Ermanno Wolf-Ferrari – Die frühen Jahre

„Kunst soll Glück bringen: Sie soll dort anfangen, wo alles Leid aufhört oder durch Über­legenheit gebändigt ist. Ich sehne mich nach reiner Luft in der Kunst…“ Als Ermanno Wolf-Ferrari 1909 dieses „Credo“ in einem Brief an Engelbert Humperdinck formulierte, gehörte er bereits zu den weltweit erfolgreichsten und meistgespielten Komponisten.

Als Sohn des deutschen Malers August Wolf und der Venezianerin Emilia Ferrari 1876 geboren, wuchs er in Venedig auf, wo sein Vater im Auftrag von Adolf Friedrich von Schack venezianische Gemälde für dessen Sammlung kopierte. Gleichermaßen begabt für Malerei und Musik, entschied er sich nach kurzem Kunststudium in Rom und München als Sechzehn­jähriger für die Musikerlaufbahn und trat in die Münchner Akademie der Tonkunst ein, wo er bei Josef Rheinberger von 1892 bis 1895 studierte.

Seit 1894 führte er den Doppelnamen Wolf-Ferrari. Die folgenden Jahre verbrachte Wolf-Ferrari in Italien, arbeitete in Mailand als Chorleiter und versuchte, als Opernkomponist Fuß zu fassen. Er heiratete die deutsche Sängerin Clara Kilian und wurde Vater eines Sohnes. Wolf-Ferrari zog Zeit seines Lebens häufig zwischen Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz um. Außer in Venedig verbrachte er die meisten Jahre in München und im Münchner Umland: Er lebte ab 1909 zeitweise in der Konradstraße, dann in der Hohenzollernstraße in München-Schwabing, später in Hohenbrunn, Ottobrunn und Krailling, schließlich in der Friedrich-Herrschel-Straße in München-Bogenhausen.

Erste Achtungserfolge in Deutschland verzeichneten die Oper „Aschenbrödel“ in Bremen (1902) und das Oratorium „La vita nuova“ (März 1903) in München. Der Durchbruch kam im November 1903 mit der Oper „Die neugierigen Frauen“, uraufgeführt im Münchner Residenztheater – ein Sensationserfolg, von 27 deutschen Theatern nachgespielt. Wolf-Ferraris Wiederbelebung der Opera buffa nach Vorlagen von Carlo Goldoni hatte offenbar einen Nerv getroffen. Auch „Die vier Grobiane“, uraufgeführt 1906 in München, nunmehr im Nationaltheater unter Leitung von Felix Mottl, konnte an den Erfolg anknüpfen. Die dritte und zunächst letzte Münchner Uraufführung war 1909 der Einakter „Susannens Geheimnis“. Mit „Der Schmuck der Madonna“ (Uraufführung Berlin 1911) schlug Wolf-Ferrari eine neue Richtung ein, die sich inhaltlich und musikalisch deutlich am italienischen Verismo orien­tierte. „Der Liebhaber als Arzt“, 1913 in Dresden uraufgeführt, markiert die stilistische Rück­besinnung auf die Goldoni-Komödien.

Der Siegeszug von Wolf-Ferraris Opern wurde jäh unterbrochen durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der Komponist verstummte für viele Jahre – eine durch Depressionen ausgelöste Schaffenskrise. 1915 schrieb er an den Münchner Opernintendanten Clemens von Franckenstein: „Denken Sie sich, was es heißt, von einem deutschen Vater und einer italienischen Mutter abzustammen, jetzt im Kriege!“ Wolf-Ferrari verbrachte mehrere Jahre in der Schweiz ohne zu komponieren. Seine Depressionen legten sich nie mehr vollständig. Obwohl in den kommenden Jahrzehnten weitere Opern, später auch Orchestermusik und zahlreiche kammermusikalische Werke entstanden, konnte Wolf-Ferrari an seine früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen. Er starb 1948 in seiner Geburtsstadt Venedig.

Über Jahrzehnte hinweg hat die Bayerische Staatsbibliothek (BSB) Musikhandschriften und Dokumente von Wolf-Ferrari gezielt erworben und verfügt heute über einen umfangreichen Quellenbestand. Dazu kommen das Aufführungsmaterial der Münchner Ur- und Erstauf­führungen der Opern, Theaterzettel sowie die Erstausgaben der Notendrucke seiner Werke.

Ermanno Wolf-Ferrari im Alter von 6 JahrenBayerische Staatsbibliothek

Kindheit in Venedig, Jugend in München

Ermanno Wolf-Ferrari wuchs als ältestes überlebendes Kind seiner Eltern August Wolf und Emilia Ferrari in Venedig auf. Die ersten beiden Kinder waren im Säuglingsalter gestorben. Nach ihm wurden vier weitere Söhne geboren: Enrico, Teodoro, Emilio und Cesare.

In der Familie wurde zwar nicht musiziert, doch erhielt der sechsjährige Ermanno Klavierunterricht durch einen Freund der Familie, den Fotografen Leonardo Brusa. Weitgehend unbegleitet entwickelte sich seine musikalische Hochbegabung. Mit 12 Jahren hatte Ermanno alle Klaviersonaten Ludwig van Beethovens gespielt, mit 13 Jahren beeindruckte ihn ein Besuch der Bayreuther Festspiele so tief, dass er „eine Art Tristan“ zu komponieren versuchte.

Dennoch begann er zunächst – wie sein Bruder Teodoro, der Maler wurde – eine künstlerische Aus­bildung, zunächst in Rom, dann privat in der 1886 gegründeten Malschule von Simone Hollósy in München. Doch 1892, im Alter von 16 Jahren, fiel die Entscheidung: „Statt dessen ging ich auf einmal nicht mehr hin [in die Malschule], und trat in die Akademie der Tonkunst ein. Rheinberger nahm mich auf, obwohl ich nie Harmonie-Unterricht gehabt hatte. Es fehlten mir ja nur die Namenskenntnisse. Ich kannte natürlich jeden Akkord“. 

1895 bestand Wolf-Ferrari 19jährig die Abschlussprüfung der Akademie.

