Aug 1, 1914 - Nov 11, 1918

Das Große Hauptquartier S.M. des Kaisers und Königs

German Federal Archives

Das Große Hauptquartier S.M. des Kaisers und Königs 

Bereits im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gab es auf deutscher Seite das „Große Hauptquartier“ des Königs von Preußen als Oberstem Befehlshaber der verbündeten deutschen Armeen. Charakteristisch an diesem Großen Hauptquartier waren die dort versammelten deutschen Fürsten als Befehlshaber ihrer Kontingente und Armeen. Die Anwesenheit König Wilhelms I. im Felde war für diesen Monarchen, der gemäß Erziehung und beruflicher Laufbahn zuallererst Offizier und Soldat war, eine Selbstverständlichkeit.

Nach diesem Modell war auch für künftige Kriege die Bildung eines Großen Hauptquartiers vorgesehen. Grundlage war Art. 63 der Reichsverfassung, der bestimmte: „die gesammte Landmacht des Reichs wird ein einheitliches Heer bilden, welches in Krieg und Frieden unter dem Befehle des Kaisers steht“. Zusammensetzung und Mobilmachung des Großen Hauptquartiers war in den Allgemeinen Mobilmachungsbestimmungen geregelt. Mit Allerhöchster Kabinettsorder vom 3. August 1914 erfolgte schließlich gemäß diesen Festlegungen die planmäßige Mobilmachung des „Großen Hauptquartiers S.M. des Kaisers und Königs“. Sein Zweck war die Bündelung der höchsten militärischen und politischen Kompetenzen beim Kaiser als Oberstem Befehlshaber und Staatsoberhaupt und damit auch die Gewährleistung der Einheitlichkeit von Politik und Kriegführung. Tatsächlich war bereits in den Allgemeinen Mobilmachungsbestimmungen festgelegt, dass der Chef des Generalstabes der Armee als nunmehriger Chef des Generalstabes des Feldheeres die Operationen im Namen des Kaisers regeln sollte und nur vor wichtigen Entscheidungen die Zustimmung des Kaisers einzuholen hatte. Die im Krieg schließlich stattfindende Entmachtung des Kaisers war hier bereits im Keime angelegt und wurde dadurch, dass Wilhelm II. eigene Eingriffe weitestgehend vermied und sich in der Regel den Positionen des Chefs des Generalstabes anschloss, vollendet.

Zwar verkörperte der Kaiser als Inhaber der höchsten Kommandogewalt die „Oberste Heeresleitung (OHL)“, was in verschiedenen sehr bekannt gewordenen Propagandafotos versinnbildlicht wurde, doch der Chef des Generalstabes des Feldheeres erteilte seine Anweisungen an das Deutsche Heer im Namen des Kaisers als „Oberste Heeresleitung“. Dies führte sehr schnell zur Gleichsetzung der Person des Generalstabschefs mit der Obersten Heeresleitung. Und mit zunehmender Macht des Chefs des Generalstabs des Feldheeres, also de facto „der OHL“, bestimmte die militärische Führung schließlich auch die Politik. Bereits lange vor der Revolution war der Kaiser, zum guten Teil auch – aber nicht ausschließlich – aufgrund eigenen Versagens, als politisch bestimmender Faktor ausgeschaltet.

Das Große Hauptquartier S.M. des Kaisers und Königs, das bei Kriegsbeginn unter den kriegführenden Mächten das größte Hauptquartier darstellte, setzte sich zusammen aus (abgesehen vom Kaiser und seiner persönlichen Entourage):

- dem Vortragenden Generaladjutanten und Chef des Militärkabinetts mit seinem Stab

