1946 - 1992

Die DEFA - Eine Babelsberger Geschichte

DEFA-Foundation

Was war die DEFA?

DEFA ist eine Abkürzung und bedeutet „Deutsche Film Aktiengesellschaft“. Sie wurde am 17. Mai 1946 in Berlin unter Lizenz der sowjetischen Besatzungsmacht gegründet. Ihre Aufgabe bestand am Anfang darin, beim Aufbau einer neuen antifaschistisch-demokratischen Ordnung und zur Überwindung des Hitlerfaschismus in Deutschland mit Filmbeiträgen unterstützend einzugreifen.

Das Motto der DEFA-Wochenschau „Der Augenzeuge“ – „Sie sehen selbst, Sie hören selbst, urteilen Sie selbst.“ – galt als Leitlinie für die Schaffung eines neuen deutschen Films.

Ursprünglich als Filmgesellschaft für ganz Deutschland konzipiert, änderten sich ihre wirtschaftliche Stellung und ihre politische Ausrichtung im Zuge des Kalten Krieges. Die DEFA wurde schrittweise verstaatlicht und avancierte nach der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 zur einzigen ostdeutschen Filmfirma.

17. Mai 1946: Gründung der „Deutschen Film Aktiengesellschaft“ (DEFA) in Berlin
DEFA-Export: ein Traum von der Weltfirma
Blick in die Kopierwerkstatt: Filmprüfung per Hand
Die DEFA-Wochenschau „Der Augenzeuge“. Motto: „Sie sehen selbst, Sie hören selbst, urteilen Sie selbst.“

Die Studios der DEFA

Anfang der 1950er Jahre war der Verstaatlichungsprozess der DEFA abgeschlossen. Ihre Aufgabenstellung änderte sich dahingehend, dass sie nunmehr mit vollem politischen und ästhetischen Einsatz für den Aufbau der Grundlagen des Sozialismus zu wirken hatte. In dieser Zeit sollten auf Beschluss der SED fünf Studios der DEFA gegründet werden – eines für Spielfilme, eines für Kinderfilme und eines für populärwissenschaftliche Filme, jeweils mit Sitz in Potsdam-Babelsberg sowie eines für Wochenschau und Dokumentarfilme und ein weiteres für Synchronisation, beide mit Sitz in Berlin. Das geplante Kinderfilmstudio wurde schließlich nicht eingerichtet und stattdessen als Produktionsgruppe im Spielfilmstudio geführt. Später kam noch das Studio für Trickfilme in Dresden hinzu.

Durch die staatliche Subventionierung über jährliche Garantiesummen konnten alle Studios kontinuierlich arbeiten, wenn auch die Anzahl der Filme oder die finanziellen Ausstattungen mit kapitalistischen Produktionsformen nicht vergleichbar waren. Trotz einzelner Umstrukturierungen in den folgenden Jahrzehnten blieb die entsprechende grundsätzliche Unterteilung in Spiel-, Dokumentar- und Trickfilm unter dem Dach der DEFA bis zum Ende der DDR erhalten.

Eingangsbereich DEFA-Spielfilmstudio
Das DEFA-Dokumentarfilmstudio in der Wende als GmbH
Das Gebäude des DEFA-Trickfilmstudios in Dresden zu DDR-Zeiten
Arbeit an einem Silhouettenfilm
Arbeit im Trickfilmstudio Dresden

Trümmerfilme

Die Bezeichnung „Trümmerfilme“ beschreibt Filme, die zwischen 1945 und 1949 in Deutschland hergestellt und die in ihren zentralen Handlungen und Figurenkonstellationen die zerstörte Außenwelt nach dem Krieg in den Mittelpunkt rückten. Immerhin waren in der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht nur die Häuser kaputt, sondern auch die Körper und Seelen vieler Menschen lagen buchstäblich „in Trümmern“. „Trümmerfilme“ waren daher durchaus authentischer Ausdruck des damaligen Lebensgefühls zwischen Verzweiflung und neuer Hoffnung. 

Schon der erste DEFA-Spielfilm „Die Mörder sind unter uns“ war hier richtungsweisend. Aber auch Versorgungsprobleme, der Schwarzmarkt, Kinderverwahrlosung und emotionale Verwirrung spielten in den meisten Filmen der Zeit eine wesentliche Rolle. Die Aufarbeitung der Nazizeit hatte natürlich hohe Priorität. Je stärker sich jedoch die Konfrontation zwischen Ost und West im beginnenden Kalten Krieg bemerkbar machte, umso schwieriger wurde die unbefangene Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart im Film.

