Board game:Romany Fortune-Teller (1899) von Parker BrothersThe Strong National Museum of Play
Die Menschen versuchten schon immer, Sicherheit in ihr Leben zu bringen, indem man vorauszusehen hoffen, was einen gleich um die Ecke erwartet. Hier stellen wir Ihnen acht faszinierende Arten vor, wie die Europäer nach Antworten gesucht haben.
Wir haben Sterne und Wolkenformationen betrachtet, Tröpfchen aus geschmolzenem Metall untersucht, die Eingeweide von Tieren angestarrt, unsere Hände, Füße und Gesichter älteren Wahrsagern angeboten und sogar die Gerinnung von Käse studiert. Und alles in der Hoffnung, das Unbekannte kennenzulernen.
In Europa ist keine Gemeinschaft enger mit dem Blick in die Zukunft verbunden als die Roma. Über Jahrhunderte hinweg boten Zigeunerinnen, die auch Drabardi genannt wurden, ihre Dienste allen Besuchern an. Eine strenge Ausnahme gab es jedoch - andere Roma.
Das Bild der Drabardi war so bekannt und weit verbreitet, dass es zum Synonym für Wahrsagerei wurde und durch Filme, Bücher, Bilder und sogar Brettspielein die Populärkultur gelangte. Hier finden Sie ein Beispiel, das 1899 von den Parker Brothers herausgebracht wurde.
Die Roma als fahrendes Volk waren wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass sie die alte Kunst der Handlesekunst - bei der Linien und Wellen in der Handfläche "gelesen werden" - in alle Winkel Europas gebracht wurde.
Dies wurde im Mittelalter so populär, dass Hexenjäger Muttermale und andere Male auf der Handfläche als Beweis für einen satanischen Pakt benutzten. Diese Popularität überdauerte - wenn auch mit einem Hauch Skepsis - die wissenschaftlichen und künstlerischen Revolutionen der Renaissance.
Das Meisterwerk des italienischen Malers Caravaggio aus dem Jahr 1595 'Der Wahrsager' (La Buona Ventura) erzählt eine Geschichte, in der eine Drabardi die Handfläche eines naiven jungen Mannes liest und dabei seinen Goldring stiehlt.
Caravaggio's "The Fortune Teller" von Pierre BoulatLIFE Photo Collection
Eine weitere weit verbreitete Form der Zukunftsprognose ist die Tasseomantie - die wortwörtliche "Weissagung aus der Tasse" - jene Wahrsagerei also, bei der man die Formen betrachtet, die Teeblätter oder Kaffeesatz im Boden einer Tasse hinterlassen.
Diese Praktik entstand in Osteuropa, wo sie wahrscheinlich von Sufi-Mystikern aus der Türkei mitgebracht wurde, die glaubten, dass das Trinken von Kaffee das Gehirn erweckte und es für neue Formen des Sehens öffnete.
Der Tee kam erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts aus China nach Großbritannien - und mit ihm die Praxis, Teeblätter zu lesen. Der Spruch im Inneren dieser charmanten Teetasse aus Stoke on Trent in England lautet: "Es gibt viele merkwürdige Dinge, die ich sehe, wenn ich aus deinem Tee wahrsage."
Fortune telling tea-cup Fortune telling tea-cup (c. 1932–39)Originalquelle: The Museum of Witchcraft and Magic, Boscastle, 1398
Es gab sogar Anleitungen dafür, sich selbst im Wahrsagen zu üben, wie das Beispiel unten zeigt, das von einem mysteriösen 'Highland-Seher' geschrieben wurde. Die Form einer Taube bedeutete Wohlstand und Glück. Ein Stuhl bedeutete eine bevorstehende Schwangerschaft. Und wer drei Frauen auf dem Boden des Bechers fand, war dabei, in einen schrecklichen Skandal verwickelt zu werden.
Tea-Cup Reading and the Art of Fortune-Telling by Tea-Leaves, by a Highland Seer (1920)Originalquelle: 8633.c.9.
Spielkarten kamen im 15. Jahrhundert nach Europa, und es dauerte nicht lange, bis sie für die Wahrsagerei verwendet wurden.
In diesem Gemälde des spanischen Künstlers Julio Romero de Torres aus dem Jahr 1922 erzählt der Maler die uralte Geschichte von einem jungen Mädchen, dem ihr Schicksal erzählt wird. Sie ist in einen verheirateten Mann verliebt, der im Hintergrund seine Frau im Stich lässt. Der Wahrsager hält eine Karte hoch, die vor den Gefahren warnt.
The Fortune-telling (1922) von Julio Romero de TorresMuseo Carmen Thyssen Málaga
Tarotkarten waren eine weitere beliebte Form der "Kartomantie". Die folgenden Tarotkarten wurden von Mage Edmond, einem Hellseher aus dem 19. Jahrhundert, zu dessen Kunden auch Napoleon III. zählte, entworfen, gezeichnet und von Hand bemalt.
Das Spiel mischt Himmelskörper wie Sonne, Mond und Venus mit altägyptischen Symbolen und klassischen Tarotkarten wie dem Turm. Dieser Kartensatz wurde weithin kopiert und wird auch heute noch von vielen Lesern benutzt.
Oracle cards (Vers 1845) von Jules Charles Ernest Billaudot, aka Mage EdmondMucem
Für jede Form von Wahrsagerei, die bis heute überlebt, gibt es eine Vielzahl an Formen, die heute verschwunden sind. Diese Statue einer Eule aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. ermöglicht einen verlockenden Einblick in diese verlorene Kunst.
Die Eule diente vermutlich als Ladenschild, denn die griechische Inschrift darunter lautet: "Archates Petrios, Wahrsager, sagt die Zukunft für 4 Münzen vorher." Der Ladenbesitzer mag sogar aus Ägypten gekommen sein, wo das "Eulenlesen" praktiziert wurde.
Owl (0001/0100) von UnknownRijksmuseum van Oudheden
Aber nicht alle Formen der europäischen Wahrsagerei haben uralte Wurzeln. Das Ouija-Brett wurde im späten 19. Jahrhundert in Amerika erfunden, stützte sich aber stark auf europäische Traditionen des Spiritualismus.
Die Art von Brettern wie hier unten wurde ab 1893 in London vekauft und als Spaß für die Familie und zur Unterhaltung mit einem paranormalen Element vermarktet. Erst 1973, als eine Ouija-Szene im Horrorfilm "Der Exorzist" das Publikum in Angst und Schrecken versetzte, erlangte sie einen gruseligeren Ruf und die Verkäufe brachen ein.
Board game:Ouija (ca. 1915) von William FuldThe Strong National Museum of Play
Aber die Wahrsagerei wird nicht so bald aussterben. Allein in Italien stiegt die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen in den letzten 10 Jahren um das Fünffache und hat zu einem Umsatz von 8 Milliarden Euro geführt.
Es scheint, dass in Europa alte Gewohnheiten schwer aussterben. Auch heute noch versuchen wir Wege zu finden, unserer unsicheren Zukunft Sicherheit zu geben, indem wir neue und immer kreativere Wege finden, sie zu lesen - von Glückskeksen bis hin zu hellseherischen Bots.
Wie sieht also die Zukunft der Wahrsagerei in Europa aus? Das wird erst die Zukunft zeigen...
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