Daret wird erstmals 1418 im Hause des Malers Robert Campin erwähnt. Hier erhielt er seine künstlerische Ausbildung und wurde 1427 zusammen mit Rogier van der Weyden offiziell als Lehrling angemeldet; im Jahre 1432 erwarb er die Freimeisterschaft. Die Leistungen Darets sind schon früh geschätzt worden. Dies beweisen die Auf träge für Dekorationsarbeiten anläßlich eines Hoffestes Philipps des Guten in Lille (1454) oder der Feierlichkeiten zur Hochzeit Karls des Kühnen mit Margarete von York, die 1468 in Brügge stattfand. In den Jahren 1434/35, 1441 und 1452 arbeitete Daret für die Abtei St. Vaast in Arras. Aus den ersten Jahren seiner Tätigkeit für das Kloster stammen auch die wenigen Bilder, die die Zeiten überdauert haben. Es handelt sich um insgesamt vier Gemälde, die einst die Außenseiten der Flügel eines Altares bildeten, den Daret 1434/35 für die Marienkapelle der Klosterkirche von St. Vaast in Arras gemalt hat. Auftraggeber war Jean du Clercq (geb. 1376), der von 1428 bis 1462 Abt des Klosters war. Im Juli des Jahres 1435 ist der Altar im Kloster aufgestellt worden. Er erregte die Bewunderung der Teilnehmer des damals in Arras stattfindenden Friedenskongresses. Der Mittelschrein des Altares zeigte die Marienkrönung, gerahmt von den Statuen der zwölf Apostel. Der Schrein besaß zwei Flügel auf beiden Seiten des Mittelschreines. Sie zeigten auf den Innenseiten goldene Lilien auf azurblauem Grund. Wurde der Altar geschlossen, dann bildeten die Außenseiten der Flügel mit den Gemälden von Daret ein Programm, das ganz im Zeichen der Gottesmutter stand. Es begann mit der einst auf den kleinen oberen Auszügen der Flügel angebrachten Szene der Verkündigung an Maria. Darunter sah man, von links beginnend, in chronologischer Abfolge diese Heimsuchung Mariae, die Geburt Christi (Madrid, Sammlung Thyssen-Bornemisza), die Anbetung der Könige (Kat.Nr. 527) und die Darstellung im Tempel (Paris, Musée du Petit Palais). Die Heimsuchung folgt dem Bericht des Lukas-Evangeliums (1, 39-56). Sie zeigt die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth, der Frau des Zacharias und Mutter Johannes’ des Täufers. Links im Vordergrund kniet der Stifter Jean du Clercq als andächtiger Zeuge des Geschehens. Sein Wappen ist hinter ihm an einem Baum aufgehängt. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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