Nov 11, 2016 - Jun 25, 2017

2 RÄDER - 200 Jahre: Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades

Technoseum - State Museum of Technology and Work in Mannheim

Eine Ausstellung zur Erfindung des Fahrrads 

200 Jahre Fahrradgeschichte
Fast 14 Kilometer lang war die allererste Radtour der Welt. Und sie fand vor 200 Jahren statt. Karl Freiherr von Drais fuhr am 12. Juni 1817 mit seiner Erfindung, der Laufmaschine, von Mannheim aus in Richtung Schwetzingen und wieder zurück. Dieser Ausflug mit dem Vorläufer des Fahrrades gilt als die Geburtsstunde der individuellen Mobilität. Selbst irgendwo hinzufahren war ohne Reit- oder Zugtiere für die Menschen zuvor unmöglich. Der damals 32-jährige Drais hatte mit der Laufmaschine eine Erfindung gemacht, die sich bis heute als absolut krisenfest erwiesen hat. Zum 200-jährigen Jubiläum dieser Jungfernfahrt zeigt das TECHNOSEUM bis zum 25. Juni 2017 die Große Landesausstellung Baden-Württemberg mit dem Titel „2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades".

Hatte Karl von Drais eine Ahnung, welchen Weg seine Erfindung der Laufmaschine nehmen würde, als er am 12. Juni 1817 zur Jungfernfahrt aus Mannheim heraus aufbrach? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen heute: Dem damals 32-Jährigen ist eine bahnbrechende Erfindung gelungen.

Drais war seiner Zeit voraus und stieß mit der Laufmaschine auf viel Widerstand. Ein Grund, warum sich die Laufmaschine nicht durchsetzen konnte, waren ihre hohen Anschaffungskosten. Drais war ein Erfinder mit Ideen, für die es kaum einen Markt gab, und ein Marketingexperte mit genialen Einfällen, für die das 19. Jahrhundert noch nicht bereit war.

Vielerorts wurden Laufmaschinen nachgebaut, ohne dass Drais davon profitierte. Ohne wirksamen Patentschutz blieben seine Bemühungen weitgehend wirklos.

Laufmaschinen nach dem Patent von Johnson wurden in erheblichen Stückzahlen gebaut. Anders als beim Original gab es weder den selbststabilisierenden Nachlauf noch die Bremse.

Laufmaschinen wurden vielerorts nachgebaut, ohne dass Drais profitierte. Er sah sich stattdessen Widerständen ausgesetzt. Auch in Mannheim wurde die Nutzung der Draisinen erst auf den Bürgersteigen und dann in der ganzen Stadt verboten. Bis zu seiner Anerkennung als genialer Erfinder des Fahrrades vergingen fast 70 Jahre.

Zwischen Sportgerät und Massenverkehrsmittel
Erst rund 40 Jahre nach der Erfindung gab es eine Weiterentwicklung der Laufmaschinen.1867 begann der Siegeszug der Räder mit Tretkurbelantrieb. GrößereVorderräder erzielten immer höhere Geschwindigkeiten. Doch Hochräder warenebenso elegant wie gefährlich. Sicherheitsniederrad hieß das Gegenkonzept. Mitgleich großen Rädern, Kettenantrieb und viereckigem Rahmen fand das Fahrrad1888 seine bis heute gültige Grundform. Aus handwerklicher Fertigungwurde ein Industrieprodukt. Zunächst blieb es teuer und ein Sportgerätfür junge Männer aus dem Bürgertum und einige mutige Frauen.Nach 1900 sank der Preis und es entwickelte sich zum Massenverkehrsmittel,dem eine Welle der Begeisterung galt. MitgliederstarkeRadsportvereine organisierten Treffen undAusfahrten, der Rennsport erfreute sichgroßer Popularität.

Ein Schwergewicht mit geschmiedetem Rahmen und hölzernen Rädern. Auch die lange Sattelfeder machte das Fahren nicht wirklich komfortabel. Die Bezeichnung „Knochenschüttler“ hatte daher ihre Berechtigung.