Plakat des ersten DEFA-Spielfilms „Die Mörder sind unter uns“ 1946 (Regie: Wolfgang Staudte)
Hildegard Knef und Ernst Wilhelm Borchert in „Die Mörder sind unter uns“
Kaputte Fenster – kaputte Seelen: die Erblast des Zweiten Weltkrieges
Trümmer, wohin man blickt – „Die Mörder sind unter uns“
Außenszene vom zerstörten Berlin
Beispiel für Einsatzhinweise nach der Zulassungsverlängerung – „Die Mörder sind unter uns“
„Berlin im Aufbau“ 1946 von Regisseur Kurt Maetzig
Die berühmten Trümmerfrauen bei schwerer Männerarbeit
Der Gendarmenmarkt mit dem Schauspielhaus in Berlin
Harry Hindemith in „Irgendwo in Berlin“ 1946 von Gerhard Lamprecht
Gefährliche Mutprobe – Szene aus „Irgendwo in Berlin“
Kinder auf der Suche nach Halt – „Irgendwo in Berlin“
Der Schwarzmarkt: ein typisches Bild der Nachkriegsnot – „Razzia“ 1947 von Werner Klingler (im Hintergrund die Ruine des Reichstages)
Wird es bald wieder Musik geben? – Szene aus „Razzia“ vor dem Brandenburger Tor
 Die Panzer haben ausgedient – Szene aus „Razzia“
Arbeitsaufnahme des Jugenddramas „Die Kuckucks“ 1949 von Hans Deppe
Kinder suchen ein Zuhause – Szene aus „Die Kuckucks“

Antifaschismus

Nicht nur im Selbstverständnis, sondern auch aus sachlichen Gründen wurde für die DEFA der Antifaschismus zu einem zentralen Thema. Über die gesamte Zeit ihrer Existenz produzierte die DEFA Stoffe zur Geschichte der NS-Zeit, um über Ursachen und Verlauf dieses historischen Abschnitts aufzuklären und vor Tendenzen einer möglichen Wiederkehr zu warnen. 

Das antifaschistische Bild im DEFA-Film war nicht monolithisch, sondern widersprüchlich und im Verlauf der Geschichte der DDR immer wieder politisch und kulturell motivierten Veränderungen unterworfen. 

Die internationale Anerkennung deutscher Filmkunst wurde maßgeblich durch die Ernsthaftigkeit erreicht, mit der die DEFA in ihren antifaschistischen Filmen Lehren aus der deutschen Geschichte ziehen sollte. Die Erkenntnis, dass der deutsche Faschismus nicht vom Himmel gefallen war, sondern seinen Ursprung in den reaktionären Tendenzen der deutschen Gesellschaftsentwicklung hatte, war Gegenstand eines Läuterungsprozesses, der auch auf die Bundesrepublik Einfluss ausübte. Letztlich bezeugte der Antifaschismus im DEFA-Schaffen die Rückkehr der deutschen Kultur in den Kreis der zivilisierten Welt.

