1997 - 2017

20 Jahre Stiftung Brandenburger Tor im Max Liebermann Haus 

Stiftung Brandenburger Tor im Max Liebermann Haus

Ein Ort Berliner und deutscher Geschichte

 Die Stiftung
Die Stiftung Brandenburger Tor hat seit dem Jahr 2000 ihren Sitz im Max Liebermann Haus am Brandenburger Tor. Daraus leitet die Stiftung Brandenburger Tor als Kulturstiftung der Berliner Sparkasse ihren Auftrag ab, die Bedeutung der Kultur für unsere Zivilgesellschaft hervorzuheben und zu stärken. Sie widmet sich der  Ästhetischen Bildung, veranstaltet Ausstellungen und initiiert Kulturdebatten sowie Konferenzen und Projekte.

Die Stiftung versteht sich als Kulturstiftung im wieder aufgebauten Haus von Max Liebermann am Pariser Platz, direkt neben dem Brandenburger Tor. Nirgendwo in Deutschland sind Glanz, Gefährdung und Untergang von Kultur enger miteinander verknüpft als in der Person Max Liebermann und in seinem Haus an diesem prominenten Platz mit lokaler, nationaler und europäischer Bedeutung.

Das Brandenburger Tor: Berliner Wahrzeichen und nationales Symbol
Das Brandenburger Tor wird mit vielen wichtigen geschichtlichen Ereignissen des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden. Es wurde als Triumphtor in den Jahren 1789 bis 1793 auf Anweisung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. errichtet und bildete als Stadttor den Abschluss der historischen Berliner Innenstadt. Die von Johann Gottfried Schadow entworfene Quadriga schmückt das Brandenburger Tor, und erzählt sogar eine eigene Geschichte.

Deutsch-französische Geschichte

Nachdem Preußen den Vierten Koalitionskrieg gegen Frankreich verloren hatte, zog Napoleon mit seinen Truppen am 27. Oktober 1806 durch das Brandenburger Tor nach Berlin ein. Napoleon ließ in den eroberten Gebieten Kunstschätze für das Musée Napoléon, das heutigen Louvre, zusammentragen. Darunter fiel auch die Quadriga vom Brandenburger Tor. 1814 kehrte sie nach dem Sieg über den französischen Kaiser an ihren angestammten Platz in Berlin zurück. Für die Berliner war die Quadriga nach ihrer Rückführung im Volksmund die „Retourkutsche“.

Zwischen Monarchie, Demokratie und Diktatur

Die Novemberrevolution von 1918/19 führte in der Endphase des Ersten Weltkrieges zum Sturz der Monarchie im Deutschen Reich und zu dessen Umwandlung in eine parlamentarische Demokratie, die Weimarer Republik.

Aufmarsch der Nazis

Max Liebermann: "Ick kann janich so viel fressen, wie ick kotzen möchte!"

Krieg und Zerstörung

Im 2. Weltkrieg blieb auch in Berlin kaum ein Stein auf dem anderen. So wurde 1943 das Haus Max Liebermann durch einen Bombenangriff zerstört.

Deutsche Teilung

Nach dem Krieg war Berlin nicht nur eine zerstörte, sondern auch eine geteilte Stadt. Mit der deutschen Teilung und dem Mauerbau 1961 stand das Brandenburger Tor auf dem Sperrgebiet zwischen Ost und West und war für Berliner und Besucher nicht erreichbar.

Ein Ort der deutschen Wiedervereinigung

Bürger beider deutschen Staaten feiern 1989 gemeinsam den Fall der Berliner Mauer. Seitdem gilt das Brandenburger Tor als Symbol der Wiedervereinigung und ist heute der zentrale Ort Berlins.

"Wenn Se nach Berlin reinkommen, gleich links"
Der Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor war schon immer eine vornehme Gegend und galt als "Empfangssalon" Berlins. Hier trafen sich alter und neuer Adel, preußische Großgrundbesitzer und wohlhabende Unternehmer. Kaiser Wilhelm II. residierte am anderen Ende der zentralen Prachtstraße "Unter den Linden". Somit war das Liebermann Haus am Pariser Platz 7 (links vom Brandenburger Tor) eine der prominentesten Adressen in Berlin, "gleich links" eben. 

Einer der schönsten Plätze

Die Gebäude am Pariser Platz wurden um 1840 im Stil der klassizistischen Schule nach dem bedeutenden Architekten Schinkel umgestaltet. Im Jahr 1844 entstand das spätere Liebermann Haus nach Plänen des Baumeisters August Stüler, einem Schinkel Schüler. Mit seiner sachlichen Architektur wirkte das dreigeschossige Haus für seine Zeit klar und nüchtern. Auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. durfte das Haus nicht das Brandenburger Tor überragen. Aus Gründen der Symmetrie erhielt das Brandenburger Tor vom gleichen Architekten auf der anderen Seite ein architektonisches Pendant.

