1764 - 1768

Schmuckstücke der Bildergalerie von Sanssouci

Picture Gallery Sanssouci, Prussian Palaces and Gardens Foundation Berlin-Brandenburg

Die Bildergalerie von Sanssouci in der Zeit Friedrichs des Großen

Beim Betreten des Gebäudes zeigt sich dem Besucher das überwältigende, prachtvolle Innere der Bildergalerie von Sanssouci. Es enthält kostbaren, teils antiken Marmor an Boden und Wänden, vergoldeten Stuck, reich verzierte vergoldete Schnitzrahmen, Konsolen und Tische und eine Sammlung hervorragender Gemälde und Statuen. Sie machen die Bildergalerie von Sanssouci zu einem der herausragenden Gesamtkunstwerke der friderizianischen Kunst des 18. Jahrhunderts. Das nach Süden ausgerichtete, lichtdurchflutete Gebäude erstrahlt in einem Farbspiel von Gold, Gelb, Weiß und Hellgrün. Zeitgenossen Friedrichs des Großen berichteten, es sei neben dem St. Petersdom in Rom das schönste Gebäude der Welt.

Die 1755-1763 von Johann Gottfried Büring (1723-1788) für König Friedrich II. von Preußen (Friedrich der Große, 1712-1786) errichtete Bildergalerie von Sanssouci in Potsdam ist die älteste noch erhaltene Galerie nördlich der Alpen, die als autonomes Gebäude außerhalb eines Palastes errichtet wurde. Sie diente in erster Linie der Kunstbetrachtung und dem Kunstgenuss des Königs und seiner Gäste, stand jedoch auch (unter bestimmten Voraussetzungen) fremden Besuchern offen.

Der Bau wurde nach den Vorstellungen Friedrichs des Großen gestaltet, die Sammlung (bis auf wenige Ausnahmen) innerhalb weniger Jahre nach seinen Wünschen auf dem internationalen Kunstmarkt erworben. Vergeblich sucht man Herrscherallegorien, die der Person des Königs (beispielsweise als Beschützer der Künste) huldigen, denn im Vordergrund stand allein die Kunst: Die Bildergalerie war ein „Tempel der Künste“ – versinnbildlicht in Allegorien der Künste, die Decken, Türen und Tische verzieren sowie in einer ausgezeichneten Sammlung von Gemälden und Skulpturen.

Diese Sammlung war im Laufe der Jahrhunderte verschiedenen Veränderungen unterworfen. Beispielsweise wurden 1829 zahlreiche Gemälde und antike Statuen an das neu gegründete Königliche Museum in Berlin abgegeben. Auch sind seit dem Zweiten Weltkrieg viele Kriegsverluste zu beklagen. Die „Geburt der Venus“ von Rubens (Werkstatt) ist eines von fast 2.000 Gemälden, die seit 1945 zu den Kriegsverlusten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gehören.

Trotzdem kann heute noch rund ein Drittel der Gemälde der friderizianischen Originalhängung in der Bildergalerie präsentiert werden. In Ergänzung hierzu treten herausragende Gemälde, die vor 1945 im Berliner Schloss gezeigt wurden und Werke, die im 19. Jahrhundert unter anderem mit den Sammlungen Solly und Giustiniani erworben wurden.

So enthält die Bildergalerie von Sanssouci noch heute zahlreiche Spitzenwerke der niederländischen und italienischen Malerei, darunter sieben Gemälde von Peter Paul Rubens und vier Gemälde von Anton van Dyck sowie weitere Bilder von Jacob Jordaens, Theodoor van Thulden, Thomas Willeboirts Bosschaert, Caravaggio, den Rembrandt-Schülern Jan Lievens, Ferdinand Bol, Aert de Gelder, Govaert Flinck und vielen anderen. Caravaggios „Ungläubiger Thomas“ wurde 1815 mit der Sammlung Giustiniani erworben.

