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Geburt der Athena

UnbekanntUm 570–550 v. Chr.

Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin

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Berlin, Deutschland

Aus dem Kopf des thronenden Zeus entspringt in voller Bewaffnung die Göttin Athena. Sie wurde nach der Vorstellung der Griechen auf diese verwunderliche Weise geboren, nachdem ihr Vater Zeus die schwangere Metis, die Göttin der Weisheit, verschlungen hatte. Die Geburt der Athena wird in der Schulterzone der Amphora ausführlich geschildert. Neben Zeus stehen gestikulierend Demeter und die Geburtshelferin Eleithyia. Hinter dieser entfernt sich der Götterbote Hermes bereits vom Geschehen und spricht durch eine Beischrift zum Betrachter: »Ich bin He mes, der Kyllenier.« Außer seinem Namen nennt er dabei auch seinen Geburtsort im arkadischen Kyllene-Gebirge. Der Schmiedegott Hephaistos enteilt ebenfalls nach links und trägt die Axt bei sich, mit der er den Kopf des Göttervaters gespalten hat. Der Weingott Dionysos mit dem für ihn typischen Trinkgefäß, dem Kantharos, in der Hand rahmt die Szene auf der linken Seite. Auf der rechten Seite des Frieses standen hinter Demeter Poseidon, Aphrodite und Apollon. Die Geburt der Göttin findet also im Rahmen einer großen Götterversammlung statt.
Die mythische Szene ist einer von mehreren Bildfriesen auf der Vase, deren Körper in strenger Tektonik unterteilt ist. Die weiteren Bildstreifen zeigen Tiere, Mischwesen und Ornamente aus Lotos- und Palmettenblättern. Die Mittelachse, die im mythischen Bild der thronende Zeus einnimmt, ist dabei jeweils hervorgehoben. Das Gefäß ist eine Amphora von beinahe eiförmiger Gestalt, die als ›Tyrrhenische Amphora‹ bezeichnet wird. Amphoren dieser Form wurden zwischen 570/60 und 550/40 v.Chr. in einer attischen Töpferwerkstatt hergestellt.
Athenas Geburt als zentrales Bild einer attischen Vase ist nicht verwunderlich, trug doch die Stadt Athen den Namen der Göttin, und ihr war auch das wichtigste Heiligtum auf der Akropolis geweiht. Erst einige Jahre vor der Herstellung der Vase hatte der weise Solon ein Gedicht über das Staatswesen verfasst, das er einleitete: »Nie wird unsere Stadt vergehen nach der Fügung der Götter, nach der Seligen Wunsch oder dem Schicksal des Zeus, weil fürsorgenden Sinns ihre Hände über uns breitet Pallas Athene, des Zeus stolzes erhabenes Kind.« (Übersetzung H. Fraenkel).
Um so erstaunlicher ist, dass die Amphora nicht in Athen oder Attika gefunden wurde, sondern in Etrurien. Der bei weitem größte Teil derartiger Amphoren fand sich in den Gräbern von Etruskern, die von den Griechen als Tyrrhener bezeichnet wurden. Daher wird die Gattung ›Tyrrhenische Amphoren‹ genannt. Das Interesse der etruskischen Käufer an den attischen Vasen und deren Bildern war sicher nicht mit dem der Athener identisch. Die griechischen Götter, die in Etrurien unter anderen Namen geläufig waren, könnten aber wegen ihrer Unsterblichkeit auch für einen Etrusker als Darstellung auf einer Grabbeigabe bedeutungsvoll gewesen sein. Der Fundort führt deutlich vor Augen, dass die Vase bereits in der Antike eine Geschichte hatte, in deren Verlauf sich die Bedeutung des Bildes verändert hat.

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  • Titel: Geburt der Athena
  • Ersteller: Unbekannt
  • Datierung: Um 570–550 v. Chr.
  • Ort: Aus Cerveteri
  • Abmessungen: h44,2 cm
  • Typ: Amphora
  • Material: Ton
  • Sammlung: Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Objekterwerb: 1872 erworben
  • Inv.-Nr.: F 1704
  • ISIL-Nr.: DE-MUS-814319
  • Externer Link: Altes Museum, Staatliche Museen zu Berlin
  • Copyrights: Text: © Verlag Philipp von Zabern / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Kni. || Photo: © b p k - || Photo Agency / Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin / Johannes Laurentius
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