Watteau kam erst 1702 nach Paris und wurde 1712 »agréé« von der Académie Royale. Erst 1717 lieferte er das Gemälde Pilgerzug zur Insel Kythera (Paris, Musée du Louvre) als sein obligatorisches Aufnahmestück ab, mit dem die Académie die von ihm erfundene Bildgattung der »fêtes galantes« offiziell bestätigte. Viele seiner Bilder lassen heute ihre ursprüngliche malerische Qualität kaum noch erkennen, weil Watteau maltechnisch nicht sehr sorgfältig gearbeitet hat. Die beiden Berliner Theaterbilder sind dagegen außergewöhnlich gut erhalten, sodass sie zu den schönsten Beispielen seiner Kunst gehören. Ihre Titel und damit einen Hinweis auf ihre Zusammengehörigkeit als Gegenstücke verdanken sie den Reproduktionsstichen von Charles-Nicolas Cochin d. Ä. von 1734. Friedrich der Große kaufte beide Bilder vor 1769 für seine Galerie in Sanssouci. Sie wurden bereits 1829 an die neue Gemäldegalerie nach Berlin abgegeben.Die italienische Komödie ist die einzig nächtliche Szene, die Watteau gemalt hat. Zwölf Schauspieler der Commedia dell’arte haben sich ebenfalls auf einer Lichtung versammelt. In der Mitte steht Pierrot mit der Gitarre, neben ihm Colombine (mit der Maske) und Isabella, die sich dem alten Pantalone zuwendet. Rechts neben Pierrot folgen Harlekin mit einer Gebärde des Erschreckens, Pulcinella (?), Mezzetin mit einer Fackel, der Doktor Marcisino, auf einen Stock gestützt, und Scaramuccia.
Watteau habe, so heißt es in der Ankündigung der Reproduktionsstiche von 1734, in diesem Bild seine kostümierten Freunde gemalt. Deshalb ist in ihm wohl eine Art Schlussszene, ein »Vaudeville« aller Aufführungen, zu sehen, in denen Watteau Charaktere der italienischen Komödie und die nächtliche Stimmung, also die Illusion des Theaters und der Wirklichkeit, verschmolzen hat. Zu beiden Bildern gibt es zahlreiche Vorzeichnungen. Hennig Bock | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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