„Nackt unter Wölfen“ Der Romanautor Bruno Apitz erläutert die Motive des Films. „Versäumen Sie nicht, diesen Film zu sehen.“ – „Nackt unter Wölfen“ von 1963, Regie: Frank Beyer.
Porträtfoto von Ilse Steppat zu „Ehe im Schatten“
Setaufnahme „Ehe im Schatten“ 1947 mit Regisseur Kurt Maetzig, Kameramann Friedl Behn-Grund und Hauptdarstellerin Ilse Steppat (von links nach rechts)
Fliegeralarm in Berlin – Ilse Steppat (Mitte) in „Ehe im Schatten“
Szenenfoto aus „Jakob der Lügner“ 1974 nach dem Roman von Jurek Becker in der Regie von Frank Beyer
Szene mit Armin Mueller-Stahl (rechts)
Erwin Geschonneck in „Jakob der Lügner“
Henry Hübchen und Blanche Kommerell in „Jakob der Lügner“
Der Verräter aus den eigenen Reihen: Michael Gwisdek in „Dein unbekannter Bruder“ 1981 nach dem Roman von Willi Bredel in der Regie von Ulrich Weiß
Uwe Kockisch und Karin Gregorek
Uwe Kockisch und Jenny Gröllmann in "Dein unbekannter Bruder“
Ursula Burg (rechts) in „Professor Mamlock“
Wolfgang Heinz und Hilmar Thate als Vater und Sohn in „Professor Mamlock“
Werkaufnahme des Films „Professor Mamlock“ 1961 von Konrad Wolf nach dem Drama seines Vaters Friedrich Wolf
Corinna Harfouch in „Die Schauspielerin“ 1988 von Siegfried Kühn
Der DEFA-Außenhandel befürwortet den Einsatz des Films „Die Schauspielerin“
Corinna Harfouch und Michael Gwisdek in „Die Schauspielerin“
„Die Verlobte“ eine Literaturverfilmung von 1980, Regie: Günther Rücker und Günter Reisch
Kameramann Jürgen Brauer, Schauspielerin Jutta Wachowiak und die Regisseure Günther Rücker und Günter Reisch (von links nach rechts)
Jutta Wachowiak in „Die Verlobte“
Erwin Geschonneck als Aushilfshenker in „Das Beil von Wandsbek“ 1951 nach dem Roman von Arnold Zweig in der Regie von Falk Harnack
Sascha Kruscharska und Jürgen Frohriep in „Sterne“ 
Das Durchgangslager griechischer Juden in Bulgarien in "Sterne"
„Sterne“ thematisierte die Verantwortlichkeit der Deutschen im Holocaust  - 1959 von Konrad Wolf

Gegenwartsfilme I: Spielfilm

Gegenwartsthemen sind in jedem Land und zu jeder Zeit das Hauptgeschäft der Filmkunst. Die DDR machte da keine Ausnahme. Eine spezifische Besonderheit in der DDR war die sozialistische Zielrichtung ihrer Filmproduktion. Daraus ergab sich ein grundlegender Widerspruch, der in den gesamten 40 Jahren der Existenz der DDR nicht gelöst wurde: der zwischen Wunschbild und Realität. Auf der einen Seite bedurfte der Aufbau des Sozialismus einer Zukunftsperspektive, der die Darstellung einer im positiven Werden befindlichen besseren Gesellschaft beinhaltete. Auf der anderen Seite musste der Film als abbildende Kunst aber auch der Wirklichkeit des sozialen Lebens Rechnung tragen, wenn sich das Publikum in den Filmen wiedererkennen sollte. 

Diese Gratwanderung bestimmte das Gegenwartsschaffen des DEFA-Spielfilms in hohem Maße. Den Forderungen der Staatspartei SED folgend wurden einerseits Wunschbilder projiziert, die ganz im Zeichen des sozialistischen Realismus standen. Andererseits bemühten sich viele Regisseure um realistischere Bilder vom Leben in der DDR, so z.B. Konrad Wolf, Egon Günther, Heiner Carow, Frank Beyer, Roland Gräf u.a. 

Unabhängig von ihrer politischen oder ästhetischen Bewertung sind alle Gegenwartsspielfilme der DEFA Quellen und Dokumente, die Aufschlüsse über Mentalitäten und Werteinstellungen des Lebens in der DDR zu einem bestimmten Zeitpunkt geben. Das gilt auch angesichts der Tatsache, dass Spielfilme künstlerische Verdichtungen und daher Konstruktionen der Realität sind. Neben der künstlerischen Motivation für die Filmstoffe und der Meisterung ihrer Umsetzung gibt es immer einen realitätsbezogenen Mehrwert, der Gegenwartsfilme über die Jahre zu Zeitdokumenten werden lässt.

