Feb 19, 2016

Bier. Braukunst und 500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot

Technoseum - State Museum of Technology and Work in Mannheim

19. Februar bis 24. Juli 2016 im TECHNOSEUM

Am 23. April ist der Tag des Deutschen Bieres, denn 1516 wurde an diesem Datum das Reinheitsgebot für Bier in Bayern erlassen. Später wurde es auf Deutschland ausgeweitet und ist heute das älteste noch gültige Lebensmittelgesetz. Zum 500-jährigen Jubiläum zeigt das TECHNOSEUM vom 20.2. bis zum 24.7. 2016 eine Sonderausstellung zum Thema „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“.

„Humulus lupulus“ ist eine dem Hanf verwandte Pflanze. Seit dem Anbau ab dem Mittelalter in Deutschland dient sie als Würze und macht durch Bitter- und Gerbstoffe das Bier haltbarer. Nur die Dolden der weiblichen Pflanze werden genutzt.
Im illustrierten Kräuterbuch sind die Pflanzen personifiziert dargestellt, die Hopfenpflanze ist durch zwei gemütliche Biertrinker vertreten.

Als der Gerstensaft noch als wichtiges Nahrungsmittel diente, wurde er viel in den Klöstern gebraut. Vor allem während der Fastenzeit, nach dem Motto „Flüssiges bricht das Fasten nicht“, konnten so die Mönche lebenswichtige Nährstoffe zu sich nehmen. Es wurde als nahrhaftes Getränk an Arme und Pilger ausgeteilt.

Zunächst hatte Bier den Vorteil, durch den entstandenen Zucker als „flüssiges Brot“ besonders nahrhaft zu sein. Durch das Kochen war das Getränk zudem keimfrei, was das Trinkwasser aus den Flüssen nicht war. Der Alkoholgehalt der frühen Biere war mit 0,7 bis 1,5 Prozent gering.

Das Blechschild wirbt für das Schwarzbier der Elsterthaler Brauerei mit dem Slogan „Ärztlich empfohlen!“ und der starken Germania-Figur.

Bier ist gut! Die Reproduktion eines historischen Schildes zeigt einen Arzt, der gegen Nervosität und Überarbeitung Bier zur Entspannung empfiehlt.

Die erschöpfte Arbeiterfamilie sitzt am Küchentisch zusammen, vor ihnen das nahrhafte Bier, das als alkoholarmes, hervorragendes Familiengetränk empfohlen wurde.

Im Verschneidbock werden die Biere aus den verschiedenen Kesseln gemischt, um einen gleichbleibenden Geschmack zu erhalten. Die Aufsätze aus Glas, „Laternen“ genannt, erlauben die Kontrolle. Mit den heutigen Rührkesseln (Whirlpools) ist eine anschließende Mischung nicht mehr notwendig.

Ein kleiner Schluck: Auf dem Rückweg mit dem Krug oder Siphon aus der Kneipe nach Hause wurde heimlich am Schaum genippt - heute wäre eine solche Werbung undenkbar.

Der Genuss verlagerte sich ins Wohnzimmer und die Frau ließ sich im Laden beraten, welches das richtige Getränk für ihren Mann sei.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Bier in Deutschland beinahe ausschließlich in Fässer abgefüllt. Sie bestanden aus Holz mit einer Pechauskleidung und mussten ständig erneuert werden. Mitte des letzten Jahrhunderts wurden die Holzfässer durch Fässer aus Aluminium-Legierungen oder Edelstahl abgelöst. Erst seit der Erfindung von zylindrischen Fässern, den englisch Keg genannten Behältern, bei denen die Zapfvorrichtung am Fass verbleibt, ist ein hohes Maß an Produktsicherheit gewährleistet. Für dieses System wurden automatische Reinigungs- und Abfüllanlagen entwickelt.