- einem Generaladjutanten als 1. Kommandanten des Großen Hauptquartiers

- zwei weiteren Generaladjutanten und vier Flügeladjutanten

- dem Chef des Marinekabinetts mit zwei höheren Beamten

- dem Preußischen Kriegsminister mit einem mobilen Stab

- einem Vertreter des Staatssekretärs des Reichsmarineamts

- dem Chef des Generalstabs des Feldheeres mit seinen unterstellten Behörden

- den Chefs der obersten Waffenbehörden

- dem Chef des Admiralstabs der Marine

- den Militärbevollmächtigten Bayerns, Sachsens und Württembergs

- dem Reichskanzler

- dem Chef des Geheimen Zivilkabinetts

- Vertretern des Auswärtigen Amtes

- zwei Leibärzten des Kaisers

Der dem Chef des Generalstabs unterstellte Generalquartiermeister mit seinen Dienststellen fungierte als 2. Kommandant des Großen Hauptquartiers. Er stellte im wesentlichen die für Versorgung, Nachrichtenverbindungen und Sicherheit (Stabswache) des Großen Hauptquartiers zuständigen Formationen.

Bedingt durch die Kriegsführung im Bündnis gehörten zum Großen Hauptquartier bald auch ein k.u.k. Bevollmächtigter General und später auch Militärbevollmächtigte des Osmanischen Reichs und Bulgariens.

Der Reichskanzler wechselte bald wieder nach Berlin, ließ sich im Großen Hauptquartier vertreten und kehrte in der Folge nur noch kurzzeitig selbst ins Große Hauptquartier zurück. Der Kriegsminister blieb die ersten zwei Kriegsjahre im Großen Hauptquartier und wechselte erst 1916 zurück nach Berlin. Auch er ließ sich in der Folge vertreten.

Die Sitze des Großen Hauptquartiers waren:

- 2.-16.8.1914 Berlin

- 17.-30.8.1914 Koblenz

- 30.8.-24.9.1914 Luxemburg

- 25.9.1914-19.9.1916 Charleville-Mezières (Frankreich); zwischen 9.5.1915 und 15.2.1916 und ab dem 16.8.1916 befand sich allerdings der Chef des Generalstabs des Feldheeres mit seiner Operationsabteilung und dazu meistens auch der Kaiser auf Schloss Pleß in Schlesien

- 20.9.1916 –10.2.1917 Schloss Pleß in Schlesien; 11.-16.2.1917 Chef des Generalstabs des Feldheeres mit Operationsabteilung in Berlin

- 17.2.1917-7.3.1918 Kreuznach

- 8.3.-13.11.1918 Spa (Belgien); vom 18.3. bis zum 7.9.1918 befand sich der Chef des Generalstabs des Feldheeres mit der Operationsabteilung in Avesnes (Frankreich) 

Die Verlegungen des Großen Hauptquartiers erfolgten aufgrund der damaligen technischen Unmöglichkeit, auf Dauer ohne räumliche Nähe militärische Großverbände von bis dahin unerreichter Größe auch unter schnell wechselnden Gefechtslagen führen zu können.

Zunächst folgte das Große Hauptquartier den rasch vorstoßenden deutschen Armeen – von Berlin in den Westen nach Koblenz und mit dem deutschen Vordringen über Luxemburg in den Rücken der Mitte der Westfront nach Charleville-Mezières. Gerade das anfängliche Verharren des Großen Hauptquartiers in Luxemburg zum Zeitpunkt der beginnenden Wende infolge der Schlacht an der Marne verdeutlichte die Nachteile zu großer Entfernung des Hauptquartiers von den Schwerpunkten der Front. Der Wechsel zum Stellungskrieg ermöglichte den Aufbau bodenständiger Nachrichtenverbindungen mit den seinerzeit modernsten technischen Mitteln. Zur besseren Führung der Offensive an der Ostfront wechselte es in der Folge nach Schloss Pleß in Schlesien, von wo auch eine bessere Kommunikation mit dem Hauptquartier der k.u.k. Armee in Teschen in Böhmen möglich war.

Nach der Abdankung des Kaisers am 9.11.1918 löste sich das Große Hauptquartier als solches auf. Der Kaiser ging noch von Spa aus ins Exil in die Niederlande.