"Die Legende von Paul und Paula" ist einer der erfolgreichsten DEFA-Filme - 1973 Regie: Heiner Carow
Fred Delmare, Winfried Glatzeder und Angelica Domröse in „Die Legende von Paul und Paula"
Die Hauptdarsteller: Winfried Glatzeder und Angelica Domröse
Winfried Glatzeder als Paul in „Die Legende von Paul und Paula“
Susanne Düllmann in „Frauenschicksale“ 1952 von Slatan Dudow
Anneliese Book (links) und Lotte Loebinger (Mitte) in „Frauenschicksale“
Renate Krößner als Sunny in „Solo Sunny“ von 1980 (Regie: Konrad Wolf)
Renate Krößner in „Solo Sunny“
Konrad Wolf und Renate Krößner
 Vertrag über die Auswertung des Films „Solo Sunny“ durch den VEB Progress Film-Verleih
Hans Hardt-Hardtloff und Renate Blume in „Der geteilte Himmel“ 1964 nach dem Roman von Christa Wolf in der Regie von Konrad Wolf
Renate Blume und Eberhard Esche in „Der geteilte Himmel"
Agnes Kraus, Hans Hardt-Hardtloff und Renate Blume (von links nach rechts)
„Der schweigende Stern“ der erste Science-Fiction-Film der DEFA 1960 von Kurt Maetzig
Landung auf der Venus – „Der schweigende Stern“ von Kurt Maetzig
Gojko Mitic in „Die Söhne der großen Bärin“
„Die Söhne der großen Bärin“ der erste DEFA-Indianerfilm 1966 von Josef Mach
Gojko Mitic (rechts) 
Set: „Die Söhne der großen Bärin"
Tokei-ihto (Gojko Mitic), Häuptling der "Söhne der großen Bärin" vom Stamme der Dakota
Regisseurin Evelyn Schmidt bei der Arbeit an ihrem Film „Das Fahrrad“ 1982
Heidemarie Schneider (rechts) in „Das Fahrrad“
Der Sommer war heiß und die Mädels wollten „was erleben!“ - „Heißer Sommer“ 1968, Regie: Joachim Hasler
Set-Fotografie des Ostsee-Musicals „Heißer Sommer“
Sängerin und Schauspielerin Chris Doerk (Mitte)
Filmmusik-Vertrag für den Komponisten von „Heißer Sommer“
Hermann Beyer und Kurt Böwe in „Märkische Forschungen“
Barbara Dittus, Kurt Böwe und Hermann Beyer in „Märkische Forschungen“
Regisseur Roland Gräf und Hermann Beyer bei der Arbeit an „Märkische Forschungen“ 1982 nach dem Roman von Günter de Bruyn
Hermann Beyer und Jutta Wachowiak in „Märkische Forschungen“
Gesellschaftskritik in historischem Gewand – „Hälfte des Lebens“ von 1985 Regie: Hermann Zschoche
Jenny Gröllmann in „Hälfte des Lebens“ von 1985
Michael Gwisdek und Jenny Gröllmann
Ulrich Mühe als Dichter Hölderlin
Der Regisseur Hermann Zschoche bei der Arbeit am Film „Hälfte des Lebens“
Christel Bodenstein und Manfred Krug in „Beschreibung eines Sommers“ 1963 von Ralf Kirsten

Gegenwartsfilme II: Dokumentarfilm

Die Tradition des DEFA-Dokumentarfilms ist facettenreich und vielschichtig. Vielen Filmen belehrenden Charakters oder mit einer Aufklärungsabsicht zu historischen Fragen stehen Filme gegenüber, die ohne vorgefertigte Schablonen die Arbeits-, Alltags- und Freizeitwelt der DDR beobachtet haben. Das Vertrauen des Publikums auf größere Authentizität des Dokumentarfilms bei gleichzeitigem Misstrauen gegen einen Verlautbarungsjournalismus in den Tagesmedien ließ viele dieser beobachtenden Filme zu Diskussionsereignissen in Filmgesprächen, Clubabenden und Betriebsversammlungen werden. 

Nachdem die ältere Generation der DEFA-Dokumentarfilmer in den 1950er Jahren noch häufig aus ihren Erfahrungen heraus mit agitatorischen Mitteln gearbeitet hatte, entwickelte sich ab Mitte der 1960er Jahre im Dokumentarfilm ein realistischer Stil, der in seinen besten Momenten aktuelle Zeitbilder von den ganz konkreten Wünschen und Sorgen einfacher Leute einfing. Beispielgebend waren hierfür Arbeiten von Jürgen Böttcher, Winfried Junge, Karl Gass und später auch Volker Koepp und Helke Misselwitz. 

Interessante, außergewöhnliche oder selbst banale Dinge, die durch ihre Darstellung im Dokumentarfilm eine andere Bedeutung erlangten, wurden aufgegriffen und als Stellungnahme zu gesellschaftlich relevanten Problemen verstanden. Auch wenn der Herstellungsprozess und die Zielsetzung von Dokumentarfilm und Spielfilm unterschiedlich sind, so ist doch das retrospektive Wahrnehmungsprinzip das Gleiche: es sind Quellen und Dokumente über das Leben in der DDR, das anderweitig nicht so realitätsnah nachvollzogen werden kann.

