Jules François Ferry war ein französischer Ministerpräsident und Minister in der Dritten Republik.
Ferry war von Beruf Jurist und gehörte dem linken republikanischen Lager an. Er tat sich als Gegner des Zweiten Kaiserreiches hervor und war ab 1869 Parlamentsmitglied. In dieser Zeit befasste er sich vor allem mit der französischen Innenpolitik.
Schon kurz nachdem er am 23. September 1880 sein erstes Kabinett als Ministerpräsident bildete, wandte er sich jedoch vor allem der Kolonialpolitik zu. Bereits auf dem Berliner Kongress von 1878 hatten die europäischen Mächte Frankreich die Übernahme Tunesiens aus den Resten des zerfallenden Osmanischen Reiches in Aussicht gestellt. Ferry ging unmittelbar nach seinem Regierungsantritt an die Verwirklichung dieses Anspruchs, bei der Frankreich sich in Konkurrenz mit Italien befand, und schuf 1881 das französische Protektorat Tunesien. Zu seinen innenpolitischen Leistungen zählte noch 1880 die Einführung des unentgeltlichen und verpflichtenden Grundschulbesuchs. Darüber hinaus drängte er den Einfluss der Jesuiten auf das Schulsystem zurück, organisierte die Lehrerausbildung neu und ließ die erste staatliche Mädchenschule einrichten.