Die Oberste Heeresleitung (Generalstab des Feldheeres) wurde nach Wilhelmshöhe bei Kassel verlegte, wechselte am 11.2.1919 nach Kolberg in Ostpreußen und löste sich dort am 3.7.1919 auf.

BArch, Bild 146-1991-076-14A / Atelier Bieber

Kaiser Wilhelm II.: Das Foto der hier gezeigten zeittypischen Postkarte zeigt Wilhelm II. in der Uniform eines preußischen Generalfeldmarschalls.

Wilhelm II. wurde am 27. Januar 1859 als Sohn des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm geboren. Am 18. Januar 1871 wurde sein Großvater, König Wilhelm I. von Preußen, Deutscher Kaiser. Sein Vater folgte als Kaiser Friedrich III. am 9. März 1888, starb jedoch kurz darauf am 15. Juni 1888. Ihm folgte am selben Tag Wilhelm II. als Deutscher Kaiser und König von Preußen.

Er war wie sein Vater und Großvater militärisch erzogen und ausgebildet worden, jedoch ohne deren Begabungen als Truppenführer aufzuweisen. Verfangen in irrationalen Vorstellungen eines „persönlichen Regiments“ verantwortet Wilhelm II. die erheblichen strukturellen und personellen Defizite in den militärischen Spitzenbehörden sowie die verfrühte und unreflektierte Bündniszusage an Österreich-Ungarn und dessen Streben nach einer endgültigen „Klärung“ des Verhältnisses zu Serbien.

Am 9. November 1918 dankte Wilhelm II. ab und begab sich ins Exil in die Niederlande. Dort, auf Schloss Doorn, starb er am 4. Juni 1941.

Wilhelm II. beim Kaisermanöver 1905 im Raum Limburg an der Lahn | BArch, Bild 136-C0671 / Tellgmann, Oscar

Der Kaiser als Feldherr?

Kaiser Wilhelm II. verstand sich als Militärexperte – sowohl hinsichtlich Organisation, Bewaffnung und Ausrüstung als auch hinsichtlich des Einsatzes „seiner“ Armee.

Entsprechend engagierte er sich bei den regelmäßigen Manövern in Führung und Kritik der teilnehmenden Truppen. Seine tatsächlichen militärischen Unzulänglichkeiten wurden dabei für seine Umgebung immer offenbarer. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges stand daher zunächst zu befürchten, dass sich der Kaiser direkt in die Führung der Armeen einschalten würde. Tatsächlich überließ Wilhelm II. die militärische Führung weitestgehend dem Chef des Generalstabes des Feldheeres, der damit schon früh für die Öffentlichkeit die „Oberste Heeresleitung“ verkörpert.

Unterschrift Kaiser Wilhelms II. | BArch RH 18/1873

Mobilmachung!

Am 1. August 1914 erließ Kaiser Wilhelm II. den Befehl für die allgemeine Mobilmachung am 2. August. Der Befehl ging an die für die Streitkräfte zuständigen Minister – den Preußischen Kriegsminister für die Preußische Armee und das mit der Mobilmachung zusammentretende Deutsche Heer und den Staatssekretär des Reichsmarineamtes (über den formal ihm übergeordneten Reichskanzler) für die Kaiserliche Marine.

Niederschrift eines Funkspruches aus dem Großen Hauptquartier mit dem Dank des Kaisers an den General v. Emmich für die Eroberung der Stadt Lüttich | BArch RH 18/1879

Dank an den Eroberer Lüttichs

Für einen zügigen Vormarsch der 1. und 2. Armee gemäß der vorgegebenen Planung war die schnelle Einnahme von Lüttich und seiner Festung unabdingbar. Tatsächlich befanden sich jedoch weit mehr belgische Soldaten in der Festung als erwartet. Die Kämpfe begannen am 4. August 1914, zogen sich unerwartet lange hin und verzögerten in diesem Bereich dadurch den deutschen Vormarsch. Zwar gelang General Erich Ludendorff und General Otto von Emmich am 7. August die Einnahme der Stadt, doch zogen sich die Kämpfe um die Forts noch bis zum 16. August hin.

