Auf der Museumsinsel Berlin ist seit Oktober 2017 eine außergewöhnliche Ausstellung zu sehen. Die Ausstellung "Unvergleichlich" zeigt herausragende Kunstwerke Afrikas aus dem Ethnologischen Museum in der einzigartigen europäischen Skulpturensammlung im Bode-Museum.
Die Gegenüberstellungen von Werken aus zwei Kontinenten ist ein Experiment, das mögliche Zusammenhänge und Unterschiede thematisiert.
"Unvergleichlich" Ausstellungsansicht (2017)Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die Ausstellung hinterfragt, welche Erkenntnisse aus der gemeinsamen Präsentationen von Kunstwerken mit unterschiedlicher Geschichte gewonnen werden können, überprüft tradierte Klassifizierungen von Objekten als "Kunst" oder "ethnografisch" und beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven die eigene Sammlungsgeschichte.
Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum | Bode-Museum | AusstellungstrailerBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die folgenden Gegenüberstellungen greifen ganz unterschiedliche Aspekte der Ausstellung im Bodemuseum auf und laden die Besucherinnen und Besucher ein, die Objekte nicht nur zu vergleichen und zu interpretieren, sondern auch die eigene Haltung des Vergleichens zu hinterfragen.
Wie wird Kunst zur Kunst?
Beide Figuren sind Meisterwerke der Metallgusstechnik. Doch drücken sie ihre Meisterschaft auf jeweils andere Weise aus. Raffiniert balanciert der geflügelte Putto auf einer Muschel. Er dreht sich um die eigene Achse und schlägt mit einem Tamburin den Rhythmus. Die Statuette aus Benin widmet sich weniger der Bewegung als dem Reichtum am Detail, Schmuck und kontratsreichen Oberflächen.
Statuette der Königin Irhevbu oder der Prinzessin Edeleyo (16./17. Jahrhundert) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Beide Plastiken waren zu ihrer Entstehungszeit keine unabhängigen Kunstwerke, sondern Teil größerer Kompositionen für religiöse oder rituelle Zwecke.
Die im Königreich Benin geschaffene Statuette war vermutlich Teil eines Erinnerungsaltars oder eines Schreins für den Bogenschützen Ake, der als Gott verehrt wurde. Sie stellt die Göttin Irhevbu oder die Prinzessin Edeleyo dar.
Die Benin-Skulptur befand sich wohl bis 1897 in ihrem ursprünglichen Kontext. In diesem Jahr marschierten britische Truppen in das Königreich Benin ein, plünderten den königlichen Palast und schickten den König ins Exil. Zahlreiche weitere wertvolle Objekte wurden als Raubgut nach Großbritannien gebracht und verkauft.
Putto mit Tamburin (1429) von DonatelloBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Der vom Renaissance-Bildhauer Donatello gefertigte Putto gehörte zu einer Gruppe von sechs Figuren, die das Taufbecken im Baptisterium des Doms von in Siena krönten. Vier der Figuren befinden sich heute noch vor Ort.
Beide Objekte wurden zu Beginn des 20.Jahrhunderts auf dem Londoner Kunstmarkt für die Berliner Museen erworben. Donatellos Putto ging durch mehrere Sammlerhände, bevor er 1902 an den Museumsdirektor Wilhelm Bode verkauft wurde.
Statuette der Königin Irhevbu oder der Prinzessin Edeleyo (16./17. Jahrhundert) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Warum hat die Göttin Nummern auf dem Rücken?
Die afrikanische Figur trägt zwei Codes auf dem Rücken: III C 10864 und 9794. Die erste Nummer ist die vom Museum vergebene Inventarnummer, die sie innerhalb der Sammlung eindeutig kennzeichnen soll. Die zweite ist vermutlich eine ältere, von einem Händler vergebene Identifizierungsnummer.
Der Putto trägt die Inventarnummer 2653. Man hat sie ihm aber nicht auf den Rücken geschrieben, sondern für den Betrachter unsichtbar auf die Unterseite der Muschel.
