Bevor Diego Velázquez 1623 in Madrid zum Hofmaler ernannt wurde, schuf er in Sevilla zahlreiche Genrebilder mit stillebenhaften Elementen, so genannte »bodegones«. Bereits Francisco Pacheco pries die außergewöhnlichen Fähigkeiten seines Schülers und Schwiegersohnes in dieser vermeintlich niederen Gattung und stellte dessen Bilder in eine Tradition mit der antiken Malerei. Wie erfolgreich die »bodegones« schon damals waren, wird dadurch belegt, dass allein von den „Drei Musikanten" fünf Versionen überliefert sind. Obwohl das Berliner Bild als das qualitätvollste gilt, wurde auf Grund der uneinheitlichen Lichtführung und der unstimmigen Raumkonstruktion an der eigenhändigen Ausführung durch Velázquez gezweifelt. Andere Autoren erkennen hingegen gerade hierin ein Indiz dafür, dass es sich um eines der frühesten von ihm erhaltenen Gemälde handelt, das noch während seiner Ausbildung in der Werkstatt Pachecos entstand.
Drei junge Musikanten drängen sich in einem engen, dunklen Raum um einen spärlich gedeckten Tisch. Ihre markanten, mit kräftigen Licht- und Schattenpartien modellierten Gesichter zeichnen sich hart von den dunkelgrauen Wandflächen hinter ihnen ab. Schelmisch grinsend und in der linken Hand ein bis zum Rand gefülltes Glas balancierend, fordert der vor dem Tisch stehende Knabe den Betrachter auf, dem angeregten Musizieren seiner Begleiter zu lauschen. Der Musiker an der Rückseite der Tafel singt mit weit geöffnetem Mund und ekstatisch verdrehten Augen zum Spiel der Gitarre, während ein etwa gleichaltriger Geigenspieler versucht, ihn zu begleiten. Auf dem grünen Tischtuch sind mehrere Gegenstände stillebenhaft arrangiert. Auf einer akkurat gefalteten weißen Stoffserviette, unter der ein glänzender Silberteller hervorlugt, liegt ein knuspriges Brötchen. Darunter klemmt griffbereit ein Messer. Ein weiteres Messer steckt in der Mitte einer flachen runden Dose, neben der ein halbvolles trichterförmiges Glas steht. Vervollständigt wird die Szene durch ein Äffchen, das links hinter dem Knaben hockt und eine Birne hält. Den Jungen imitierend, schaut es nach vorne aus dem Bild.
Auf den ersten Blick mutet die Szene wie die Schilderung einer alltäglichen Begebenheit an. Drei Musikanten haben sich zur Unterhaltung der Gäste in einer einfachen Taverne, einer so genannten »bodega«, eingefunden. Bei genauerer Betrachtung entzieht sich die Darstellung jedoch einer eindeutigen Interpretation. Das gerahmte Gemälde an der Wand, auf dem Versatzstücke einer Landschaft zu erahnen sind, könnte ebenso auf ein wohlhabendes Ambiente hindeuten. Als Bild im Bild thematisiert es das eigene Tun des Malers und verweist, wie auch die herausfordernden Blicke des Affen und des Knaben, auf das Sehen im Allgemeinen. Durch das Musizieren wird das Hören evoziert. Die mimetisch genaue Schilderung der auf dem Tisch dargebotenen Gegenstände fordert den Tastsinn heraus, und durch das Brot und die Getränke sind das Schmecken und Riechen angesprochen. Demzufolge kann das Gemälde als allegorische Darstellung der Sinne verstanden werden. Zugleich ist aber auch eine moralisierende Deutung nicht auszuschließen: Der eine Frucht essende Affe ist ein häufig verwendetes Sinnbild für die niederen Instinkte und die Triebhaftigkeit des Menschen. Das hingebungsvolle Musizieren der jungen Männer kann auf den übermäßigen Genuss alkoholischer Getränke zurückgeführt werden. Doch stellt das Gemälde tatsächlich ein aus moralischer Sicht verwerfliches Tun vor Augen und ermahnt den Betrachter dadurch zu einem vorbildlicheren Handeln? Sollte die Betrachtung solcher Bilder, wie Pacheco schreibt, nicht doch vor allem der Belustigung des Publikums dienen? Fest steht, dass dieses neuartige, nicht an Konventionen gebundene Sujet einem jungen Maler wie Velázquez die Möglichkeit bot, sein Können und seine Kreativität unter Beweis zu stellen.| Sven Jakstat
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