Pariser Platz Nr. 7

1859 wurde das Haus am Pariser Platz 7 am Nordflügel des Brandenburger Tores von der Familie Liebermann erworben.
Nach dem Tod des Vaters erbte Max Liebermann das Haus und bewohnte für rund ein halbes Jahrhundert mit seiner Frau und Tochter die 2. Etage.

Max Liebermann
Der jüdische Maler Max Liebermann (1847-1935) gehört zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Impressionismus. Sein Schaffen steht beispielhaft für den Übergang von der Kunst des 19. Jahrhunderts hin zur Klassischen Moderne zur späten Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Diesen Wandel förderte er insbesondere als Präsident der Berliner Secession, einer wichtigen Künstlervereinigung, die als Gegenreaktion auf das konventionelle, historisierende Kunstverständnis Wilhelms II. gegründet wurde. Von 1920 bis 1932 war er Präsident, bis 1933 Ehrenpräsident der Preußischen Akademie der Künste. 1933 erteilten ihm die an die Macht gelangten Nationalsozialisten Arbeitsverbot.

Die Person Max Liebermann

Max Liebermann hat am Pariser Platz Nr. 7 nicht nur gewohnt und gearbeitet, sondern dort auch als öffentlich wirkende und wahrgenommene Persönlichkeit residiert. Sein Haus wurde eine der ersten Adressen der intellektuellen Elite Berlins.

"In Liebermann bewundere ich Berlin, - das man von München aus viel besser bewundert, als wenn man dort lebt. Ich finde es königlich, dass er den geweckt schnoddrigen Berliner Jargon spricht, frank und unverfälscht, und wenn ich bei ihm bin, in seinem Haus am Pariser Platz, fühle ich mich im Brenn- und Sammelpunkt erheiternder und mächtiger Chrakterkräfte, an repräsentativ-symbolischem Ort, in der Residenz des genius loci." (Thomas Mann)

"Es ist als wäre man in London oder Paris":
Max Liebermanns großbürgerliche Wohnung am Pariser Platz

Der Kunstsammler Max Liebermann

"Zwar gibt es nur Kunst schlechthin; sie kennt weder religiöse noch politische Grenzen. Was anderes aber sind die Künstler, die sowohl durch ihr Vaterland wie ihre Religion miteinander verbunden sind. Und wenn ich mich durch mein ganzes Leben als Deutscher gefühlt habe, es war meine Zugehörigkeit zum Judentum nicht minder stark in mir lebendig." Max Liebermann

Das Atelier am Pariser Platz 7
Kurz nach seinem Einzug im Jahr 1894 beauftragt Max Liebermann den renommierten Architekt Grisebach mit dem Entwurf eines gläsernen Aufbaus für sein Haus. Dieser sollte sein Dachatelier werden, übrigens sehr zum Unmut des Kaisers. Die lokalen Baubehörden lehnten seine Planung mit der Begründung ab, der Aufsatz würde das architektonische Gesamtbild des klassizistischen Ensembles um das Brandenburger Tor beeinträchtigten. Kaiser Wilhelm II. soll die Entwurfszeichnungen persönlich begutachtet und als »scheußlich«  bezeichnet haben.

Erst nach einem vierjährigen Behördenmarathon konnte Liebermann seine Arbeit im Atelier aufnehmen. Sein Atelier war nicht nur Mittelpunkt seines kreativen Schaffens, sondern wurde auch beliebte Anlaufstelle für Literaten und Künstler.

Der Maler Max Liebermann

Es wird berichtet, dass Max Liebermann jeden Morgen um Punkt 10:00 Uhr seine Arbeit aufnahm und bis 16:00 Uhr durcharbeitete. Er malte in wohnlicher und familiärer Atmosphäre. Seine Frau und Tochter und selbst der Familienhund leisteten ihm dabei Gesellschaft.
In seinem Atelier am Pariser Platz 7 entstanden Porträts seiner Künstlerfreunde wie Lovis Corinth und Max Slevogt sowie großer Wissenschaftler wie Albert Einstein und von Politikern.

Liebermanns Gemälde seines neuen Ateliers im elterlichen Haus am Pariser Platz 7 ist auch Zeugnis seines persönlichen Triumphs über den Kaiser. Zudem läutet das Werk "Im Atelier des Künstlers" aus dem Jahr 1902 eine Phase der intensiven künstlerischen Auseinandersetzung des Malers mit dem Bildnis seiner selbst ein.

