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Amor als Sieger

Michelangelo Merisi da Caravaggio1601/1602

Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
Berlin, Deutschland

Caravaggio kam um 1592/93 aus der Lombardei, von wo er prägende Eindrücke der Werke Savoldos, Lottos, Romaninos und Morettos mitbrachte, nach Rom. Eine Zeitlang arbeitete er in der Werkstatt des führenden Spätmanieristen Giuseppe Cesari, doch schon bald brach er mit den Kunstregeln des römisch-florentinischen Manierismus. Sein ganz neuer Ansatz eines direkten Rückgriffs auf die Natur, die Wirklichkeit, und der Einsatz gebündelten Lichts und kontrastreichen Helldunkels als bildnerische Mittel revolutionierten die Kunst in Rom um 1600 und machten ihn mit Annibale Carracci, Elsheimer und Rubens zu einem der Bahnbrecher der Malerei des 17. Jahrhunderts. Die ersten bedeutenden öffentlichen Aufträge, die Bilder der Contarelli- Kapelle in S. Luigi dei Francesi und die Seitenbilder der Cerasi-Kapelle in S. Maria del Popolo, machten ihn berühmt. Bedeutende Familien erwarben und bestellten Bilder bei ihm, neben den Mattei, Borghese und Barberini vor allem die Giustiniani, die zu seinen wichtigsten Mäzenen und zugleich zu den fortschrittlichsten Kunstsammlern in Rom zählten: der Marchese Vincenzo Giustiniani (1564-1637) und sein Bruder, der Kardinal Benedetto Giustiniani (1544-1637). Von den fünf originalen Werken Caravaggios aus ihrer Sammlung, die 1815 in Paris vom preußischen König en bloc erworben wurde, überstanden nur zwei die unmittelbaren Folgen des Zweiten Weltkrieges: der Ungläubige Thomas in der Bildergalerie in Potsdam-Sanssouci und der 1602 entstandene Amor als Sieger. Der jugendliche Gott der irdischen Liebe triumphiert als lächelnder Sieger, gemäß den Worten Vergils: »Omnia vincit amor« (Die Liebe besiegt alles; Eclogae 10, 69), über Wissenschaft, Kunst, Macht und Ruhm. Die Instrumente und Symbole der »freien Künste«, der Lorbeer des unsterblichen, vor allem literarischen Ruhms und die Rüstung, Zeichen der Kriegskunst und des Kriegsruhms, liegen verstreut zu seinen Füßen, als »Trophäen«, als Siegesbeute (so Caravaggios Biograph Bellori 1672): links ein Notenheft und zwei Saiteninstrumente, eine Violine und eine Laute, davor Winkel und Zirkel, die Instrumente der Geometrie; hinter dem rechten Bein Amors, halb verdeckt vom Lorbeer, ein geöffnetes, dicht beschriebenes Manuskript und eine Rohrfeder; rechts am Rande, hinter Amors linkem, abgespreiztem Bein, Krone und Zepter als Zeichen irdischer Herrschaft und Macht. Amor scheint auf einem blauen, sternbesetzten Globus zu sitzen, das heißt über die ganze Welt zu triumphieren; gleichzeitig verweist die Himmelskugel auf die Kunst der Astronomie. Sie scheint allerdings zum Schluß vom Maler eingefügt zu sein. Der Knabe sitzt nicht wirklich auf dem flachen Rund des Globus, sondern auf einer Kante, über welche rechts die Draperie herabfällt und auf die Amor sein linkes Bein legt. Wie das Röntgenbild und das durchgewachsene Pentimento zeigen, war die Kante ursprünglich links über die Körperkontur hinaus weitergeführt, wurde dann aber vom Maler getilgt, übermalt und als Sitzmotiv durch den Globus ersetzt. Die spielerisch labile, aufreizend zudringliche Pose – eine Travestie von Michelangelos Sieger (Florenz, Palazzo Vecchio) – und das zweideutig spöttische Lächeln des Jünglings, den Caravaggio nach einem Modell aus dem Volk malte, unterstreichen die verbreitetste, schon im Giustiniani-Inventar (1638) anklingende, vor allem von Walter Friedlaender in seinen Caravaggio-Studien 1955 ausgeführte Deutung, daß der irdische Amor die höchsten moralischen und intellektuellen Werte des Menschen und die Ziele seines Ehrgeizes verspotte. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei

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  • Titel: Amor als Sieger
  • Ersteller: Caravaggio (Michelangelo Merisi)
  • Lebensdaten des Erstellers: 1571-09-29/1610-07-18
  • Sterbeort des Erstellers: Porto Ercole, Itlay
  • Geburtsort des Erstellers: Milan, Italy
  • Datierung: 1601/1602
  • Abmessungen: 156,5 x 113,3
  • Typ: Bild
  • Externer Link: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Text: © Prestel Verlag / Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Stefan Morét, Photo: © b p k - Photo Agency / Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
  • Material: Leinwand
  • Stil: Italienisch
  • Sammlung: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
  • Künstlerdaten: 1571 - 1610
  • Künstler Informationen: Michelangelo Merisi da Caravaggio is known as an Italian artist who lived and worked in various cities in Italy and had a decisive impact on the early Baroque school of painting. He is famous for his development of chiaroscuro which gave his paintings a distinctive character by darkening the shadows and transfixing the subject in a blinding shaft of light. These effects created a three-dimensionality in the figures that gave an uncanny impression of likeness to real human beings. Caravaggio aspired to show a non-idealized vision of reality. His followers, known as the 'Caravaggisti', adopted chiaroscuro and the realism of his portrayal that showed ordinariness in an unpalliated way. Artworks of Rembrandt, Peter Paul Rubens, Jan Vermeer and Diego Velázquez reflect influences by Caravaggio. After his death he was nearly forgotten but his reputation experienced a resurgence in the 20th century. Famous paintings of his include 'Judith Beheading Holofernes' (1598-1599) or 'Amor Vincit Omnia' (1601-1602).
  • Künstler Geschlecht: männlich
  • Inv. Nr.: 369
  • ISIL-Nr.: DE-MUS-017018
  • Erworben: 1815 Ankauf der Sammlung der italienischen Adelsfamilie Giustiniani
  • Copyright Bild: Photo: © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Image by Google
Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin

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