Das Bilderpaar Van de Vennes (vgl. Kat.Nr. 741B) steht in der Tradition der Jahreszeitenbilder und bildet eine Schnittstelle zwischen Landschafts- und Genremalerei. Erzählerische Momente und Schilderung der heimischen Landschaft halten sich die Waage. Im Winterbild fällt die am Mast eines Segelschiffes zentral platzierte Flagge der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen unmittelbar ins Auge. Ein weiteres Schiff, das den Blick gen Horizont führt, trägt ebenfalls die Fahne. Die Darstellung kündet vom Stolz der Niederländer auf die seit 1581 erkämpfte Freiheit von der Herrschaft der Habsburger. In diesem Sinne ist es eine politische Landschaft. Im Vordergrund haben sich Personen unterschiedlicher sozialer Stellung versammelt. Während die Fischer rechts mühsam das Eis aufhacken, um ihrer Tätigkeit nachgehen zu können, vertreiben sich elegant gekleidete Paare links die Zeit. Komische Elemente sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen: Unter der Brücke links versteckt sich ein Junge vor seinem Freund, der einen Schneeball hält. Links auf dem verschneiten Weg ist ein Mann ausgeglitten und zieht sich mühsam am Baumstamm empor. Dem entspricht im „Sommer“ die kleine Szene zu Füßen der Windmühle: Eine Frau holt zum Schlag gegen den Mann aus, offenbar weil er einen Korb mit Eiern fallen gelassen hat. Ein Kind sieht händeringend zu. Der in Delft geborene Adriaen van de Venne arbeitete in der Nachfolge des Flamen Jan Bruegel d. Ä. und schuf in seinem Frühwerk detailliert ausgearbeitete, vielfigurige Landschaften. Bei den Berliner Bildern handelt es sich um seine ersten datierten Arbeiten dieser Art.| Britta Bode
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