Diese Flaschen-Waschanlage wurde bis in die 1960er Jahre verwendet. Zunächst weichte man die Flaschen in hölzernen Trögen ein und bürstete sie von Hand aus. Ein Mitarbeiter spannte die Flasche auf die Bürsten, ein neben ihm stehender Kollege unterzog sie einer Sichtkontrolle und brachte sie dann zur Wasserspülung und anschließend auf das Band zur Befüllung. Die Mitarbeiter schafften so 500 Flaschen in der Stunde.
Hinten an der Maschine kann man an einer Schweißnaht erkennen, dass sie nach einem Bombenschaden repariert wurde.

Auch Dosensammler gibt es zahlreiche! Nicht zuletzt einen ehemaligen Museumsmitarbeiter, der gemeinsam mit seiner Frau viele Dosen für die Sammlung des TECHNOSEUM trank. Sie übernahm die Softdrinks, er das Bier. Manches lässt sich aus dem bedruckten Blech noch basteln. In afrikanischen Ländern wird Schmuck daraus gemacht, im amerikanischen Süden Häuser damit verkleidet.

Die mit rotem Stift aufgebrachte Aufschrift auf der Tür weist daraufhin, dass der Automat in einer Kantine aufgestellt war. Im Inneren befanden sich noch DM-Münzen.

Die Vorbildfunktion wird hier durch den Erwachsenen wahrgenommen, der schützend seine Hand über den Jungen hält.

Bis etwa in die 1910er Jahre, als Bier als alltägliches Getränk von allen, auch Kindern, getrunken wurde, war es am Arbeitsplatz lange Zeit noch nicht verboten. Seinen Höhepunkt erreichte der Konsum von Alkohol Anfang der 1870er Jahre in der Gründerzeit. Von den Unternehmern wurde der Konsum lange Zeit geduldet oder sogar gefördert.

Das Plakat macht deutlich, was die Folgen von Biergenuss auf dem Gerüst sein können.

Bekömmlich und besser für den Magen sollte das warme Bier sein, weshalb die Stammgäste mitunter einen Bierwärmer mit Elektroanschluss hinter dem Tresen hatten. Tatsächlich entfalten sich die Aromen des Bieres besser, wenn es warm ist. Die Sitte der Craft Beer Brauer, mit einem erhitzen Eisenstab ihr Bier „anzustacheln“ zeugt noch von der sonst ausgestorbenen Sitte, sein Bier warm zu trinken.

Volksfeste liegen im Trend. Das Besondere soll hervorgehoben, Rituale und Traditionen bewahrt werden. Tatsächlich sind einige der Feste in Deutschland tausend Jahre alt.
Unter dem Eindruck der Hungerjahre 1816/17, die durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora und die Verdunklung der Atmosphäre durch seine Asche hervorgerufen wurde, rief man in Württemberg Einrichtungen zur Förderung der lahmenden Landwirtschaft ins Leben. 1818 das Landwirtschaftliche Institut in Hohenheim und das Cannstatter Volksfest, eine Verbindung von Volksbelustigung und landwirtschaftlicher Ausstellung. Das Landwirtschaftliche Hauptfest findet alle vier Jahre statt. Dann präsentieren sich rund 600 Aussteller aus der Land- und Forstwirtschaft um die symbolische Fruchtsäule. Dieser Ursprung des Festes ist in den gut besuchten Bierzelten in den Hintergrund gerückt.

Eine Gruppe von Studierenden der TU Weihenstephan wollte etwas Neues auf den Biermarkt bringen und entwickelte ein türkisfarbenes Mischgetränk mit 40 Prozent Heidelbeerlimonade. Der Name „Babo Blue“ ist dem Jugendwort des Jahres 2013 entlehnt und bedeutet so viel wie „Boss“ oder „Anführer“ und kommt aus dem Türkischen, auch im Bosnischen nutzt man es für „Vater“. Gebraut auf der Anlage von 5_5_Zukunftsbier_2015D-0446 ist es nicht ganz nach der Braukunst von Vater und Onkel. In der DDR waren alle blauen Getränke untersagt, da man giftige Stoffe blau einfärbte.

Credits: Story

TECHNOSEUM Mannheim
Kuratorin der Ausstellung: Dr. Anne Mahn

Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog
"Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot" unter der ISBN
978-3-9808571-8-5

Credits: All media
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