„Feierabend“ 1964 von Regisseur Karl Gass – eine Dokumentation der Freizeitgestaltung von Arbeitern
Tanzveranstaltung in „Feierabend“
Einblicke in die Realität
„Lied der Ströme“ 1954 von Joris Ivens – ein Plädoyer für die Befreiung der Welt
Demonstration in Berlin (Ost) gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik
Kameramann Hans-Eberhard Leupold (links) und Regisseur Winfried Junge (rechts) bei den Dreharbeiten zu „Lebensläufe – Die Kinder von Golzow“
Die längste Filmdoku der Welt 
Winfried Junge bei der Arbeit an seinem ersten Golzow-Film 
„Rangierer“ 1984 – Alltag schwerer körperlicher Arbeit in einem Dokumentarfilm von Jürgen Böttcher
Junge Textilarbeiterin in „Leben in Wittstock“ 1984 von Volker Koepp
Kollektiv von Arbeiterinnen in „Leben in Wittstock“
Szenen aus Berlin in „Einmal in der Woche schrein“ 1982 von Günter Jordan
Jugendliche in Berlin, Prenzlauer Berg in „Einmal in der Woche schrein“
Arbeitsaufnahme mit Regisseurin Helke Misselwitz (zweite von links) zu ihrem Film „Winter adé“ 1988

Trickfilme

Der Trickfilm, heute eher als Animationsfilm bekannt, hatte bei der DEFA durch die Eigenständigkeit des Studios in Dresden eine solide Produktionsgrundlage. Die Bandbreite der Filme umfasste alle Genres und Typen der tricktechnischen Möglichkeiten: Flachfiguren, Zeichnungen, Puppenspiel, Silhouetten, Collagen und Fotomontagen. 

Das Trickfilmstudio nahm die Tradition des Trickfilms aus der Weimarer Republik auf, aus der die avantgardistischen und experimentellen Methoden künstlerischer Figuren- und Raumanordnungen für die Zielsetzung unterhaltender, kleiner agitatorischer und satirischer Stücke verwendet wurden. Auch anhand der DEFA-Trickfilme waren die Wandlungen des Gesellschaftsbildes der DDR gut zu erkennen. Einen Großteil der Produktion nahmen Filme für Kinder und Jugendliche ein. Viele Erwachsenenfilme spießten in humoristischer Form Zeitprobleme auf, oder sie entwickelten Tendenzen eines kritischen subjektiven Parallelbildes zur offiziellen Sichtweise. Die ästhetische Nähe des Trickfilms zu eher individuellen künstlerischen Tätigkeiten wie Malerei und Fotokunst verschaffte einzelnen Trickfilmern größere Spielräume, was sich vor allem gegen Ende der DDR in Werken mit deutlicher pessimistischen Untertönen niederschlug.

Porträtszene aus „Anton der Musikant“ 1966 von Günter Rätz
Die Hauptdarsteller aus „Alarm im Kasperletheater“
Das Teufelchen hat die Pfannkuchen geklaut! 
Szenarium-Vertrag über die literarische Vorlage zum Film „Alarm im Kasperletheater“ 1960 (R:Lothar Barke)
Das Denkmal als Fetisch – „Das Monument“ 1989 von Klaus Georgi und Lutz Stützner
Startvorbereitung für die Reise zum Mond – Szene aus „Sensation des Jahrhunderts“ 1960 von Otto Sacher
Harte Landung auf dem Mond
Die Sowjets sind schon da! „Sensation des Jahrhunderts"
Produktionsprobleme = Umweltprobleme – Szene aus „Der Kreis“ 1989
Alltag als Horrorszenario – Szene aus „Der Kreis" von Klaus Georgi
Die Feuerwehr im Dienst
Endlich Pause!
„Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ 1971 von Rudolf Schraps