Vitrine (Anfang 20. Jahrhundert) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Donatellos Skulptur galt zum Zeitpunkt ihres Ankaufs als Meisterwerk der Renaissancekunst und wurde entsprechend behandelt. Die Figur aus Benin hingegen wurde vor allem als ethnologisches Exponat betrachtet. Man empfand die Beschriftung daher vermutlich nicht als störend.
Die Bitte um Schutz
Wenn wir Angst haben, suchen wir Schutz. Um vor Hunger, Krieg und Seuchen beschützt zu werden, beteten die Menschen im Europa des späten Mittelalters zu Schutzmantelmadonnen. In vielen Kirchen waren sie präsent und hochverehrt. Die Kraftfigur (mangaaka) aus der Kongo-Region diente ebenfalls dem Schutz einer Gemeinschaft. Mit nichtmenschlichen Kräften ausgestattet sollte sie Gefahren abwehren, Verbrechen strafen und Krankheiten heilen.
Mangaaka (Kraftfigur, nkisi n'kondi) (19. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die schützende Kraft des mangaaka beruhte auf Abschreckung – und auf wirkmächtigen Materialien.
Diese wurden ihm durch einen Ritualexperten in den Hohlraum am Nabel sowie am Kinn und am Kopf angebracht.
Bei Eidablegungen oder Friedensschlüssen kamen Nägel und andere Gegenstände aus Metall hinzu, die in die Figur getriebenen wurden. Wenn jemand sich nicht an eine so besiegelte Vereinbarung hielt, sollte der mangaaka seine Macht gegen diese Person richten.
Restaurierung des Mangaaka (2017)Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die Restauratorinnen Eva Ritz und Christina Siegert über die Materialien des mangaaka und seine 20 Jahre zurückliegende Restaurierung.
Mangaaka (Kraftfigur, nkisi n'kondi) (19. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die Entstehung dieser Kraftfiguren im 19. Jahrhundert wird als Reaktion auf die brutal durchgeführte Kolonialisierung durch europäische Großmächte im „Wettlauf um Afrika“ gedeutet. Sie sollten helfen, Gerechtigkeit und Ordnung aufrechtzuerhalten.
Maria mit dem Schutzmantel aus der Liebfrauenkirche in Ravensburg (um 1480) von Michel Erhart oder Friedrich SchrammBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die Schutzmantelmadonna war vermutlich Teil eines Altaraufsatzes, vor dem die Betenden niederknieten. Im Vergleich zu den Schutzsuchenden unter ihrem Mantel ist Maria übermenschlich groß. Dadurch werden ihre Bedeutung und die in sie gesetzte Hoffnung betont.
Maria tritt den Gläubigen als fürsorgliche Gottesmutter gegenüber. Mit liebevollem Gestus breitet sie den Mantel über ihren Schützlingen aus – wie eine Henne, die ihre Küken unter die Flügel nimmt.
Ordnung und Gerechtigkeit
Ordnung und Gerechtigkeit sind zentrale Themen jeder menschlichen Gemeinschaft. Der Gröninger Fries war Teil eines Jüngsten Gerichts, das nach christlicher Lehre eine endgültige Gerechtigkeit herbeiführen wird. Christus sitzt frontal dem Betrachter zugewandt und fixiert ihn. Auch bei der afrikanischen Maske wird die Blickzuwendung als mahnende und regulierende Kraft eingesetzt. Die Maske wurde in einem Ritual aktiviert, das vor Regelverstößen warnte oder sie bestrafte.
Ngil-Maske (19. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Westempore der Klosterkirche zu Gröningen (um 1150–60) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Seit dem frühen Mittelalter waren Darstellungen des Jüngsten Gerichts meist an Hauptportalen und Eingängen von Kirchen zu finden.
Jedes Mal, wenn die Gläubigen die Kirche betraten, wurden sie daran erinnert, dass sie eines Tages für ihre Taten Rechenschaft vor Christus dem Weltenrichter ablegen müssen. Auf die Seligen wartete das Paradies, auf die Verdammten die Hölle.
