14. Ausstellung der Wiener Secession (1902) von Moriz NährÖsterreichische Nationalbibliothek
Eines der wesentlichen Ziele der 1897 gegründeten Künstlervereinigung Secession war es, die europäische Avantgarde nach Wien zu holen. Das Wiener Bürgertum sollte die neuesten Strömungen vor allem der westeuropäischen Kunst kennenlernen, etwa den französischen Impressionismus, die Werke Auguste Rodins, Ferdinand Hodlers oder der belgischen Symbolisten.
Notiz von Gustav Klimt an den Sekretär der Secession Franz Hancke (20th Century) von Gustav KlimtSecession
Laut Gustav Klimt, dem ersten Präsidenten der Secession, war es notwendig, „das Wiener Kunstleben in einen lebendigeren Zusammenhang mit der fortschreitenden Entwicklung der Kunst des Auslands zu bringen und das Ausstellungswesen auf eine rein künstlerische, vom Marktcharakter freie Basis zu stellen“.
Secession mit veränderter Seitenansicht (1903)Secession
Innerhalb der ersten acht Jahre ihres Bestehens setzte die Secession besonders viele Aktivitäten, um zentrale Ausstellungsthemen dem Wiener Publikum auf neuartige Weise zu präsentieren. Bis 1905 (das Jahr, in dem die Klimt-Gruppe die Secession verließ) wurden insgesamt 23 Ausstellungen gezeigt.
Korrespondenzkarte von Koloman Moser an den Sekretär der Secession Franz Hancke (20th Century) von Kolomann MoserSecession
Vor allem beim Ausstellungsdesign beschritt die Secession neue Wege und überraschte mit modernen Formen der Präsentation. Prägend dafür war Koloman Moser, der bis 1905 die Hälfte aller Ausstellungen gestaltete. Weitere wichtige Ausstellungsarchitekten waren Josef Hoffmann und Alfred Roller.
Kaiser Franz Joseph I bei der Besichtigung der I. Ausstellung der Secession (1898)Secession
Ein Jahr nach ihrer Gründung fand in den Wiener Gartenbausälen die 1. Ausstellung der Secession statt. Kaiser Franz Joseph persönlich besuchte am 6. April 1898 die Schau und wurde von den Mitgliedern der Vereinigung, angeführt vom hochbetagten Aquarellisten Rudolf von Alt, feierlich begrüßt.
I. Ausstellung in den Sälen der k.k. Gartenbaugesellschaft, Postkarte (1898)Secession
Joseph Maria Olbrich, der Architekt des gerade in Bau befindlichen Secessionsgebäudes, war gemeinsam mit Josef Hoffmann für die Gestaltung der ersten Ausstellung verantwortlich. In den Gartenbausälen war die Realisierung neuer Ideen für die Präsentation jedoch nur eingeschränkt möglich.
Postkarte zur I. Ausstellung (1898)Secession
Aus Anlass der ersten Ausstellung der Secession wurde eine von Koloman Moser gestaltete Postkarte aufgelegt. Neben den drei Wappen, dem Signet der neuen Künstlervereinigung, erscheint ein geflügelter Genius, der auf das Motiv des von Moser entworfenen Glasfensters im Foyer der Secession anspielt.
Postkarte zur II. Ausstellung (1898)Secession
Am 12. November 1898 wurde der Bau der Secession feierlich eröffnet. Zugleich wurde auch die 2. Ausstellung der Secession präsentiert. Von der Ansicht des von Joseph Maria Olbrich gestalteten Mittelsaales wurde eine Postkarte aufgelegt. Auffällig sind die zur Dekoration verwendeten Grünpflanzen.
II. Ausstellung, Hauptraum (1898)Secession
Auch Otto Wagner, gleichfalls Mitglied der neuen Künstlervereinigung und ehemaliger Lehrer von Olbrich und Hoffmann, war an der Ausstattung der Eröffnungsausstellung der Secession beteiligt. Er strukturierte den Hauptraum mit monumentalen Säulen und verkleidete die Wände mit Stoffen.
Ver Sacrum-Raum während der II. Ausstellung (1898)Secession
Teil der 2. Secessionsausstellung war auch das sogenannte Ver-Sacrum-Zimmer, das sich im Eingangstrakt des Gebäudes befand. Josef Hoffmann hatte die Möbel, die Wandvertäfelungen und die Türrahmungen mit den geschwungenen Formen des floralen Jugendstils gestaltet.