Martha und Max Liebermann

1935 starb Max Liebermann in seinem Haus am Brandenburger Tor. Martha Liebermann wurde 1936 aus ihrem Haus vertrieben, nachdem die Nazis den sogenannten Judenbann über sie verhängt hatten. Im Winter 1942/43 erlitt sie einen Schlaganfall. Nachdem sie am 5. März 1943 die Aufforderung zur Deportation nach Theresienstadt erhalten hatte, nahm sie eine Überdosis Schlaftabletten und starb am 10. März 1943. An sie erinnert ein Stolperstein vor dem Hauseingang der Stiftung.

Liebermanns Vermächtnis lebt weiter
Die Verantwortung des Ortes Max Liebermann Haus lässt die Stiftung nach vorne schauen. Das Max Liebermann Haus am Pariser Platz ist kein bloßer Erinnerungsort. Die Brüche, die hier stattfanden, fordern den kulturellen Diskurs und die Auseinandersetzung mit den Themen unserer Zeit  – im Bewusstsein der Geschichte. Kultur geht weit über die Initiierung schöner Ausstellungen hinaus. Anspruch der Stiftung Brandenburger Tor ist es, mit Kultur die Entwicklung unserer Gesellschaft zu prägen. Deshalb hat die Stiftung beispielsweise neben historischen Ausstellungen eine eigene, zeitgenössische Ausstellungsreihe „im Atelier Liebermann“ initiiert, mit der künstlerische Positionen unserer Zeit gezeigt werden, die sich mit diesem Ort auseinandersetzen. 

Im Atelier Liebermann

Mit der Ausstellungsreihe "im Atelier Liebermann" bietet die Stiftung der zeitgenössischen Kunst eine Plattform und knüpft an die gestalterische Kraft an, die für lange Zeit von diesem Haus ausging. Zweimal im Jahr stellt ein aktueller Künstler seine Studioarbeiten aus. Zum Programm der Stiftung.

Vernetzung und Zukunftsvision des Kunstmarktes

Welchen besseren Ort gibt es als den kulturell vielfältigen und international geprägten Pariser Platz, um Akteure der Kunstwelt aus aller Welt zusammenzubringen, um über aktuelle Entwicklungen des Marktes zu diskutieren.
Das Forum ART. TALKING BUSINESS. wurde 2017 von der Stiftung ins Leben gerufen.

Kunstbegegnungen in der Schule

Mit dem Artists-in-Residence-Programm Max möchte die Stiftung Brandenburger Tor in Kooperation mit der grundschule der künste der Universität der Künste Berlin die Ästhetische Bildung in Grundschulen fördern.

Liebermanns Welt

Das Max Liebermann Haus ist damals wie heute „…der Brenn- und Sammelpunkt erheiternder und mächtiger Charakterkräfte, an repräsentativ-symbolischem Ort, in der Residenz des genius loci“, wie es Thomas Mann 1928 ausdrückte. Mit der Gesprächsreihe Liebermanns Welt möchte die Stiftung Max Liebermann und seine Zeit präsentieren, d. h. seine Mitstreiter, Besucher seines Hauses, Nachbarn, Persönlichkeiten, die er porträtiert hat, die Umgebung am Pariser Platz, wo er ein- und ausging, und die Menschen, die ihm dort begegneten.

Stipendium für Schriftsteller im Exil

Unter dem Namen Torschreiber loben die Allianz Kulturstiftung und die Stiftung Brandenburger Tor in Verbindung mit dem Literarischen Colloquium ein Stipendium für Schriftsteller im Exil aus. Eine Schriftstellerin oder ein Schriftsteller kann für sechs Monate in Berlin an einem eigenen, literarischen Projekt arbeiten.

Das Max Liebermann Haus ist wie kein anderes Haus dazu geeignet, um Diskurse zu führen und Ideen voranzutreiben. In den kommenden Jahren will die Stiftung mit ihrer Arbeit neben dem Bildungsauftrag, den sie mit ihren Ausstellungen und den Projekten zur Ästhetischen Bildung verfolgt, das Max Liebermann Haus zu dem Ort machen, an dem die großen kulturellen Themen Berlins und Deutschlands diskutiert werden können.

Stiftung Brandenburger Tor im Max Liebermann Haus
Credits: Story

Eine Ausstellung der Stiftung Brandenburger Tor im Max Liebermann Haus.

Wir bedanken uns beim Bundesarchiv, dem Landesarchiv Berlin und Independent Connectors für die Kooperation und das Zurverfügungstellung von Bildmaterial. Unser Dank geht ebenfalls an den Vorstand und die Mitarbeiter der Stiftung Brandenburger Tor sowie an das Team von Google Arts & Culture.

Initiative und Projektkoordination: Sebastian Pflum

Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Carolin Friese

Projektleitung und Kuratorin: Kristina Leipold

Credits: All media
The story featured may in some cases have been created by an independent third party and may not always represent the views of the institutions, listed below, who have supplied the content.
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