Geburtsurkunde von Ermanno Wolf-Ferrari, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Geburtsurkunde von Ermanno Wolf-Ferrari. Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 408

Ermanno Wolf-Ferrari im Alter von 6 Jahren, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari im Alter von 6 Jahren. Reproduktion einer Fotografie von Antonio Sorgato, Venedig, 1882. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Ermanno Wolf-Ferrari mit seinen Brüdern Enrico und Teodoro, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari mit seinen Brüdern Enrico und Teodoro. Reproduktion einer Fotografie von Antonio Sorgato, Venedig, 1882. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Ermanno Wolf-Ferrari im Alter von 16 Jahren, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari im Alter von 16 Jahren. Reproduktionen von zwei Fotografien, 1892. Privatsammlung Friedrich Haider

Ermanno Wolf-Ferrari mit seinen Eltern August Wolf und Emilia Ferrari, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari mit seinen Eltern August Wolf und Emilia Ferrari. Fotografie, Venedig, 1914. Privatsammlung der Familie Wolf-Ferrari, Venedig

Zeichnungen und Karikaturen von Ermanno Wolf-Ferrari, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Zeichnungen und Karikaturen von Ermanno Wolf-Ferrari, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Zeichnungen und Karikaturen von Ermanno Wolf-Ferrari, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Zeichnungen und Karikaturen von Ermanno Wolf-Ferrari. Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 108

Der Nachlass des Komponisten enthält zahlreiche kleinformatige Blätter und Zettel mit schnell hingeworfenen Karikaturen und Bleistiftzeichnungen aus seiner Jugendzeit. Gelegentlich sind die Porträtierten bezeichnet, wie hier der Dichter Robert Hamerling (1830-1889) und der Vater des Komponisten, August Wolf.

August Wolf (1842-1915), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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August Wolf (1842-1915). Reproduktion einer Zeichnung von Ermanno Wolf-Ferrari, 1892. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Der Maler August Wolf ging 1870 nach Venedig und fertigte dort im Auftrag von Adolf Friedrich von Schack über viele Jahre hinweg 44 teils großforma­tige Kopien von Gemälden in venezianischen Kirchen an, darunter Werke von Tizian, Tintoretto und Giorgione. Ein großer Teil dieser Gemälde befin­det sich heute im Kopiensaal der Sammlung Schack in München. Dieses Porträt seines Vaters zeichnete der sechzehnjährige Ermanno 1892.

Emilia Ferrari (1848-1938), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Emilia Ferrari (1848-1938). Reproduktion einer Fotografie, ca. 1870. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901). Fotografie von Franz Seraph Hanfstaengl, um 1866. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Der aus Liechtenstein stammende Rheinberger war gegen Ende des 19. Jahr­hunderts eine zentrale Persönlichkeit des Münchner Musiklebens. Seit 1876 Professor für Komposition und Orgelspiel an der Königlichen Musikschule und zusätzlich seit 1877 Hofkapellmeister, genoss Rheinberger als Kom­ponist, Organist und Kompositionslehrer internationalen Ruf. Hans von Bülow nannte ihn „den ersten Kontrapunktisten und Lehrer Deutschlands“. Der sechzehnjährige Ermanno Wolf-Ferrari wurde 1892 sein Schüler. In der dreijährigen Studienzeit entstanden viele Kammermusikwerke, darunter das Streichtrio h-Moll und die Violinsonate op. 1.

Serenade für Streichorchester. Klavierauszug für 4 Hände, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Serenade für Streichorchester. Klavierauszug für 4 Hände. Partitur. Autograph. 1894. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 23141

Serenade für Streichorchester. Klavierauszug für 4 Hände, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Serenade für Streichorchester. Klavierauszug für 4 Hände. Partitur. Autograph. 1894. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 23141

Eigenhändiger Klavierauszug, auf dem Titelblatt die „verehrungsvollste“ Widmung an den Lehrer, Josef Rheinberger. Im Zuge der Drucklegung der Serenade vereinte der Komponist die Namen seiner beiden Eltern und nannte sich von da an stets „Ermanno Wolf-Ferrari“.

Ermanno Wolf-Ferrari an Josef Rheinberger, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari an Josef Rheinberger. Brief, Venedig, 2.9.1894. Bayerische Staatsbibliothek München, Rheinbergeriana II

Ermanno Wolf-Ferrari an Josef Rheinberger, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari an Josef Rheinberger. Brief, Venedig, 2.9.1894. Bayerische Staatsbibliothek München, Rheinbergeriana II

Wolf-Ferrari empfiehlt hier seinen Jugendfreund Giulio Bas (1874-1929) als Kompositionsschüler an seinen Lehrer Rheinberger. Bas studiert in der Folge tatsächlich in München, er wurde später u.a. Organist an der Markusbasilika in Venedig. Im Postskriptum des Briefs erwähnt Wolf-Ferrari die Druck­legung seiner im Juli 1894 in München uraufgeführten „Serenade für Streich­orchester“ und deren Widmung an Rheinberger.

Königliche Akademie der Tonkunst: Prüfungs-Konzert, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Königliche Akademie der Tonkunst: Prüfungs-Konzert. Konzertzettel, München, Odeon, 7.7.1894. Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 408

Die Aufführung der „Serenade für Streichorchester“ des achtzehnjährigen Kompositionsstudenten im Münchner Odeon war sein erstes öffentliches Hervortreten als Komponist, begleitet vom „gefälligen Schütteln der Profes­sorenköpfe“, wie Wolf-Ferrari seiner Biographin Alexandra Carola Grisson berichtete.

Königliche Akademie der Tonkunst, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Königliche Akademie der Tonkunst. Fotografie, um 1924. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Die 1874 begründete Königliche Akademie der Tonkunst befand sich im Gebäude des 1826-1828 durch Leo von Klenze errichteten Odeon. Der große Saal des Odeon wurde als Konzert- und Ballsaal genutzt, hier fanden auch die Prüfungs-Konzerte der Akademie statt.

Fuga libera a 4 temi, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Fuga libera a 4 temi. Partitur. Autograph. Juli 1895. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 23146-1

Als Abschlussarbeit des Studiums an der Akademie der Tonkunst gab Josef Rheinberger seinem Schüler eine Fuge auf, deren Thema er vorgab. Wolf-Ferrari gefiel dieses nicht und er entschied, stattdessen eine Fuge über vier (!) Themen zu schreiben, in der Rheinbergers Thema erst an zweiter Stelle er­scheint (in der Partitur 3. System links bezeichnet als „tema dato“ = „vorge­gebenes Thema“). Im Nachlass existieren von dieser Komposition Stimmen sowohl für eine Ausführung mit Streichquartett als auch mit zwei Klavieren.