Die Metallfelgen und Speichen hielten das Gewicht und damit die bewegte Masse des Vorderrades in Grenzen.
Die Gummibereifung gab einen besseren Halt auf der Straße als die Eisenreifen der Tretkurbel-räder.

Aus handwerklicher Fertigung wurde ein Industrieprodukt: Zunächst blieb das Sicherheitsniederrad teuer und ein Sportgerät für junge Männer aus dem Bürgertum und einige mutige Frauen. Nach 1900 sank der Preis und es entwickelte sich zum Massenverkehrsmittel, dem eine Welle der Begeisterung galt. Mitgliederstarke Radsportvereine organisierten Treffen und Ausfahrten, der Rennsport erfreute sich großer Popularität.

Von der Bauart noch ein Tretkurbelrad, deuten die Proportionen aber schon auf das Hochrad hin. Mit dem größeren Vorderrad und Vollgummireifen war es schneller und komfortabler zu fahren als seine Vorgänger.

Wem das Hochrad zu gefährlich war, fand in Dreirädern einen sicheren Ersatz. Für radbegeisterte Frauen waren sie ebenfalls eine willkommene Alternative. Dabei ging es weniger um Mut, die Garderobe erlaubte nichts Anderes.

Das „Eagle“ war der letzte Versuch, die vom Hochrad ausgehende Sturzgefahr durch die Konstruktion zu vermindern. Es ist auch das einzige amerikanische Modell mit rotierendem Tretsystem.

Die „Schwalbe“ mit halbmondförmigem Rahmen und gedrehtem Lenker war ein frühes Design-Rad, das auch durch seine Federungseigenschaften überzeugen konnte.

Die luftgefüllten Reifen waren eine der wichtigsten Erfindungen für den gesamten Straßenverkehr. Bei Fahrrädern kamen sie zuerst zum Einsatz, bei Motorrädern und Automobilen
folgten sie mit zeitlicher Verzögerung.

Hickory ist ein nordamerikanischer Baum aus der Walnussfamilie. Aus dessen Holz wurde das elegante Fahrrad inklusive Felgen und Lenkergriffen hergestellt. Nur wo es konstruktiv notwendig war, kam Metall zum Einsatz.

Ein Damenfahrrad in Luxusausführung: Der Hinterradantrieb erfolgt über eine Welle statt wie üblich über eine Kette. Das Rad besticht durch eine Außenbandbremse, Holzfelgen und dekorative Abziehbilder am eleganten Rahmen.

Pneumatik-Fahrrad mit Einrohrrahmen. Der breite Lenker erleichterte bei langsamer Fahrt oder beim Mitnehmen von Kindern das Balancieren.

Ein faltbares Rad der italienischen Armee: Die Räder sind untereinander austauschbar, die Reifen sind aus Vollgummi und die Vorderradbremse liegt innen. Tragegurt und Karabiner wurden mit Ösen am Rahmen befestigt.

Legendäres Rennrad der Zwanzigerjahre. Zur Ausstattung gehört eine Torpedo-Rücktritt-Rennnabe mit zwei Zahnrädern. Die Kette wird mit der Hand umgelegt.

Der in Mannheim ansässige Landmaschinenhersteller Lanz nahm unter der Firma Schwarzwaldwerke 1927 in Vöhrenbach den Bau von Fahrrädern auf. 1937 kam die Produktion wieder zum Erliegen.

Dieses Damenrad ist bereits mit einem Freilauf ausgestattet. Der wegen der langen Röcke obligatorische Kettenschutz fehlt aber.

Vom Mobilitätsgaranten zum Autozubehör
In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs war die deutsche Fahrradherstellungfast vollständig eingestellt worden. Nach Kriegsende unterlagen Kauf und Einsatzden Auflagen der Besatzungsverwaltungen. Der Bedarf war allerdings groß. 1949lag die Produktion schon wieder bei über einer Million Exemplare. Bald wurde dasFahrrad aber in der Gunst der Konsumenten von motorisierten Zweirädern überholtund diese wiederum in den 1960er Jahren von Automobilen. Nur bei Kinder-und Jugendfahrrädern gab es noch einen nennenswerten Absatz. ZahlreicheHersteller verschwanden vom Markt. Einen neuen Aufschwungverzeichnete das Fahrrad mit zwei Sondertypen. Das Klapprad Endeder 1960er Jahre war mehr oder weniger ein Autozubehör,die „Bonanzaräder“ erfreuten kurz darauf diejenigen,die altersbedingt noch kein Mofafahren durften.