Postkarte zur IV. Ausstellung (1899)Secession
Im Frühjahr 1899 fand die 4. Secessionsausstellung statt. Im Hauptsaal inszenierte Joseph Maria Olbrich die Präsentation der großen Skulpturengruppe „Triumphzug des Marc Anton“, geschaffen vom Bildhauer Arthur Strasser. Olbrichs Architektur unterstützte die monumentale Wirkung dieses Werks.
Einladungskarte zur IV. Ausstellung (1899)Secession
Die Vereinigung bildender Künstler Österreichs, so die offizielle Bezeichnung der Secession, inszenierte ihre Ausstellungseröffnungen stets als große gesellschaftliche Ereignisse. Auch für die Eröffnung der 4. Ausstellung am 17. März 1899 wurde eine elegant gestaltete Einladung verschickt.
Postkarte zur V. Ausstellung (1899)Secession
Nachdem Joseph Maria Olbrich im Sommer 1899 nach Darmstadt berufen worden war, folgte Josef Hoffmann als führender Gestalter der Secessionsausstellungen. Die 5. Ausstellung, die von November bis Dezember 1899 lief und ausschließlich grafischen Arbeiten gewidmet war, trug bereits Hoffmanns Handschrift.
Postkarte zur VI. Ausstellung (1900)Secession
Neben Josef Hoffmann trat auch Koloman Moser verstärkt als Gestalter in Erscheinung. Moser arrangierte die 6. Ausstellung, die von Jänner bis Februar 1900 gezeigt wurde und der Kunst Japans gewidmet war. Die siebenhundert Objekte umfassende Schau stellte für die Wiener Kunstwelt eine Sensation dar.
Skizze von Paul Signac zur Hängung seiner Werke in der VII. Ausstellung (1900) von Paul SignacSecession
Für die 7. Ausstellung der Secession, die im Frühjahr 1900 stattfand, wurde der französische Pointillist Paul Signac eingeladen. Signac entschied sich, in Wien ausschließlich Aquarelle zu zeigen. Vorweg schickte er einen detaillierten Plan für die Hängung seiner Arbeiten.
Postkarte zur VIII. Ausstellung (1900)Secession
Die 8. Secessionsausstellung, die von November bis Dezember 1900 lief, war dem internationalen Kunsthandwerk gewidmet. Die britischen Designer Charles Robert Ashbee und die Gruppe um Charles Rennie Mackintosh sowie das Pariser Kunsthaus La Maison Moderne hatten hier sensationelle Auftritte.
Postkarte zur VIII. Ausstellung (1900)Secession
Den Hauptsaal der Schau, in dem die Werke von Charles Robert Ashbee gezeigt wurden, gestaltete Josef Hoffmann. Er wählte dafür ein überraschend strenges geometrisches Design, das von den bisherigen runden kurvigen Formen deutlich abwich. Damit vollzog Hoffmann eine wegweisende stilistische Wende.
Postkarte zur VIII. Ausstellung (1900)Secession
Charles Rennie Mackintosh präsentierte seine Arbeiten wie auch jene seiner Frau Margaret MacDonald Mackintosh im sogenannten Ver-Sacrum-Zimmer, das das schottische Künstlerpaar selbst gestaltete. Mackintosh wählte den Kontrast von Weiß und Schwarz und überraschte das Wiener Publikum mit seinem neuartigen Design.
Zusage von Charles R. Mackintosh zum korrespondierenden Mitglied (1900) von Charles R. MackintoshSecession
Charles Rennie Mackintosh wurde im Zuge seiner Teilnahme an der 8. Secessionsausstellung auch zum sogenannten korrespondierenden Mitglied der Wiener Secession ernannt. In einem an Carl Moll gerichteten Schreiben, das er in Glasgow auf Deutsch verfasste, bedankte er sich für diese große Ehre.
IX. Ausstellung, Ausstellungsansicht mit Werken von Auguste Rodin und Giovanni Segantini (1901)Secession
Für die Gestaltung der 9. Secessionsausstellung, die von Jänner bis Februar 1901 präsentiert wurde, zeichnete erstmals Alfred Roller verantwortlich. Spektakulär war ein zentrales Oktogon, in dem Stoffbahnen ein zeltähnliches Dach bildeten. Hier wurden unter anderem Werke von Auguste Rodin und Giovanni Segantini gezeigt.
