Wir feiern 15 Jahre Google Arts & Culture!
Wird geladen

Christi Abschied von seiner Mutter

Lorenzo Lotto1521

Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
Berlin, Deutschland

Nach Jahren unsteter Wanderschaft und ruhelosen Wechsels von Stadt zu Stadt wirkte Lotto von 1513 bis 1525 in Bergamo, bevor er 1526 für längere Zeit nach Venedig zurückkehrte. In Bergamo entstand 1521 das Bild Christi Abschied von seiner Mutter. Nach Ridolfis Zeugnis (1648) befand es sich damals im Hause Tassi. Der Palazzo Tassi ist noch erhalten. Nach Tassis Angabe ist die im Bild dargestellte Stifterin Elisabetta Rota, die Frau des Domenico Tassi, dessen Bruder Alvise, Bischof von Recanati, 1520 ermordet worden war. Domenico war als Stifter im Gegenstück, einer Anbetung des Kindes, dargestellt, deren Komposition durch eine alte Kopie (Venedig, Akademie) überliefert ist. Das Thema kommt in der italienischen Malerei verhältnismäßig selten vor. Nach der Erweckung des Lazarus und vor dem Einzug in Jerusalem, mit dem der Lebensabschnitt vom Leiden und Tod Christi beginnt, nimmt Christus in Bethanien am Mittwochabend der Karwoche Abschied von seiner Mutter. Begleitet von Petrus und einem anderen Apostel, der als Judas, Thomas, Joseph oder Jacobus Maior interpretiert wurde, kniet er vor ihr und bittet um ihren Segen. Er hatte ihr von der bevorstehenden Leidenszeit gesprochen und sie dem Schutz seines Jüngers Johannes und der Magdalena empfohlen, die hier die ohnmächtig zusammensinkende Muttergottes auffangen. Dargestellt ist die Szene in einer tonnengewölbten Säulenarkadenhalle, die an Höfe Bergamasker Paläste erinnert. Ganz links geht der Blick in die freie Landschaft. Im Hintergrund öffnet sich die Halle auf einen von hohen Mauern umgebenen Garten mit kreuzförmigem Laubengang (mit zentraler Kuppel), der von einem Zaun mit offenem Tor umgeben ist (Anspielung auf den »hortus conclusus«, den umschlossenen Garten, nach einer Metapher im Hohenlied Salomos [4, 2] ein Beiname Mariä, der sinnbildhaft auf die Unbefleckte Empfängnis weist). Vorn rechts kniet die Stifterin, von der Seite im Profil gesehen, von einem Hündchen begleitet. Sie blickt von einem Buche auf und wohnt der Abschiedsszene bei. Am unteren Bildrand, von ihm beschnitten, sind repoussoirartig ein Zweig mit Kirschen und eine Orange sichtbar, Anspielungen auf das Blut des Erlösers, aber auch auf die Freuden des Paradieses (Kirsche) bzw. auf die Erlösung (Orange). Daneben sieht man einen zusammengefalteten Brief mit der Signatur des Künstlers und dem Datum. Die Szene, die in den Evangelien nicht vorkommt, tauchte in der bildenden Kunst im späten Mittelalter unter dem Einfluß der »Meditationes« des Pseudo-Bonaventura auf, wurde durch Passionsspiele bekannt und mit dem Zyklus der »Sieben Schmerzen Mariä« verbunden. In den frühen Ausprägungen des Themas und vor allem im Norden (Dürer, Cranach) steht Christus vor Maria und segnet sie. Kniend, mit dem Ergebenheitsgestus der vor der Brust gekreuzten Arme, ist Christus erstmals in einem vor 1514 entstandenen Frühwerk Correggios (London, National Gallery) dargestellt, das offensichtlich das Vorbild für Lotto war. Wie Röntgenaufnahmen des Londoner Bildes zeigen, war Christus ursprünglich stehend dargestellt, womit Correggio direkt an Dürers Holzschnitt aus dem Marienleben (1511) anschloß. C. Gould (1981) vermutete, daß Lotto auf seiner Rückkehr aus Mittelitalien (Rom, Marken) auf dem Wege nach Bergamo in Correggio (bei Parma) den jungen Correggio getroffen und bei ihm das Bild gesehen haben könnte. Lottos Bild zeigt neben dem Einfluß nordalpiner Vorbilder auch die Wirkung von Raffaels und Fra Bartolomeos Florentiner Werken sowie den Einfluß des Werkes Leonardo da Vincis (M. Lucco 1997). Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Unten in der Mitte auf einem Cartellino: mo Laurrenttjo / Lotto pictor / 1521

Weniger anzeigenMehr anzeigen
  • Titel: Christi Abschied von seiner Mutter
  • Ersteller: Lorenzo Lotto
  • Datierung: 1521
  • Abmessungen: 127,4 x 102,0
  • Typ: Bild
  • Externer Link: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
  • Material: Leinwand
  • Sammlung: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
  • Künstlerdaten: ca. 1480 - 1556
  • Inv. Nr.: 325
  • ISIL-Nr.: DE-MUS-017018
  • Erworben: 1821 Ankauf mit der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin
  • Copyright Bild: Photo: © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Image by Google
Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin

App herunterladen

Entdecken Sie Museen und experimentieren Sie mit Art Transfer, Pocket Gallery, Art Selfie und vielen weiteren Funktionen

Interessiert am Thema „Visual arts“?

Mit Ihrem personalisierten Culture Weekly erhalten Sie Updates

Fertig!

Sie erhalten Ihr erstes Culture Weekly diese Woche.

Startseite
Discover
Spielen
In der Nähe
Favoriten