Ngil-Maske (19. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Bei den Fang in Kamerun und Gabun wurde die Identifizierung und Bestrafung von Übeltätern bis ins 20. Jahrhundert durch den Ngil-Bund vorgenommen. Mithilfe Furcht einflößender Masken führte der Bund in der Bevölkerung gerichtliche Untersuchungen durch.
Die bei Tänzen getragenen Masken warnten davor, gegen die Gesellschaftsordnung zu verstoßen. Gleichzeitig symbolisierten sie die Gerichtsbarkeit, die der Ngil-Bund innehatte. Die Ähnlichkeit der Masken mit einem Schädel verdeutlicht, dass bestimmte Vergehen mit dem Tod bestraft werden konnten.
Mutterschaft?
Heutzutage gilt in Europa die Darstellung einer Mutter mit Kind als Inbegriff inniger Bindung. Mutterschaftsdarstellungen können aber auch andere Bedeutungen haben. So spielten sogenannte „pfemba" eine wichtige Rolle bei Fruchtbarkeitsritualen nördlich des Flusses Kongo. Sie konnten Herrschaftsansprüche untermauern oder als Verbindung zur Welt der Ahnen dienen. Die Figurengruppe der Maria mit dem Kind erinnert an die Menschwerdung Gottes. Enthalten ist hier ebenso der Gedanke an die Passion, die dieses kleine Kind erleiden wird.
Mutter-Kind-Figur (pfemba) (19. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Sitzende Muttergottes (um 1480/85) von Michel ErhartBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die Marienstatue muss zu ihrer Entstehungszeit noch viel lebensnäher gewirkt haben.
Was heute als holzfarbige Einheit erscheint, war einst farbig gefasst. Im Kontrast zur Farbigkeit der Kleidung betonte der zarte Hautton von Gesichtern und Händen die enge Zusammengehörigkeit von Mutter und Kind.
Muttergottes von Michel Erhart (2017)Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die Restauratorin Marion Böhl über Michel Erharts Muttergottes.
Mutter-Kind-Figur (pfemba) (19. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Auch der „pfemba“ Figur dürfte die ursprüngliche Farbigkeit abhandengekommen sein. Im Zusammenhang mit ihrem rituellen Gebrauch wurden „mpemba“ (weiße Porzellanerde) und „tukula“ (rote Rotholzerde) gewöhnlich in Schichten auf solche Figuren aufgetragen.
Die weiße Farbe stand dabei für die Knochen und die rote für das Blut der Vorfahren. Indem europäische Sammler diese Figuren später polierten, nahmen sie ihnen eine bedeutsame Sinnschicht.
Mythische Helden
Beide „Helden“ dieser Gegenüberstellung sind zentrale Identifikationsfiguren: Chibinda Illunga für die Chokwe (Angola / Demokratische Republik Kongo), Christus für die Anhänger des Christentums. Die muskulöse Gestalt Christi verbildlicht die Fleischwerdung Gottes in Jesus. Dieser muss für die Erlösung der Menschheit leiden. Chibinda Ilunga war der Legende nach Gründer des Lunda-Königreichs und königlicher Vorfahr der Chokwe. Die Figur zeigt ihn als Urbild des starken Herrschers voller Kraft und Energie.
Christus im Elend (um 1525) von Hans LeinbergerBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
König und Kulturheros Chibinda Ilunga (19. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die afrikanische Skulptur vermittelt Kraft unmittelbar – über die strenge Komposition, die nach vorne gerichteten Arme und die übergroßen Hände...
...und Füße. Dem Mythos folgend ist Chibinda Ilunga mit Gewehr, Patronentasche und Messer als Jäger dargestellt. Schildkrötenpanzer, Stab und Antilopenhorn dienen dem Jagdglück.
Drei Schutzgeister auf seinem Kopf verleihen ihm übernatürliche Kräfte. Der lange Bart und der auffällige Kopfschmuck weisen ihn als König aus.