Anmeldebogen von Auguste Rodin zur IX. Ausstellung (1901) von Auguste RodinSecession
Auguste Rodin war neben Segantini der Hauptkünstler der 9. Secessionsausstellung. Im Archiv der Secession hat sich die Teilnahmeerklärung erhalten, in der Rodin eigenhändig 16 Skulpturen und acht gerahmte Arbeiten samt den Preisen vermerkt. Rodin besuchte dann 1902 auch selbst die Wiener Secession.
Gustav Klimts Fakultätsbild „Medizin“ im Hauptraum der Secession (1901)Secession
In der 10. Ausstellung der Secession von März bis Mai 1901 präsentierte Klimt das zweite der insgesamt drei Fakultätsbilder, nämlich „Die Medizin“, erstmals der Öffentlichkeit. Erneut entfachte das Werk heftige Diskussionen und spaltete das Publikum in Befürworter und Gegner Klimts.
Postkarte der XII. Ausstellung (1902)Secession
Die 12. Secessionsausstellung, gezeigt von November 1901 bis Jänner 1902, war mehrheitlich der skandinavischen und der russischen Kunst gewidmet. Einige bereits fertiggestellte Wandfriese für die übernächste Schau, die „Beethovenausstellung“, wurden von Hoffmann mit großen, von der Decke hängenden Stoffbahnen verdeckt.
Illustration „Engelhart-Moll-Jettel, Die Hängecomission“ von Friedrich König, in: Ver Sacrum, 1901, Jg.3, Heft 3, S. 51 (1901)Secession
Die Positionierung der Kunstwerke war Aufgabe einer eigenen Hängekommission. Der oft mühsame Prozess, sich auf eine bestimmte Hängung zu einigen, wirkte auf Außenstehende nicht selten komisch, wie etwa jene Karikatur zeigt, die Friedrich König 1901 in der Zeitschrift „Ver Sacrum“ veröffentlichte.
Postkarte zur XIII. Ausstellung (1902)Secession
Für die Gestaltung der 13. Secessionsausstellung, von Februar bis März 1902 zu sehen, war Koloman Moser verantwortlich. An der auffälligen Verwendung von rechteckigen und quadratischen Rastermodulen wird immer deutlicher dessen Vorliebe für eine strenge geometrisch-schlichte Raumgestaltung erkennbar.
XIV. Ausstellung, Hauptraum mit Max Klingers Beethovenskulptur (1902)Secession
Eines der spektakulärsten Ereignisse in der Geschichte der Secession war zweifellos die 14. Ausstellung, die von April bis Juni 1902 stattfand. Thema war eine Hommage auf Ludwig van Beethoven, der in Gestalt einer aufsehenerregenden Skulptur von Max Klinger den Hauptraum der Secession beherrschte.
XIV. Ausstellung, Hauptraum mit Max Klingers Beethovenskulptur, im Hintergrund Wandmalereien von Alfred Roller, Postkarte (1902)Secession
Max Klinger war ein Hauptmeister des Symbolismus in Deutschland. Seine Statue zeigt Beethoven in einer kontemplativ-sitzenden Position, zu seinen Füßen ruht ein mächtiger Adler. Die Verwendung von unterschiedlichen Marmorsorten und Metall erzeugt die spektakuläre farbige Wirkung der Figur.
Initialen einiger teilnehmender Künstler im Katalog zur XIV. Ausstellung (1902)Secession
Klingers Beethoven-Skulptur inspirierte eine Reihe von Künstlern wie Gustav Klimt, Friedrich König, Ferdinand Andri, Alfred Roller oder Josef Maria Auchentaller, für diese Schau Wandfriese und weitere Kunstwerke zu gestalten. Im Katalog zur Ausstellung wurden ihre stilvollen Initialen vorgestellt.
XIV. Ausstellung, Rechter Seitensaal mit Wandmalereien von Ferdinand Andri und Josef Maria Auchentaller (1902)Secession
Im rechten Seitensaal, der einen Durchblick in den angrenzenden Hauptsaal gewährte, waren Wandfriese mehrerer Künstler vereinigt. Die Friese entlang der Längswände gestalteten Ferdinand Andri und Josef Maria Auchentaller, die Friese an den Schmalwänden Friedrich König und Ernst Stöhr.
XIV. Ausstellung (1902)Secession
Die Wände des linken Seitensaals hingegen waren einem einzigen Wandfries gewidmet, dem von Gustav Klimt gestalteten „Beethovenfries“. Dieser erstreckte sich mit einer Länge von 34 Metern über drei Seiten des Raums. Wie die übrigen Wandfriese war auch der „Beethovenfries“ nur am oberen Teil der Wand positioniert.