“Lieber Julius”

Der hier gezeigte Brief vom 15. August 1914 ging von Kaiser Wilhelm II. an den Chef des Generalstabes des Feldheeres, Generaloberst Helmuth von Moltke – von Wilhelm II. als „Julius“ angesprochen. In ihm läßt sich Wilhelm über die französische Aufstellung an der Front aus und gibt „seinem“ Generalstabschef Ratschläge zum Umgang damit.

BArch RH 18/1881
BArch RH 18/1888

Die Reaktivierung eines Pensionärs

Paul von Beneckendorff und von Hindenburg, geboren am 2. Oktober 1847, war 1911 als General der Infanterie in den Ruhestand getreten. Im August 1914 auf eigenen Wunsch reaktiviert, wurde ihm die Führung der in Ostpreußen schwer unter Druck stehenden 8. Armee übertragen. Noch im August wurde er zum Generaloberst befördert. Hindenburgs Rolle war dabei vermutlich von Anfang an die, dem ebenfalls neu ernannten Generalstabschef der 8. Armee, Generalleutnant Erich Ludendorff, die nötigen Freiräume zu geben. Die bald sich einstellenden Erfolge des Duos Hindenburg/Ludendorff führten zu einer immensen Popularität insbesondere Hindenburgs, der allerdings in seinem militärischen Handeln von Ludendorff abhängig war. Hindenburg wurde zum militärischen Hoffnungsträger der Deutschen.

Ein Generalgouvernement für Belgien

Mit Kriegsbeginn erfolgte die schrittweise Eroberung und Besetzung Belgiens durch deutsche Truppen. Dabei blieb der belgische Staat bestehen und seine Gesetze weiterhin in Kraft. Doch wurde von Anfang an die Absicht verfolgt, die belgischen Steuereinnahmen und die belgische Wirtschaftskraft möglichst vollständig für Deutschland zu nutzen. Erreicht wurde dies durch Zwangsmaßnahmen und eine strenge Besatzungsverwaltung. Hinzu kam eine letztlich auf einen langfristigen Anschluss Belgiens an das Deutsche Reich abzielende Germanisierungspoltik und eine bewusste Schwächung des belgischen Gesamtstaats durch die Einrichtung zweier separater Verwaltungsgebiete Flandern und Wallonien. Zunehmend wurden auch Maßnahmen ergriffen, um belgische Arbeiter für die deutsche Rüstungsindustrie anzuwerben. Als die Freiwilligen nicht ausreichten, wurden 1916/17 belgische Arbeiter zwangsweise nach Deutschland deportiert. Fluchtbewegungen nach den Niederlanden wurde mit einem die belgisch-niederländische Grenze sichernden, tödlich wirkenden Starkstromzaun begegnet. Die gegenüber den harten Forderungen der Obersten Heeresleitung dabei noch vergleichsweise zurückhaltende und vermittelnde Besatzungspolitik des Generalgouvernements endete mit dem Tod des zweiten Generalgouverneurs General von Bissing im April 1917.

Zur Beherrschung Belgiens, dessen König und Regierung noch im August 1914 ins Exil gingen, wurde das „Kaiserliche Generalgouvernement Belgien“ eingerichtet. Analog hierzu wurde im besetzten Polen 1915 für den deutsch besetzten Teil das „Kaiserliche Generalgouvernement Warschau“ eingerichtet. Im besetzten Rumänien etablierte sich 1916 die „Militärverwaltung Rumänien“. Die deutsch besetzten russischen, bzw. russisch-baltischen Gebiete verblieben in der Zuständigkeit des Oberbefehlshabers Ost und bildeten dort ein eigenes Verwaltungsgebiet, umgangssprachlich als „Land Ober-Ost“ bezeichnet.