Bereits 1763 publizierte der Galerieinspektor der Bildergalerie von Sanssouci, Matthias Oesterreich (1726-1778), einen ersten Hängeplan der Gemälde; 1764 folgte der erste gedruckte Katalog der Galerie. Weitere Kataloge (in deutscher und französischer Sprache) und Hängepläne erschienen in den darauffolgenden Jahren. Durch sie wurde die Bekanntheit der Bildergalerie vergrößert und in Europa verbreitet.

In Ergänzung hierzu plante der Galerieinspektor Oesterreich seit den 1760er Jahren ein groß angelegtes Stichwerk mit graphischen Reproduktionen der besten Gemälde der Bildergalerie, das jedoch nie vollendet wurde. Heute sind hiervon nur einzelne Stiche bekannt.

Die 1764 publizierte Ersthängung umfasste 146 Gemälde, die in einer sogenannten „barocken Hängung“ in mehreren Reihen über- und nebeneinander gehängt waren. Durch Ankäufe wuchs die Anzahl der Gemälde bis zum Tod Friedrichs des Großen im Jahr 1786 auf fast 180 an. Der Hauptsaal der Galerie bestand aus Westflügel, mittlerem Kuppelsaal und Ostflügel.

Im Westflügel und dem mittleren Kuppelsaal befanden sich einige Werke Rembrandts und der Rembrandt-Schüler, ansonsten jedoch die besten Künstler der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts, in erster Linie Peter Paul Rubens, Anton van Dyck und Abraham van Diepenbeeck (in damaliger Zuschreibung).

Der Ostflügel des Hauptsaals enthielt (nach damaliger Zuschreibung) Werke der hervorragendsten Vertreter der italienischen Hochrenaissance und des Barock – unter anderem Leonardo da Vinci, Raffael, Tizian, Guido Reni, Carlo Maratta, Ciro Ferri und Andrea Celesti.

Es war die erste Bildergalerie, in der die Gemälde nach Malerschulen getrennt präsentiert wurden, d.h. die niederländischen Gemälde im Westflügel, die italienischen im Ostflügel. Das Kabinett, das sich an die Hauptgalerie anschloss, enthielt Gemälde kleineren Formats. Hier waren die Schulen gemischt.

Werke des flämischen Malers Peter Paul Rubens gehörten im 17. und 18. Jahrhundert neben denjenigen der Hauptmeister der italienischen Renaissance zu den kostspieligsten Gemälden, die auf dem damaligen Kunstmarkt zu finden waren. Sie waren beliebte Sammlerstücke, die in kaum einer bedeutenden fürstlichen Kunstsammlung fehlten. Auch Friedrich II. ließ für die Einrichtung der Bildergalerie zahlreiche großformatige Werke des Künstlers erwerben und zahlte hierfür teilweise Höchstpreise. Bereits bei der Ersteinrichtung der Bildergalerie 1764 konnten insgesamt 38 Gemälde gezählt werden, die als Werke von Rubens präsentiert wurden. Nicht alle Zuschreibungen hielten jedoch dem späteren Urteil stand. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Gemälde Schülern von Rubens bzw. dessen Werkstatt zugeschrieben. Heute werden noch sieben Gemälde von Rubens in der Bildergalerie gezeigt. Die "Vier Evangelisten", die seit 1763 in der Bildergalerie nachweisbar sind, galten bis ins ausgehende 19. Jahrhundert als Werk von Rubens' jüngerem Kollegen Anton van Dyck.

Rubens zeigt die vier Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes in dem Moment des Empfangens göttlicher Inspiration, die sie zum Verfassen der Evangelien bewegt. Sie sind um einen Tisch gruppiert und werden mit ihren traditionellen Attributen wiedergegeben: Lukas mit dem Stier, Matthäus mit dem Engel, Johannes mit dem Adler und Markus mit dem Löwen.

Rubens zeigt die vier Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes in dem Moment des Empfangens göttlicher Inspiration, die sie zum Verfassen der Evangelien bewegt.

