Bilder von König Friedrich II. von Preußen im Wandel der Zeit

Von sich selbst mochte König Friedrich II. von Preußen in seiner Umgebung kein Bild sehen. Doch hatte er nichts dagegen, wenn sein Konterfei in der Welt verbreitet wurde. Das geschah in vielfacher Weise – schon in seiner Zeit und nicht weniger häufig bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Verbunden mit diesen Darstellungen waren immer Interpretationen und Vorstellungen des preußischen Monarchen, die sich die jeweilige Zeit von ihm machen sollte und machte. 

Wie Friedrich II. (Friedrich der Große, 1712-1786) nach seinen beiden ersten Kriegen, dem Ersten und Zweiten Schlesischen Krieg (1740-1742 und 1744-1745), gesehen werden wollte, offenbart Antoine Pesnes Gemälde von 1746. Als erfolgreicher junger Herrscher, Feldherr und Schlachtenlenker.

Der König verschenkte das Gemälde zum Jahrestag der siegreichen Schlacht bei Hohenfriedberg (4. Juni 1745) als Dank für seine Gastfreundschaft an den Grafen von Hochberg, denn damals hatte Friedrich der Große abends auf der Schlossbrücke von Rohnstock den Vorbeimarsch der eroberten sächsischen und österreichischen Fahnen abgenommen und bei dem Hausherrn gespeist.

Nach Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 beklagte sich Friedrich der Große in seinen Briefen, wie sehr er abgenommen hätte, wie mager, gebrechlich und grau er geworden sei. Die Porträtskizze aber, die Johann Georg Ziesenis in jenem Jahr nach dem Leben vom König anfertigte, bestätigt das nicht. Auch in dem aufgrund dieser Skizze entstandenen Kniestück ist ein gut genährter, kraftvoller König zu erkennen. Es widerspricht der von Friedrich gewünschten Sicht auf seine Person und erhält dadurch besondere Bedeutung.

Das Bild Anton Friedrich Königs gibt sehr gut wieder, wie Friedrich der Große zu Lebzeiten gesehen werden wollte, als Intellektueller, inmitten der Bücher seiner Bibliothek arbeitend, als Schriftsteller, Historiker, Philosoph. Seine öffentliche Selbstdarstellung hat Anton Friedrich König bildlich umgesetzt.

Daniel Chodowiecki schuf 1777, der Ansicht Johann Caspar Lavaters folgend, das prägende Bild des gealterten Königs, des „Alten Fritz“. Friedrich selbst gefiel Chodowieckis Miniatur nicht recht. Er hätte seine Meinung aber sicher geändert, wenn er gewusst hätte, wie einfach sich aus seiner der fast zweidimensional dargestellten Figur eine „Bildmarke“ hat machen lassen, wie sein Bild in der Zukunft auf solche Weise massenhaft Verbreitung finden würde.

Ob Anton Graffs Porträt Friedrich gefallen hat, ist nicht überliefert – doch ist es wahrscheinlich, das es so war. Denn es zeigt einen durchgeistigten, energischen und gleichzeitig gutmütigen Landesvater. Und es wurde in der Druckgraphik massenhaft vervielfältigt, Friedrich war so fast überall präsent, zu Jubiläen zuletzt auf Briefmarken. Bis heute bestimmt oftmals dieses Gemälde den ersten Eindruck des Betrachters vom König.

Die Selbstdarstellung Friedrichs des Großen als „roi philosophe“ förderte Johann Heinrich Christian Franke mit all seinen Porträts vom König. Er zeigt den Monarchen in diesem Vanitas-Gemälde am Ende seines Lebens ganz selbstverständlich am Schreibtisch sitzend. Das dicke Buch, das stellvertretend für des Königs Lebensleistung steht, ist zugeschlagen.

Dank seiner langen Regierungszeit (1740-1786) wurde Friedrich der Große zum Nestor der europäischen Monarchen. Bei ihm in Potsdam oder Berlin gewesen zu sein, war eine Auszeichnung. Edward Francis Cunningham sollte deshalb den Besuch des Herzogs von York bei dem König bildlich dokumentieren. Der Herzog bittet den König in diesem Gemälde, sich Karten anzusehen, die auf einem Stuhl liegen. Er möchte Friedrichs militärischen Rat einholen. Mit dieser Darstellung hätte der am 17. August 1786 verstorbene preußische König gut leben können.

Friedrich der Große behielt bis zuletzt alles in der Hand. Vor allem militärisch war er in Preußen das Maß aller Dinge. Seine Armee und Armeeführung war zum Vorbild Europas geworden. Edward Francis Cunningham transportiert dieses Bild in seinem Gemälde. Der König erteilt vor großem internationalem Publikum seine Befehle, anwesend sind etwa die erfahrenen Generäle Marquis de Lafayette und Lord Cornwallis.

Schon zu Lebzeiten Friedrichs des Großen wurden besondere Momente seines Lebens, so wie sie anekdotisch überliefert waren, in Graphiken und Gemälden festgehalten. Nach seinem Tod galt dies umso mehr. Bernhard Rode schuf zwischen 1786 und 1791 eine Reihe solch anekdotischer oder allegorischer Szenen vom König.

