House Music: Ein Genre wird zur Bewegung

GROOVE Magazin Berlin

Disco Demolition Night Stadium von Paul NatkinGROOVE Magazin Berlin

Disco Demolition Night: Geboren aus der Zerstörung

1979 versammelten sich bis zu 60.000 Rock-Fans im Comiskey Park in Chicago, um ihrem Hass auf das afroamerikanisch konnotierte Genre Disco Ausdruck zu verleihen. Die aggressiven, alkoholschwangeren Proteste zwingen Disco zurück in den Untergrund, wo sich House Music herausbildet.

Disco Demolition Night Steve Dahl von Paul NatkinGROOVE Magazin Berlin

House Music is Black Music

Von Anfang an ist House ein dezidiert schwarzer Sound, der gegen die Unterdrückung gerichtet ist. Etwa gegen den Radiomoderator Steve Dahl, der die Disco Demolition Night ins Leben ruft und das Publikum mit der Sprengung sämtlicher mitgebrachten Disco-Platten anstachelt.

Frankie Knuckles von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Frankie Knuckles: Der Godfather of House

Seinen Spitznamen hat Frankie Knuckles nicht von ungefähr. Der gebürtige New Yorker spielte ab 1977 im Chicagoer Club Warehouse und erschuf mit unorthodoxen Stilmixen aus Disco, Funk und weiteren Spielarten der Tanzmusik die Blaupause des Sounds, der heute als House firmiert.

Das Warehouse

Der Chicagoer Club wird oftmals als namensgebend für das komplette Genre bezeichnet. House ist demnach der Sound, der im Warehouse, speziell bei Sets von Frankie Knuckles, gespielt wurde. Diese Version bestätigen aber längst nicht alle der damaligen Zeitzeug*innen.

Frankie Knuckles von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Vom Warehouse zum Power Plant

1982 verließ Knuckles das Warehouse aufgrund kreativer Differenzen und eröffnete bald darauf seinen eigenen Club, das Power Plant, der sich bis 1986 hielt, ehe Hip Hop House als kulturellem Phänomen zusehends den Rang ablief. 

Ron Hardy Music Box Chicago von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Das nächste Kapitel: Ron Hardy und die Music Box

Ron Hardy gilt als der DJ, der Frankie Knuckles' House-Vision beinahe diametral entgegenstand. Härter, schneller, perkussiver klang der Resident des unmittelbaren Warehouse-Nachfolgers Music Box, der Exzess wurde propagiert, das unfassbar laute Soundsystem half dabei.

Warehouse Party by Frankie Knuckles Foundation von Frankie Knuckles FoundationGROOVE Magazin Berlin

Der Exzess, den etwa Ron Hardy und Frankie Knuckles heraufbeschwören, ist in der Music Box, dem Warehouse und anderen House-Clubs aber nicht bloßer Selbstzweck. Sie dienen als unverzichtbarer Rückzugsort für marginalisierte Gruppen – insbesondere Schwarze und Homosexuelle.

Larry Levan von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Das zweite Epizentrum: Larry Levan und die Paradise Garage

House hat seine Wurzeln nicht nur in Chicago. Auch in New York entwickelte sich das Genre parallel zur Windy City in rasanter Manier. Verantwortlich dafür waren insbesondere Larry Levan und der legendäre Club Paradise Garage, wo er von 1977 bis 1987 hinter den Decks stand.

Tony Humphries von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Tony Humphries spielt hier mit einem Stick Headphone. Dieses reminisziert an die Anfangszeit des DJings aus der Disco-Ära in den 70ern, als es noch keine professionellen Kopfhörer dafür gab und DJs sich mit Telefonhörern behalfen. Viele House-DJs halten diese Tradition am Leben. 

Lil Louis von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Die Essenz des House

Neben einem moderaten Four-To-The-Floor-Beat, üppigen Piano-Klängen und spirituellem Empowerment geht es bei House Music nicht zuletzt um Sex. Das setzte kein Producer eindrucksvoller in einem Track um als Lil' Louis, dem mit „French Kiss” 1989 der Durchbruch gelang.