Sie sind um einen Tisch gruppiert und werden mit ihren traditionellen Attributen wiedergegeben: Lukas mit dem Stier, ...

... , Matthäus mit dem Engel, ...

... Johannes mit dem Adler ...

... und Markus mit dem Löwen.

Als Zeugen des Lebens Jesu nehmen die Evangelisten eine zentrale Stellung in der Vermittlung der christlichen Lehre ein und wurden in der Kunst häufig dargestellt. In der niederländischen Malerei ist Rubens' Bild eines der wenigen Gemälde, das alle vier Evangelisten gemeinsam in einer Szene zeigt. Häufiger sind einfigurige Darstellungen der einzelnen Evangelisten.

Das Gemälde entstand nur wenige Jahre nach Rubens' Italienaufenthalt (1600-1608). Dort hatte er Skizzen nach Werken der Antike und der italienischen Renaissance angefertigt, die seine späteren Arbeiten beeinflussten.

Die "Heilige Familie mit dem Korb" befindet sich seit der Erstausstattung von 1764 in der Bildergalerie von Sanssouci.

Virtuos führt Rubens die Komposition der um 1616/17 entstandenen "Heilige(n) Familie mit dem Korb" dicht am Betrachter in einer Diagonale von links unten nach rechts oben.

Im Zentrum ist Maria in einem leuchtend roten Kleid zu erkennen, während das Christuskind auf ihrem Schoß liegt. Es wendet sich in inniger Umarmung dem Johannesknaben zu, den Blick fest auf die Mutter gerichtet.

Rechts im Bild beobachtet Joseph die Szenerie, einen Arm auf ein Postament gestützt – ganz seiner passiven Rolle in der Heilsgeschichte entsprechend.

Die Haltung und Anordnung der Figuren lässt italienische Vorbilder erkennen, unter anderem die "Heilige Familie unter der Eiche" von 1518/20 von (Raffael und) Giulio Romano (Museo Nacional del Prado, Madrid) sowie in der Haltung des Christuskinds Raffaels "Bridgewater Madonna" (Edinburgh, National Gallery of Scotland).

Das Gemälde, das vermutlich für Friedrich den Großen angekauft worden war, wurde am Hof des preußischen Königs als Darstellung der Monime gedeutet. Man meinte damals eine Szene aus der Tragödie "Mithridate" von Jean Racine (1639-1699) zu erkennen, die sich mit dem Leben Mithridates’ VI. von Pontus und seiner Ehefrau Monime beschäftigt.

Die Werke Racines waren am Hof Friedrichs des Großen sehr beliebt, unter anderem besaß der König eine dreibändige Werkausgabe des französischen Dramatikers, die auch die Tragödie "Mithridate" erhielt. Auch wurde am friderizianischen Hof verschiedentlich die von Carl Heinrich Graun (1704-1759) 1751 komponierte Oper „Il Mithridate“ aufgeführt, die auf Racines Tragödie fußte und an dessen Libretto Friedrich der Große selbst mitgewirkt hatte.

Seit den 1950er Jahren identifiziert man die Darstellung als Geschichte der Artemisia, die im vierten Jahrhundert vor Christus lebte. Der Legende nach trank Artemisia aus Trauer um den Tod des geliebten Gatten, König Maussolos von Karien, seine Asche, um ihm ein "lebendiges Grabmal" zu sein. Das Gemälde ist seit 1764 in der Bildergalerie von Sanssouci verzeichnet, möglicherweise befand es sich im 17. und frühen 18. Jahrhundert in der Sammlung der niederländischen Statthalter Frederik Hendrik (1584-1647) und Willem III. (1650-1702) van Oranje-Nassau.

Das Gemälde von Rubens wurde 1763 für Friedrich den Großen aus der Den Haager Sammlung Willem Lormier (1682-1758) erworben. Es bestand ursprünglich aus zwei Skizzen, die als Entwurf für Kartons geschaffen wurden, die wiederum zur Vorlage einer Teppichserie dienten.

