Entrance wall graphic of Arabick Roots exhibitionOriginalquelle: 1001 Inventions
Zu den führenden Persönlichkeiten der wissenschaftlichen Revolution im 17. Jahrhundert gehörten Europäer wie Isaac Newton, Robert Boyle, Edmond Halley und Johannes Hevelius.
Für diese westlichen Gelehrten waren die arabischen Wurzeln des Wissens von unschätzbarem Wert.
Europäische Gelehrte entdeckten damals berühmte Wissenschaftler wie Ibn al-Heithem und die Errungenschaften der frühen muslimischen Zivilisation ganz neu.
Sie ergründeten aber auch das moderne Wissen des Ostens – beides zusammen diente ihnen als Quelle neuer Erkenntnisse.
Selenographia war das erste Werk, in dem die Oberfläche des Mondes so dargestellt wurde, wie sie durch ein Teleskop zu sehen ist.
Der polnische Astronom Johannes Hevelius veröffentlichte das Buch im Jahr 1647.
Auf der Titelseite ehrte er zwei große Wissenschaftler, ohne die das Werk nicht möglich gewesen wäre: Ibn al-Heithem und Galileo Galilei.
Der Universalgelehrte Al-Hasan Ibn al-Heithem aus dem 11. Jahrhundert – auch bekannt unter seinem latinisierten Namen Alhazen – steht auf einem Sockel mit dem Bild eines Gehirns und dem Wort "Ratione" (Lateinisch für Vernunft). Die Abbildung soll auf seine Verdienste als Pionier rationaler wissenschaftlicher Methoden verweisen.
Arabisch und mehr
Im Bestreben, den Wissensschatz der muslimischen Welt zu bergen, lernten europäische Gelehrte im 17. Jahrhundert auch Sprachen wie Arabisch, Persisch und Osmanisch, die alle auf der arabischen Schrift basierten.
Searching for the roots of knowledgeOriginalquelle: 1001 Inventions
Auf der Suche nach den Wurzeln des Wissens
Von edlen Pferden über exotische Pflanzen bis hin zu luxuriösen Stoffen und Literatur: Der orientalische Stil eroberte Europa vor 400 Jahren im Sturm.
Im 17. Jahrhundert lehnten führende westliche Denker die Theorien und Methoden der jüngsten europäischen Vergangenheit ab.
Stattdessen wandten sie sich einem wissenschaftlichen Ansatz zu, der auf Experimenten und Beobachtungen beruhte. Dazu lasen sie arabische und persische Manuskripte, reisten in die Länder des Ostens und lernten orientalische Sprachen.
Science over a cup of coffeeOriginalquelle: 1001 Inventions
Wissenschaft bei einer Tasse Kaffee
Durch neue Denkweisen und die Wiederentdeckung klassischen arabischen Wissens erlebte Europa im 17. Jahrhundert einen Aufbruch in Wissenschaft und Philosophie.
Überall wurde diskutiert und debattiert, besonders gerne in den Kaffeehäusern. Das heiße, dampfende Getränk stimulierte die hellen Köpfe noch weiter.
Kaffee hatte durch den Handel mit dem Osten erst kürzlich Städte wie Venedig und London erobert.
In London wurde Edward Lloyds Kaffeehaus zum Treffpunkt für Kaufleute, Schiffseigner, Politiker und Gelehrte.
Zum Preis einer Tasse Kaffee für ein paar Pennys konnte man live mitverfolgen, wie intelligente Köpfe die großen Themen der Zeit diskutierten. Kaffeehäuser trugen in Großbritannien deshalb auch den Spitznamen "Penny Universities".
Growing peace, sharing knowledgeOriginalquelle: 1001 Inventions
Frieden und Wissensaustausch
London, Tripolis, Konstantinopel: Im 17. Jahrhundert entsandten die Hauptstädte in Ost und West erstmals Botschafter in die anderen Länder.
Es herrschte Frieden und dank verschiedener Handelsabkommen kamen interessante neue Produkte in westlichen Häfen an – von exotischen Pflanzen bis hin zu neuen Genüssen wie dem erwähnten Kaffee.
Damit war die Grundlage für einen noch viel wichtigeren Austausch geschaffen, nämlich den von Ideen.
Arabick Wealth of KnowledgeOriginalquelle: 1001 Inventions
Gebildeten Europäern des 17. Jahrhunderts war bekannt, dass das Goldene Zeitalter des Islam einen großen Wissensschatz in der arabischen und persischen Welt hinterlassen hatte.
