stil von Gaudís Schloss ist eine Mischung aus Art Nouveau und Gotik, was es möglich machte, die heute zum Anwesen gehörenden Ruinen des mittelalterlichen Palastes zu restaurieren.

Casa Botines, León, 1891-1892

Die zwischen 1891 und 1892 errichtete Casa Botines ist ein modernistisches Gebäude in León, das zum Hauptsitz der Caja España, einer örtlichen Sparkasse, umgebaut wurde. Während Gaudí den Bau des Bischofspalastes von Astorga abschloss, empfahl ihm sein Freund und Mäzen Eusebi Güell, im Stadtzentrum von León ein Haus zu bauen. Simón Fernández und Mariano Andrés, Eigentümer einer Firma, die von Güell Stoffe bezog, beauftragten Gaudí mit dem Bau eines Wohnhauses mit Lagerhalle. Der Spitzname des Hauses geht auf den Nachnamen des ehemaligen Firmeninhabers Joan Homs i Botinàs zurück.

Mit der Casa Botines wollte Gaudí den charakteristischen Gebäuden Leóns Tribut zollen. Er entwarf deshalb ein Gebäude mit mittelalterlicher Aura und zahlreichen neugotischen Elementen. Das Gebäude besteht aus vier Etagen, einem Untergeschoss und einem Dachgeschoss. Gaudí wählte ein geneigtes Dach und brachte an den Ecken Türme an, um die neugotische Aura des Baus zu verstärken. Zur Belüftung des Untergeschosses und um mehr Licht einfallen zu lassen, schuf er einen Graben um zwei der Fassaden, eine Technik, die er bei der Sagrada Família in Barcelona wiederholen würde.

Quelle: Alle Medien
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