Francais KHM

Der Bildvorwurf der „Zerstörung des Tempels in Jerusalem“ wird von Nicolas Poussin zweimal behandelt. Die erste Fassung aus der Zeit um 1625 bestärkt seinen Ruf als „peintre-philosophe“, der es versteht, antike Geschichte und Geschichtsschreibung mit seiner Malerei in Einklang zu bringen. Er arbeitet in Rom im Auftrage des Papstneffen Francesco Barberini.

Er wird von allen Kunstexperten der Ewigen Stadt geschätzt. Das Gemälde für den Staatssekretär und Kardinal bessert Poussins finanzielle Lage entscheidend und bildet die Voraussetzung für seinen folgenden glänzenden Aufstieg. Der von rechts in der Pose des Marc Aurel hoch zu Ross vorrückende Titus spielt auf die diplomatische Rolle Barberinis an.

Er hat als Gesandter in Frankreich und Spanien versucht, einen Krieg zwischen den beiden katholischen Mächten zu verhindern. Das öffentlich anerkannte, „aufgeklärte“ und humanitäre Kaisertum des Marc Aurel ist ein Vorbild für ihn. Allerdings deutet Poussins Bild an, dass in kriegerischen Verwicklungen selbst der beste Kaiser nicht immer Herr der Lage sein kann. Trotz der abwehrenden Handbewegung des Oberbefehlshabers lodern die Flammen aus dem Dachgebälk des Gotteshauses, wird liturgisches Gerät geplündert, werden wehrlos am Boden Liegende attackiert. Poussin hat vorbereitend ein Relief vom Titusbogen skizziert. Dort wird herausgestellt, wie der geraubte Tempelschatz samt siebenarmigem Leuchter im Triumphzug des römischen Herrschers mitgeführt wird. Auf dem Gemälde ist der Moment des Raubes inszeniert. Dem Gesicht des rechten Legionärs ist das Schuldbewusstsein deutlich anzumerken. Der Frontfassade von Poussins Tempel gleicht der des römischen Pantheons. Der Respekt vor geweihten Orten wird unterstrichen. Der Malerphilosoph folgt mit seinem Schlachtengemälde dem Bericht des Flavius Josephus. Demzufolge ordnet Titus - leider erfolglos - an, den brennenden Tempel zu löschen. Er will durch persönlichen Einsatz - jedoch vergebens - die Legionäre zur Rettung des gegnerischen Heiligtums bewegen. Er versucht, ebenfalls ohne Wirkung, „dem Ungestüm seiner wie rasend gewordenen Soldaten“ wehren.

Diese rauben, was ihnen in die Hände fällt und metzeln „die Juden, die sie antrafen zu Hunderten nieder.“

Die Eindringlinge kennen keine Gnade gegen Kinder und Greise, Laien und Priester. Leider kann der Cäsar nicht verhindern, dass seine Leute, ohne Befehl von ihm oder seinen Offizieren, mehr als sechstausend Menschen im Tempelbezirk verbrennen. Eine Menge, überwiegend Greise und Kinder flüchten in die noch unversehrte Halle des äußeren Tempelhofs. Titus kann nur noch zusehen, wie das Bauwerk von marodierenden Römern in Brand gesteckt wird.

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