Verbotsfilme

Vom 15.-18. Dezember 1965 fand in Berlin das 11. Plenum des ZK der SED statt, das später als sog. „Kahlschlag-Plenum“ in die Geschichte einging. Ursprünglich als Tagung zu Wirtschaftsfragen geplant, beschäftigte sich ein Tagesordnungspunkt in breiter Ausführlichkeit mit kulturellen und ideologischen Fragen. Der Bericht des Politbüros zu diesem Punkt, vorgetragen von Erich Honecker, verkündete ein aus Sicht der SED vernichtendes Urteil über einige Entwicklungen in Kunst und Kultur der DDR. „Unmoral“ und eine dem „Sozialismus fremde Lebensweise“ sollten vor allen Dingen in DEFA-Spielfilmen transportiert worden sein, wofür als Beispiele auf dem Plenum die Filme „Das Kaninchen bin ich“ und „Denk bloß nicht, ich heule“ angeführt wurden. Die Leitung der DEFA überprüfte daraufhin alle in Produktion befindlichen Gegenwartsfilme, und im Endeffekt wurden etwa zwei Drittel der Filme des Jahrgangs 1965/66 verboten. 

Diese Praxis der zensurmäßigen Einmischung in filmpolitischen Fragen führte auch später u.a. bei „Spur der Steine“ 1966 oder „Jadup und Boel“ 1980 zu Filmverboten. Dass überhaupt Verbote ausgesprochen wurden, verriet auf Seiten der SED wenig Souveränität gegenüber gesellschaftlichen Problemen und eine gehörige Portion Unsicherheit, zumal die jeweiligen Filme vorhandene Missstände von einem sozialistischen Standpunkt aus kritisierten. Darüber hinaus beschäftigten sich die Verbotsfilme durchweg mit Generationskonflikten, was für die weitere Entwicklung des Staates DDR eine Weichenstellung gegen das Vertrauen in die Jugend bedeutete. Auf Initiative des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR wurden die Verbotsfilme ab Mitte Oktober 1989 gesichtet und im Laufe der Jahre 1989 und 1990 dem Publikum erstmalig gezeigt. Diese Aufführungen erweckten zum damaligen Zeitpunkt den eigenartigen Eindruck, die letzten Filme der DDR für die DDR gewesen zu sein.

Angelika Waller in „Das Kaninchen bin ich“
Irma Münch und Angelika Waller (von links nach rechts) in „Das Kaninchen bin ich“ von Kurt Maetzig 1965
Angelika Waller und Alfred Müller
„Mit Ihnen würd’ ich mir sogar ‘nen DEFA-Film ansehen.” – „Spur der Steine“ Roman von Erik Neutsch
Die glorreichen Sieben auf einer DDR-Baustelle mit Manfred Krug (Mitte) 1966 von Frank Beyer
Die Brigade Balla
Baden im Dorfteich – Manfred Krug
Jürgen Hentsch und Jutta Hoffmann in „Karla“ 1966 von Hermann Zschoche
Gerry Wolff und Stephan Jahnke als Vater und Sohn in „Wenn du groß bist, lieber Adam“ 
Ein Märchen gegen die Heuchelei –                       „Wenn du groß bist, lieber Adam“ 1966 von Egon Günther
Zulassung des Films „Wenn du groß bist, lieber Adam“ im Januar 1990 durch das Ministerium für Kultur der DDR
Melania Jakubiskova als „Fräulein Schmetterling“ 1966 in dem gleichnamigen Film von Kurt Barthel
Melania Jakubiskova und Milan Sladek in „Fräulein Schmetterling“ 
Filmplakat zu „Jadup und Boel“ von Rainer Simon
Werkaufnahme der Szene Kaufhauseinweihung
Kurt Böwe als Jadup (dritter von rechts)
Regisseur Rainer Simon und Kameramann Roland Dressel (v.l.n.r.)

Kinderfilme

Ein großer Teil des Gesamtbudgets des DEFA Studios für Spielfilm war immer Kinderfilmen vorbehalten. Kontinuierlich wurden Stoffe mit Kinder- und Jugendthemen seit den 1950er Jahren entwickelt, setzten sich in den 1960er Jahren vor allem im Märchenfilm fort, um schließlich später die Alltagswelt von Kindern in der DDR zu reflektieren. Wichtig wurde dabei, dass die Kinderfilme nicht so taten, als seien sie vorgefertigte Überlegungen von Erwachsenen, wie diese sich die Kinderwelten vorstellten, sondern dass die Kinder selber durch die authentische Darstellung ihrer Sorgen, Freuden und Nöte zu Wort kamen. In der Umsetzung dieses Anliegens in Filmen von Heiner Carow, Rolf Losansky, Egon Schlegel oder auch Hermann Zschoche erreichte der DEFA-Kinderfilm in den 1980er Jahren ein internationales Renommee, das seitdem nicht wiederlangt worden ist. Man konnte den Stellenwert einer Gesellschaft durchaus daran ermessen, wie sie mit ihren Kindern umging. Insofern ist die Tradition des DEFA-Kinderfilms eine nachahmenswerte.

