Architektur stellt ein spezielles Arbeitsgebiet von Leonardo da Vinci dar, weil in diesem Bereich lediglich Entwürfe von ihm erhalten sind. Wir wissen, dass er Aufträge für den Bau von Gebäuden erhalten hat, es konnte jedoch nie nachgewiesen werden, dass etwas davon realisiert worden wäre. Sollten von ihm erdachte Entwürfe gebaut worden sein, so sind diese heute nicht mehr erhalten. Die von ihm überlieferten Architekturzeichnungen sind jedoch in puncto Qualität, Quantität und Vielfalt den Architekten seiner Zeit weit voraus. Von Dr. Domenico Laurenza, Museo Galileo, Florenz.
Codex Arundel, Arundel MS 263, f.126r (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Auf diesem Blatt sind da Vincis Entwürfe für ein Haus mit drei Terrassen zu sehen.
Dank der zugehörigen Textnotiz können wir da Vincis Entwürfe für das Haus besser verstehen: im Schnitt…
…und im Aufriss…
…für eine Villa auf einer Hügelkuppe, die sich über drei Etagen mit jeweils einer großen Terrasse mit Blick auf die Landschaft erstreckt.
In diesen Jahren beauftragte der Marquis von Mantua Leonardo da Vinci damit, eine Villa im Stil einer Medici-Villa, die sich südlich von Florenz befand, zu entwerfen.
Codex Arundel, Arundel MS 263, f.145v (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Ein Bad, einer Herzogin würdig
Im Jahr 1499 entwarf Leonardo einen Ofen für ein Badezimmer mit allerlei Annehmlichkeiten, mit dem unter anderem warmes Wasser bereitet werden konnte – ein wahrer Luxus für die damalige Zeit.
Er war für das Badezimmer in der Residenz der Herzogin Eleonora von Aragon vorgesehen, die ein Mitglied der Familie Sforza geheiratet hatte und in Mailand wohnte.
Auf der Zeichnung links oben brennt die Kohle in der Kuppelkonstruktion und das Wasser befindet sich unten. Auf der Zeichnung rechts…
…befindet sich die Kohle unter der Kuppel und das Wasser in einem Behälter im unteren Bereich. Beide Entwürfe beinhalten einen schmalen Einlass und Auslass, damit "die Kohle lange genug brennt".
Er notierte sich außerdem, "die wirbelnden Bewegungen des Feuers" zu untersuchen, die denen von Wasser und Luft ähneln.
Codex Arundel, Arundel MS 263, f.141v (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Studium von Strukturen
Da Vinci untersucht einen Riss im unteren Teil einer Apsis, in der oben ein Fenster geöffnet wurde. Er leitet allgemeingültige Regeln ab, um ähnliche strukturelle Probleme zu vermeiden. Hier hält er fest, dass das ursprüngliche Gleichgewicht der Bogenstruktur nicht verändert werden dürfe, was hier eine Ungleichverteilung des Gewichts bewirkte.
Codex Arundel, Arundel MS 263, f.157r (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Auf diesem Blatt plant da Vinci eine Abhandlung über "die generativen Ursachen für eingerissener Wänden… und Maßnahmen zur Vermeidung". Dabei greift er auf sein Wissen in der Geologie zurück.
Er schlägt vor, Stützpfeiler zu errichten, und zwar auf den härtesten unterirdischen Gesteinsschichten. Dies wollte er durch die Ausgrabung eines Brunnens weiter erforschen.
Codex Arundel, Arundel MS 263, ff.157v-158r (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Hier untersucht da Vinci die Probleme, die durch den Einsatz von Kalkzement entstehen können. Wenn der Kalk trocknet, verringert sich die Höhe der Wand. Einige Zeichnungen veranschaulichen verschiedene Arten von Rissen in Wänden.
Codex Arundel, Arundel MS 263, ff.270v-263r (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Der königliche Palast von Romorantin
Da Vinci verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Frankreich. Kurz nachdem Franz I. die Mona Lisa erworben hatte, beauftragte er Leonardo da Vinci mit dem Bau eines großen Jagdschlosses, dem Château de Chambord.
Da Vinci stellte sich einen prachtvollen Königspalast vor, dessen Bauplan verschiedene Gebäude mit einer zentralen Ausrichtung zeigt und der die Ordnung und geometrische Proportionalität aufweist, die auch für andere Bereiche seiner Forschung maßgeblich waren.
Neben der architektonischen Extravaganz entwarf da Vinci Möglichkeiten, Wasser aus einem Arm der Loire in den Komplex zu leiten. Er plante einen Damm, mit dem sauberes Wasser für die Wohnanlage gestaut werden sollte, und eine Methode, um Abwasser in die umliegenden Gebiete abzuleiten, um es als Dünger zu nutzen.
Codex Arundel, Arundel MS 263, f.121r (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Festung mit Bäumen
Da Vinci entwirft auf typisch originelle Weise ein Bollwerk aus Weiden zum Schutz einer militärischen Festung.
Er schreibt, die Bäume seien nicht sehr teuer und hätten den Vorteil, dass sich ihre Äste im Laufe der Zeit immer stärker verflechten. Dies erhöhe die Wirksamkeit des Verteidigungssystems.
Auf den Zeichnungen ist unter anderem die Reihenfolge zu sehen, in der die Bäume gepflanzt werden sollten.
Codex Arundel, Arundel MS 263, ff.159v-160r (1478–1518) von Leonardo da VinciOriginalquelle: Arundel MS 263
Die Wand einer Villa
Auf einem Blatt voller Notizen und Zeichnungen zu verschiedenen Themen ist in der Ecke links unten die Zeichnung für die Fassade eines Gebäudes zu erkennen.
Die Säulen und breiten Öffnungen lassen erahnen, dass diese Zeichnung mit dem Projekt für die Villa von Charles d'Amboise zusammenhängt, dem französischen Gouverneur von Mailand zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Dieses Projekt ist aus Zeichnungen in anderen Manuskripten bekannt.
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