FASHION?! - Teil 1

Was Mode zu Mode macht

Von "Landesmuseum Württemberg"

Hörtext Einführung (deutsch)
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Am I Fashion?

Wie wird Mode gelebt? Was verstehen wir unter Mode? Wie wird sie entworfen und wie verändert sich die Kommunikation über sie?
Welche Verantwortung tragen wir als Konsument*innen?

In der Ausstellung „Fashion?! Was Mode zu Mode macht“ wird das sich immer wieder verändernde System Mode
seit den 1950er Jahren thematisiert.

Fashion-Ausstellung: EingangLandesmuseum Württemberg

Statement!

Täglich treffen wir erneut die Entscheidung,
was wir anziehen und wie wir mit unserer Kleidung wahrgenommen werden wollen.
Mode bewegt uns im Alltag. Sie ist eine Form des Ausdrucks und der Kommunikation.

Beispielhaft dafür sind Statement-T-Shirts.
Sie sind Träger politischer Botschaften, werden für Werbezwecke eingesetzt oder erinnern an das Konzert der Lieblingsband.

Fashion-Ausstellung: Raum "Statement Shirts"Landesmuseum Württemberg

Plakative Aufdrucke

Die britische Designerin Katharine Hamnett machte 1984 mit einem Protest-Shirt auf sich aufmerksam. Heute ist das "Slogan T-Shirt" ständiger Teil ihrer Kollektionen. Die Aufdrucke nehmen dabei stets Bezug auf gesellschaftspolitische Entwicklungen. So auch das "No more fashion victims"-Shirt, das die Produktion von Fast Fashion kritisiert.

T-Shirt "No more fashion victims" von Katharine HamnettLandesmuseum Württemberg

Pro Europäische Union

Das Berliner Label Souvenir Official entwarf als Reaktion auf das britische EU-Referendum 2016 ein T-Shirt. Es zeigt die Flagge der Europäischen Union mit einem fehlenden Stern. Damit wollte das Modeunternehmen Bewusstsein für die bevorstehenden turbulenten Zeiten in der EU schaffen. Der einzelne Stern findet sich als "Hoffnungsträger" auf der Rückseite des T-Shirts wieder und lädt in Zusammenhang mit einer EU-Hotline zum Handeln auf.

"Eunify"-T-Shirt von Souvenir OfficialLandesmuseum Württemberg

Fashion-Ausstellung: Raum "Idee bis Fertigung"Landesmuseum Württemberg

Idee bis Fertigung

Der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Kleidungsstück ist ein komplexer Prozess. Dabei verschmelzen Inspiration und Vision zu einem kreativen Schaffensprozess. 

Die Kollektionen der Modedesigner*innen Pia Tholen und Tommy Dombrowski zeigen stellvertretend den Weg von der ersten Recherche, dem Konzept, über die Form- und Schnittentwicklung bis hin zur fertigen Kollektion.

"Die Dramatische" aus der Kollektion "Creating Who You Are" von Tommy DobrowskiLandesmuseum Württemberg

Kollektion mit biografischen Bezügen

Der Modedesigner Tommy Dombrowski beschäftigt sich in seiner Kollektion mit dem Phänomen der Drag Queen. Entstanden sind fünf Outfits, die Charaktereigenschaften, biografische Momente und vertraute Orte der Träger*innen miteinander verbinden.

Das Outfit für die "Dramatische" verweist auf Elemente von historischen Theaterkostümen und kombiniert sie mit einem gewöhnlichen T-Shirt.

Damit zeigt Dombrowski, dass Drag Queens häufig mit bereits vorhandenen Kleidungsstücken oder Textilien arbeiten und diese kreativ für ihre Kostüme nutzen.

Teile aus der Kollektion "Tod der Mode" von Pia TholenLandesmuseum Württemberg

Mode nach dem Baukasten-Prinzip

Die Modedesignerin Pia Tholen beschäftigte sich in ihrer Kollektion mit dem Einfluss von Designer*innen auf die Art und Weise, wie ein Kleidungsstück getragen wird.


Ihr Konzept sieht vor, durch wenig feste Vorgaben flexible Trageweisen zu ermöglichen.Wie bei einem Baukasten-Prinzip kann die Trägerin selbst entscheiden, wie sie ihr Kleidungsstück zusammensetzen möchte.

Entstanden ist eine Kollektion aus einzelnen Stoffstücken, die zu Oberteilen, Hosen, Röcken, Kleidern oder einem Mantel zusammengesteckt werden können.

Fashion-Ausstellung: Wand mit ModeskizzenLandesmuseum Württemberg

Modeskizzen

Für viele Designer*innen ist es wichtig, schon bei den ersten Überlegungen zum Kleid die Person vor Augen zu haben, die es später tragen wird. Das ist ein Teil der vielseitigen Bündelung von Ideen. Häufig entsteht nicht nur eine Skizze, sondern mehrere hunderte. Auch Christian Dior, der Gründer des bekannten Pariser Modehauses, war für die Anfertigung zahlreicher Skizzen bekannt. 

Er selbst berichtet in seiner Biografie 1956 darüber: „Ich führe in zwei oder drei Tagen mehrere Hundert Zeichnungen aus. In ihrer Gesamtheit bilden diese Zeichnungen die Basis der neuen Kollektion, und ich habe nun nur noch den einen Wunsch: sie schnellstens den Nähateliers zu übergeben, damit aus ihnen Kleider werden."

