Der Maler und Kupferstecher Martin Schongauer gehört zu den bedeutendsten Künstlern des Spätmittelalters, dessen Druckgrafiken in ganz Europa verbreitet waren. In seiner detaillierten Darstellung eines Weihrauchfasses führte er die damals noch junge Technik des Kupferstichs zur Perfektion. Gleichzeitig belegt das Motiv die technische Herkunft des gestochenen Bildes aus dem Goldschmiedehandwerk, mit dem Schongauer durch eine Lehre in der Werkstatt seines Vaters bestens vertraut war.
Inhaltlich präsentierte Schongauer das christliche Thema in einer neuen Bildsprache: In einer perspektivischen Ansicht wird das Gefäß exakt in der Mittelachse des Bildes platziert, wobei der verschattete Fuß mit den sich verschlungenen Gliederketten in einer leichten Aufsicht erscheint. Mit tief gestochenen Linien erreicht der Künstler eine Plastizität, die den metallenen Gegenstand greifbar vor dem Betrachter erstehen lässt. Außerhalb jeglichen inhaltlichen Zusammenhangs erhob Schongauer das liturgische Gerät hier zu einem der ersten Stillleben in der Druckgrafik. Die primäre Funktion des Blattes ist ungewiss. Es könnte als Vorlagen- oder Musterblatt für Goldschmiede gedient haben oder auch ein reales Weihrauchfass wiedergeben.
Schongauer war einer der ersten Künstler, der seine Blätter durchgängig signierte und in hohen Auflagen produzierte. Die große Anzahl der Werke sorgte für eine kommerzielle Verbreitung seiner Blätter in ganz Europa. Die Kupferstiche Martin Schongauers übten einen großen Einfluss auf die nachfolgenden Malergenerationen aus, darunter auch Albrecht Dürer.
Interessiert am Thema „Visual arts“?
Mit Ihrem personalisierten Culture Weekly erhalten Sie Updates
Fertig!
Sie erhalten Ihr erstes Culture Weekly diese Woche.