Die Gebiete an der Westfront in Frankreich und in Belgien direkt im Rücken der kämpfenden Truppen bildeten „Etappengebiete“ und unterstanden den für die jeweiligen Frontabschnitte zuständigen Verbänden.

BArch RH 18/1882
Telegramm Hindenburgs an den Kaiser nach dem Sieg bei Tannenberg | BArch RH 18/1892

Sieg bei Tannenberg

Die im wesentlichen auf den Vorstellungen des früheren Generalstabschefs Alfred von Schlieffen („Schlieffen-Plan“) basierende deutsche Mobilmachung sah den Schwerpunkt im Westen gegenüber Frankreich. Der Osten gegenüber Russland sollte zunächst nur hinhaltend verteidigt werden. Die Möglichkeit eines kurzfristigen russischen Vordringens auf deutsches Gebiet wurde hingenommen, ja geradezu eingeplant. Es wurde von einem schnellen Sieg über Frankreich und einem darauf folgenden Verlegen der West-Truppen nach Osten und einem ebenso schnellen Sieg über die russische Armee ausgegangen.

Tatsächlich entwickelte sich das Kriegsgeschehen jedoch anders. Die Front im Westen lief sich fest, Frankreich wurde nicht besiegt und Russland drang mit zwei Armeen, auch begünstigt durch Abstimmungsfehler auf deutscher Seite, schneller und tiefer in Ostpreußen ein als vorgesehen. Die in Ostpreußen stehende 8. Armee des Deutschen Heeres befand sich kurzzeitig sogar auf dem Rückzug, die ostpreußische Bevölkerung wandte sich zur Flucht, vom selbst schwer bedrängten Verbündeten Österreich-Ungarn war keine Unterstützung zu erwarten.

In dieser Situation wurde der Oberbefehlshaber der 8. Armee abgelöst und durch den auf eigenen Wunsch reaktivierten General Paul von Hindenburg ersetzt. Neuer Chef des Generalstabes der 8. Armee wurde Generalmajor Erich Ludendorff. Den von dem Stab der 8. Armee bereits vorgeplanten Angriff übernahm das neue Führungsduo Hindenburg/Ludendorff und konzentrierte sich dabei in einem sehr riskanten Vorgehen auf die eine der beiden russischen Armeen. Letztlich glückte Ende August 1914 die Umfassung und Zerschlagung dieser russischen Armee im Raum Neidenburg. Hindenburg selbst erbat vom Kaiser als Schlachtbezeichnung den Namen „Tannenberg“ – der in der Nähe des Kampfgebietes gelegene Ort war Schauplatz des polnischen Sieges über den Deutschen Orden im Jahr 1410 gewesen. Ab diesem Zeitpunkt begann die mythische Überhöhung der „Schlacht von Tannenberg“ und die Verklärung des Duos Hindenburg / Ludendorff.

BArch RH 18/1893

Hindenburg wird Oberbefehlshaber Ost

Aufgrund des Erfolges von Tannenberg gelten Hindenburg und Ludendorff als herausragend befähigte Feldherrn. Ihre Popularität im Deutschen Reich ist ungeheuer. Noch im November 1914 wird Hindenburg vom Kaiser als Oberbefehlshaber im Osten eingesetzt.

“Dank an den Eroberer Bukarests”

Das bei Kriegsausbruch neutrale Rumänien hielt zunächst trotz intensiven Werbens beider Seiten an seiner Position fest. Der Kriegseintritt Bulgariens im Oktober 1915 auf Seiten der Mittelmächte, das im Falle eines Sieges territoriale Forderungen an Rumänien hätte erfüllen können, und umgekehrt territoriale Versprechungen der Entente auf Kosten Österreich-Ungarns führten schließlich zur Abkehr von der Politik der Neutralität. Im August 1916 trat Rumänien auf Seiten Frankreichs, Großbritanniens und Russlands in den Krieg ein. Die militärische Reaktion der Mittelmächte erfolgte prompt und führte bis Ende 1916 zur Besetzung weiter Teile Rumäniens. Bukarest wurde dabei am 6. Dezember 1916 von deutschen Truppen erobert und besetzt. Rumänien führte den Kampf jedoch bis zu einem Waffenstillstand im November 1917 weiter. Befehlshaber der verbündeten deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischen Truppen war Generalfeldmarschall August von Mackensen. Mackensen war auch Chef der durch den Friedensvertrag vom 7. Mai 1918 eingesetzten Militärverwaltung Rumänien.