Handwerker und Händler lieferten noch in den 1960er Jahren ihre Waren gerne billig und flott mit Lastenrädern aus. In der Regel traf diese Aufgabe den Lehrling.

Nur 43 Exemplare sollen von diesem Motor gebaut worden sein. Der Hubraum beträgt 34 cm3, die Leistung 0,9 PS. Das Motorgewicht von 6,5 kg bescherte dem Fahrrad ein gewöhnungsbedürftiges
Lenk- und Fahrverhalten.

Der Wunsch nach mechanischem „Rückenwind“ für Fahrräder ist alt und die Lösungen waren oft skurril. Dieser schwingend befestigte und
kurventaugliche Hilfsmotor zeugt davon. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 25 km/h.

Das aus einer Aluminiumlegierung gefertigte Modell nahm den aus den Anfangsjahren des Niederrades bekannten Kreuzrahmen wieder auf.

Dieses vollverchromte Herrenrad mit Aluminiumfelgen kostete 1951 302 DM und wurde daher in geringen Stückzahlen verkauft.

Treffender hätte der Name kaum gewählt werden können. Das „Auto Velo“ ließ sich zusammen-schieben und war bestens im Kofferraum zu verstauen. Das Fahren damit war allerdings selbst auf Kurzstrecken eine Herausforderung.

Das zerlegbare Fahrrad des englischen
Konstrukteurs Alex Moulton kam 1962 auf den Markt. Mit einem Gitterrohrrahmen, Hochdruck-reifen und einer 10-Gang-Schaltung erfüllte
das Modell auch fahrtechnisch hohe Ansprüche.

Der Name „Bonanza“ kam vom Hersteller und wurde von Neckermann für den Vertrieb übernommen. Um
1970 war es das Traumfahrrad aller Jungen, aber die Euphorie verflog so schnell, wie sie gekommen war.

Fahrradrenaissance
Die Geschichte des Fahrrades ist von einem stetigen Bedeutungswandel geprägt.Motorisierung und das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg drängtenes ins Abseits, viele Fahrradfabriken mussten schließen. Zur Existenzsicherung setztedie Fahrradindustrie auf die Produktion von Klapprädern oder Kinder- und Jugendfahrrädernwie dem „Bonanzarad“. Die Ölpreiskrise 1973 führte jedoch eine Wendeherbei: Angesichts der Erkenntnis, dass fossile Brennstoffe endlich sind und denStädten Verkehrsinfarkte drohen, gründeten sich neue soziale und politi sche Bewe -gungen wie die Partei „DIE GRÜNEN“. Die Fitnessbewegung aus den USA erreichtein den 1980er Jahren Europa und das Fahrrad wurde wieder zumbe liebten Fortbewegungsmittel. Zudem erfreut es sich heute hoherWertschätzung als modisches Accessoire und Ausdrucksmittel einesindividuellen Lebensstils. Zugleich steht es im Fokus vonStädteplanern und Ökologen bei der Suche nach einerLösung für das hohe Verkehrsaufkom -men in urbanen Zentren.

Reduzierte und leichte Bauweise kennzeichnen dieses sportliche Exemplar von Bianchi. Das Rennrad ist im Farbton „Celeste“ lackiert, ein helles Türkis, das untrennbar mit der italienischen Fahrradmarke verbunden ist.

Bunte BMX-Räder waren Anfang der 1980er Jahre vor allem bei Kindern und Jugendlichen angesagt. Durch ihre stabile Bauweise überstanden sie selbst hohe Sprünge und waghalsige Stunts.

Geringe Verkehrssicherheit zugunsten eines minimalistischen Designs. Aus verschiedenen Rennradkomponenten zusammengefügt, stehen
die Eingangräder für die individualistischen Ansprüche der Besitzer.

TECHNOSEUM
Credits: Story

Technoseum – Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim

Credits: All media
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