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Desco da parto (Geburtsteller)

Masaccioum 1423

Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
Berlin, Deutschland

Im 15. Jahrhundert war es in Florenz üblich, Familien nach der Geburt eines Kindes einen sogenannten Geburtsteller oder Desco da parto zu schenken. Der relativ gute Erhaltungszustand dieses Tellers zeigt, dass er wahrscheinlich niemals benutzt wurde, um Gegenstände zu transportieren, sondern sofort als Kunstwerk von unschätzbarem Wert erkannt wurde. Die Vorderseite zeigt rechts den Moment unmittelbar nach der Entbindung, während in der Mitte Frauen aus einem Kloster
herbeiströmen, um der Wöchnerin und dem Neugeborenen ihre Aufwartung zu machen. Die Männer stehen ein wenig abseits zur Linken und warten, bis ihnen der Zutritt zu den Frauengemächern gestattet wird. Der erste in der Reihe bläst in ein Horn, an dem eine Flagge mit einer roten Lilie befestigt ist, dem Wappenzeichen von Florenz. Ein weiterer Mann trägt einen Geburtsteller herbei, der als Bild im Bild fungiert.
Dieses Gemälde ist ein Meilenstein in der Geschichte der westlichen Kunst: Es ist das erste erhaltene Beispiel für die Darstellung der Zentralperspektive in einem Gemälde. Die zentralperspektivische Darstellungsweise war um 1415 von dem Goldschmied, Bildhauer und späteren Architekten Filippo Brunelleschi in Florenz entwickelt worden, der sie auf zwei nicht erhaltenen Tafeln erstmals anwandte. Das Prinzip ist einfach: Alle Linien, die vertikal zur Bildebene verlaufen, treffen sich
in einem einzigen Punkt, dem sogenannten Fluchtpunkt. Die zweidimensionale Darstellung von Raum wirkt dadurch viel wahrhaftiger. Der erste Künstler, der die Bedeutung dieser Entdeckung begriff, war kein Maler, sondern der Bildhauer Donatello (seine Pazzi-Madonna, die sich heute im Bode-Museum befindet, ist eines der ersten Werke mit Zentralperspektive, Abb. S. 318 oben). Anfang der 1420er-Jahre erkannte auch ein junger Maler die Bedeutung von Brunelleschis Entdeckung und eignete sich das Konstruktionsprinzip an: Er hieß Tommaso di Ser Giovanni, doch jeder nannte ihn »Masaccio«, was etwa so viel bedeutet wie »der schlechte Thomas«. Ein paar Jahre nach der Gestaltung des Desco stellte er sein Können in monumentalem Maßstab unter Beweis: In einer Kapelle der florentiner Kirche S. Maria Novella gestaltete er ein Dreifaltigkeitsfresko in perfekter perspektivischer Darstellung, das bis heute erhalten ist.
Der Betrachter fragt sich vielleicht, warum Masaccio diese Szene in ein Kloster verlegte, einen Raum, der Männer und Frauen bzw. Religionsausübende und Laien trennte, denn im Normalfall fanden Geburten damals in den Häusern der Menschen statt, nicht in Konventen. Diese Wahl hatte praktische Gründe: In den hintereinander gestaffelten Säulen fand Masaccio das ideale Motiv, um als Künstler seine Meisterschaft in der Darstellung der Zentralperspektive unter Beweis zu stellen. Die Kapitelle sind der Antike entlehnt, die für Künstler der Renaissance ebenfalls zu einem zentralen Bezugspunkt geworden waren. Ganz am Ende der Kolonnade, unterhalb der Flagge, sind der Zipfel eines Mantels und ein Teil eines menschlichen Beins erkennbar, die darauf hindeuten, dass sich jemand im Hintergrund versteckt (Abb. links unten): ein weiterer Beweis für Masaccios Virtuosität. Hervorzuheben ist auch die Frau, die gerade den Geburtsraum betritt: Während im Gang noch die
Rückseite ihres Körpers zu sehen ist, gratuliert sie auf der anderen Seite bereits der frisch gebackenen Mutter. Es handelt sich um ein und dieselbe Person, deren Darstellung aber eine Wiedergabe zu unterschiedlichen Zeitpunkten suggeriert.
Die Rückseite des Geburtstellers (Abb. links oben) zeigt einen nackten Jungen, der mit einem Hund spielt. Qualitativ ist zwischen diesem Bild und dem Gemälde auf der Vorderseite ein deutlicher Unterschied zu erkennen, was Wissenschaftler veranlasste, es Giovanni di Ser Giovanni, genannt Lo Scheggia, zuzuschreiben, Masaccios weniger begabtem jüngeren Bruder. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

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  • Titel: Desco da parto (Geburtsteller)
  • Ersteller: Masaccio
  • Datierung: um 1423
  • Abmessungen: Dm 066,0 m.R.
  • Typ: Bild (Desco da Parto)
  • Externer Link: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
  • Material: Pappelholz
  • Sammlung: Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin
  • Künstlerdaten: 1401 - 1428
  • Inv. Nr.: 58C
  • ISIL-Nr.: DE-MUS-017018
  • Erworben: 1883/84 Ankauf von dem Kunsthändler Stefano Bardini, Florenz
  • Copyright Bild: Photo: © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Image by Google
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