BArch RH 18/1914
Kaiser Wilhelm II. besucht die deutschen Truppen in Rumänien, 1917 | BArch Bild 104-05087 / o.Ang.

Wilhelm II. auf Truppenbesuch in Rumänien

Im September 1917 besuchte Kaiser Wilhelm II. im Zuge einer umfassenden Balkanreise auch Rumänien und die dort befindlichen deutschen Truppen. Unter anderem besichtigte er auch die eroberten Ölfelder von Ploesti. Rumänien gefiel ihm so gut, daß er im vertrauten Kreise äußerte, es nach dem Krieg „behalten“ zu wollen.

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, Kaiser Wilhelm II. und General d. Inf. Erich Ludendorff am Kartentisch im Großen Hauptquartier | BArch, Bild 183-R06898 / o.Ang.

“Im Großen Hauptquartier”

Bei dem hier gezeigten Bild handelt es sich um ein durch private Bilderdienste kommerziell vertriebenes Foto des Kaisers inmitten „seiner“ beiden prominenten Feldherrn Hindenburg und Ludendorff. Das Bild war weit verbreitet und findet sich auch heute noch in unterschiedlichsten Fotosammlungen – privaten ebenso wie dienstlich entstandenen. Es ist datiert mit „Januar 1917“. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die OHL und mit ihr der Kaiser auf Schloss Pleß in Schlesien.

Der Kaiser auf Frontbesuch

Wie auch andere deutsche Fürsten besuchte Wilhelm II. zu verschiedenen Gelegenheiten die Truppen an der Front. Derartige Frontreisen von Fürstlichkeiten, zumal des Oberbefehlshabers, bzw. des „Obersten Kriegsherrn“, sollten die Verbindung zwischen Front und Heimat betonen sowie Motivation und Durchhaltewillen der Fronttruppen stärken. Wilhelm II. selbst verlor jedoch über die Dauer des Krieges den Rückhalt in der Bevölkerung, hielt sich auch fast die gesamte Kriegszeit über im Großen Hauptquartier auf. Gelegentliche Frontbesuche konnten daran nichts ändern.

Kaiser Wilhelm besucht deutsche Truppen an der Westfront | BArch PH 24/435
BArch RH 61/933

Aus dem Tagebuch des Generaladjutanten v. Plessen:             Generaloberst Hans von Plessen (1841-1929) war ab 1894 Generaladjutant des Kaisers und Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers – bis zum 17. November 1918.

“Kriegsweihnacht im Großen Hauptquartier”

Wie zu allen Zeiten fanden auch im Ersten Weltkrieg Einzelne inmitten des Kriegsgeschehens Trost und Zuflucht in der Religion – so auch im deutschen Großen Hauptquartier und seinem Umfeld. Das hier gezeigte Andachtsbild fand sich in den Akten des Katholischen Feldgeistlichen im Großen Hauptquartier, Prof. Dr. Berg.

Die Innenseite enthält ein Friedensgebet Papst Benedikts XV. vom Dezember 1917. Der Vatikan unter Benedikt XV. vertrat den gesamten Krieg über eine Politik der Neutralität, der Papst selbst wandte sich wiederholt mit Friedensaufrufen an die kriegführenden Mächte und bot sich als Vermittler an, ohne damit durchdringen zu können.

Die katholische Militärgeistlichkeit (und ebenso die evangelische) hingegen war in Deutschland genauso in die militärischen Strukturen eingebunden, wie in allen anderen Streitkräften.