Bei den Gobelins handelte es sich um eine Serie des "Triumphs der Eucharistie", die im Auftrag der Statthalterin der spanischen Niederlande, Erzherzogin Isabella Clara Eugenia (1566-1633), in Brüssel angefertigt und 1628 fertiggestellt wurde. Sie war für das Kloster "Las Descalzas Reales" in Madrid bestimmt.

Die Skizzen wurden bald nach ihrer Entstehung zusammengefügt und teilweise übermalt, um eine einheitliche Darstellung zu gewährleisten. In der Mitte erkennt man noch heute die übermalte Fuge.

Zwischen den beiden einzelnen Darstellungen des Engelskonzerts befand sich bei der Teppichserie die Wiedergabe einer von Engeln präsentierten Monstranz, aus der göttliches Licht hervorgeht – das Thema der Serie unterstützend, den "Triumph der Eucharistie".

Im Gemälde von Rubens fehlt dieser Zwischenteil. Hier wurde bei der Übermalung eine helle Lichtquelle ergänzt.

Das 1659 entstandene Gemälde befand sich bereits spätestens seit 1699 in den kurfürstlichen Sammlungen, im Berliner Schloss. Noch in der Zeit Friedrichs des Großen wurde es in der Bildergalerie des Berliner Schlosses präsentiert und 1763 von dort in die neu erbaute Bildergalerie von Sanssouci nach Potsdam übernommen. Dort wurde es das zentrale Stück der Hängung auf der Wand der niederländischen Gemälde, sowohl hinsichtlich seiner Anordnung auf der Wand als auch inhaltlich.

Bereits der Marquis d'Argens lobte das Stück 1768 als eines der schönsten und größten Gemälde der Bildergalerie; die ersten Kataloge der Galerie von 1764 und 1770 loben die "Schönheit und Vollkommenheit" der Darstellung, und die Präsentation von Sanftem und Lieblichem. Gezeigt wurde das Bild inmitten anderer Gemälde, die verschiedene Arten der Liebe thematisierten. So war das Thema des Bildes – der Triumph der Venus, d.h. der Triumph der Schönheit und sinnlichen Liebe – programmatisch für die Bildergalerie. Sie war den Künsten gewidmet, huldigte jedoch gleichzeitig der Schönheit und dem Angenehmen.

Zeitgenossen zufolge hatte Friedrich der Große nur angenehme Darstellungen in die Galerie aufnehmen lassen. Dies war sicherlich ein Grund, weswegen er das Bild – als vermutlich einziges von mehreren Hundert Gemälden – aus der Bildergalerie des Berliner Schlosses entnahm, um es in die Bildergalerie von Sanssouci zu integrieren.

Die Themen des "Triumphes der Galathea" oder der "Geburt der Venus" waren sowohl in der italienischen und französischen als auch der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts, im Rubens-Umkreis, sehr beliebt. Sie boten eine Gelegenheit, das Thema der Liebe mit der Darstellung weiblicher Anmut und zahlreichen Aktdarstellungen in einer wild bewegten Szenerie mit exotischen Meeresbewohnern zu verbinden.

Das Gemälde wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts an den flämischen Maler Abraham van Diepenbeeck (1596-1675) zugeschrieben, erst im frühen 19. Jahrhundert erkannte man erneut die korrekte Zuschreibung als Werk Theodoor van Thuldens (1606-1669). 1829 wurde das Bild an das Königliche Museum in Berlin abgegeben und befindet sich seit 1930 als Dauerleihgabe der Berliner Gemäldegalerie (Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Gemäldegalerie) wieder in der Bildergalerie.

