Berauschend

10.000 Jahre Bier und Wein

BierfestivalLandesmuseum Württemberg

Alkohol - eine lange Geschichte

Alkohol gehört zu unserer Lebenswelt, unabhängig davon, ob wir diesen selbst trinken oder nicht. Wer hat nicht schon eigene Erfahrungen damit gemacht? Wir alle kennen den Zustand des Berauschtseins, ob am eigenen Leib erlebt oder bei anderen beobachtet. Bereits seit rund 10.000 Jahren wird Alkohol konsumiert und ist zentraler Bestandteil vieler Anlässe. Und obwohl wir heute die Gefahren, die von ihm ausgehen, kennen, fehlt er auf kaum einer Hochzeit oder Party.

Ausstellungsfoto: Berauschend. 10.000 Jahre Bier und WeinLandesmuseum Württemberg

Alkohol - immer mit dabei

Die zentrale Rolle, die alkoholische Getränke bei gemeinschaftlichen Anlässen und sozialem Austausch einnahmen und -nehmen, führt zwangsläufig zu der Frage, ob Alkohol nicht der eigentliche „Kitt der Gesellschaft“ vergangener Kulturen war – und es heute noch ist? Von Anbeginn war Alkohol in Religion und Kult von Bedeutung, aber auch für die Repräsentation und vor allem im sozialen Miteinander für die eigene Identität und die Gruppenzugehörigkeit.

Tontafel mit einem Hymnus auf Ninkasi (ca. 2000 v. Chr.)Originalquelle: Staatliche Museen zu Berlin - Vorderasiatisches Museum

Eine Hymne auf die Biergöttin

Bier nahm bei den Sumerern vor ca. 5000 Jahren eine wichtige Rolle ein und war fester Bestandteil des religiösen Lebens. Dem Getränk wurde sogar eine Göttin zugeordnet: Ninkasi. Sie war unter anderem für die Zubereitung zuständig.
Die enge Beziehung zur Biergöttin wird in Hymnen und Trinkliedern deutlich, die sich auf Tontafeln wie dieser überliefert haben. Unter anderem heißt es dort: „Deine Maische, wurde im Gefäß Wasser dazugegeben, sind es Wellen, die sich heben, Wellen, die sich senken“

Kylix Kylix (um 480 v. Chr.) von DurisOriginalquelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Gemeinsam Trinken

Miteinander Wein zu trinken und eine im Laufe des Abends zunehmende feucht-fröhliche Ausgelassenheit waren wesentliche Aspekte des griechischen Symposions.

Man traf sich mit seinesgleichen, diskutierte das Leben oder bewegende Themen und ließ sich durch Musik und Lyrik unterhalten. 

Vielfach sind die Szenen des Symposions auf griechischen Keramikgefäßen dargestellt: Diese Schale zeigt auf der Außenseite Symposiasten beim Musizieren, Spielen und wie sie von einem Sklaven bedient werden.

Trinkhorn (ca. 530 v. Chr.)Landesmuseum Württemberg

Alkohol als Statussymbol

Bei der frühkeltischen Elite im 6. und 5. Jh. v. Chr. dienten Gelage vor allem dem Ausdruck von Status und Macht. Besonders eindrucksvoll lässt sich dies in der Grabkammer des Keltenfürsten von Hochdorf zeigen: Hier wurden neun Trinkhörner entdeckt. Das größte davon war aus Eisen und fasste 5,5 Liter. Es war für den Grabherrn bestimmt und verdeutlichte seine gesellschaftliche Stellung: Im Leben genauso wie im Tod – er ist die wichtigste Person!

Das Letzte Abendmahl (1781) von Nicolas GuibalLandesmuseum Württemberg

Wasser, Wein und Blut

In der Bibel finden sich Warnungen vor dem Kontrollverlust durch zügelloses Trinken – etwa die Geschichte von Lots Inzest. Meist ist Alkohol, insbesondere der Wein, allerdings positiv bewertet, etwa beim Feiern: Dies spiegelt sich im Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein während der Hochzeit zu Kana sowie beim letzten Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern wider.
Im Gottesdienst erhält der Wein als Symbol des Blutes Christi eine sakrale Bedeutung.

Krönungsmahl Kaiser Matthias' (1612) von Theodor de BryOriginalquelle: Wikimedia Commons

Willkomm und Prosit!

An den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Höfen wurden Feste als mehrtägige Ereignisse mit zahlreichen Gästen aus nah und fern begangen. 
Zur Unterhaltung zählten neben Musik und theatralischen Auftritten auch verschiedene Spiele. Hierbei durften Tafelaufsätze, Tischautomaten sowie Scherzgefäße nicht fehlen, deren technische Finesse den Status des Gastgebers unterstrichen und die Gäste überraschen sollten.

Spielautomat Schildkröte Spielautomat Schildkröte (1630) von Leodegar GrimaldoLandesmuseum Württemberg

Besonders beliebt waren Automaten, die sich plötzlich bewegten oder mit Wasser spritzten. Diese mechanische Schildkröte ließ sich mit einem Schlüssel aufziehen, lief über den Tisch und blieb bei einer Person stehen, die einer angezeigten Anweisung wie „Trink aus“ oder „Gib´s weiter“ Folge zu leisten hatte. 

Spielautomat SchildkröteLandesmuseum Württemberg

Spielautomat Schildkröte

Bar-Szene mit feiernden MenschenLandesmuseum Württemberg

Warum trinken wir eigentlich Alkohol?