Christus im Elend (um 1525) von Hans LeinbergerBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Ganz anders vermittelt Hans Leinberger rund 450 Jahre vorher die Kraft des christlichen Erlösers. Allein an seiner Dornenkrone ist der erschöpfte Mann als Christus zu erkennen. Die „Krone“ setzten ihm römische Soldaten zum Hohn auf, während sie ihn misshandelten und verspotteten.
Umso überraschender ist an dieser Darstellung der muskulöse Körper, der an antike Figuren wie Herkules oder Atlas erinnert. Der Gottessohn ist bereit, das Leid der Welt auf sich zu nehmen. Genau darin liegt die Kraft des christlichen Erlösers.
Virtuosität und Authentizität
Die beiden Objekte dieser Gegenüberstellung versetzten Tiere und Menschen in Bewegung. Der Kopfaufsatz (schemenhaft li. im Bild), in dem Pferdeantilope, Erdferkel und Schuppentier vereint sind, entfaltete seine Wirkung bei bäuerlichen Ritualen zum Roden der Felder – im Tanz, begleitet von Musik und Zurufen. Die extravagante Silberarbeit der Diana auf dem Hirsch hingegen diente zur Unterhaltung bei höfischen Festen.
Tyi wara- oder sogoni kun-Kopfaufsatz (19. oder frühes 20. Jh.) von UnbekanntBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Im Schöpfungsmythos der in Mali lebenden Bamana lehrt das tiergestaltige Urwesen tyi wara der Menschheit den Ackerbau. Ihm zu Ehren wurden bei Ritualen zum Roden der Felder Kopfaufsätze in der Gestalt von Pferdeantilopen getragen.
Eine ty wara-Skulptur ist an eine geflochtene Kappe gebunden, die als Teil eines Kostüms vom Tänzer auf dem Kopf getragen wird. Bei der Berliner Skulptur handelt es sich vermutlich um einen Kopfaufsatz für ein verwandtes Ritual, sogoni kun.
Kunstvoll vereint es die Hörner der Antilope mit Merkmalen weiterer für die Bamana-Kultur wichtigen Tiere: Der untere Teil erinnert an ein Erdferkel, der mittlere Teil an ein Schuppentier.
Die Frauenfigur an der Vorderseite identifiziert die Maske als weiblich.
Ci wara Tanzzeremonie (2015)Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Eine Ci (Tyi) Wara Tanzzeremonie in einem Bamana-Dorf in der Saro-Region.
Diana auf dem Hirsch (um 1610) von Paulus ÄttingerBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Beim zweiten Objekt reitet die antike Jagdgöttin Diana auf einem springenden Hirsch. Als sogenanntes „Trinkspiel“ wurde es mit Wein gefüllt und musste zum Austrinken angehoben werden.
Ähnliche Tafelaufsätze mit Diana auf dem Hirschen waren mit einem Mechanismus zum Aufziehen versehen, wodurch sich die Gruppe auf dem Tisch bewegen konnte.
Diana und der Hirsch in Motion (2014)Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Ein Diana-Automat aus dem Museum of Fine Arts, Boston, wird nach 200 Jahren Stillstand wieder in Bewegung gesetzt.
Im Vergleich zu ihrer ursprünglichen Funktion kann die statische museale Präsentation dieser Objekte heute regelrecht befremdend wirken.
Gegensatz oder Ergänzung
Zwei Figuren stehen Rücken an Rücken. Das ungleiche Paar aus weiblicher Schönheit und zerfressenem Totengebein verkündet eine moralische Botschaft: Jugend vergeht, Schönheit verwelkt, im Tod sind alle gleich. Als „Memento mori“ (Gedenke, zu sterben) mahnt es seine Betrachter, ein tugendhaftes Leben zu führen. Die Luba-Figur aus dem Kongo dagegen zeigt eine Frau und einen Mann im Gleichgewicht, als zwei Bestandteile eines idealen und positiven Ganzen.