Bei der Ersthängung der Bildergalerie im Jahr 1763 dominierten neben den Werken von Peter Paul Rubens vor allem diejenigen Anton van Dycks den Westflügel und den mittleren Kuppelsaal der Bildergalerie. Nur wenige dieser Bilder gehörten jedoch zum alten Sammlungsbestand. Die meisten Gemälde ließ Friedrich II. zur Ausstattung der Bildergalerie auf dem Kunstmarkt erwerben. Van Dycks „Rinaldo und Armida“ hatte Friedrich 1756 neben verschiedenen anderen Bildern aus der berühmten Sammlung des Duc de Tallard erwerben lassen.

Das Thema der Darstellung basiert auf Torquato Tassos Gedicht "La Gerusalemme Liberata" von 1581, das die Belagerung Jerusalems während des ersten Kreuzzuges schildert. Die im Bild dargestellte Szene spielt auf einer Insel, wo der Kreuzritter Rinaldo, dem Gesang einer Najade lauschend, eingeschlafen ist. Um die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzritter zu verhindern, hatte die Zauberin Armida ihn in diesen Hinterhalt gelockt, um ihn zu ermorden. Beim Anblick des schlafenden Rinaldo verliebt sie sich jedoch in ihn, fesselt ihn mit einem Blumenkranz und entführt ihn.

Eine Wassernymphe (Najade) hält im Bild ein Notenblatt in der Hand, das auf ihren Gesang verweist; zahlreiche Putten versinnbildlichen die amouröse Thematik. Die in starker Untersicht wiedergegebene Darstellung ist in ihrer Komposition virtuos und lässt unter anderem im Kolorit deutliche Bezüge zur venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts erkennen.

Seit einer Übersetzung von 1600 lag das Gedicht Tassos auch in englischer Sprache vor und war am Hof des englischen Königs Charles I. (1600-1649) sehr beliebt. Er beauftragte van Dyck 1629, eine Darstellung des Themas anzufertigen (das Gemälde befindet sich heute im Baltimore Museum of Art). Das Potsdamer Bild ist ebenfalls ein Original van Dycks, das das Gemälde in Baltimore in etwas kleinerem Format wiederholt.

Seit 1764 hing das Gemälde van Dycks als Darstellung der "Venus in der Werkstatt des Vulkan" in der Potsdamer Bildergalerie Friedrichs des Großen. Heutzutage gilt es als Darstellung der "Thetis, die von Hephaistos die Waffen für Achill empfängt". Friedrich der Große hatte die 146 Gemälde der Ersthängung der Galerie von 1764 bis auf wenige Ausnahmen ankaufen lassen. Das Bild van Dycks stellt jedoch eine der wenigen Ausnahmen dar.

Es war Anfang der 1680er Jahre über das Erbe der Statthalterwitwe der Vereinten Republik der Niederlande, Amalia von Solms (1602-1675), in die brandenburgischen Sammlungen gelangt. Sie hatte es ihrem Enkel, dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg (1666-1687) hinterlassen. Zuvor befand es sich vermutlich 1641 in der Sammlung des Abbé Cesare Alessandro Scaglia in Antwerpen. Eine zweite Version der Darstellung befindet sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Gemeinsam mit dem ebenfalls vergrößerten Gegenstück – Maria als Fürbitterin – war das Gemälde Anton van Dycks (1599-1641) seit 1764 Teil der Ausstattung des Kabinetts in der Bildergalerie Friedrichs des Großen. Es zeigt Christus als "Salvator Mundi", als Erlöser der Welt: seine linke Hand (als Weltenherrscher) ist auf die Weltkugel gelegt, die andere im Segensgestus erhoben. Van Dyck orientierte sich hier an einem traditionellen Darstellungstypus. Ähnliche, meist halbfigurige Kompositionen existierten seit um 1500 in der Malerei nördlich und südlich der Alpen.

Die Komposition des Bildes war ursprünglich kleiner – sie war auf einen Ausschnitt kurz unterhalb der Kugel, knapp neben den Händen und oberhalb des Kopfes begrenzt. Bald darauf wurde die Darstellung an allen Seiten um fast zehn Zentimeter vergrößert. Noch heute kann man bei genauem Hinsehen die übermalten Fugen erkennen.