4 Rispetti op. 11Bayerische Staatsbibliothek

Lieder, Kammermusik, Oper: Erste Drucke, erste Aufführungen

Während der Studienzeit an der Akademie der Tonkunst (1892 bis 1895) komponierte Wolf-Ferrari eine große Anzahl von kammermusikalischen Werken, darunter eine Violinsonate, drei Streichtrios, zwei Streichquartette und ein Streichsextett, auch Orchesterwerke wie die Fantasie fis-Moll, eine Symphonie e-Moll (Fragment), die Serenade für Streichorchester Es-Dur, die Oper „Irene“ und eine Reihe von Klavierliedern. Die meisten dieser Kompositionen wurden nicht verlegt, sondern liegen nur als eigenhändige Manuskripte des Komponisten vor. Die Existenz der meisten Werke war lediglich durch Wolf-Ferraris eigenhändiges Verzeichnis der frühen Kompositionen belegt. Einzelne Autographen befanden sich bereits seit längerer Zeit in der BSB, doch die Mehrzahl war jahrzehntelang verschollen, bis sie 2001 in einer Auktion erschienen und von der BSB angekauft wurden. 

Der neu erworbene Teilnachlass umfasst fast 3600 Seiten. Durch diese glückliche Erwerbung sind Wolf-Ferraris Kompositionen der frühen Jahre nun fast vollständig in München vereint.
Viele Kompositionen der Folgejahre ab 1896 wurden aufgeführt und gedruckt, darunter die für Wolf-Ferraris Mailänder Chor geschriebenen Werke, die „Rispetti“ genannten italienischen Lieder und die erste vollendete Oper „Aschenbrödel“ („Cenerentola“). 

Verzeichnis der Jugendwerke, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Verzeichnis der Jugendwerke. Autograph. Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 408

Verzeichnis der Jugendwerke, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Verzeichnis der Jugendwerke. Autograph. Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 408

Verzeichnis der Jugendwerke, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Verzeichnis der Jugendwerke. Autograph. Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 408

Dieses unscheinbare kleine Doppelblatt, auf dem Ermanno Wolf-Ferrari seine Kompositionen der Jahre 1892 bis 1898 mit fortlaufender Zählung, aber nicht chronologisch aufführt, ist eine äußerst wertvolle Quelle, sind doch die meisten dieser Kompositionen nicht gedruckt und die Handschriften selbst vielfach undatiert.

Trio für Violine, Viola und Violoncello h-Moll, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Trio für Violine, Viola und Violoncello h-Moll. Partiturfragment. Autograph. München, Januar 1894. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 21366

Das suggestive, an Johannes Brahms gemahnende Anfangsthema dieses unvollendet gebliebenen Streichtrios aus der Münchner Studienzeit hat Wolf-Ferrari später mehrfach wiederverwendet. Die Partitur enthält nur die Sätze 1-3, ein Finalsatz fehlt. Der Komponist zeichnet hier noch als „Ermanno Wolf“.

Sonate für Violine und Klavier g-Moll op. 1, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Sonate für Violine und Klavier g-Moll op. 1. Partitur. Autograph. Juni 1895. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 23550

Sonate für Violine und Klavier g-Moll op. 1, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Sonate für Violine und Klavier g-Moll op. 1. Partitur. Autograph. Juni 1895. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 23550

Für den Druck der gewichtigen Violinsonate g-Moll vergab Wolf-Ferrari die Opuszahl 1. Gewidmet ist sie dem Geiger Theodor Kilian, Professor an der Münchner Akademie der Tonkunst und Bruder von Wolf-Ferraris erster Ehe­frau. Auf dem Titelblatt findet sich links unten mit Bleistift eine fragmentari­sche Auflistung früher Kompositionen mit zwei verschiedenen Zählungen. Bei der autographen Partitur handelt es sich um eine frühe Niederschrift der Sonate, die vielfach von der im Druck überlieferten Fassung abweicht.

Società Corale Internazionale di Milano: Konzert, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Società Corale Internazionale di Milano: Konzert. Konzertzettel, Mailand, Konservatorium, 28. Mai 1897. Bayerische Staatsbibliothek München, Ana 408

Zwischen 1896 und 1900 lebte Wolf-Ferrari als Chorleiter in Mailand. Die Besetzung dieses Mailänder Konzerts liest sich wie ein Familientreffen – alle drei Kinder des Unternehmers Friedrich Kilian wirkten als Solisten mit. Der aus Baden stammende wohlhabende Unternehmer und Musikliebhaber hatte Wolf-Ferrari 1895 in München kennengelernt. Seine drei Kinder wurden sämtlich Musiker: Die Tochter Clara, seit 1897 mit Ermanno Wolf-Ferrari verheiratet, war Sängerin, der Sohn Theodor Geiger, der Sohn Hermann Cellist. Wolf-Ferrari widmete seinem Schwiegervater und den drei Geschwistern, die seine Anfänge als Komponist ganz offensichtlich tatkräftig unterstützten, verschiedene kammermusikalische und Vokalwerke. Theodor spielte in diesem Konzert die ihm gewidmete, 1895 komponierte Violinsonate g-Moll op. 1, beide Brüder wirkten beim 1896 entstandenen Klaviertrio D-Dur op. 5 mit, die Ehefrau des Komponisten sang u.a. das später für Bariton umgeschriebene und in „La vita nuova“ integrierte „Sonetto di Dante“, komponiert im Januar 1897.

4 Rispetti op. 11, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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4 Rispetti op. 11. Titelblatt der Ausgabe für tiefe Stimme. Leipzig : Rahter, 1902. Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 25294-1

Wolf-Ferrari hatte bereits seit 1893 Klavierlieder in deutscher und italie­nischer Sprache komponiert. 1902 erschienen erstmals Lieder im Druck: 4 „Rispetti“ op. 11 und op. 12. Bei dem italienischen „Rispetto“ (auch „Strambotto“) handelt es sich um eine metrische Form, deren Blütezeit im 14. bis 16. Jahrhundert lag: ein kurzes Gedicht aus elfsilbigen Versen (Endecasìllabi), die ein bestimmtes Reimschema (Oktave, Ottava rima) aufweisen. Der Komponist widmete die Lieder seiner ersten Ehefrau Clara.

Canzoniere. 44 Rispetti, Stornelli ed altri canti su versi popolari toscani, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Canzoniere. 44 Rispetti, Stornelli ed altri canti su versi popolari toscani. Einband des 2. Teils. Mailand : Ricordi, 1936. Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 25294-1

Die umfangreichste Liedersammlung Wolf-Ferraris, der zweiteilige „Canzo­niere“ mit 44 Liedern für Sopran, Tenor und Bariton, erschien erst 1936 im Druck. Das zweite Lied „M’è stato regalato tre viole“ hatte Wolf-Ferrari schon 1893 als siebzehnjähriger Musikstudent in München komponiert.