Händler und Geschäftsleute, die in den Osten reisten, machten sich für europäische Wissenschaftler auf die Suche nach Manuskripten.
Könige und Bischöfe füllten endlose Reihen an Bibliotheksregalen mit Büchern.
Arabick RoutesOriginalquelle: 1001 Inventions
Handelsrouten
1580 wurde die Levant Company gegründet, um den Handel zwischen Großbritannien und dem Osmanischen Reich zu fördern.
Aleppo, Konstantinopel (Istanbul), Smyrna (Izmir) und andere Städte im östlichen Mittelmeerraum sandten Waren wie Damastseide in die Häfen von Venedig und London.
Die neuen Handelsrouten ermöglichten den regelmäßigen Import von Luxusgütern wie Samt und Seide nach Europa.
Die ursprüngliche Technik zur Herstellung von Samt stammt aus dem alten Ägypten.
Die erste Fabrik, die Seidensamt für das Osmanische Reich herstellte, wurde im 16. Jahrhundert in Istanbul eröffnet. Von dort wurde der edle Stoff nach ganz Europa verkauft.
Map highlighting 17th-century trade routes between Europe and the EastOriginalquelle: 1001 Inventions
Die Handelsrouten brachten im 17. Jahrhundert aber nicht nur exotische Waren nach Europa, sie stillten auch den Durst nach östlichem Wissen.
Viele Angestellte der Levant Company lernten während ihrer Arbeit im Ausland Arabisch, was den Handel mit Büchern und Manuskripten erleichterte.
Ambassadors of KnowledgeOriginalquelle: 1001 Inventions
Botschafter des Wissens
Im 17. Jahrhundert wurden Botschafter aus dem Osten in Europa mit großer Anerkennung empfangen. Ihren Amtskollegen aus dem Westen wurde in der arabischen Welt ein ebenso freundlicher Empfang zuteil.
Die diplomatischen Beziehungen eröffneten neue Möglichkeiten des Wissensaustauschs.
In London wurden arabische Botschafter eingeladen, vor der Royal Society zu sprechen. Die königliche Gelehrtengesellschaft war 1660 gegründet worden.
Die Mitglieder waren führende Denker ihrer Zeit und vom Wissen des Ostens fasziniert.
Mohammed Ben Ali Abgali war von 1725 bis 1727 Botschafter des Königs von Marokko in London.
Während dieser Zeit wurde er zum Fellow der Royal Society ernannt.
Royal PatromageOriginalquelle: 1001 Inventions
Königliche Unterstützung
Vor über 400 Jahren erhielten die Ost-West-Beziehungen das königliche Gütesiegel. 1580 bekam die Levant Company eine Royal Charter. Mit dieser königlichen Satzung wurden die Handelsbeziehungen zwischen England und dem Osmanischen Reich gefestigt.
König Karl I. wies die Kaufleute der Levant Company 1634 sogar an, bei jeder Rückkehr arabische Manuskripte mit nach England zu bringen.
The Changing Language of ScienceOriginalquelle: 1001 Inventions
Sprachenvielfalt in der Wissenschaft
Westliche Gelehrte, die ihrer Begeisterung für östliche Wissenschaften nachgehen wollten, mussten mehr als nur ihre Muttersprache beherrschen.
Nur so konnten sie das Wissen aus den arabischen Schriften entschlüsseln. Viele Wissenschaftler lernten die neuen Sprachen, fertigten Übersetzungen an und verfassten Wörterbücher und Grammatiken.
Andere reisten in den Osten, um noch unentdeckte Schriften ausfindig zu machen.
Circle of Scientists and ArabistsOriginalquelle: 1001 Inventions
Wissenschaftler und Arabisten
Mit dem wachsenden Interesse an den Wissenschaften des Ostens wurden im Europa des 17. Jahrhunderts an führenden Universitäten Lehrstühle für Arabistik eingerichtet. Professoren durchforsteten Hunderte von arabischen und persischen Texten nach neuen wissenschaftlichen Theorien.
Es bildete sich ein enger Kreis von Gelehrten, vereint in dem Ziel, aus den östlichen Schriften zu lernen.
Sie übersetzten Bücher zu Astronomie, Medizin, Mathematik und Philosophie. Die Inhalte wurden dann in einem regen Briefwechsel diskutiert.
Arabick StudiesOriginalquelle: 1001 Inventions
Lebhafte Debatten fachten das Feuer der Entdeckungen im 17. Jahrhundert an, und die Gespräche über arabisches Wissen hatten ihren Anteil daran.