Die "Ausgießung des Heiligen Geistes", ein Frühwerk des Flamen Anton van Dyck (1599-1641), war ursprünglich Teil einer Serie von drei Gemälden, die spätestens 1660 in der Abtei ter Duinen in Brügge hingen. 1755 wurden sie gemeinsam für König Friedrich den Großen von Preußen in Brügge für 20.000 florins erworben und seit 1763 im mittleren Kuppelsaal (Tribuna) der Bildergalerie von Sanssouci präsentiert. Sie gehörten zu den Spitzenwerken der Galerie. Die beiden anderen dazugehörigen Bilder van Dycks – "Dornenkrönung" und "Hl. Johannes der Täufer und Hl. Johannes der Evangelist" ("Die beiden Johannes") – sind seit 1945 Kriegsverluste der Berliner Gemäldesammlung (SMB PK, Gemäldegalerie).

In der "Ausgießung des Heiligen Geistes" stellte van Dyck das Pfingstwunder dar, das in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments (2, 1-4) geschildert wird: Zu Pfingsten versammelten sich die Apostel und wurden vom Heiligen Geist erfüllt, so dass sie anfingen, in anderen Sprachen zu predigen.

Der dunkle Raum wird im Gemälde von oben nur durch das göttliche Licht erhellt, die Taube des Heiligen Geistes schwebt über den ergriffenen Aposteln. Über ihren Köpfen haben sich kleine Flammen niedergesetzt, als Zeichen der Aufnahme des Heiligen Geistes.

Adriaen van der Werff gehörte um 1700 zu den bedeutendsten Vertretern der klassizistischen Malerei der nördlichen Niederlande. Während er anfänglich Genreszenen im Stil der Leidener Feinmaler sowie Porträts schuf, war er später vor allem für seine Historienszenen und mythologischen Darstellungen bekannt. Auch das 1709 entstandene Gemälde "Die heilige Familie" ist in diese späte Hauptphase seines Schaffens einzuordnen. Friedrich II., der das Bild 1757 auf einer Amsterdamer Nachlassauktion ankaufen ließ, war ein begeisterter Sammler seiner Arbeiten. So ist die "Heilige Familie" eines von über 25 Gemälden des Künstlers (und aus dessen näherem Umkreis), die der König seit den 1750er Jahren für die Bildergalerie von Sanssouci erwerben ließ. Präsentiert wurden sie in dem am östlichen Ende der Galerie gelegenen Kabinett, das in den unteren Reihen der Hängung vor allem kleinformatige Gemälde aufnahm.

Heute können nur noch ein einziges originales Werk Adriaen van der Werffs in der Bildergalerie gezeigt werden. Der Großteil gehört zu den Kriegsverlusten der Schlösser. Die Darstellung der "Beiden heiligen Familien" zeigt Christus und Johannes als Knaben mit einem Vogel spielend, vom Sonnenschein erhellt, sowie – weiter im Schatten – Maria und Josef, Elisabeth und Zacharias (die Eltern des Johannes).

Das Gemälde wurde vom Kunstschriftsteller und Direktor des Dresdener Kupferstichkabinetts, Carl Heinrich von Heineken (1707-1791), bei van Limborch in Auftrag gegeben und 1750 fertiggestellt. Seit 1764 ist es in der Bildergalerie von Sanssouci nachweisbar, wo es wenige Jahre später als Pendant zu einer themengleichen Darstellung des Lehrers Adriaen van der Werff gehängt wurde und so den Vergleich zwischen den künstlerischen Qualitäten des Lehrers und seines Schülers ermöglichte.

Der nordniederländische Maler Hendrik van Limborch (1681-1759) gehörte zu den besten Schülern des holländischen Feinmalers Adriaen van der Werff (1659-1722). Letzterer war für seine Porträts und vor allem für seine kleinformatigen, in der Wiedergabe fast porzellanartigen Historiendarstellungen bekannt. Bereits Zeitgenossen bewunderten van Limborch für seine Fähigkeit, den Stil van der Werffs nachzuahmen, so auch in der 1749/50 entstandenen "Heilige(n) Familie mit Elisabeth und dem Johannesknaben".