Warum trinken wir Alkohol überhaupt? Dies ist vermutlich weniger eine Frage des Geschmacks. Vielmehr ist es mit dem Zustand eines allgemeinen Wohlbefindens verbunden, das beim Trinken durch chemische Reaktionen in unserem Gehirn hervorgerufen wird: man entspannt sich, wird fröhlicher und kontaktfreudiger.
Doch die Gratwanderung zu den negativen Effekten ist schmal. Die Schwelle zu unangebrachtem Verhalten ist schnell überschritten.

1, 2, 3 Gäser Wein 1, 2, 3 Gäser Wein (2020) von Marcos AlbertiLandesmuseum Württemberg

1, 2, 3 Gläser Wein

Alkohol führt dazu, dass man kommunikativer und lockerer wird. Wie verändern sich aber Ausdruck und Körpersprache eines Menschen beim Trinken?

1, 2, 3 Gäser WeinLandesmuseum Württemberg

1, 2, 3 Gläser Wein

Diesen Fragen ging der brasilianische Fotokünstler Marcos Alberti nach und startete das „Wine Project“. Dafür lud er Menschen in sein Fotostudio ein und portraitierte sie. Zuerst gleich nach ihrer Ankunft, danach nach jeweils einem, zwei und drei Gläsern Wein.

1, 2, 3 Gäser WeinLandesmuseum Württemberg

1, 2, 3 Gläser Wein

Das Ziel des Künstlers war es, die positive Seite des gemeinsamen Trinkens festzuhalten.

KylixOriginalquelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Von der Übelkeit übermannt

Die Grenzen zu den eher als negativ empfundenen Folgen wie Enthemmung oder Übelkeit sind fließend. Schon den Griechen waren die Auswirkungen des übermäßigen Alkoholkonsums bewusst.
Das Innenbild einer Trinkschale zeigt eine der unmittelbaren Folgen des exzessiven Weingenusses beim Symposium: ein Zecher übergibt sich, ein Sklave hält seinen Kopf.

Herkules mingens (2. Jh. n. Chr.)Landesmuseum Württemberg

Verlust von Hemmungen

Alkohol kann auch zum Verlust von Hemmungen führen, dies wird in der Statuette des Hercules vor Augen geführt: Dem strahlenden Halbgott wurde in der Antike auch Trunksucht und Völlerei nachgesagt.
Im Zustand der Trunkenheit verlor er alle Hemmungen, prellte die Zeche oder verrichtete seine Notdurft in der Öffentlichkeit.
Allgemein steht auch eine größere Gewaltbereitschaft mit zu hohem Alkoholkonsum in Zusammenhang – die gesellschaftlichen Auswirkungen sind hier beträchtlich.

Baucharbeiten (2016) von Gabriele NeumaierLandesmuseum Württemberg

Gesundheitliche Folgen

Alkohol schädigt den gesamten Körper, besonders beim Konsum über einen längeren Zeitraum hinweg sind die Folgen gravierend und können bis zum Tod führen. Eine sehr individuelle Folge von Alkohol sollte nicht unerwähnt bleiben: Alkohol hat einen sehr hohen Nährwert und macht entsprechend dick – was in dem deutschen Wort "Bierbauch" zur Geltung kommt.

Playmobilset: Bauarbeiter mit Bierkasten (1976) von PlaymobilLandesmuseum Württemberg

Wandel im Umgang mit Alkohol

Vieles hat sich in Bezug auf Alkohol in den letzten 30 bis 40 Jahren gewandelt. Dies wird an einem Playmobilset mit Bauarbeitern deutlich. Bei der ersten Version von 1974 waren noch Bierkästen dabei, damals auf dem Bau nicht unüblich.

Fun Fact: Nach Erscheinen des Sets legte das Jugendministerium gegen den Spielzeughersteller Beschwerde ein: Die Bierkästen verschwanden aus dem Set.

Ausstellungsfoto: Berauschend. 10.000 Jahre Bier und WeinLandesmuseum Württemberg

Alkohol im Hier und Heute

Das Trinken von Bier, Wein und Spirituosen ist auch heute noch fest in unserer Alltagskultur verankert. Eine Welt ohne Alkohol und gemeinschaftliche Aktivitäten, bei denen nicht die entsprechenden Getränke für eine anregende oder ausgelassene Stimmung sorgen, ist für die meisten nur schwer vorstellbar. Die Anlässe Alkohol zu trinken, sind zahlreich.

Deutschland ist ein sogenanntes Hochkonsumland: Jede*r Deutsche trinkt im Jahr durchschnittlich eine Badewanne voll alkoholischer Getränke – deutlich zu viel!

Lust auf mehr?

Dann besucht unsere Sonderausstellung: Berauschend - 10.000 Jahre Bier und Wein! Bis April 2023 nur bei uns im Landesmuseum Württemberg!

Mitwirkende: Geschichte

Konzept: Anna Gnyp, Verena Plath, Janina Rösch, Nina Willburger
Texte: Ingrid-Sibylle Hoffmann, Katharina Küster-Heise, Janina Rösch, Nina Willburger
Umsetzung: Anna Gnyp
Übersetzung: Sharon Adams
Fotos: H. Zwietasch und J. Leliveldt,  Marcos Alberti (1,2, 3 Gläser Wein)

Quelle: Alle Medien
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