Der linke Seitensaal mit dem Beethoven-Fries von Gustav Klimt während der 14. Ausstellung der Wiener Secession (1902) von Moriz NährÖsterreichische Nationalbibliothek
Der „Beethovenfries“ folgt einem Programm, das von Beethovens 9. Symphonie abgeleitet ist. Klimt lehnt sich vor allem an den Schlusschor an, dessen Text von Friedrich Schiller stammt. Die leidende Menschheit begegnet feindlichen Gewalten und findet Erfüllung in der berühmten Ode an die Freude.
XVIII. Ausstellung, Linker Seitensaal mit dem „Beethovenfries“ und weiteren Werken von Gustav Klimt (1903)Secession
Für das Raumkonzept und die Gesamtgestaltung der 14. Secessionsausstellung war Josef Hoffmann verantwortlich. Nach Ende der Ausstellung zerstörte man die Wandfriese. Lediglich der „Beethovenfries“ wurde in einem mühsamen Verfahren von der Wand abgenommen und blieb damit dauerhaft für die Nachwelt erhalten.
Postkarte der XV. Ausstellung (1902)Secession
Leopold Bauer war der Designer der 15. Secessionsausstellung, die von November bis Dezember 1902 lief. Der Saal mit Klimts „Beethovenfries“ erhielt eine neue Decke mit Oberlicht, somit war der Fries nicht sichtbar. Erst bei der 18. Ausstellung, der großen Klimt-Schau, war er wieder zu sehen.
XVIII. Ausstellung, Linker Seitensaal mit dem „Beethovenfries“ und weiteren Werken von Gustav Klimt (1903)Secession
Die 18. Ausstellung der Wiener Secession, die von November 1903 bis Jänner 1904 stattfand, war ausschließlich dem Werk von Gustav Klimt gewidmet. Es war die erste Einzelausstellung Klimts. Bis zu seinem Tod sollte keine weitere Einzelausstellung mehr folgen. Die Schau versammelte alle wichtigen Werke, die der Meister vor allem in den unmittelbar vorangegangenen Jahren geschaffen hatte. Darunter befanden sich auch alle drei Fakultätsbilder, wobei die „Jurisprudenz“ in noch nicht ganz fertigem Zustand in dieser Schau das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde. In der Ausstellung war auch noch der Beethovenfries zu sehen, den Klimt für die ein Jahr zuvor stattgefundene Beethovenausstellung geschaffen hatte. Im vorliegenden Foto, das eines der seltenen fotografischen Dokumente der Klimt-Ausstellung von 1903 darstellt, lassen sich unter dem Beethovenfries die Klimt-Gemälde „Silberfische“, „Judith“ und „Nuda Veritas“ erkennen.
Telegramm von Edvard Munch an Carl Moll, 10. März 1904 (1904) von Edvard MunchSecession
In der 19. Secessionsausstellung von Jänner bis März 1904 wurden zahlreiche Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler präsentiert, darunter „Tod und Kind“ und „Sommernacht am Strand“ des norwegischen Malers Edvard Munch. Munch teilte die Preise für die beiden Bilder Carl Moll in einem Telegramm mit.
Einladung für Koloman Moser zur XXI. Ausstellung Einladung für Koloman Moser zur XXI. AusstellungSecession
Die 21. Secessionsausstellung, die von November bis Dezember 1904 lief, wurde von den sogenannten Naturalisten gestaltet und bespielt. Das war jene Gruppe innerhalb der Secession, die seit Längerem gegen den kunstgewerblichen Charakter der Malerei Gustav Klimts und seiner Freunde opponierte.
Einladung für Koloman Moser zur XXI. Ausstellung Einladung für Koloman Moser zur XXI. Ausstellung (verso) (1904)Secession
Bei allen Secessionsausstellungen war es üblich, die Einladungen zu den Eröffnungen künstlerisch anspruchsvoll zu gestalten. Im Archiv der Wiener Secession hat sich eine an Koloman Moser adressierte Einladung zur 21. Ausstellung erhalten.
14. Ausstellung der Wiener Secession (1902) von Moriz NährÖsterreichische Nationalbibliothek
Die Secessionisten anlässlich der Beethoven-Ausstellung 1902. V. l. n. r.: Anton Stark, Kolo Moser, Gustav Klimt, Maximilian Lenz, Adolf Böhm, Ernst Stöhr, Wilhelm List, Emil Orlik, Maximilian Kurzweil, Leopold Stolba, Carl Moll, Rudolf Bacher.
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