Das Gemälde Lot und seine Töchter wurde von König Friedrich II. als ein vermeintliches Werk Raffaels erworben. Bereits zu Beginn seiner Sammeltätigkeit für die Bildergalerie war Friedrich bestrebt, Werke dieses Meisters anzukaufen, die als begehrte Sammlungsstücke jede Kollektion aufzuwerten vermochten. So beauftragte er 1756 Johann Ernst Gotzkowsky, zum Verkauf stehende Bilder Raffaels in Italien ausfindig zu machen. Im April 1760 wurde Friedrich II. von seinem Kunstberater, den Marquis d’Argens, auf ein Gemälde aufmerksam gemacht, das dieser bei Gotzkowsky in Berlin gesehen hatte, als er im Auftrag des Königs dessen Sammlung besichtigte.

Obwohl schnell Zweifel an der Echtheit des Bildes aufkamen – Johann Joachim Winckelmann vermutete schon 1763, dass es sich nicht um einen echten Raffael handele – wurde es 1763 in der Bildergalerie als Werk Raffaels gehängt und von Galerieinspektor Oesterreich in seinen Katalogen als solches ausführlich besprochen. Trotzdem begannen noch im selben Jahrhundert die Bestimmungen des Gemäldes an andere Künstler: Perino del Vaga, Frans Floris und Otto van Veen. Schließlich erfolgte im 20. Jahrhundert die Zuschreibung an den flämischen Maler Jacob (Jacques) de Backer (um 1540/45-vor 1600).

Das Gemälde „Bittgang der Römerinnen zu Coriolan“ von Ciro Ferri wurde von Friedrich dem Großen zusammen mit der "Auffindung von Romulus und Remus durch den Hirten Faustulus" von Carlo Maratta (SPSG, GK I 5282) im Jahr 1760 bei dem Berliner Unternehmer und Kunsthändler Johann Ernst Gotzkowsky erworben. Beide Werke waren um 1680 von Niccolò Maria Pallavicini als Pendants für den Palazzo Pallavicini all’Orso in Rom in Auftrag gegeben worden, fielen nach Pallavicinis Tod an seinen Erben Giovan Domenico Arnaldi und gelangten mit dessen Sammlung nach Florenz. Arnaldis Sohn Tommaso Niccolò Maria entschloss sich aufgrund Geldmangels, beide Gemälde zu veräußern. In der Bildergalerie von Sanssouci wurden die beiden großformatigen Werke 1763 als Pendants in den Ostflügel mit italienischer Malerei gehängt.

Das Gemälde der "Maria Immaculata" stammt aus dem Besitz des römischen Kardinals Alderano Cybo, der sich intensiv um eine Etablierung des Marienkults bemühte. Nach dem Tod Cybos erwarb Kardinal Silvio Valenti Gonzaga 1749 das Marienbild. Aus dessen umfangreicher Sammlung wiederum kaufte es Friedrich im Jahr 1763.

Die "Maria Immaculata" ist seit 1766 in der Bildergalerie nachweisbar. Hier hing sie zunächst neben einer historisch-mythologischen Darstellung von Maratta, der "Auffindung des Romulus und Remus" (SPSG, GK I 5282). Diese Erwerbungen zeigen, wie hoch der römische Künstler, den man als Nachfolger Raffaels ansah, geschätzt wurde. Seine Kompositionen, seine Zeichnung, die Farbgebung sowie die "klassische" Figurenauffassung wurden von Kritikern der Zeit außerordentlich gelobt.

Bei dem Gemälde „Raub der Europa“ handelt es sich um eine Kopie nach einer verlorenen Komposition des sehr erfolgreichen Bologneser Malers Guido Reni (1575-1642). Sie könnte von Renis Schüler Ercole de Maria stammen. Das Gemälde hängt schon seit der Einrichtung der Galerie 1764 hier.