Dadurch entstanden neue Kooperationen zwischen Wissenschaftlern und Arabisten, die die Sprachen und Kulturen der arabischen Welt studierten.
In ausführlicher Korrespondenz tauschte man Wissen und Ideen aus.
Our Shared Sky and EarthOriginalquelle: 1001 Inventions
Himmel und Erde
Im 17. Jahrhundert waren Wissenschaftler dank genauerer Instrumente und Messungen in der Lage, immer bessere Karten des Himmels zu erstellen.
Der britische Astronom Edmond Halley entdeckte in jahrhundertealten arabischen Schriften verlässliche Messungen derselben Himmelskörper, die auch er beobachtete.
Um die alten Manuskripte lesen zu können, lernte er Arabisch. Außerdem bat er Reisende, ihm die neuesten Beobachtungen der Mondfinsternis in Bagdad, Aleppo und Alexandria zu übersenden.
Remapping the SkiesOriginalquelle: 1001 Inventions
Neuvermessung des Himmels
In den 1660er-Jahren setzte sich der bekannte polnische Astronom Johannes Hevelius das Ziel, eine präzisere Karte des Himmels zu erstellen.
Mit bloßem Auge und einem großen Sextanten machte er außergewöhnliche Beobachtungen und entdeckte viele neue Sterne. Außerdem studierte er frühere Beobachtungen von Gelehrten der arabischen Welt.
Remapping the SkiesOriginalquelle: 1001 Inventions
1687 brachte Hevelius einen umfassenden Atlas der Sternbilder heraus, der auf seinen eigenen Beobachtungen und zusätzlichen Quellen basierte.
Auf seine Bitte hin gab die Royal Society in London die lateinische Übersetzung eines bekannten Sternkatalogs des Astronomen und Mathematikers Ulugh Beg in Auftrag. Das 1487 veröffentlichte Werk studierte er dann zusammen mit den Beobachtungen, die der persische Astronom Abd ar-Rahman as-Sufi bereits im 10. Jahrhundert in seinem "Buch der Fixsterne" gemacht hatte.
Constellations between East and WestOriginalquelle: 1001 Inventions
Sternbilder aus den Sternkatalogen von Hevelius (1687) und Abd ar-Rahman as-Sufi (1125).
Obwohl die Zeichnungen mehr als 500 Jahre trennen, scheinen die Sternbilder ein Spiegelbild des anderen zu sein.
Dies liegt daran, dass Hevelius seine Sternbilder so darstellte, wie sie auf einem Himmelsglobus zu sehen sind. As-Sufis Zeichnungen hingegen entsprechen ihrer Erscheinung am Himmel.
Our Shared ChallengesOriginalquelle: 1001 Inventions
Gemeinsame Herausforderungen
Arabische Gelehrte widmeten sich großen wissenschaftlichen und medizinischen Rätseln – und oft gelang es ihnen auch, diese zu lösen. Ihre Methoden stützten sich dabei auf Beweise und ernteten Anerkennung bei den westlichen Gelehrten des 17. Jahrhunderts.
Im Goldenen Zeitalter der frühen muslimischen Zivilisation verfassten Gelehrte wie Al-Kindī, Al-Razi, Thabit ibn Qurra, Ibn al-Heithem, Ibn Sina und Abu l-Qasim wichtige Schriften, die später ins Lateinische übersetzt wurden und über Jahrhunderte hinweg von Bedeutung waren.
AlbarellosOriginalquelle: 1001 Inventions
Im aufgeklärten 17. Jahrhundert studierten westliche Gelehrte die arabischen Originaltexte. Damit wollten sie einerseits die früheren Übersetzungen verbessern, hofften andererseits aber auch, auf noch unentdeckte Wissensschätze zu stoßen.
Die Wissenschaftler aus dem Europa des 17. Jahrhunderts waren außerdem sehr an den modernen Verfahren der Medizin und gesunden Lebensweise der arabischen Welt interessiert. So gab es dort beispielsweise bereits eine Schutzimpfung gegen die tödlichen Pocken.
Übersetzungen medizinischer Lehrbücher wie Ibn Sinas "Kanon der Medizin" wurden bis ins 18. Jahrhundert an europäischen Universitäten verwendet.
Auch das Wissen aus der Pflanzenheilkunde fand Anwendung. Samen und Pflanzen wurden mit einer Beschreibung ihrer Wirkung nach Europa geschickt.