Hier aber gibt Rode weitgehend das wirkliche Geschehen wieder, setzt sich von den Anekdoten ab, die über Friedrichs Tod im Umlauf waren. Das verlieh dem Gemälde den Charakter der Wahrhaftigkeit – ein Umstand, der dann auch Rodes anderen Bildern und Friedrich Bild in der Nachwelt zugute kam.

Friedrich der Große als vorbildlichen Monarchen darzustellen, war ein vornehmliches Bildthema nach dem Tod des preußischen Königs 1786. Das Treffen zwischen dem preußischen König und dem habsburgischen Kaiser Joseph II. in Neiße am 25. August 1769 war dafür gut geeignet, denn der Kaiser bewunderte den König und orientierte sich an dessen „aufgeklärten“ Regierungsstil.

Diese Bewunderung wird in dem Friedrich Wilhelm Bock zugeschriebenen Bild an der eindringlichen Art deutlich, in der Joseph zu dem abgeklärt zuhörenden Friedrich spricht, sowie an der Kleidung der beiden. Gleich seinem Vorbild Friedrich trug auch Joseph in der Öffentlichkeit Uniform; das hatte es in Wien zuvor nicht gegeben.

Friedrich der Große hatte einzeln, für sich, nur zusammen mit seinen Hunden, nicht aber bei seinen Ahnen und keinesfalls bei seinem Vater beigesetzt werden wollen, denn er betrachtete sich als einzigartig, seiner Familie entwachsen. Deshalb ließ er früh, 1744, neben Schloss Sanssouci eine Gruft für seine sterblichen Überreste anlegen. Johann Christoph Frisch hat den Bau des von Friedrich gewünschten außergewöhnlichen Grabes, das ihm auch im Tod eine herausragende Position in der Geschichte seines Hauses verleihen sollte, im Bild frei festgehalten und durch das Gespräch des Königs mit dem Marquis d’Argens philosophisch überhöht.

Der ältere, sichere und weise König war ein Bildthema, das Johann Gottfried Schadow aus der Anekdotenliteratur aufgriff und dem er eine Form gab: Friedrich der Große mit seinen geliebten Windspielen Alkmene und Hasenfuß, mit denen er auf der Terrasse von Sanssouci nachdenklich sinnierend spazieren geht. Es wurde eine weitere Variante des in Sanssouci weise waltenden „Alten Fritz“.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Friedrich der Große – ganz in seinem Sinn – immer mehr zu einer zentralen Figur für den preußischen Staat, vorbildlich für Verhalten, Verwaltung und Militär. Was er gesagt oder getan hatte, war wohl gesagt und getan. Kritik am König war unerwünscht. Unschönes wurde überdeckt, so Friedrichs Differenzen mit dem General Kurt Christoph von Schwerin, die entstanden waren, nachdem der König 1740 das Schlachtfeld von Mollwitz verlassen und Schwerin dort gesiegt hatte. Friedrich trug dies Schwerin zeitlebens nach.

Das Gemälde von Wilhelm Camphausen, das den König ehrfurchtsvoll an der Leiche des Feldmarschalls zeigt, geht über diese Differenzen hinweg. Es zeigt einen trauernden, guten, verträglichen Monarchen.

Die Schlacht bei Leuthen am 5. Dezember 1757 ist die berühmteste, die Friedrich der Große im Siebenjährigen Krieg gewonnen hat.

Der preußische König führte eine zahlenmäßig unterlegene Armee zum Sieg. Laut einer Anekdote lagerten die 25.000 erschöpften preußischen Soldaten nach der Schlacht auf dem Feld der Ehre und sangen den Choral „Nun danket alle Gott“. Als „Dankchoral von Leuthen“ ging er in die preußische Geschichte ein und wurde erst in Preußen, dann im Deutschen Reich zu einer beliebten vaterländischen Hymne.

Wilhelm Camphausen hat über dieses hinaus für das preußische Militär aber auch in Erinnerung rufen und als Vorbild festhalten wollen, dass eine kleine Armee sich gegen eine große behaupten kann.

1870 hatten sich die Züge von Friedrichs Porträt verändert. Hatte Anton Graff in den 1780er Jahren noch einen durchgeistigten, energischen und gleichzeitig gutmütigen Landesvater vorgestellt, so malte knapp hundert Jahre später Wilhelm Camphausen unter dem Eindruck der politischen Verhältnisse – Preußens Siege über Dänemark, Österreich und Frankreich – einen energisch in die Zukunft blickenden König, mit weit aufgerissenen Augen, einen harten Mann, der keine Widerstände gelten lässt, der stur voranschreitet und wenig Güte ausstrahlt. Es ist gleichzeitig ein Porträt des preußischen Staates, der Härte sich und anderen gegenüber propagierte – und darüber zu oft die Milde vergaß.

SPSG
Credits: Story

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Kuratoren
Dr. Jürgen Luh, Dr. Irena Kozmanová und Truc Vu Minh, M.A. (SPSG, Research Center Sanssouci)

Bildnachweis
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