Friedrich dem Großen gefiel sicherlich die heitere und entspannte Atmosphäre der Schilderung, die den Moment zeigt, in dem Europa und ihre Freundinnen noch nichts davon ahnen, dass sich hinter der Gestalt des scheinbar zahmen Stiers der verliebte Gott Zeus verbirgt, der Europa im nächsten Augenblick entführen wird.

Da sich eine entsprechende Inschrift auf dem Gemälde befindet, wurde es 18. Jahrhundert zunächst für ein Werk Raffaels gehalten. Der Gemäldeinspektor König Friedrichs II., Matthias Oesterreich, vermerkte aber 1764 in seinem Galerieführer, dass es aus der Schule von Fontainebleau hervorgegangen sein müsse. Er schrieb es dem italienischen Maler Rosso Fiorentino zu, einem Mitbegründer der Ersten Schule von Fontainebleau. Die stilistischen Merkmale des Gemäldes weisen jedoch eher in Richtung von François Clouet.

Friedrich kaufte das Gemälde 1755 in Paris aus der Sammlung des Händlers Louis Pasquier und ließ es in das Kabinett seiner 1764 eingerichteten Bildergalerie hängen.

Seit 1755 bemühte sich Friedrich II. um Statuen eines Apollon und einer Diana für seine Bildergalerie. Durch den Tod der zunächst beauftragten Künstler kam der Auftrag nur schleppend voran. Schließlich wurde der Bildhauer Jean-Baptiste Lemoyne (1704-1778) mit der Ausführung der Statue des Apollon beauftragt.

Die Statue der Diana wurde von Louis-Claude Vassé (1717-1772) gefertigt. Gemeinsam mit ihrem Pendant, der Statue des Apollo, wurde sie an der Westwand der Bildergalerie aufgestellt. Hier wurde sie 1773 vom damaligen Galeriedirektor Matthias Oesterreich (1716-1778) erstmals beschrieben.

1755 erteilte Friedrich der Große den Auftrag für die Statue des Mars zunächst an Lambert Sigisbert Adam (1700-1761). Die Skulptur blieb jedoch durch dessen Tod am 13. Mai 1759 unvollendet. Den Auftrag erhielt nun Guillaume Coustou d. J. (1716-1777), der für die angefangene Arbeit 1200 Francs an die Erben von Adam zu zahlen hatte.

Die Statue der Venus wurde ebenfalls von Guillaume Coustou d. J. (1716-1777) angefertigt. Von den vier Statuen, die Friedrich II. für die Bildergalerie in Auftrag gab, wurde sie direkt fertiggestellt. Sie kam allerdings erst 1771 gemeinsam mit den drei anderen Statuen – Apollo, Diana und Mars – nach Potsdam.

An den Fensterpfeilern der Bildergalerie wurden vier Wandtische symmetrisch aufgestellt. Es dürften jene sein, für die Johann Melchior Kambly (1718-1782) im März und April 1766 mit 1000 Talern aus der Privatschatulle Friedrichs des Großen entlohnt wurde. Der Galeriedirektor Matthias Oesterreich erwähnt die Tische erstmals in seiner Beschreibung von 1773 samt den darauf sich befindenden Marmorfiguren: eine liegende „Mänade“ (Berlin, SMB PK, Antikensammlung, Sk 209), ein „Mädchen mit Knöchelchen spielend“ (Berlin, SMB PK, Antikensammlung, Sk 494), eine „Fortuna“ und ein kleiner „Bacchus mit Satyr“.

SPSG
Credits: Story

Impressum

Kuratorin:
Dr. Alexandra Nina Bauer, SPSG (unter Verwendung von Texten von Dr. Franziska Windt, Saskia Hüneke, Dr. Henriette Graf und Jana Glorius)

Bildnachweis:
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