Our Shared CulturesOriginalquelle: 1001 Inventions
Gemeinsame Kultur
Wer im Europa des 17. Jahrhunderts mit der Zeit gehen wollte, gestaltete Haus und Garten im orientalischen Stil.
In den Bücherregalen des Bildungsbürgertums standen Übersetzungen arabischer Gedichtbände und Erzählungen.
Östliche Einflüsse zeigten sich auch in bunten Teppichen, Kissen und Vorhängen, die die Wohnräume schmückten – und in der neuesten Mode, die sich in den eleganten Kleiderschränken fand.
Draußen wurden Bäume und Pflanzen aus Syrien und Marokko liebevoll gepflegt. Viele Lebensbereiche waren von östlicher Philosophie durchdrungen.
Arabick HorsesOriginalquelle: 1001 Inventions
Arabische Pferde
Im 17. Jahrhundert waren die Europäer begeistert vom Wesen, der Schnelligkeit und der Ausdauer arabischer Pferde.
Europäische Könige und Königinnen, aber auch findige Geschäftsleute erkannten den Wert der Araber.
1704 erwarb der Kaufmann Thomas Darley in Aleppo einen Araberhengst und ließ ihn nach England bringen.
Der Hengst wurde als "Darley Arabian" berühmt, da seine Nachkommen besonders erfolgreiche Rennpferde waren.
Arabick LifestyleOriginalquelle: 1001 Inventions
Orientalische Luxusgüter wie Seide, Olivenöl und Gewürze gehörten im 17. und 18. Jahrhundert zur Grundausstattung jedes gehobenen europäischen Haushalts.
Der Westen war von der Lebensweise der arabischen Welt und des Osmanischen Reichs fasziniert.
Jeder, der etwas auf sich hielt, kleidete sich im Stil und in den Stoffen östlicher Tradition. Sowohl Männer als auch Frauen trugen Turban.
Im Jahr 1666 begannen Männer dann auch Mäntel und Hosen im orientalischem Stil zu tragen. Eng sitzende Jacken und Wollstrümpfe wurden dadurch endgültig abgelöst.
Kaufleute und Diplomaten, die im Osten tätig waren, trugen die lokale Kleidung mit Stolz.
Lady Mary Wortley Montagu, Frau eines einflussreichen Botschafters, bewunderte die bequeme und schlichte Kleidung osmanischer Frauen und trug sie kurzerhand selbst.
Exploring the EastOriginalquelle: 1001 Inventions
Den Osten erkunden
Für die Wissenschaftler des 17. Jahrhunderts war der Beweis das höchste Gut.
Es ist also keine Überraschung, dass sie die Länder des Ostens mit eigenen Augen sehen wollten.
Auf ihrer Reise durch den Orient sammelten sie überall neues Wissen und Beweise – bei Handwerkern genauso wie bei Choryphäen der Medizin und Astronomie. Alles, was sie sahen, wurde in Schriften und Zeichnungen sorgfältig dokumentiert.
East in Western EyesOriginalquelle: 1001 Inventions
Viele Europäer erblickten die arabischen Länder zum ersten Mal auf Zeichnungen und Stichen ähnlich denen auf dieser Karte.
Neben historischen Szenen bildeten westliche Gelehrte und Künstler, die durch Syrien, den Libanon, Palästina und Ägypten reisten, auch das alltägliche Leben dort ab. Alles wurde erforscht und akribisch aufgezeichnet.
Heute spiegeln diese Darstellungen das Bild wider, dass der Westens im 17. und 18. Jahrhundert vom Orient hatte.
Arabick RootsOriginalquelle: 1001 Inventions
Arabische Wurzeln im wahrsten Sinne des Wortes
Bäume und Pflanzen, die ursprünglich aus den Ländern des Ostens stammen, sind heute in europäischen Gärten weit verbreitet.
Die Reisenden waren von der Pflanzenvielfalt begeistert und konnten es kaum erwarten, sie nach Europa zu bringen.
Edward Pococke, Arabist und Übersetzer, entwickelte während seiner Zeit in Aleppo, Syrien, eine besondere Vorliebe für Zedern, Platanen und Feigenbäume.
1640 brachte er Exemplare aller drei Arten nach Oxford mit und pflanzte sie dort ein.
Die drei Bäume stehen noch heute dort.
Zusammengestellt von 1001 Inventions
Produzenten: Ahmed Salim, Shaza Shannan
Kurator: Dr. Rim Turkmani
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