Aschenbrödel / Cenerentola, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Aschenbrödel / Cenerentola. Einband und italienische Titelseite des Klavierauszugs. München : Unico Hensel (Alfred Schmid Nachf.), 1901. Bayerische Staatsbibliothek München, 2 Mus.pr. 5236

Aschenbrödel / Cenerentola, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Aschenbrödel / Cenerentola. Einband und italienische Titelseite des Klavierauszugs. München : Unico Hensel (Alfred Schmid Nachf.), 1901. Bayerische Staatsbibliothek München, 2 Mus.pr. 5236

Wolf-Ferrari hatte Maria Pezzé-Pascolatos „Fiaba musicale“ nach dem Märchen von Charles Perrault seit 1897 komponiert. Mit finanzieller Unter­stützung seines Schwiegervaters und Mäzens Friedrich Kilian kam die – erfolglose – Uraufführung am 22.2.1900 im venezianischen Teatro La Fenice zustande. Der Komponist überarbeitete das Werk und ließ eine deutsche Textfassung von Julius Schweitzer erstellen. Die Neufassung erschien zwei­sprachig im Druck und wurde am 31.1.1902 im Stadttheater in Bremen erfolgreich aufgeführt.

Talitha Kumi op. 3Bayerische Staatsbibliothek

Talitha Kumi

Geistliches Mysterium / Mysterium Sacrum in zwei Teilen für Soli, Chor und Orchester
Text: Markus-Evangelium, Kap. 5/22-43
Entstehungszeit: 1898
 
Nach dem Abschluss des Studiums in München war Wolf-Ferrari im Sommer 1895 nach Venedig zurückgekehrt. 1897 ließ er sich in Mailand nieder, wo er sich intensiven Studien der italienischen Vokalmusik des 16.-18. Jahrhunderts widmete und die Leitung eines Chores übernahm, für den mehrere Kompositionen entstanden. Eine wichtige Rolle spielte in dieser Zeit die Freundschaft zu dem jungen Geistlichen und Komponisten Lorenzo Perosi (1872-1956). Beide diskutierten ihre neu entstandenen Werke und komponierten 1898 Kantaten auf ähnliche biblische Stoffe.

Die im Markus-Evangelium erzählte Geschichte der verstorbenen Tochter des Jairus, die von Jesus wieder zum Leben erweckt wird – das aramäische „Talitha Kumi“ bedeutet „Stehe auf, Mädchen“ –, vertonte der 21jährige Wolf-Ferrari in einer lateinischen Kantate in zwei Teilen, in der nicht der Chor, sondern das Orchester die tragende Rolle spielt. Neben dem Evangelisten treten Jairus und Jesus in Erscheinung, am Ende beider Teile stehen ausgedehnte Chorsätze.

Talitha Kumi op. 3, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Talitha Kumi op. 3. Titelblatt der Partitur. Autograph. 1898. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 23550

Die erst 2018 ersteigerte autographe Partiturreinschrift der Kantate gehört zu den jüngsten Erwerbungen von Autographen des Komponisten durch die Bayerische Staatsbibliothek. Die Partitur diente als Druckvorlage für die 1910 im Leipziger Verlag Rahter erschienene Ausgabe. Der Notentext enthält durchgehend Rasuren, Streichungen, eigenhändige Korrekturen und Ergänzungen Wolf-Ferraris, teilweise mit roter Tinte.

Nathan Porges an Ermanno Wolf-Ferrari, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Nathan Porges an Ermanno Wolf-Ferrari. Postkarte, Leipzig, 11.12.1909. Bayerische Staatsbibliothek München, Beilage zu Mus.ms. 23550

Postkarte des Leipziger Oberrabbiners Nathan Porges an Ermanno Wolf-Ferrari, an den sich der Komponist wohl in Vorbereitung der Drucklegung der Kantate wegen der Schreibung des Werktitels gewandt hatte: "Sehr geehrter Herr! | Die aramäischen Worte sind am richtigsten | "Talitha Kumi" zu schreiben. | Hochachtungsvoll | N. Porges | Oberrabbi". Wolf-Ferrari hat dem folgend an allen Stellen der Partitur und des Klavierauszuges die ursprüngliche Schreibung "Thalita Cumi" durch die von Porges vorge­schlagene ersetzt.

Talitha Kumi op. 3, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Talitha Kumi op. 3. Klavierauszug. Leipzig : Rather, 1910. Bayerische Staatsbibliothek München, 2 Mus.pr. 6610

La vita nuova / Das neue Leben op. 9Bayerische Staatsbibliothek

La vita nuova

Cantica für Soli, Chor, Orchester, Orgel und Klavier
Text: Dante Alighieri
Entstehungszeit: 1901
Uraufführung: München, 21. März 1903

Dante Alighieris Dichtung „La vita nuova“ (1293) schildert seine platonische Liebe zu Beatrice Portinari, beginnend mit der ersten Begegnung 1274 in Florenz, bei der sich der neunjährige Dante in die achtjährige Beatrice verliebt, und endend mit dem Tod der Vierundzwanzigjährigen 1290. Die Geschichte dieser großen Liebe wird in Prosa erzählt, dazwischen stehen 25 Sonette, eine Ballade und vier Kanzonen. Wolf-Ferrari vertonte eine Auswahl dieser Texte in einem großangelegten Oratorium, dessen Stil auf eigenartige Weise zwischen exaltiertem symphonischen Gestus und klavierbegleiteten liedhaften Abschnitten wechselt. Die Münchner Uraufführung im März 1903 stellte den ersten größeren Erfolg des jungen Komponisten in Deutschland dar.

La vita nuova / Das neue Leben op. 9, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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La vita nuova / Das neue Leben op. 9. Einband der Partitur und Beginn des Sonetts Nr. 5. Leipzig : Rahter, 1902. Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 24331

La vita nuova / Das neue Leben op. 9, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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La vita nuova / Das neue Leben op. 9. Einband der Partitur und Beginn des Sonetts Nr. 5. Leipzig : Rahter, 1902. Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 24331

La vita nuova / Das neue Leben op. 9, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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La vita nuova / Das neue Leben op. 9. Einband der Partitur und Beginn des Sonetts Nr. 5. Leipzig : Rahter, 1902. Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 24331

La vita nuova / Das neue Leben op. 9, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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La vita nuova / Das neue Leben op. 9. Einband der Partitur und Beginn des Sonetts Nr. 5. Leipzig : Rahter, 1902. Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Mus.pr. 24331

Eine Version des Sonetts „Negli occhi porta la mia donna amore“ für hohe Stimme hatte Wolf-Ferrari bereits lange vor der Konzeption des Oratoriums „La vita nuova“ komponiert – im Verzeichnis seiner Jugendwerke datiert er das Sonett auf den Januar 1897. Am 28. Mai 1897 wurde es von Clara Wolf-Ferrari in einem Konzert gesungen. Wie die vorliegende frühe Niederschrift belegt, hat der Komponist das Sonett für Bariton transponiert, aber sonst fast unverändert in „La vita nuova“ übernommen.