DJ Pierre von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Die nächste Innovation

1987 veröffentlichte das Chicagoer Trio Phuture – hier im Bild: DJ Pierre – mit Acid Tracks die Single, die dem Subgenre des Acid House den Weg bereiten sollte. Besonders im Vereinigten Königreich läutete der Sound eine neue Ära der Tanzmusik ein.

Marshall Jefferson von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

An der Schnittstelle: Marshall Jefferson

Marshall Jefferson entwickelte House mit durchschlagenden Produktionen weiter, darunter „I've Lost Control” als Sleezy D und die schillernde Piano-House-Hymne „Move Your Body”. Als Produzent war er an Phutures „Acid Tracks” beteiligt.

Marshall Jefferson Zeitgeschichten 1 von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

„Eine Bassline, ein Piano und Drums. Das ist nicht viel, aber man muss sagen: Die Basslines, die hatte ich drauf”, sagte Jefferson im Zeitgeschichten-Interview der Groove 2017 und brachte damit die Demokratisierung der Musikproduktion in der damaligen Zeit zum Ausdruck.

Groove #91 Cover Roland 303 von Groove MagazinGROOVE Magazin Berlin

Musikalischer Fortschritt – importiert aus Japan: Die TB-303

Die handliche Gerätschaft kam bereits 1981 auf den Markt, entpuppte sich zunächst als Flop. Ihr Zwitschern auf „Acid Tracks” sorgte Jahre später dafür, dass Ron Hardy die Record Box nach, so will es die Legende, vier Durchläufen des Stücks zum Überkochen brachte.

Phuture 303 Groove Cover 1996 von Groove MagazinGROOVE Magazin Berlin

Kein House ohne Maschinenfetisch

Nicht nur Phutures Nachfolge-Kollektiv drückte mit dem Zusatz „303” im Namen seine Wertschätzung für Rolands ikonischen Synthesizer aus. Acid wäre ohne ihn und die Experimentierfreude aus Chicago schlicht nie passiert, House hätte seine schärfsten Ecken und Kanten nie bekommen.

Larry Heard im Groove Magazin (1996) von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Der Feinschliff: Larry Heard

Künstler*innen wie Larry Heard, übrigens Stammgast in Knuckles' Power Plant, sind hingegen dafür verantwortlich, dass Deep House heute klingt, wie er klingt. Tracks wie „Can You Feel It”, „Bring Down The Walls” oder „Washing Machine” sind Meilensteine des Genres.

Larry Heard by von Nick Haylor/ Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

House-Legende über Dekaden

Bereits 1983 startete Heard seine Solokarriere, die bis heute andauert. über die Jahrzehnte verwendete er diverse Pseudonyme, am aktivsten war er unter Klarnamen und als Mr. Fingers. Er repräsentiert überwiegend eine groovigere, souligere, gar kathartische Version des House.

Kerri Chandler von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Deep House von der East Coast: Kerri Chandler

Kerri Chandler wurde 1969 in New Jersey geboren und ist ein Beleg dafür, dass die Konturen des Deep House nicht nur in Chicago geschärft wurden. Insbesondere beeinflusst durch Musik aus dem New Yorker Underground, schuf er Hymnen wie „Rain” oder „Mommy What's A Record”.

Moodymann Groove Cover 175, 2018 von Groove ArchivGROOVE Magazin Berlin

Not just a Chicago thing

Die traditionelle Einteilung in Chicago House und Detroit Techno bricht Kenny Dixon Jr. alias Moodymann gekonnt auf. Ab Mitte der 90er produziert der Detroiter House-Tracks, die mit unverkennbaren Vocals und raueren Grooves bestechen als die aufgeräumtere Konkurrenz aus Chicago.

Honey Dijon von Florian HetzGROOVE Magazin Berlin

Traditionslinien des House

DJs wie Honey Dijon bewahren im kontemporären Dance-Zirkus den Geist der House Music. Diese machte in den letzten Jahrzehnten einen Whitewashing-Prozess durch, der das Genre noch stärker kommerzialisierte und den queeren und schwarzen Communitys, denen es entstammt, entriss.

Mitwirkende: Geschichte

Maximilian Fritz, Interview mit Marshall Jefferson: Michael Leuffen

Quelle: Alle Medien
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