"Die Geschichte vom kleinen Muck“ 1953 von Wolfgang Staudte
"Die Geschichte vom kleinen Muck“ mit Thomas Schmidt (mitte) als Muck
Thomas Schmidt als kleiner Muck
Der Palast des Sultans im Rohbau
Filmset-Aufbau „Die Geschichte vom kleinen Muck“
Filmplakat zu „Die Geschichte vom kleinen Muck“
Karin Ugowski und Manfred Krug in „König Drosselbart“ 1965 von Walter Beck
Karin Ugowski, Martin Flörchinger und Evamaria Heyse (von links nach rechts)
Filmplakat zu „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ 1973 von Václav Vorliček
Helmut Rossmann als Alfons Zitterbacke im gleichnamigen Film 1966 von Konrad Petzold
Szene mit der Geisterbahn
Notiz über die Zulassung des Films „Alfons Zitterbacke“ 
Regisseur Heiner Carow dreht „Ikarus“
Peter Welz in „Ikarus“
Auf den Dächern Berlins in „Ikarus“ von Regisseur Heiner Carow 1975
Moritz gespielt von Dirk Müller (l.) am ersten Schultag - „Moritz in der Litfaßsäule“ von Rolf Losansky 1983
Rolf Ludwig (links) und Dirk Müller (rechts)
Außenaufnahme - 1983 
In der Litfaßsäule
Moritz vor der Litfaßsäule – Dirk Müller
Petra Lämmel als Sabine umringt von sowjetischen Soldaten - 1982
Regisseur Helmut Dziuba und Petra Lämmel am Set „Sabine Kleist, 7 Jahre“ 
Petra Lämmel in „Sabine Kleist, 7 Jahre“

Ende der DEFA

Die DEFA überlebte das Land, für das sie Filme herstellte, nicht länger als ein Jahr. Der radikale Privatisierungskurs, der nach der Wirtschafts- und Währungsunion mit der Bundesrepublik am 1. Juli 1990 einsetzte, stand Überlegungen entgegen, die DEFA-Betriebe als Zusammenschluss schrittweise an marktwirtschaftliche Bedingungen anzupassen. Die Produktion der Jahre 1989 – 1991 entsprach den veränderten politischen Konstellationen. Durch die lange Vorlaufzeit in der Herstellung kamen die meisten dieser Filme, wie z.B. „Die Architekten“ von Peter Kahane, aber zu spät in die Kinos, um noch in den Selbstklärungsprozess der DDR eingreifen zu können. 

Eine Reihe von Regisseuren wie Egon Günther, Heiner Carow oder Frank Beyer drehte jetzt „Abrechnungsfilme“ mit der DDR, in denen sie ihre eigenen Erfahrungen mit Repression und Bevormundung artikulierten. Neben den Enttäuschungen kamen aber auch nachdenkliche Töne und Hoffnungen auf einen Neuanfang zur Geltung, die spätestens mit dem Vollzug der deutschen Einheit im Oktober 1990 obsolet waren. Bis 1993 wurden noch letzte Filme zu Ende produziert, danach war endgültig Schluss mit der Produktionsmarke DEFA. 

Viele der freigesetzten DEFA-Mitarbeiter brachten ihre Berufserfahrungen in den Folgejahren beim Fernsehen, in Forschung und Lehre oder als Produktionsberater ein. Nur wenige konnten vereinzelt noch ein größeres Kinoprojekt realisieren.