Zwei menschliche Figuren mit Schale (19. oder frühes 20. Jh.) von Warua-MeisterBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Gegensatz oder Ergänzung? | Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum (2017)Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Memento Mori Vorderseite (um 1520) von Chicart Bailly zugeschriebenBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Verführerisch lächelt die junge Frau der Elfenbeinschnitzerei uns an.
Mit der rechten Hand hebt sie einen kleinen Schleier und zeigt mit ihrem Finger direkt auf ihr Geschlechtsteil. Die Geste könnte kaum deutlicher sein. Sie ist der Inbegriff der sündhaften Unkeuschheit.
Aus Elfenbein gefertigt, handelt es sich hier um ein Luxusobjekt. Sein Erstbesitzer war vermutlich ein Adliger oder Mitglied einer Handelsfamilie. Ob es ihm wirklich um die moralische Botschaft des „Memento Mori“ ging oder nicht doch eher um ein wenig weibliche Nacktheit, bleibt offen.
Zwei menschliche Figuren mit Schale, Frau (19. oder frühes 20. Jh.) von Warua-MeisterBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Auch die weibliche Figur des afrikanischen Doppelbildnisses ist unbekleidet. Ihr Bauch ist gewölbt, so als trüge sie darin ein ungeborenes Kind. Den Kopf hält sie leicht geneigt. Nichts an ihr deutet auf Verführung hin. Die an die Brüste gelegten Hände sind vielmehr eine klassische Geste, die auf den Luba-Glauben hinweist, dass bestimmte Frauen die Geheimnisse des Königtums in ihrem Körper tragen.
Zwei menschliche Figuren mit Schale (19. oder frühes 20. Jh.) von Warua-MeisterBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die beiden Objekte in dieser Gegenüberstellung scheinen sich auf den ersten Blick besonders ähnlich zu sein. Sie bestehen jeweils aus zwei menschlichen Figuren, die Rücken an Rücken stehen. Das Verhältnis der beiden Figuren zueinander könnte jedoch kaum unterschiedlicher sein.
Das Luba-Objekt zeigt zwei Elemente, die sich harmonisch ergänzen. Das Weibliche und das Männliche sind als gleichwertige Bestandteile eines großen Ganzen dargestellt. Im Luba-Königtum galten Frauen als Botinnen und Beraterinnen von Königen, für männliche Herrscher waren sie göttliche Vermittlerinnen.
Memento Mori Seitenansicht (um 1520) von Chicart Bailly zugeschriebenBode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Die europäische Elfenbeinschnitzerei benutzt dagegen die Gegenüberstellung von zwei gegensätzlichen Begriffen als Mahnung an seinen Besitzer.
Sie kann als Ausdruck eines vom Christentum geprägtes westliches Denken gelesen werden, das eher von scharfen Gegensätzen als von wechselseitiger Ergänzung ausgeht.
"Unvergleichlich" Cover (2017)Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin
Bis zur Einrichtung des Humboldt-Forums bleiben diese Meisterwerke afrikanischer Kunst im Bode-Museum zugänglich. Insgesamt werden 22 Gegenüberstellungen und 6 Gruppen auf drei Etagen präsentiert.
In der begleitenden App "Unvergleichlich" werden zu jeder Gegenüberstellung und Gruppe spannende Hintergrundinformationen zu kunst- und kulturhistorischen sowie ethnologischen Fragestellungen angeboten.
Die Ausstellung "Unvergleichlich" wird großzügig gefördert durch das Kuratorium Preußischer Kulturbesitz.
Text: Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Konzept / Redaktion: Jutta Dette, Astrid Alexander
Auf der Grundlage von: Unvergleichlich. Kunst aus Afrika im Bodemuseum. Katalog zur Ausstellung im Bode-Museum, ab dem 27. Oktober 2017 bis auf Weiteres. Für die Staatlichen Museen herausgegeben von Julien Chapuis, Jonathan Fine, Paola Ivanov. Mit Beiträgen von Antje Akkermann, Andrew Sears, Christine Seidel. Edition Braus, Berlin 2017.
© Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
www.smb.museum
Bode-Museum
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