Die neugierigen FrauenBayerische Staatsbibliothek

Die neugierigen Frauen

Musikalische Komödie in drei Aufzügen
Text: Luigi Sugana
Textvorlage: Carlo Goldoni, Le donne curiose (1753)
Deutsche Textfassung: Hermann Teibler
Uraufführung: 27. November 1903, München, Residenztheater
Ort der Handlung: Venedig, Mitte des 18. Jahrhunderts

Neben den in der Opernproduktion um 1900 zweifellos dominierenden Strömungen des Verismo und der Nachfolge Wagners gab es in Italien und Deutschland Bestrebungen zur Wiederbelebung der Opera buffa, deren erfolgreichster Protagonist Ermanno Wolf-Ferrari bald wurde. Als Textvorlage für seine neue Oper wählte er die Goldoni-Komödie „Le donne curiose“. Im Zentrum der harmlosen Handlung steht eine Gruppe selbstbewusster venezianischer Frauen, die die geheimen Treffen ihrer Ehemänner in einem Klub – vermutlich eine Anspielung auf das Freimaurertum – aufzuklären versucht.

Der überwältigende Erfolg der Münchner Uraufführung von „Die neugierigen Frauen“ wurde Wolf-Ferraris Durchbruch als Opernkomponist. Das Werk verbreitete sich in kurzer Zeit über die deutschen Bühnen. Die Partitur wurde von 27 Theatern erworben. In einem Brief an den Mäzen Karl Johann von Faber berichtete der Komponist am 12.10.1904: „Nun kommt Berlin, Köln, Dessau, Düsseldorf, Freiburg, Nürnberg, Schwerin, Mainz, Brünn, Cassel – und am Sonntag, da die Oper hier im Hoftheater gegeben werden wird, wird Direktor Gustav Mahler vom Hoftheater Wien hierher reisen, um sich das Ding anzuhören und definitiv wegen Wien zu entscheiden“. 

Mahlers Eindruck war offensichtlich positiv: Er leitete die gesamte Aufführungsserie 1905/06 an der Wiener Staatsoper. Im Berliner Theater des Westens dirigierte Hans Pfitzner 1905 106 Vorstellungen, Arturo Toscanini brachte die Oper 1912 in Starbesetzung, u.a. mit Geraldine Farrar als Rosaura, an der New Yorker Metropolitan Opera heraus.

Die neugierigen Frauen, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Die neugierigen Frauen. Theaterzettel der Uraufführung 1903. Bayerische Staatsbibliothek München, 2 Bavar. 827

Die neugierigen Frauen, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Die neugierigen Frauen. Einband und vorderer Spiegel des als Inspizientenbuch verwendeten Klavierauszugs. Leipzig : Weinberger, 1903. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1289-15

Die neugierigen Frauen, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Die neugierigen Frauen. Einband und vorderer Spiegel des als Inspizientenbuch verwendeten Klavierauszugs. Leipzig : Weinberger, 1903. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1289-15

Dieser als Inspizientenbuch eingerichtete Klavierauszug gehört zum historischen Aufführungsmaterial der Bayerischen Staatsoper und wurde seit der Uraufführung der Oper verwendet. Die Eintragungen im vorderen Spiegel enthalten eine Fülle interessanter Informationen: die exakten Spieldauern der Akte, die Daten der ersten 17 Aufführungen 1903 bis 1906, die Verlegung vom kleineren Residenztheater ins Nationaltheater ab der zweiten Aufführungsserie.

Die neugierigen Frauen, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Die neugierigen Frauen. Libretto der deutschen Fassung. Leipzig : Weinberger, 1903. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1289-22

Bemerkungen für die Inscenierung der "Neugierigen Frauen", Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Bemerkungen für die Inscenierung der "Neugierigen Frauen", Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Bemerkungen für die Inscenierung der "Neugierigen Frauen", Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Dieses Schriftstück aus dem historischen Aufführungsmaterial der Bayeri­schen Staatsoper lag ursprünglich dem Inspizientenbuch St.th. 1289-18 bei. Es beschreibt und charakterisiert sehr detailreich die handelnden Personen bis hin zum Kostüm sowie die Bühnenausstattung der Szenen. Mit Bleistift sind von anderer Hand die Namen der Sänger der Uraufführung eingetragen.

Ernst von Possart (1841-1921), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ernst von Possart (1841-1921). Fotografie. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Der Schauspieler und Regisseur Ernst von Possart war 1893-1905 General­direktor und Intendant der königlichen Hoftheater in München. Berühmt waren die glanzvollen Aufführungen von Wagner-Opern in seiner Amtszeit. 1900-1901 förderte er maßgeblich die Realisierung des Münchner Prinz­regententheaters. Bei der Uraufführung von „Die neugierigen Frauen“ tritt er als „Oberleiter der Regie“ in Erscheinung, wie der Theaterzettel vermeldet.

Hugo Reichenberger (1873-1938), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Hugo Reichenberger (1873-1938). Heliogravüre 1902 von Adolf Eckstein nach einer Fotografie. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Der aus München stammende Dirigent Hugo Reichenberger war nach zahl­reichen Karrierestationen 1903 bis 1905 Hofkapellmeister in München. Er leitete die Uraufführung von „Die neugierigen Frauen“.

Charlotte Huhn (1865-1925), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Charlotte Huhn (1865-1925). Heliogravüre 1902 von Adolf Eckstein nach einer Fotografie von Erwin Rupp. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Die Altistin Charlotte Huhn war Ensemblemitglied der Münchner Hofoper 1902 bis 1906. In der Uraufführung der „Neugierigen Frauen“ stellte sie Ottavios Frau Beatrice dar.

Paul Bender (1875-1947), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Paul Bender (1875-1947). Fotografie von Franz Xaver Setz. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Der Bassist Paul Bender war fast sein gesamtes Bühnenleben lang Mitglied des Ensembles der Münchner Oper, wo er in 118 Partien mehr als 2000mal auftrat. Er war an zahlreichen Uraufführungen beteiligt, darunter Wolf-Ferraris „Die neugierigen Frauen“ (als Ottavio) und „Die vier Grobiane“(als Simon). Auch bei einer Aufführung von „Aschenbrödel“ in Breslau 1902 hatte Bender bereits mitgewirkt.