Andachtsbild zur Kriegsweihnacht im Großen Hauptquartier, Innenseite | BArch PH 32/349

„Wilhelm II. verabschiedet sich am 10. November 1918 am belgisch-niederländischen Grenzort Eysden von seinem Gefolge“

In den ersten Tagen des Novembers überschlugen sich die Ereignisse. Das Deutsche Heer war an der Westfront geschlagen – allen späteren Legenden zum Trotz. Es gab auch aus Sicht der Obersten Heeresleitung keinerlei Chance mehr auf ein in irgendeiner Form von Deutschland positiv zu beeinflussendes Kriegsende, es blieb nur noch die bedingungslose Kapitulation. Sowohl die Reichsregierung als auch der Kaiser wurden durch den plötzlichen Wechsel der militärischen Führung von arroganter Siegeszuversicht zu verzweifelter Ausweglosigkeit völlig überrascht. Nach Tagen der Ratlosigkeit und dem Klammern an unrealistische Auswege, vor dem Hintergrund revolutionärer Ereignisse in zahlreichen Städten, wurden die Beteiligten in militärischer und ziviler Führung von den Ereignissen letztlich überrollt. Nachdem der Reichskanzler Prinz Max von Baden am 9. November 1918 die Abdankung Wilhelms II. als Deutscher Kaiser und König von Preußen verkündet und die Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert von der SPD übertragen hatte, bestand die Monarchie zunächst noch fort. Doch diese Maßnahmen waren zu lange hinausgeschoben worden, der revolutionäre Schwung der Massen wurde unbeherrschbar. Noch am 9. November kam es zur Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann von der SPD, der damit entsprechenden Maßnahmen der Kommunisten zuvorkommen wollte.

Wilhelm II. fühlte sich von „seinen“ Mitarbeitern in der militärischen und zivilen Führung verraten. Allenthalben wurde ihm geraten, sich selbst ins Exil in Sicherheit zu begeben. Nach langem Zögern willigte Wilhelm II. schließlich ein und verließ am 10. November Deutschland in Richtung Niederlande, die ihm Exil angeboten hatten. Er kehrte nie wieder zurück und verstarb am 4. Juni 1941 auf Schloss Doorn in den Niederlanden.

Flucht des Kaisers in die Niederlande | BArch, Bild 183-R12318 / o.Ang.
BArch, Bild 146-2005-0164 / o.Ang.

Hauptquartier ohne Kaiser

„Verlegung des Großen Hauptquartiers von Spa nach Kassel-Wilhelmshöhe im November 1918“

Das Große Hauptquartier bestand formal auch nach Abdankung des Kaisers als zentrale Stelle der obersten militärischen und zivilen Führungsgremien weiter. Insbesondere die Oberste Heeresleitung hatte noch die gewaltige Aufgabe der ordnungsgemäßen und friedlichen Rückführung des Millionenheeres in die Heimat und dort dessen Demobilmachung durchzuführen. So konsequent diszipliniert die Truppen auch unter den Befehlen ihrer bisherigen Führer zurückzogen, so konsequent lösten sie sich auch in den Heimatstandorten auf. Zugleich bildeten sich aus einzelnen Teilen des Heeres und auch der Marine in der aktuellen Atmosphäre politischer Unklarheit und des beginnenden Bürgerkrieges zwischen Links und Rechts neue paramilitärische Verbände und Freikorps. Zudem standen auch nach Abschluss des Waffenstillstands am 11. November 1918 im Baltikum noch reguläre deutsche Truppen im Kampf.

Credits: Story

Quellen in der Ausstellung — Bild 104 Bild- und Filmamt | Bild 136 Sammlung Oscar Tellgmann | Bild 146 Sammlung von Repro-Negativen | Bild 183 Allgmeiner Deutscher Nachrichtendienst - Zentralbild | PH 24 Technische Truppen und Einrichtungen | PH 32 Militärkirchliche Dienststellen | RH 18 Chef der Heeresarchive | RH 61 Kriegsgeschichtliches Forschungsamt des Heeres

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