Die präsentierte Szene geht auf eine Erzählung im Alten Testament zurück und stellt ein seltenes Thema der europäischen Malerei dar. Der 86-jährige Abraham, Stammvater Israels, und seine Frau Sarah blieben kinderlos. Um dennoch für Nachkommen zu sorgen wird Abraham, auf Drängen von Sarah, die junge, ägyptische Sklavin Hagar zugeführt. Stoms Gemälde zeigt den in das warme Licht einer Öllampe getauchten Moment des Zusammentreffens in Abrahams Schlafgemach. Der glaubwürdige Ausdruck der Figuren und ihre überzeugenden, verhaltenden Gesten verleihen der Szene ihre besondere Spannung und Dramatik.
Die Darstellung „Sarah führt Hagar Abraham zu“ kommt in der europäischen Malerei nur selten vor. Matthias Stom setzte sich mit diesem Sujet jedoch intensiv auseinander und schuf mindestens drei weitere Versionen des Themas. Das vorliegende Bild darf als gelungenste und charakteristischste Ausführung davon gelten.
Der um 1600 in Amersfort geborene Maler Matthias Stom ließ sich um 1630 in Italien nieder und schloss sich hier den sogenannten Caravaggisten an. Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen, die nur für kurze Zeit in Italien verbrachten, lebte und arbeitete er hier bis zu seinem Tod. Seine Werke sind, neben der effektvollen Lichtinszenierung, gekennzeichnet von einer ausdrucksvollen Gebärdensprache und einer sehr eigenen Farbbehandlung.
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