Die vier GrobianeBayerische Staatsbibliothek

Die vier Grobiane

Musikalisches Lustspiel in drei Aufzügen
Text: Giuseppe Pizzolato
Textvorlage: Carlo Goldoni, I rusteghi ossia La compagnia di salvadeghi (1760)
Deutsche Textfassung: Hermann Teibler
Uraufführung: 19. März 1906, München, Hof- und Nationaltheater
Ort der Handlung: Venedig, Mitte des 18. Jahrhunderts

Ein zweites Lustspiel nach einer Vorlage von Goldoni setzte 1906 den Erfolg der „Neugierigen Frauen“ fort. Ein „rustego“ ist, anders als der etwas unglückliche deutsche Titel „Die vier Grobiane“ suggeriert, ein starrer Verteidiger veralteter bürgerlicher Normen. Vier Vertreter dieses Typus – Lunardo, Maurizio, Simon und Cancian – bekämpfen in Goldonis Komödie das junge Liebespaar Lucieta und Filipeto und dessen Helferinnen. Wie nichts anders zu erwarten, unterliegen sie letztendlich. Wolf-Ferrari komponierte die Oper 1905 an ihrem Schauplatz – er war von 1903 bis 1909 Direktor des Konservatoriums in Venedig.

Auf die Münchner Uraufführung am 19. März 1906, diesmal nicht im Residenztheater, sondern im Nationaltheater, folgte nach nur zwei Tagen die Berliner Erstaufführung am Theater des Westens.

Die vier Grobiane, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Die vier Grobiane. Theaterzettel der Uraufführung 1906. Bayerische Staatsbibliothek München, 2 Bavar. 827

Ermanno Wolf-Ferrari, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari. Reproduktion einer Fotografie, 1906. Bayerische Staatsbibliothek München, B. Sandb. 474-1

Die vier Grobiane, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Die vier Grobiane. Ensembleszene aus dem Particell des 2. Aktes. Autograph. 1905. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 21363

Die vier Grobiane, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Die vier Grobiane. Libretto der deutschen Fassung. Leipzig : Weinberger, 1906. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1315-11

Hermine Bosetti (1875-1936), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Hermine Bosetti (1875-1936). Fotografie von F. Dallago. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Die international erfolgreiche Koloratursopranistin sang 1901 bis 1924 an der Münchner Oper, darunter in den Uraufführungen von Wolf-Ferraris „Die neugierigen Frauen“ als Columbina und „Die vier Grobiane“ als Felice. Der Komponist schätzte sie sehr und wünschte sie sich 1913 auch als Luzinde in „Der Liebhaber als Arzt“. Die Partie wurde jedoch an die aufstrebende Maria Ivogün vergeben.

Margaret Matzenauer (1881-1963), Franz Fischer (1849-1918) und Felix Mottl (1856-1911), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Margaret Matzenauer (1881-1963), Franz Fischer (1849-1918) und Felix Mottl (1856-1911). Fotografie von Joseph Paul Böhm. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Die erste Margarita in den „Neugierigen Frauen“, die junge Mezzosopranistin Margaret Matzenauer, wurde wenige Jahre später vor allem als Wagner-Inter­pretin weltweit gefeiert. Zur Saisoneröffnung 1911 der New Yorker Metropo­litan Opera, der sie 19 Jahre lang verbunden war, trat sie unter Arturo Toscanini neben Enrico Caruso und Emmy Destinn als Amneris auf. Das Foto zeigt sie zwischen zwei großen Wagner-Interpreten und Dirigenten der Münchner Oper: Links sitzt Franz Fischer, Mitarbeiter und Vertrauter Wagners, Chordirigent der „Ring“-Uraufführung 1876 in Bayreuth, seit 1880 Kapellmeister, dann Hofkapellmeister in München, rechts Felix Mottl.

Susannens GeheimnisBayerische Staatsbibliothek

Susannens Geheimnis

Intermezzo in einem Akt
Text: Enrico Golisciani
Textvorlage: Amilcare Belotti, Il puzzo del sigaro ovvero Quanto è bestia un marito (1887)
Deutsche Textfassung: Max Kalbeck
Uraufführung: 4. Dezember 1909, München, Hof- und Nationaltheater
Ort der Handlung: Piemont, Anfang des 20. Jahrhunderts

Die nur 45 Minuten dauernde Kurzoper „Susannens Geheimnis“ nach einer zeitgenössischen Vorlage, vom Komponisten als „Intermezzo“ bezeichnet, ist ein frühes Beispiel für die der Alltagsästhetik verpflichteten Ehe- und Gesellschaftskomödien des frühen 20. Jahrhunderts wie Richard Strauss‘ „Intermezzo“ (1924). Graf Gil vermutet, dass seine junge Frau einen Liebhaber hat, denn er hat in seiner Wohnung Zigarettenrauch wahrgenommen. Nach Streit, Versöhnung und einem erneuten Zornesausbruch, bei dem er die Einrichtung zertrümmert, entdeckt der Graf endlich „Susannens Geheimnis“ – sie selbst ist es, die heimlich raucht.
Nach der Münchner Uraufführung 1909 trat das Werk einen schnellen Siegeszug an und blieb bis in die Gegenwart Wolf-Ferraris bekannteste Oper.

Susannens Geheimnis, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Susannens Geheimnis. Theaterzettel der Uraufführung 1909. Bayerische Staatsbibliothek München, 2 Bavar. 827

Wolf-Ferraris als „Intermezzo“ bezeichnete Kurzoper fungierte hier tatsäch­lich als Zwischenspiel zwischen George Bizets „Djamileh“ und Albert Grisars „Gute Nacht Herr Pantalon“.

Susannens Geheimnis, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Susannens Geheimnis. Einband des Klavierauszugs. Leipzig : Weinberger, 1909. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1373-4,1

Dieses Exemplar des Klavierauszugs von „Susannens Geheimnis“ wurde für die Münchner Uraufführung vom Sänger des Grafen Gil, Friedrich Brodersen, als Solostimme verwendet.

Susannens Geheimnis, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Susannens Geheimnis. Skizzen zur Ouvertüre. Autograph. ca. 1907/08. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 12307

Auf einem älteren, bereits teilweise beschriebenen Blatt Notenpapier – die Skizze mit Tinte oben streicht Wolf-Ferrari durch – notiert der Komponist den Beginn der Ouvertüre zu „Susannens Geheimnis“. Überschrieben ist die Skizze „Ouverture Capriccio“ – der Titel der Oper stand offenbar noch gar nicht fest.