Träume vom Bauen „Die Architekten“ 1990 von Peter Kahane
Kurt Naumann in „Die Architekten“
Kurt Naumann in „Die Architekten"
Habe Mut, Dich Deiner eigenen Gefühle zu vergewissern! – „Coming out“ von 1989, der erste Schwulenfilm der DDR, Regie: Heiner Carow
Matthias Freihof und Dirk Kummer in „Coming out“
Heiner Carow im Regiestuhl 
Heiner Carow (links) bei der Arbeit an seinem Film „Coming out“
Die sog. „Mauerspechte“ nach der Grenzöffnung –      „Die Mauer“ 1991 von Jürgen Böttcher
Demontierte Mauerteile in „Die Mauer“

DEFA-Stiftung

Die sich abzeichnende Abwicklung der DEFA-Studios im Verlauf der Jahre 1990/91 brachte schon früh die Idee der Gründung einer DEFA-Stiftung auf. Diese sollte insbesondere durch die Rechteverfügung an den Filmen den DEFA-Filmstock als Kulturgut zusammenhalten und für zukünftige Generationen zugänglich machen. Nach langen Verhandlungen wurde die DEFA-Stiftung im Dezember 1998 in Berlin gegründet. Sie ist seitdem zur Pflege und Erhaltung aller ihr übertragenen DEFA-Filme (Spiel-, Dokumentar- und Trickfilme sowie angrenzender Rechtebestände) verpflichtet. Darüber hinaus besteht eine wesentliche Aufgabe darin, Forschungen zur DEFA-Geschichte, Filmprojekte, Ausstellungen und andere Arbeiten zur deutschen und internationalen Filmgeschichte, soweit sie die DEFA und ihre Traditionslinien mit betreffen, zu fördern. Gleichzeitig werden von der Stiftung Rechte zur Wiederaufführung von DEFA-Filmen neu erworben und bislang nicht gezeigte Archivfilme der DEFA rekonstruiert und der Öffentlichkeit vorgestellt. 

Die gegenwärtige Hauptaufgabe der Stiftung ist die Digitalisierung und die Bearbeitung der Filme, um sie in der Zukunft abspielfähig zu halten. Dafür sind beträchtliche finanzielle Mittel aufzuwenden, die sowohl für die Bereitstellung des digitalen Materials als auch zur dauerhaften Sicherung der analogen Bestände eingesetzt werden müssen.

Farbige Heimat nach dem Krieg – „Das kalte Herz“ von 1950 nach dem Märchen von Wilhelm Hauff - Regie: Paul Verhoeven. - restauriert und digitalisert
Armin Mueller-Stahl und Jutta Hoffmann bei der DEFA-Preisverleihung 2005
Dankesrede von Armin Mueller-Stahl bei der DEFA-Preisverleihung 2005
Rede von Helmut Morsbach auf der Festveranstaltung 60 Jahre DEFA
Festveranstaltung 60 Jahre DEFA 2006
Das Babylon-Mitte in Berlin als Wiederaufführungskino für den Film „Die Frau und der Fremde“ 1984 von Rainer Simon im Jahre 2008
Rainer Simon (l.) und Haupt-darstellerin Kathrin Waligura (r.)
Rainer Simon und Kathrin Waligura vor der Wiederaufführung
"Die Frau und der Fremde" ein Liebes- und Kriegsdrama von Rainer Simon aus dem Jahr 1984
Herbert Köfer bei der Premiere von „Hände hoch oder ich schieße“
Kino International
Premiere des Verbotsfilms „Hände hoch oder ich schieße“ 1966 von Hans-Joachim Kasprzik 2009 in Berlin  - u.a. mit Evelyn Cron und Herbert Köfer (r.)
Ralf Schenk nach der Aufführung von „Hände hoch oder ich schieße“ im Gespräch mit den Mitwirkenden
Heidemarie Wenzel vor dem Filmplakat zu „Die Taube auf dem Dach“ bei der Premierenfeier des Verbotsfilms von 1973, im Jahre 2010
"Die Taube auf dem Dach" gedreht 1973 von Iris Gusner
Premierenfeier zu „Die Taube auf dem Dach“ im Berliner Kino Arsenal 2010
Heidemarie Wenzel, Roland Gräf und Regisseurin Iris Gusner (von ganz links) im Gespräch mit Ralf Schenk - Premiere 2010
„10 Jahre DEFA-Stiftung“ Kommen Sie mit auf die Reise durch ein halbes Jahrhundert im Film!
Credits: Story

Gestaltung — Merle Bargmann
Texte — Detlef Kannapin
Redaktion — Gudrun Scherp und Ralf Schenk
rechtliche Prüfung — Maren Liese
technische Unterstützung — Melanie Hauth
Filmvorauswahl — Juliane Haase

Credits: All media
The story featured may in some cases have been created by an independent third party and may not always represent the views of the institutions, listed below, who have supplied the content.
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