Ein neuer Look für die Dame von Welt

Ein Klassiker Christian Diors: Das Kostüm stammt aus dem ehemaligen Besitz von Elizabeth Parker Firestone, einer wohlhabenden Dame aus der Familie des Autoherstellers Ford. Die Skizze aus dem Archiv Dior Héritage in Paris zeigt, wie sehr der Designer schon in der Skizze das fertige Kleid sah.

Zweiteiliges Nachmittagskostüm "Escapade", Christian Dior für Christian Dior, 1950er Jahre, Aus der Sammlung von: Landesmuseum Württemberg
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Modeskizze Nachmittagskostüm "Escapade", Christian Dior für Christan Dior, 1951, Originalquelle: Dior Héritage Collection, Paris
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Vision und Form

Wie ein Kleidungsstück aussieht, aus welchem Material es ist und wie die Silhouette geformt ist, hängt von den Ideen und Visionen der Designer*innen ab. Inspirieren lassen sie sich von bestimmten Themen, von Formen und Farben, Bildern von Schlichtheit und Eleganz, gesellschaftlichen Tabus, persönlichen Zukunftsvisionen – und natürlich von ihrer Vorstellung der künftigen Träger*innen.

Fashion-Ausstellung: Raum "Vision und Form"Landesmuseum Württemberg

Neue Mode, neuer Lebensstil

Die britische Designerin Mary Quant war im London der 1960er Jahre das Synonym für junge, revolutionäre Frauenmode. Vom kindlichen Gänseblümchen-Logo bis zu tanzenden Models – Quants Mode vermittelte einen neuen Lebensstil.
Zusammen mit André Courrèges gilt sie als Erfinderin des Minikleids und des typischen verspielten 1960er Jahre Looks.

Regenmantel "Alligator" von Mary QuantLandesmuseum Württemberg

Gerade Linien zur Rettung der Pariser Haute Couture

Als Christian Dior 1957 unerwartet verstarb, sah die Presse bereits das Ende des Modehauses besiegelt. Mit Spannung und Skepsis wurde die erste Kollektion des Nachfolgers Yves Saint Laurent erwartet. Mit seiner Trapezlinie, die auf Geometrie und formale Strenge setzte, schlug er andere Wege als sein Vorgänger ein. Über Nacht wurde er zum Star und galt als „Retter der französischen Mode“.

Seidenkleid aus der Linie „Trapéze“ von Yves Saint Laurent für Christian DiorOriginalquelle: Modesammlung Bräu, Stuttgart

Ein Blumenmeer zum Anziehen

Carven zählt zu den bedeutendsten Modehäusern der Nachkriegszeit. Der Designerin Marie-Luise Carven war es wichtig, junge und unbeschwerte Kreationen zu schaffen. Zugleich entwarf sie auch elegante Stücke wie dieses Petticoatkleid. Das schulterfreie Cocktailkleid aus weißem Organza ist mit Margeriten aus Kunstseide bestickt.

Besonders raffiniert ist die lindgrüne Plisseegarnierung in der Taille.

Cocktailkleid mit Petticoat von Marie-Luise CarvenLandesmuseum Württemberg

Modefotografie

Bildmedien gehören zu den wichtigsten Multiplikatoren von Mode. Modefotografien entstehen meist in einem kommerziellen Kontext für Magazine oder Werbeanzeigen.

In den 1950er Jahren setzten Fotograf*innen mit ihren Schwarz-Weiß-Fotografien ästhetische Maßstäbe. Ein Jahrzehnt später wirkten die Fotografien jünger und dynamischer.

In den 1970er Jahren hielten Fetischismus und Voyeurismus Einzug in die Modefotografie.

Die 1980er Jahre waren von perfekt inszenierten Welten und Schönheiten geprägt.

Seit den 1990er Jahren wendeten sich einige Fotograf*innen von der Makellosigkeit ab, während andere einen eigenen eleganten Stil entwickelten. Heute ist die Modefotografie sehr vielfältig, die Aufnahmen reichen von glamourös bis provokant.

Fashion-Ausstellung: ModefotografieLandesmuseum Württemberg

Charmor Fashion, Walde Huth, 1956

Die Schwarz-Weiß-Fotografie der Künstlerin Walde Huth zeigt eine Frau in Bluse, Rock und hohen Schuhen vor dem Alten Schloss in Stuttgart.

Im Hintergrund steht ein Auto. Unscharf sind zwei Herren zu erkennen, die die in Strümpfe gehüllten Beine des Models fokussieren.

Bei der Aufnahme handelt es sich um eine Werbefotografie für die Wäschefirma Charmor.

Werbefotografie, Charmor Fashion von Walde HuthOriginalquelle: Archiv Schmölz + Huth – Heringson, Wuppertal

Mitwirkende: Geschichte

Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2020/2021, Fashion?! Was Mode zu Mode macht, 24.10.2020-25.04.2021, Landesmuseum Württemberg im Alten Schloss in Stuttgart

Begleitband zur Ausstellung: Fashion?! Was Mode zu Mode macht, hg. vom Landesmuseum Württemberg Stuttgart, Belser Verlag Stuttgart 2020, ISBN 978-3-7630-2862-7

Titelbild: Bruce B. (Stuttgart)
Ausstellungsgestaltung: Raimund Docmac & Steffen Vetterle (Stuttgart)
Videoproduktionen: EMENES GmbH (Stuttgart)
Audiotexte: Tonwelt GmbH (Berlin)

Quelle: Alle Medien
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