Ermanno Wolf-Ferrari an Max Kalbeck, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari an Max Kalbeck. Brief, Venedig, 30.12.1907. Bayerische Staatsbibliothek München, Fasc.germ. 86

Ermanno Wolf-Ferrari an Max Kalbeck, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari an Max Kalbeck. Brief, Venedig, 30.12.1907. Bayerische Staatsbibliothek München, Fasc.germ. 86

Ermanno Wolf-Ferrari an Max Kalbeck, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari an Max Kalbeck. Brief, Venedig, 30.12.1907. Bayerische Staatsbibliothek München, Fasc.germ. 86

Erster Brief Wolf-Ferraris an Max Kalbeck, der auf Vermittlung des Ver­legers Weinberger als Übersetzer der beiden in Entstehung befindlichen Opern „Susannens Geheimnis“ und „Der Schmuck der Madonna“ verpflich­tet worden war. Interessant ist der Brief in Bezug auf Wolf-Ferraris Arbeits­prozess: Er vertonte stets die italienischen Libretti, obwohl die Opern in deutscher Sprache aufgeführt werden sollten. Bereits während des Kompo­sitionsprozesses wurde mit den Übersetzungen ins Deutsche begonnen. Die Übersetzer erhielten aktweise die fertigen Klavierauszüge. Die Noten­ausgaben erschienen zweisprachig.

Ella Tordek (1878-1918), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ella Tordek (1878-1918). Reproduktion einer Fotografie, 1904. Wikimedia Commons

Die tschechische Sopranistin, eigentlich Ella Tvrdková, sang von 1901 bis 1913 an der Münchner Oper. Sie hatte bereits bei den Uraufführungen von Wolf-Ferraris „Die neugierigen Frauen“ als Rosaura und „Die vier Grobiane“ als Lucieta mitgewirkt, als sie 1909 die Titelpartie in „Susannens Geheimnis“ kreierte.

Friedrich Brodersen (1873-1926), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Friedrich Brodersen (1873-1926). Fotografie von Joseph Paul Böhm. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Der Bariton Friedrich Brodersen, 1903 bis 1920 im Ensemble der Münchner Oper, verkörperte Graf Gil in der Uraufführung von „Susannens Geheimnis“. Er war 1903 bereits als Pantalone an der Uraufführung der „Neugierigen Frauen“ beteiligt gewesen und sang 1912 in „Der Schmuck der Madonna“ den Mafioso Rafaele.

Felix Mottl (1856-1911), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Felix Mottl (1856-1911). Fotografie von Wilhelm Hugo Höffert. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Mottl, 1880 bis 1903 Hofkapellmeister in Karlsruhe, war als junger Assistent Richard Wagners 1876 an der Uraufführung des „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth beteiligt. Seit 1886 dirigierte er dort in elf Festspielperioden 69 Aufführungen, außerdem dirigierte er die Wagner-Aufführungen in London (1898 bis 1900) und an der New Yorker Metropolitan Opera (1903/04). 1903 ging er als Erster Kapellmeister an die Münchner Oper, 1907 wurde er dort Generalmusikdirektor. Mottl leitete die erfolgreichen Uraufführungen von Wolf-Ferraris „Die vier Grobiane“ und „Susannens Geheimnis“. Der Kom­ponist schätzte ihn sehr hoch. Er empfand den Tod Mottls, der 1911 während einer Aufführung von Wagners „Tristan und Isolde“ in München am Pult zusammenbrach und wenig später verstarb, als großen Verlust, denn er hatte Mottl als seinen „geborenen Vertreter“ empfunden.

Der Schmuck der MadonnaBayerische Staatsbibliothek

Der Schmuck der Madonna

Oper in drei Akten aus dem neapolitanischen Volksleben
Text: Enrico Golisciani und Carlo Zangarini
Textvorlage: Szenarium von Ermanno Wolf-Ferrari
Deutsche Textfassung: Hans Liebstöckl
Uraufführung: 23. Dezember 1911, Berlin, Kurfürstenoper
Münchner Erstaufführung: 8. Dezember 1912, Hof- und Nationaltheater Ort der Handlung: Neapel, Gegenwart

Mit „Der Schmuck der Madonna“ entfernte sich Wolf-Ferrari denkbar weit vom Stil der vorangegangenen komischen Opern. Das dreiaktige Werk orientiert sich in seiner drastischen, vom Komponisten selbst entworfenen Handlung und in der musikalischen Umsetzung am Verismo der Jahrhundertwende. Der Schmied Gennaro liebt seine Ziehschwester Maliella, doch diese bandelt mit dem „Camorristen“ Rafaele an. Gennaro raubt während einer Prozession den Schmuck der Madonna, um Maliella zu gewinnen. Als diese den Schmuck anlegt, um sich Rafaele damit zu zeigen, wird sie von Gennaro vergewaltigt. Maliella, nun von Rafaele verachtet und zurückgewiesen, stürzt sich ins Meer, Gennaro ersticht sich.

Die Berliner Uraufführung in der erst kurz zuvor eröffneten Kurfürstenoper war ein großer Publikumserfolg. Die Oper wurde schnell weltweit nachgespielt, darunter im Covent Garden Opera House in London, an der Opéra in Paris und an der Metropolitan Opera New York.

Der Schmuck der Madonna, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Schmuck der Madonna. Vorlagen zu den Dekorationen und Kostümen von Willy von Plessen. Leipzig : Weinberger, ca. 1911. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1405-13

Der Schmuck der Madonna, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Schmuck der Madonna. Vorlagen zu den Dekorationen und Kostümen von Willy von Plessen. Leipzig : Weinberger, ca. 1911. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1405-13

Der Schmuck der Madonna, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Schmuck der Madonna. Vorlagen zu den Dekorationen und Kostümen von Willy von Plessen. Leipzig : Weinberger, ca. 1911. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1405-13

Der Verlag Weinberger gab neben dem Aufführungsmaterial auch die Büh­nenbildentwürfe und -pläne der Uraufführung an der Berliner Kurfürstenoper heraus. Wolf-Ferraris Oper wurde mit 70 Aufführungen in fünf Monaten ein großer Publikumserfolg und bald vielfach andernorts nachgespielt, wobei offenbar auch die Berliner Bühnenbilder Verwendung fanden. Der erste Akt spielt auf einer Piazzetta am Meer, der zweite Akt in einem Garten vor Carmelas Haus, der dritte Akt in der Höhle der Camorristen.

Der Schmuck der Madonna, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Schmuck der Madonna. Libretto der deutschen Fassung. Leipzig : Weinberger, 1911. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1405-12

Nachdem Max Kalbeck von der Übersetzung des Operntextes zurückgetreten war, übernahm Hans Liebstoeckl die Übertragung des Librettos ins Deutsche.

Der Schmuck der Madonna, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Schmuck der Madonna. Skizzen zum ersten Akt. Autograph. ca. 1907. Bayerische Staatsbibliothek München, Mus.ms. 23153-24

Für diese Skizzen zum ersten Akt von „Der Schmuck der Madonna“ verwendete Wolf-Ferrari ein Skizzenbuch zu seiner Erstlingsoper „Aschenbrödel“, bei dem einige Seiten freigeblieben waren, beginnend mit der letzten Seite. Auf der rechten Seite (ab 4. System, Takt 2) ist ein Teil von Maliellas sogenannter „Canzone di Canetella“ zu erkennen („Non sanno che son giovane e bella…“), bis zum Ende der ersten Strophe, auf der linken Seite, stark vergrößert, nochmals die geänderten letzten Takte der Strophe („ma guai per chi nol sa“).

Luise Perard-Petzl (1884-1936), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Luise Perard-Petzl (1884-1936). Fotografie von Adolf Baumann. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Die Partie der Maliella in der Münchner Erstaufführung von Wolf-Ferraris „Schmuck der Madonna“ war die erste Rolle der Sopranistin an der Oper in München, wo sie von 1913 bis 1920 engagiert war.

Der Liebhaber als ArztBayerische Staatsbibliothek

Der Liebhaber als Arzt

Musikalisches Lustspiel in zwei Akten
Text: Enrico Golisciani
Textvorlage: Molière, L’amour médecin (1665)
Deutsche Textfassung: Richard Batka
Uraufführung: 4. Dezember 1913, Dresden, Hoftheater
Münchner Erstaufführung: 13. Dezember 1913, Hof- und Nationaltheater
Ort der Handlung: Villa bei Paris zur Zeit Ludwig XIV.

Mit dieser satirischen Komödie nach Molière kehrte Wolf-Ferrari nach „Der Schmuck der Madonna“ wieder auf bewährte Pfade zurück. Die junge Luzinde, von ihrem Vater Arnolfo eifersüchtig zu Hause eingesperrt, entwickelt eine geheimnisvolle Krankheit. Vier herangezogene Ärzte stellen absurde, einander widersprechende Diagnosen. Erst der fünfte Arzt, es ist Luzindes heimlicher Geliebter Clitandro, kann helfen: Er überredet Arnolfo zu einer fingierten Heirat Luzindes mit ihm, um die angebliche seelische Erkrankung des Mädchens zu heilen. Der übertölpelte Vater muss feststellen, dass die Eheschließung rechtskräftig ist. 

Neun Tage nach der Uraufführung in Dresden wurde die Oper bereits in München nachgespielt.

Der Liebhaber als Arzt, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Liebhaber als Arzt. Theaterzettel der Münchner Erstaufführung 1913. Bayerische Staatsbibliothek München, 2 Bavar. 827

Dem nicht abendfüllenden Zweiakter wurde Paul von Klenaus Einakter „Sulamith“ vorangestellt.

Der Liebhaber als Arzt, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Liebhaber als Arzt. Klavierauszug. Leipzig: Weinberger, 1913. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1421-8

Klavierauszug aus dem historischen Aufführungsmaterial der Bayerischen Staatsoper, eingerichtet als Inspektionsbuch für die Münchner Erstaufführung 1913.

Der Liebhaber als Arzt, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Der Liebhaber als Arzt. Libretto der deutschen Fassung. Leipzig : Weinberger, 1913. Bayerische Staatsbibliothek München, St.th. 1421-11

Ermanno Wolf-Ferrari an Clemens von Franckenstein, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari an Clemens von Franckenstein. Brief, Viareggio, 7. November 1913. Bayerische Staatsbibliothek München, Franckensteiniana

Ermanno Wolf-Ferrari an Clemens von Franckenstein, Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Ermanno Wolf-Ferrari an Clemens von Franckenstein. Brief, Viareggio, 7. November 1913. Bayerische Staatsbibliothek München, Franckensteiniana

Nur fünf Wochen vor der Münchner Erstaufführung von „Der Liebhaber als Arzt“ am 13.12.1913 legt Wolf-Ferrari dem neuen Intendanten der Münchner Oper Clemens von Franckenstein seine Vorstellungen zu den Mitwirkenden dar: Dirigieren soll nicht wie vorgesehen der langjährige Hofkapellmeister Hugo Röhr, sondern der neue Generalmusikdirektor Bruno Walter, inszenieren soll nicht der bewährte Willy Wirk, sondern Prof. Fuchs (wohl Georg Fuchs), die Partie des Clitandro soll Otto Wolf singen. Nur der letzte dieser drei Wünsche wurde umgesetzt: Hugo Röhr dirigierte, weder Wirk noch Fuchs, sondern der auch als Sänger mitwirkende Josef Geis inszenierte (worüber sich der Komponist in einem späteren Brief zufrieden zeigte), Otto Wolf sang den Clitandro.

Maria Ivogün (1891-1987), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Maria Ivogün (1891-1987). Fotografie. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Bruno Walter, seit 1913 neuer Generalmusikdirektor der Münchner Oper, erkannte das außergewöhnliche Talent der jungen Sopranistin Maria Ivogün und engagierte sie nach München, wo sie in kürzester Zeit eine glänzende Karriere antrat und bei zahlreichen Uraufführungen mitwirkte, darunter in Hans Pfitzners „Palestrina“ als Ighino und in Walter Braunfels‘ „Die Vögel“ als Nachtigall. Die Partie der Luzinde in der Münchner Erstaufführung von Wolf-Ferraris „Der Liebhaber als Arzt“ war eine ihrer ersten Rollen in München.

Otto Wolf (1871-1946), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Otto Wolf (1871-1946). Fotografie von Franz Grainer. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Der Tenor Otto Wolf war 1909 bis 1930 Ensemblemitglied der Münchner Oper und wurde vor allem als Wagner-Interpret geschätzt. Wolf wirkte an den Münchner Erstaufführungen von Wolf-Ferraris „Der Schmuck der Madonna“ als Gennaro und „Der Liebhaber als Arzt“ als Clitandro mit.

Hugo Röhr (1866-1937, links) und Willy Wirk (1861-1931, rechts) mit Ludwig Ferdinand von Bayern (1859-1949), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Hugo Röhr (1866-1937, links) und Willy Wirk (1861-1931, rechts) mit Ludwig Ferdinand von Bayern (1859-1949). Fotografie von Michael Dietrich. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Clemens von Franckenstein (1875-1942), Aus der Sammlung von: Bayerische Staatsbibliothek
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Clemens von Franckenstein (1875-1942). Fotografie. Bayerische Staatsbibliothek München, Bildarchiv

Quelle: Alle Medien
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